Dr. Boris Nikolai Konrad

Künstliche Intelligenz: nicht nur nutzen, sondern von ihr lernen!

Dr. Boris Nikolai Konrad. Foto: 5 Sterne Redner
Als Diplom-Informatiker und promovierter Hirnforscher interessiert sich Dr. Boris Nikolai Konrad sehr dafür, wie wir Menschen denken und zugleich wie sich unser Denken in Zeiten von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz verändert. Im Gastbeitrag erklärt der 5 Sterne Redner, was wir von der KI lernen können – und müssen.

Was ist künstliche Intelligenz?

„Was ist die Definition von künstlicher Intelligenz? Für mich persönlich?“ Die Antworten auf diese Fragen könnten vielfältiger nicht sein. Von Terminator bis Siri, von „ein überschätzter Hype“ bis „KI ist die Zukunft!“ ist alles dabei. Während sich manche Sorgen machen, ob künstliche Intelligenz ihre Jobs oder gar die Menschheit bedroht, wollen anderen sie am liebsten heute noch in ihre Produkte einbauen und können es gar nicht erwarten bald vom selbstfahrenden Auto zum roboterbetriebenen Hotel gefahren zu werden.

Was kann künstliche Intelligenz heute?

Davon sind wir aber noch recht weit weg. Experten unterscheiden zwischen „schwacher künstlicher Intelligenz“ (narrow AI) und „starker künstlicher Intelligenz“ (general AI). Erstere löst Probleme, die durch klassische Algorithmen nicht lösbar waren, bleibt aber in ihrer Aufgabenstellung beschränkt. Die starke AI dagegen würde menschenähnlicher Intelligenz entsprechen, das themenübergreifende Verständnis für Inhalte und vor allem auch eigenen Antrieb. Es gibt durchaus seriöse Forscher, meist aus dem IT-Bereich, die davon ausgehen, dass wir eine starke KI in wenigen Jahrzehnten haben werden.

Doch 80 Milliarden simulierte Neuronen sind noch lange kein menschliches Gehirn! Gerade ob eigener Antrieb, möglicherweise gar Bewusstsein, auf uns zukommen – nicht auszuschließen, dass dies jemals möglich sein könnte, aber eine starke KI steht sicher noch nicht vor der Tür.

Spannender die Frage: Was kann künstliche Intelligenz heute schon? Das ist nämlich einiges! Nicht nur Schach und Go spielen. Auch Tumore besser erkennen als Ärzte, Autos über deutlich mehr Kilometer unfallfrei steuern als Menschen oder Gesichter von Menschen erkennen kann KI heute schon besser als wir. Wie gesagt, jeweils eine eigene schwache KI und auch zusammengeschaltet ergibt das keine denkende Maschine.

Von künstlicher Intelligenz lernen

Was bedeutet das für uns? Klar ist, Vertrauen wird sich verschieben. Wer heute noch den Chefarzt für die Diagnose will, will schon in wenigen Jahren, dass der gefälligst die beste verfügbare KI einsetzt, um die Diagnose zu stellen! Klar ist: Auch der beste Arzt wird in seiner Karriere maximal einige tausend Patienten sehen, während eine KI theoretisch alle Patienten der Welt mit dieser Krankheit kennen lernen kann.

Macht KI also Ärzte überflüssig? Nein! Das ist nicht der richtige Umkehrschluss. Stattdessen brauchen wir weiter Ärzte, welche die Diagnose einordnen und mögliche Therapieempfehlungen der maschinellen Helfer einordnen, aber am Ende auch mit Empathie und Emotionen auf den einzelnen Menschen eingehen.

Das Berufsbild Arzt wird sich ändern. Jedes Berufsbild wird sich ändern. Auch Ihres. Ganz egal, was Sie eigentlich tun. Wichtig ist dabei: Wir werden KI nicht nur einsetzen, wir werden von ihr lernen müssen! Die Ärzte werden die Diagnosen nicht ungesehen übernehmen, sondern sich anschauen, warum der Rechner eine andere Einschätzung hat, als sie selbst und davon lernen.

So wie heute schon Menschen viel besser Go und Schach spielen als je zuvor, weil die Profis dieser Denkspiele ausnahmslos völlig selbstverständlich mit den Rechnern üben, von ihnen lernen – um am Ende besser zu sein als andere Menschen; die Maschinen schlagen wir hier nie wieder. Das ist vorbei.

Wird KI uns vernichten?

Die Pessimisten fragen da: Wie lange haben wir denn noch? Wird KI uns vernichten? Nein! Eben weil die Maschine von sich aus keinen Antrieb hat, kein Interesse etwas zu entscheiden. Wenn KI uns vernichtet, dann weil Menschen sie selbst zu diesem Zwecke einsetzen. Wenn etwa Militärs daran arbeiten, Maschinen zu bauen, die selber entscheiden, wo sie hin schießen und wen sie töten – und ja, leider tun die das – dann macht das Sorgen. Ein Vergleich zu Kernwaffen, welche auch das Potenzial haben, uns und die Erde mehrfach zu vernichten, zeigt jedoch: Bisher ist es gelungen, dieses Extremszenario zu verhindern, und so gilt auch beim Einsatz von KI nachdenken und Grenzen wahren.

