Timm Kruse

Kommunikation ist das, was beim anderen ankommt

Wir brauchen dringend eine klare Form der Kommunikation, um unsere immer komplizierter werdende Welt vernünftig zu erklären. Der Schriftsteller und ZDF-Reporter Timm Kruse zeigt in seinen Büchern und Reportagen, wie das Schwierige ganz einfach zu begreifen ist.

Ist die Welt wirklich so kompliziert geworden? Ja! Sie war noch nie so kompliziert – und es wird alles noch komplizierter. Globalisierung, politische Seilschaften und kulturelle Unterschiede lassen die Welt als undurchschaubares Chaos erscheinen. Das ist der Grund, warum wir lernen müssen, vernünftig zu kommunizieren.

Drei Faustregeln für flüssige Kommunikation

Auf Reportage-Reisen und Vorträgen fragen Menschen immer wieder, wie erklärt man die Welt so, dass sie auch wirklich verstanden wird? Und was muss ich machen, damit meine Mitarbeiter auch wirklich verstehen, was ich vorhabe?

Hier sind drei Faustregeln, die in der Politik, in jeder Firma und in den Medien gelten:

· Klar und einfach die relevanten Fakten benennen – allen Klimbim weglassen

· Verständliche und deutliche Sprache – wenige Fachbegriffe oder Anglizismen

· Verallgemeinerungen und persönliche Ansichten weglassen

Wenn ich Informationen vermittle, – egal ob als Reporter und Schriftsteller, Firmenchef oder Praktikant – muss es mir vor allem darum gehen, den Sachverhalt und die damit verbundenen Zusammenhänge sachlich verständlich, informativ und trotzdem spannend zu verbreiten. Der Weg dahin ist simpel, wenn man ihn einmal verstanden hat.

Die 7 Ws

Nehmen wir als Beispiel ein populäres Thema: Greta. Bei einem TV-Beitrag über die junge Schwedin, beantworte ich zunächst die 7 Ws, um ein vernünftiges Storytelling zu etablieren:

· Wer ist Greta?

· Was ist Ihre Herausforderung?

· Wie möchte sie ihr Problem lösen?

· Wem kann sie vertrauen?

· Wen muss sie fürchten?

· Worauf kann sie zurückblicken?

· Wo geht ihre Reise hin?

Wenn ich diese sieben Fragen chronologisch beantworte, bekomme ich immer eine spannende, logische, in sich geschlossene Geschichte hin, die in den Köpfen hängenbleibt. Somit erklärt sich das Phänomen Greta von selbst und jeder darf sich herüber seine eigene Meinung bilden.

8 Säulen für eine spannende Geschichte

Um Informationen spannend zu übermitteln, benötigt jede gute Geschichte – ob Märchen, Memo, Anweisung, Tagesschaubeitrag oder Neujahrsansprache acht Säulen – hier am Beispiel von Greta:

· Eine Hauptfigur – diese kann auch abstrakt sein (Umweltverschmutzung)

· Möglichst klar umrissene Attribute der Hauptfigur (16 Jahre alt, Autistin)

· Slogan (How dare you?)

· Die Herausforderung (übermächtige Feinde in Politik und Industrie; David gegen Goliath)

· Ein klares Ziel (Umweltverschmutzung minimieren)

· Hindernisse auf dem Weg (ohne Flugzeug in die USA)

· Erreichen des Ziels ­– oder Scheitern der Hauptfigur (weltweite Bewegung)

· Veränderung der Hauptfigur (die junge autistische Schwedin legt sich mit den Mächtigen an)

Mit diesem Gerüst funktioniert das Vermitteln jeder Information so einfach und logisch, dass sie beim Leser, Zuhörer oder Zuschauer auf jeden Fall hängenbleibt. Um der Geschichte richtig Schmackes zu geben, twittern Trump und Kumpanen abfällige Bemerkungen über Greta, Industrielle kleben sich „Fuck you, Greta“-Aufkleber auf ihren Porsche und Menschen, die eigentlich gar nichts mit Greta zu tun haben, hassen die junge Frau, als hätte sie ihnen den SUV-Schlüssel geklaut.

Greta polarisiert, sie dringt ins kollektive Bewusstsein der Menschheit ein – weil die Geschichte alles bietet, was eine gute Story braucht.

Was können wir aus Gretas Story lernen?

Wir stellen uns vor, Sie brauchen ein neues Warensystem für Ihre Firma – nennen wir sie „Jungblut“. Wie schaffen Sie es, die Greta-Story auf so etwas Ödes wie ein Warensystem zu übertragen?

· Geben Sie dem neuen System einen knackigen Namen: zum Beispiel Planit. Schon haben wir die Hauptfigur.

