Elisabeth Berchtold

Tipps für die Selbstorganisation im Homeoffice

Selbstorganisation ist das A und O. Krisenzeiten sind der richtige Moment, um wichtige Werkzeuge zu aktivieren, damit das Leben in der Bahn bleibt. Management-Expertin Elisabeth Berchtold gibt Tipps, wie man in turbulenten Zeiten in der Bahn bleibt.

Quasi jeder Mensch braucht Rituale, um seinen beruflichen und privaten Alltag zu organisieren. Das gilt umso mehr, wenn äußere Einflüsse die gewohnten Abläufe stören oder ganz zum Erliegen bringen. Mit Blick auf das zunehmende Home-Office in Folge der Covid-19-Krise bedeutet das fürs Selbstmanagement: Wer bisher zur täglichen Arbeit Anzug und Krawatte trug, sollte diesen Dresscode auch zuhause weitgehend weiter anwenden. Das hat weniger mit der Optik zu tun, als mit der Rolle, die man wahrnimmt. Und wenn man schon nicht „nach der Arbeit nach Hause gehen“ kann, dann wenigstens von den Arbeits- in die Freizeitkleidung wechseln. Wer bisher einen Kunden alle 14 Tage besucht hat, sollte diesen Kunden jetzt alle 14 Tage per Telefon oder Videocall einen Besuch abstatten. Das hat nicht nur mit der Absicherung von Geschäften zu tun, sondern auch mit der Wertschätzung für Geschäftspartner.

Home und Office verbinden

Die einen leben im Single-Appartement, die anderen im Familien-Haushalt. Für alle gleich ist die Herausforderung, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, wenn aus einem gelegentlichen „Arbeit zuhause“ eine Vollzeit-Routine wird. Zu einem effizienten Selbstmanagement gehört es, hier nichts dem Zufall zu überlassen. Wenn das Büro zuhause einzieht, bedeutet das: Rhythmus in den Tag bringen. Wann fängt der (Arbeits-)Tag an, wann hört er auf? Wann muss, wann will ich erreichbar sein? Weiß jeder davon? Es hilft nichts, die Abläufe aus der Firma eins zu eins zu übertragen. Es hilft aber sehr wohl, einen Stundenplan anzulegen (und/oder Zeitkonten), um bei Störungen oder Abweichungen umplanen zu können. Effizientes Selbstmanagement lässt in der ungewohnten Freiheit des Home Office keine Kompromisse zu. Das Erfolgsrezept heißt nicht „Melange“, auch nicht „friedliche Koexistenz“ sondern: „Strategische Allianz“ von Leben und Arbeiten.

Alte Prozesse bewahren, aber auf neue Wege führen

Der Unsicherheit in der äußeren Umgebung begegnet man vernünftigerweise durch Sicherheit im Inneren. Das bedeutet auch, nicht sofort panisch Routinen und bewährte Prozesse über Bord zu werfen. Selbstmanagement lebt von Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit. Spätestens jetzt werden bestehende Schwächen von Prozessen sichtbar – und Ansatzpunkte für Veränderung. Auf eine Frühstücksrunde muss man nicht verzichten, weil sie nicht unter physischer Präsenz verläuft. Sie lässt sich virtuell abhalten. Warum nicht alle zusammen die Kaffeetassen ins Bild? Warum nicht die wöchentliche Statusbesprechung von Projekten um einen Report „Ich und mein Home-Office“ ergänzen?

Führung fordert exponentielles Denken und Handeln

Vorrangige Aufgabe von Führungskräften ist es jetzt, Ordnung in Prozesse zu bringen und diese zu kommunizieren. Nicht nur für die Mitglieder im Team, sondern uneingeschränkt auch für sich selbst und im eigenen Umfeld. Bei der damit verbundenen notwendigen Abgrenzung von Arbeitspaketen wird immer wieder ein wichtiger Moment vergessen: die Abklärung gegenseitiger Erwartungen und deren laufendes Reviewing.  

Die Tools dafür sind vorhanden. Regelmäßige, zeitlich begrenzte virtuelle Besprechungen unterstützen die Kommunikation im Team. Dabei heißt es vor allem daran zu denken, dass virtuelle Meetings nicht minder anstrengend sind. Und noch weniger als in der analogen Form vertragen sie einen dominanten Vor-Redner. Selbstmanagement steht in diesem Fall für Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle. 

Werden diese veränderten Führungsaufgaben bewusst und souverän wahrgenommen, ist Platz für gegenseitiges Vertrauen. Überraschende Nebenwirkung: Es erübrigt sich gerade jenes „Controletti-Verhalten“ und „Mitarbeitern hinterher rennen“, das vermeintlich bei den neuen Freiheiten im Home Office unverzichtbar erscheint. Krisenzeiten sind gute Zeiten, um einen neuen Führungsstil zu gestalten. Inklusive einer Fehlerkultur, die sich aus kurzen Zyklen und schnellen Entscheidungen bei neuen Ideen speist.