An alle Firmen und Menschen: Schaut euch an, was KI schon heute kann! Nutzt eure Daten! Baut KI, spielt mit KI, lernt von KI! Der digitale Wandel ist heute so schnell wie nie. Zugleich wird er nie wieder so langsam sein wie heute. Das heißt: Wir Menschen müssen so viel lernen wie nie zu vor. Das Gute ist: Das können wir! Mit KI, von KI und voneinander.

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Dr. Boris Nikolai Konrad. Foto: 5 Sterne Redner
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Was ist künstliche Intelligenz?

„Was ist die Definition von künstlicher Intelligenz? Für mich persönlich?“ Die Antworten auf diese Fragen könnten vielfältiger nicht sein. Von Terminator bis Siri, von „ein überschätzter Hype“ bis „KI ist die Zukunft!“ ist alles dabei. Während sich manche Sorgen machen, ob künstliche Intelligenz ihre Jobs oder gar die Menschheit bedroht, wollen anderen sie am liebsten heute noch in ihre Produkte einbauen und können es gar nicht erwarten bald vom selbstfahrenden Auto zum roboterbetriebenen Hotel gefahren zu werden.

Was kann künstliche Intelligenz heute?

Davon sind wir aber noch recht weit weg. Experten unterscheiden zwischen „schwacher künstlicher Intelligenz“ (narrow AI) und „starker künstlicher Intelligenz“ (general AI). Erstere löst Probleme, die durch klassische Algorithmen nicht lösbar waren, bleibt aber in ihrer Aufgabenstellung beschränkt. Die starke AI dagegen würde menschenähnlicher Intelligenz entsprechen, das themenübergreifende Verständnis für Inhalte und vor allem auch eigenen Antrieb. Es gibt durchaus seriöse Forscher, meist aus dem IT-Bereich, die davon ausgehen, dass wir eine starke KI in wenigen Jahrzehnten haben werden.

Doch 80 Milliarden simulierte Neuronen sind noch lange kein menschliches Gehirn! Gerade ob eigener Antrieb, möglicherweise gar Bewusstsein, auf uns zukommen – nicht auszuschließen, dass dies jemals möglich sein könnte, aber eine starke KI steht sicher noch nicht vor der Tür.

Spannender die Frage: Was kann künstliche Intelligenz heute schon? Das ist nämlich einiges! Nicht nur Schach und Go spielen. Auch Tumore besser erkennen als Ärzte, Autos über deutlich mehr Kilometer unfallfrei steuern als Menschen oder Gesichter von Menschen erkennen kann KI heute schon besser als wir. Wie gesagt, jeweils eine eigene schwache KI und auch zusammengeschaltet ergibt das keine denkende Maschine.

Von künstlicher Intelligenz lernen

Was bedeutet das für uns? Klar ist, Vertrauen wird sich verschieben. Wer heute noch den Chefarzt für die Diagnose will, will schon in wenigen Jahren, dass der gefälligst die beste verfügbare KI einsetzt, um die Diagnose zu stellen! Klar ist: Auch der beste Arzt wird in seiner Karriere maximal einige tausend Patienten sehen, während eine KI theoretisch alle Patienten der Welt mit dieser Krankheit kennen lernen kann.

Macht KI also Ärzte überflüssig? Nein! Das ist nicht der richtige Umkehrschluss. Stattdessen brauchen wir weiter Ärzte, welche die Diagnose einordnen und mögliche Therapieempfehlungen der maschinellen Helfer einordnen, aber am Ende auch mit Empathie und Emotionen auf den einzelnen Menschen eingehen.

Das Berufsbild Arzt wird sich ändern. Jedes Berufsbild wird sich ändern. Auch Ihres. Ganz egal, was Sie eigentlich tun. Wichtig ist dabei: Wir werden KI nicht nur einsetzen, wir werden von ihr lernen müssen! Die Ärzte werden die Diagnosen nicht ungesehen übernehmen, sondern sich anschauen, warum der Rechner eine andere Einschätzung hat, als sie selbst und davon lernen.

So wie heute schon Menschen viel besser Go und Schach spielen als je zuvor, weil die Profis dieser Denkspiele ausnahmslos völlig selbstverständlich mit den Rechnern üben, von ihnen lernen – um am Ende besser zu sein als andere Menschen; die Maschinen schlagen wir hier nie wieder. Das ist vorbei.

Wird KI uns vernichten?

Die Pessimisten fragen da: Wie lange haben wir denn noch? Wird KI uns vernichten? Nein! Eben weil die Maschine von sich aus keinen Antrieb hat, kein Interesse etwas zu entscheiden. Wenn KI uns vernichtet, dann weil Menschen sie selbst zu diesem Zwecke einsetzen. Wenn etwa Militärs daran arbeiten, Maschinen zu bauen, die selber entscheiden, wo sie hin schießen und wen sie töten – und ja, leider tun die das – dann macht das Sorgen. Ein Vergleich zu Kernwaffen, welche auch das Potenzial haben, uns und die Erde mehrfach zu vernichten, zeigt jedoch: Bisher ist es gelungen, dieses Extremszenario zu verhindern, und so gilt auch beim Einsatz von KI nachdenken und Grenzen wahren.

An alle Firmen und Menschen: Schaut euch an, was KI schon heute kann! Nutzt eure Daten! Baut KI, spielt mit KI, lernt von KI! Der digitale Wandel ist heute so schnell wie nie. Zugleich wird er nie wieder so langsam sein wie heute. Das heißt: Wir Menschen müssen so viel lernen wie nie zu vor. Das Gute ist: Das können wir! Mit KI, von KI und voneinander.

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