· Jetzt braucht Planit noch Attribute: Es ist schnell, international, erleichtert alle Abläufe

· Fehlt noch der Slogan: Planit – Jungbluts Rock´n Rollsystem

· Das alte Warensystem hat 30 Jahre gut funktioniert – warum jetzt was Neues? Finden Sie die richtigen Argumente, warum sie ein neues System etablieren müssen.

· Zeigen sie deutlich die Vorteile auf und wägen die Nachteile ab.

· Änderungen sind in jeder Firma problematisch. Demonstrieren Sie Verständnis, warum viele Mitarbeiter das neue System skeptisch betrachten könnten. Machen Sie Zusagen, dass Sie den Veränderungen genügend Zeit und Kapazität einräumen.

· Was passiert, wenn Planit scheitert? Und was, wenn das System die Firma perfekt für die Zukunft aufstellt?

· Beschreiben Sie, wo Sie die Firma in Zukunft sehen und welche Vorteile das für alle Mitarbeiter mit sich bringt: Wachstum, Sicherheit, mehr Möglichkeiten.

Wenn Sie diese Eckpfeiler in einen flüssigen Text gießen, verständlich und motivierend schreiben, wird auch der älteste Mitarbeiter, der kurz vor der Pensionierung steht, voller Elan an der Veränderung Ihrer Firma arbeiten.

Wenn wir es schaffen, dieses einfache System des Storytellings auf alle Bereiche unseres Lebens anzuwenden, machen wir diese Welt um ein großes Stück verständlicher. Wir müssen es nur wollen.

Zur Person:

Timm Kruse ging in Deutschland und den USA zur Schule und studierte Neue Deutsche und Englische Literaturwissenschaft in Saarbrücken und Wolverhampton. 1991 begann er seine journalistische Tätigkeit bei der Saarbrücker Zeitung und absolvierte 1996/97 ein Volontariat bei dem Fernsehsender Saar TV. 1997 wechselte Kruse zu Sat.1 und arbeitete dort unter anderem für Planetopia und ran. Seit 2000 ist er freier Fernsehjournalist für das ZDF, den NDR und verschiedene Internetportale wie das der Deutschen Segel-Bundesliga.[1] Im Jahr 2010 gründete er die Medienproduktionsfirma Buntfunk, der er bis heute inhabergeführt vorsteht.

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Kommunikation ist das, was beim anderen ankommt

Wir brauchen dringend eine klare Form der Kommunikation, um unsere immer komplizierter werdende Welt vernünftig zu erklären. Der Schriftsteller und ZDF-Reporter Timm Kruse zeigt in seinen Büchern und Reportagen, wie das Schwierige ganz einfach zu begreifen ist.

Ist die Welt wirklich so kompliziert geworden? Ja! Sie war noch nie so kompliziert – und es wird alles noch komplizierter. Globalisierung, politische Seilschaften und kulturelle Unterschiede lassen die Welt als undurchschaubares Chaos erscheinen. Das ist der Grund, warum wir lernen müssen, vernünftig zu kommunizieren.

Drei Faustregeln für flüssige Kommunikation

Auf Reportage-Reisen und Vorträgen fragen Menschen immer wieder, wie erklärt man die Welt so, dass sie auch wirklich verstanden wird? Und was muss ich machen, damit meine Mitarbeiter auch wirklich verstehen, was ich vorhabe?

Hier sind drei Faustregeln, die in der Politik, in jeder Firma und in den Medien gelten:

· Klar und einfach die relevanten Fakten benennen – allen Klimbim weglassen

· Verständliche und deutliche Sprache – wenige Fachbegriffe oder Anglizismen

· Verallgemeinerungen und persönliche Ansichten weglassen

Wenn ich Informationen vermittle, – egal ob als Reporter und Schriftsteller, Firmenchef oder Praktikant – muss es mir vor allem darum gehen, den Sachverhalt und die damit verbundenen Zusammenhänge sachlich verständlich, informativ und trotzdem spannend zu verbreiten. Der Weg dahin ist simpel, wenn man ihn einmal verstanden hat.

Die 7 Ws

Nehmen wir als Beispiel ein populäres Thema: Greta. Bei einem TV-Beitrag über die junge Schwedin, beantworte ich zunächst die 7 Ws, um ein vernünftiges Storytelling zu etablieren:

· Wer ist Greta?

· Was ist Ihre Herausforderung?

· Wie möchte sie ihr Problem lösen?

· Wem kann sie vertrauen?

· Wen muss sie fürchten?

· Worauf kann sie zurückblicken?

· Wo geht ihre Reise hin?

