Frank Hoppe, Knöll Finanzierungsberatung GmbH

Inflation und Zinsen: Was Unternehmer wissen müssen

Krieg und Krise – beides befeuert die Inflation. Deshalb ist es für Familienunternehmen ratsam aktiv zu werden. Frank Hoppe, Niederlassungsleiter und Seniorberater der Knöll Finanzierungsberatung in Augsburg, gibt Ratschläge, wie Familienunternehmen diese anspruchsvolle Zeit gut überstehen können.

Bereits seit Mitte letzten Jahres waren erhöhte Inflationsraten zu beobachten, seit Herbst auch wieder ansteigende Zinsen und dies erstmals nach über einem Jahrzehnt. Viele Wirtschaftsexperten und auch die Europäische Zentralbank (EZB) sahen den Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen an. Spätestens mit der russischen Invasion in der Ukraine und deren wirtschaftlichen Folgen dürfte klar sein, dass niedrige Inflationsraten der Vergangenheit angehören und die Nullzinspolitik womöglich auch. Vielerorts wird bereits eine Rückkehr der „Stagflation“ erwartet, eine Kombination aus hoher Inflation bei schwacher konjunktureller Entwicklung. Ein düsteres Szenario, das an die Siebziger Jahre erinnert.


Inflation – die Faktenlage:

Im Gesamtjahr 2021 lag der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland bei 3,1 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit 1993. Dieses Phänomen ist nicht auf Deutschland und Europa beschränkt, sondern auch in Nordamerika zu beobachten, wo jüngst für den Januar 2022 sogar ein Anstieg der Verbraucherpreise um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet wurde. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland kam nicht überraschend, da die Erzeugerpreise bereits in 2021 kontinuierlich angestiegen sind und im Januar 2022 einen Rekordwert von über 24,2 Prozent erreicht haben.


Welche Ursachen hat die höhere Inflation?

Zunächst war die vorherrschende Begründung, dass diese Entwicklung ausschließlich auf die Corona-Pandemie bedingten Lieferengpässen zurückgeführt werden kann. Dadurch verteuerten sich zunächst die Frachtraten und die Preise unterschiedlicher Rohstoffe signifikant, aber ebenso offenbarte sich ein deutlicher Anstieg der Energiepreise. Mit der russischen Invasion in der Ukraine hat der Preisanstieg für Rohöl und Gas nochmals deutlich beschleunigt. So erreichte der Ölpreis Anfang März den höchsten Wert seit 2008 und das  Allzeithoch ist in greifbarer Nähe.


Was bedeutet das für die Zinsen?

Da Notenbanken unter anderem der Preisstabilität verpflichtet sind, sind Zinserhöhungen das zentrale Instrument gegen Inflation. Die Kapitalmärkte haben auf die Entwicklungen bereits vorweggenommen, so dass die Zinssätze im Euroraum seit August 2021 signifikant angestiegen sind. So ist der 5-Jahres-Zins bereits um mehr als ein Prozent gestiegen.


Welche Konsequenzen hat dies für Unternehmen?

Der beschleunigte Preisauftrieb trifft die Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen:

  • Der Anstieg der Zinsen verteuert die Finanzierung – die Nullzinspolitik geht zu Ende
  • Krieg, Inflation und Zinspolitik wirken sich zudem auf die Währungskurse aus. Dies birgt Chancen, aber auf der Beschaffungsseite sorgt ein schwächerer Euro für einen zusätzlichen Anstieg der Inflation
  • Höhere Faktorkosten und Störungen der Lieferketten erfordern ceteris paribus eine höhere Bevorratung. Inflation sorgt für eine höhere Bilanzsumme – dies muss finanziert werden und erfordert eine höhere Kapitalbindung
  • Preiselastizität: können höhere Beschaffungspreise schnell genug oder überhaupt an Kunden weitergegeben werden, verringern sich Margen, Ergebnis und damit Cashflow.

Was können Unternehmer tun?


  • In Erwartung weiter steigender Preise sollte die Bevorratung generell höher ausfallen als in der Vergangenheit. Die Vorteile der „Just-in-Time“-Fertigung mit möglichst niedriger Lagerhaltung würden sich im Umfeld stetig steigender Preise ins Gegenteil verkehren.
  • Unternehmen sollten vor allem ihre Liquidität und finanzielle Resilienz ins Zentrum rücken: im Umfeld steigender Preise ist auf ausreichende Finanzierung des gesamten Working Capital zu achten. Hierzu sollten bestehende und falls nötig neue Finanzierungspartner bzw. flexible Instrumente rechtzeitig auf eine Ausweitung der entsprechenden Zusagen für verfügbare Liquidität angesprochen werden.
  • Der Königsweg bei steigenden Inputpreisen ist sicherlich eine Preiserhöhung gegenüber den Kunden.
  • Nicht zuletzt werden sich die Kreditkosten wohl verteuern. Um hier eine Begrenzung und Absicherung zu erreichen sollte die Refinanzierung entsprechend langfristig ausgerichtet sein oder werden.
  • Um als Kreditnehmer ein weiter steigendes Zinsniveau zu begrenzen, können alternativ oder begleitend Zinssicherungsmaßnahmen geprüft werden.

Eine stabile und langfristig ausgerichtete Finanzierung und der richtige Mix an Finanzierungsinstrumenten sind die Basis für eine ausreichende Liquidität. Ein hohes Maß an Liquidität wiederum ist für Unternehmen das wirksamste Mittel gegen die Auswirkungen von Krisen, Inflation und höheren Zinsen.