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Quasi jeder Mensch braucht Rituale, um seinen beruflichen und privaten Alltag zu organisieren. Das gilt umso mehr, wenn äußere Einflüsse die gewohnten Abläufe stören oder ganz zum Erliegen bringen. Mit Blick auf das zunehmende Home-Office in Folge der Covid-19-Krise bedeutet das fürs Selbstmanagement: Wer bisher zur täglichen Arbeit Anzug und Krawatte trug, sollte diesen Dresscode auch zuhause weitgehend weiter anwenden. Das hat weniger mit der Optik zu tun, als mit der Rolle, die man wahrnimmt. Und wenn man schon nicht „nach der Arbeit nach Hause gehen“ kann, dann wenigstens von den Arbeits- in die Freizeitkleidung wechseln. Wer bisher einen Kunden alle 14 Tage besucht hat, sollte diesen Kunden jetzt alle 14 Tage per Telefon oder Videocall einen Besuch abstatten. Das hat nicht nur mit der Absicherung von Geschäften zu tun, sondern auch mit der Wertschätzung für Geschäftspartner.

Home und Office verbinden

Die einen leben im Single-Appartement, die anderen im Familien-Haushalt. Für alle gleich ist die Herausforderung, Arbeit und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, wenn aus einem gelegentlichen „Arbeit zuhause“ eine Vollzeit-Routine wird. Zu einem effizienten Selbstmanagement gehört es, hier nichts dem Zufall zu überlassen. Wenn das Büro zuhause einzieht, bedeutet das: Rhythmus in den Tag bringen. Wann fängt der (Arbeits-)Tag an, wann hört er auf? Wann muss, wann will ich erreichbar sein? Weiß jeder davon? Es hilft nichts, die Abläufe aus der Firma eins zu eins zu übertragen. Es hilft aber sehr wohl, einen Stundenplan anzulegen (und/oder Zeitkonten), um bei Störungen oder Abweichungen umplanen zu können. Effizientes Selbstmanagement lässt in der ungewohnten Freiheit des Home Office keine Kompromisse zu. Das Erfolgsrezept heißt nicht „Melange“, auch nicht „friedliche Koexistenz“ sondern: „Strategische Allianz“ von Leben und Arbeiten.

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Der Unsicherheit in der äußeren Umgebung begegnet man vernünftigerweise durch Sicherheit im Inneren. Das bedeutet auch, nicht sofort panisch Routinen und bewährte Prozesse über Bord zu werfen. Selbstmanagement lebt von Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit. Spätestens jetzt werden bestehende Schwächen von Prozessen sichtbar – und Ansatzpunkte für Veränderung. Auf eine Frühstücksrunde muss man nicht verzichten, weil sie nicht unter physischer Präsenz verläuft. Sie lässt sich virtuell abhalten. Warum nicht alle zusammen die Kaffeetassen ins Bild? Warum nicht die wöchentliche Statusbesprechung von Projekten um einen Report „Ich und mein Home-Office“ ergänzen?

Führung fordert exponentielles Denken und Handeln

Vorrangige Aufgabe von Führungskräften ist es jetzt, Ordnung in Prozesse zu bringen und diese zu kommunizieren. Nicht nur für die Mitglieder im Team, sondern uneingeschränkt auch für sich selbst und im eigenen Umfeld. Bei der damit verbundenen notwendigen Abgrenzung von Arbeitspaketen wird immer wieder ein wichtiger Moment vergessen: die Abklärung gegenseitiger Erwartungen und deren laufendes Reviewing.  

Die Tools dafür sind vorhanden. Regelmäßige, zeitlich begrenzte virtuelle Besprechungen unterstützen die Kommunikation im Team. Dabei heißt es vor allem daran zu denken, dass virtuelle Meetings nicht minder anstrengend sind. Und noch weniger als in der analogen Form vertragen sie einen dominanten Vor-Redner. Selbstmanagement steht in diesem Fall für Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle. 

Werden diese veränderten Führungsaufgaben bewusst und souverän wahrgenommen, ist Platz für gegenseitiges Vertrauen. Überraschende Nebenwirkung: Es erübrigt sich gerade jenes „Controletti-Verhalten“ und „Mitarbeitern hinterher rennen“, das vermeintlich bei den neuen Freiheiten im Home Office unverzichtbar erscheint. Krisenzeiten sind gute Zeiten, um einen neuen Führungsstil zu gestalten. Inklusive einer Fehlerkultur, die sich aus kurzen Zyklen und schnellen Entscheidungen bei neuen Ideen speist.

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