Wenn ich diese sieben Fragen chronologisch beantworte, bekomme ich immer eine spannende, logische, in sich geschlossene Geschichte hin, die in den Köpfen hängenbleibt. Somit erklärt sich das Phänomen Greta von selbst und jeder darf sich herüber seine eigene Meinung bilden.

8 Säulen für eine spannende Geschichte

Um Informationen spannend zu übermitteln, benötigt jede gute Geschichte – ob Märchen, Memo, Anweisung, Tagesschaubeitrag oder Neujahrsansprache acht Säulen – hier am Beispiel von Greta:

· Eine Hauptfigur – diese kann auch abstrakt sein (Umweltverschmutzung)

· Möglichst klar umrissene Attribute der Hauptfigur (16 Jahre alt, Autistin)

· Slogan (How dare you?)

· Die Herausforderung (übermächtige Feinde in Politik und Industrie; David gegen Goliath)

· Ein klares Ziel (Umweltverschmutzung minimieren)

· Hindernisse auf dem Weg (ohne Flugzeug in die USA)

· Erreichen des Ziels ­– oder Scheitern der Hauptfigur (weltweite Bewegung)

· Veränderung der Hauptfigur (die junge autistische Schwedin legt sich mit den Mächtigen an)

Mit diesem Gerüst funktioniert das Vermitteln jeder Information so einfach und logisch, dass sie beim Leser, Zuhörer oder Zuschauer auf jeden Fall hängenbleibt. Um der Geschichte richtig Schmackes zu geben, twittern Trump und Kumpanen abfällige Bemerkungen über Greta, Industrielle kleben sich „Fuck you, Greta“-Aufkleber auf ihren Porsche und Menschen, die eigentlich gar nichts mit Greta zu tun haben, hassen die junge Frau, als hätte sie ihnen den SUV-Schlüssel geklaut.

Greta polarisiert, sie dringt ins kollektive Bewusstsein der Menschheit ein – weil die Geschichte alles bietet, was eine gute Story braucht.

Was können wir aus Gretas Story lernen?

Wir stellen uns vor, Sie brauchen ein neues Warensystem für Ihre Firma – nennen wir sie „Jungblut“. Wie schaffen Sie es, die Greta-Story auf so etwas Ödes wie ein Warensystem zu übertragen?

· Geben Sie dem neuen System einen knackigen Namen: zum Beispiel Planit. Schon haben wir die Hauptfigur.

· Jetzt braucht Planit noch Attribute: Es ist schnell, international, erleichtert alle Abläufe

· Fehlt noch der Slogan: Planit – Jungbluts Rock´n Rollsystem

· Das alte Warensystem hat 30 Jahre gut funktioniert – warum jetzt was Neues? Finden Sie die richtigen Argumente, warum sie ein neues System etablieren müssen.

· Zeigen sie deutlich die Vorteile auf und wägen die Nachteile ab.

· Änderungen sind in jeder Firma problematisch. Demonstrieren Sie Verständnis, warum viele Mitarbeiter das neue System skeptisch betrachten könnten. Machen Sie Zusagen, dass Sie den Veränderungen genügend Zeit und Kapazität einräumen.

· Was passiert, wenn Planit scheitert? Und was, wenn das System die Firma perfekt für die Zukunft aufstellt?

· Beschreiben Sie, wo Sie die Firma in Zukunft sehen und welche Vorteile das für alle Mitarbeiter mit sich bringt: Wachstum, Sicherheit, mehr Möglichkeiten.

Wenn Sie diese Eckpfeiler in einen flüssigen Text gießen, verständlich und motivierend schreiben, wird auch der älteste Mitarbeiter, der kurz vor der Pensionierung steht, voller Elan an der Veränderung Ihrer Firma arbeiten.

Wenn wir es schaffen, dieses einfache System des Storytellings auf alle Bereiche unseres Lebens anzuwenden, machen wir diese Welt um ein großes Stück verständlicher. Wir müssen es nur wollen.

Zur Person:

Timm Kruse ging in Deutschland und den USA zur Schule und studierte Neue Deutsche und Englische Literaturwissenschaft in Saarbrücken und Wolverhampton. 1991 begann er seine journalistische Tätigkeit bei der Saarbrücker Zeitung und absolvierte 1996/97 ein Volontariat bei dem Fernsehsender Saar TV. 1997 wechselte Kruse zu Sat.1 und arbeitete dort unter anderem für Planetopia und ran. Seit 2000 ist er freier Fernsehjournalist für das ZDF, den NDR und verschiedene Internetportale wie das der Deutschen Segel-Bundesliga.[1] Im Jahr 2010 gründete er die Medienproduktionsfirma Buntfunk, der er bis heute inhabergeführt vorsteht.

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