Artikel teilen
Frank Hoppe, Knöll Finanzierungsberatung GmbH

Inflation und Zinsen: Was Unternehmer wissen müssen

Krieg und Krise – beides befeuert die Inflation. Deshalb ist es für Familienunternehmen ratsam aktiv zu werden. Frank Hoppe, Niederlassungsleiter und Seniorberater der Knöll Finanzierungsberatung in Augsburg, gibt Ratschläge, wie Familienunternehmen diese anspruchsvolle Zeit gut überstehen können.

Bereits seit Mitte letzten Jahres waren erhöhte Inflationsraten zu beobachten, seit Herbst auch wieder ansteigende Zinsen und dies erstmals nach über einem Jahrzehnt. Viele Wirtschaftsexperten und auch die Europäische Zentralbank (EZB) sahen den Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen an. Spätestens mit der russischen Invasion in der Ukraine und deren wirtschaftlichen Folgen dürfte klar sein, dass niedrige Inflationsraten der Vergangenheit angehören und die Nullzinspolitik womöglich auch. Vielerorts wird bereits eine Rückkehr der „Stagflation“ erwartet, eine Kombination aus hoher Inflation bei schwacher konjunktureller Entwicklung. Ein düsteres Szenario, das an die Siebziger Jahre erinnert.


Inflation – die Faktenlage:

Im Gesamtjahr 2021 lag der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland bei 3,1 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit 1993. Dieses Phänomen ist nicht auf Deutschland und Europa beschränkt, sondern auch in Nordamerika zu beobachten, wo jüngst für den Januar 2022 sogar ein Anstieg der Verbraucherpreise um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet wurde. Der Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland kam nicht überraschend, da die Erzeugerpreise bereits in 2021 kontinuierlich angestiegen sind und im Januar 2022 einen Rekordwert von über 24,2 Prozent erreicht haben.


Welche Ursachen hat die höhere Inflation?

Zunächst war die vorherrschende Begründung, dass diese Entwicklung ausschließlich auf die Corona-Pandemie bedingten Lieferengpässen zurückgeführt werden kann. Dadurch verteuerten sich zunächst die Frachtraten und die Preise unterschiedlicher Rohstoffe signifikant, aber ebenso offenbarte sich ein deutlicher Anstieg der Energiepreise. Mit der russischen Invasion in der Ukraine hat der Preisanstieg für Rohöl und Gas nochmals deutlich beschleunigt. So erreichte der Ölpreis Anfang März den höchsten Wert seit 2008 und das  Allzeithoch ist in greifbarer Nähe.


Was bedeutet das für die Zinsen?

Da Notenbanken unter anderem der Preisstabilität verpflichtet sind, sind Zinserhöhungen das zentrale Instrument gegen Inflation. Die Kapitalmärkte haben auf die Entwicklungen bereits vorweggenommen, so dass die Zinssätze im Euroraum seit August 2021 signifikant angestiegen sind. So ist der 5-Jahres-Zins bereits um mehr als ein Prozent gestiegen.


Welche Konsequenzen hat dies für Unternehmen?

Der beschleunigte Preisauftrieb trifft die Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen:

  • Der Anstieg der Zinsen verteuert die Finanzierung – die Nullzinspolitik geht zu Ende
  • Krieg, Inflation und Zinspolitik wirken sich zudem auf die Währungskurse aus. Dies birgt Chancen, aber auf der Beschaffungsseite sorgt ein schwächerer Euro für einen zusätzlichen Anstieg der Inflation
  • Höhere Faktorkosten und Störungen der Lieferketten erfordern ceteris paribus eine höhere Bevorratung. Inflation sorgt für eine höhere Bilanzsumme – dies muss finanziert werden und erfordert eine höhere Kapitalbindung
  • Preiselastizität: können höhere Beschaffungspreise schnell genug oder überhaupt an Kunden weitergegeben werden, verringern sich Margen, Ergebnis und damit Cashflow.

Was können Unternehmer tun?


  • In Erwartung weiter steigender Preise sollte die Bevorratung generell höher ausfallen als in der Vergangenheit. Die Vorteile der „Just-in-Time“-Fertigung mit möglichst niedriger Lagerhaltung würden sich im Umfeld stetig steigender Preise ins Gegenteil verkehren.
  • Unternehmen sollten vor allem ihre Liquidität und finanzielle Resilienz ins Zentrum rücken: im Umfeld steigender Preise ist auf ausreichende Finanzierung des gesamten Working Capital zu achten. Hierzu sollten bestehende und falls nötig neue Finanzierungspartner bzw. flexible Instrumente rechtzeitig auf eine Ausweitung der entsprechenden Zusagen für verfügbare Liquidität angesprochen werden.
  • Der Königsweg bei steigenden Inputpreisen ist sicherlich eine Preiserhöhung gegenüber den Kunden.
  • Nicht zuletzt werden sich die Kreditkosten wohl verteuern. Um hier eine Begrenzung und Absicherung zu erreichen sollte die Refinanzierung entsprechend langfristig ausgerichtet sein oder werden.
  • Um als Kreditnehmer ein weiter steigendes Zinsniveau zu begrenzen, können alternativ oder begleitend Zinssicherungsmaßnahmen geprüft werden.

Eine stabile und langfristig ausgerichtete Finanzierung und der richtige Mix an Finanzierungsinstrumenten sind die Basis für eine ausreichende Liquidität. Ein hohes Maß an Liquidität wiederum ist für Unternehmen das wirksamste Mittel gegen die Auswirkungen von Krisen, Inflation und höheren Zinsen.

nach oben