Ilka Piechowiak

Ich krieg´ die Krise – Führen in Krisenzeiten

Es gibt viele Situationen, die Führungskräfte in Krisenzeiten als herausfordernd erleben. Oftmals ist es aber die Führungskraft, die sich selbst im Weg steht, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sollen. Aus diesem Grund wird Selbststeuerungsfähigkeit zum Soft-Skill der Zukunft – besonders in von Krisen geprägten Zeiten.

Vielleicht ist Ihnen dieses Szenario bekannt: Der Tag ist vollgestopft mit Meetings, Sie jagen von einem Termin zum nächsten, Ihnen bleibt kaum Zeit für die Vorbereitung. Zudem gibt es unendlich viele Projekte und Vorgänge, die bearbeitet werden wollen. Da erzeugt eine gerade eingetroffene Mail vom eigenen Vorgesetzten, mit der Bitte bis morgen noch etwas zu erledigen, in Ihnen für zusätzlichen Druck oder Unverständnis. Oder der Klassiker: just in diesem Moment, wo Sie eh angespannt und genervt sind, kommt ein Mitarbeiter in Ihr Büro und möchte dringend etwas mit Ihnen besprechen. Und dann platzt es plötzlich aus Ihnen heraus: „Sie schon wieder! Jetzt nicht! Für so einen Kram habe ich jetzt keine Zeit! Machen Sie die Tür bitte von außen zu!“

Auch bei Führungskräften beweist sich in der Krise der Charakter. Der Beginn der Corona-Pandemie stellte Führungskräfte vor Herausforderungen, den beruflichen Alltag zu meistern. Nun geht es im Führungsalltag aber nicht nur um Krisen, sondern auch um alltägliche Situationen, mit denen sich Führungskräfte schwertun. Ob wir uns in einer „schweren Situation“ befinden oder nicht, hängt von unserem subjektiven Empfinden ab. Genauer gesagt davon, ob wir uns in der Lage kompetent fühlen, diese Situation zu meistern. In allen beschriebenen Situationen passiert dasselbe: eigene negative Gefühle und/oder Gedanken nehmen einen zu großen Raum in unserer inneren Welt ein. Schlimmstenfalls verändert sich zusätzlich noch das eigene Kommunikationsverhalten in der Form, dass die Wertschätzung und die Souveränität ausbleiben. Unser Umfeld wird ungewollt mit unserem ungefilterten Stress- oder Unzufriedenheitsschwall überrollt und muss das erstmal ertragen. So oder so: das ist ungünstig und unprofessionell! Führungskräfte sollten ihre eigenen Gefühle/ Gedanken so steuern können, dass sie innerlich ausbalanciert und gelassen bleiben. Trotz der Gefühls-/ und Gedankenlage sollten sie souverän und vor allem wertschätzend gegenüber Mitarbeitenden agieren. Das ist die höchste Form der Selbststeuerung.

Die eigenen Emotionen und Gedanken wahrnehmen

Wie gelingt das gerade in Krisenzeiten? Wir sind schließlich Menschen und keine Maschinen. Das wohl unangenehmste Gefühl, das Führungskräfte kennen, ist Angst. Wo Angst ist, ist generell wenig Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. „Angst ist immer da, wo wir etwas nicht kennen oder nicht können“, bringt es der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther auf den Punkt. Es ist ausschlaggebend, welche Erfahrung („Kennen“) wir in der Vergangenheit mit einer ähnlichen Situation gemacht haben und ob wir die Fähigkeit („Können“) besitzen. Es gilt also im ersten Schritt, sich der eigenen Gefühle und Kompetenzen bewusst zu werden: Was sind typische Situationen im Alltag, die Sie unsicher werden lassen oder denen Sie sich nicht gewachsen fühlen? Was bereitet Ihnen ein flaues Gefühl im Magen, wenn Sie daran denken?

Die Sicht auf die Dinge ändern und sich selbst steuern

Aber nicht nur die Gefühlsebene spielt im Umgang mit Krisensituationen eine Rolle, sondern auch unsere innere Einstellung: Ob wir positiv und zuversichtlich auf Herausforderungen blicken oder ob wir eher pessimistisch an die Sache herangehen, entscheidet darüber, ob wir in der Lage sind, Lösungsalternativen und Handlungsoptionen zu erkennen. Menschen mit einer negativen Grundhaltung können aufgrund ihrer destruktiven Wahrnehmung der Situation nur selten konstruktive Handlungsoptionen erkennen oder entwickeln.

Wir können allerdings nicht nur wählen, wie wir reagieren, sondern auch, wie wir über etwas denken. Überlegen Sie vor diesem Hintergrund einmal, wie unterschiedlich sich schwierige Situationen bewerten lassen und welche Optionen Sie als Führungskraft dadurch haben, Ihr Team durch herausfordernde Zeiten zu führen. Sehen Sie eher die Chance oder das Übel in der Situation?

Im nächsten Schritt geht es darum, sich selbst besser zu kontrollieren, zu steuern.

Manchmal hilft es bereits, sich Luft zu machen und sich den Raum für Ablenkung zu nehmen: aus der Situation heraus zu treten (z. B. eine Pause zu machen oder sich zu fragen, was bestenfalls passieren könnte ), um den Fokus auf etwas anderes zu richten. Hier muss jede Führungskraft den eigenen Selbststeuerungs-Mechanismus finden und anwenden.

Wertschätzend und souverän mit Menschen umgehen

Unabhängig davon, wie es in Ihnen aussieht, ist es die hohe Kunst, den richtigen Ton und die richtigen Worte zu finden. Als Führungskraft können Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerade in schwierigen Zeiten nur dann Orientierung und Sicherheit geben, wenn Sie souverän auftreten. Voraussetzung dafür ist Klarheit bezüglich Ihrer Gefühle und Gedanken und eine gute Selbststeuerung. Dabei sollten Sie ein besonderes Augenmerk auf die eigenen Ängste werfen und sich in innerer Gelassenheit üben.

Über Ilka Piechowiak

Die 5-Sterne-Rednerin Ilka Piechowiak verschrieb sich als Ex-Handballnationalspielerin 20 Jahre lang mit großer Leidenschaft dem Leistungssport. Ihr beruflicher Karriereweg führte sie von der Funktion als Junior-Produktmanagerin bis zur Marketingleitung, Leiterin Internationales Key Account Management und Marketing- und Vertriebsleiterin in unterschiedlichen Unternehmen. In diesen Funktionen hat sie auch schwierige Situationen erlebt und als Führungskraft über 15 Jahre sich selbst und Mitarbeiter durch Höhen und Tiefen geführt. Diese über 20-jährige internationale Management-Erfahrung bietet einen idealen Erfahrungsschatz in Kombination mit dem Insider-Wissen zum Thema Leistungssport. Ilka Piechowiak begeistert mit ihrer erfrischenden und authentischen Art als Vortragsrednerin, Führungskräfte-Trainerin und Coach für Top-Manager vieler Unternehmen.

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Vielleicht ist Ihnen dieses Szenario bekannt: Der Tag ist vollgestopft mit Meetings, Sie jagen von einem Termin zum nächsten, Ihnen bleibt kaum Zeit für die Vorbereitung. Zudem gibt es unendlich viele Projekte und Vorgänge, die bearbeitet werden wollen. Da erzeugt eine gerade eingetroffene Mail vom eigenen Vorgesetzten, mit der Bitte bis morgen noch etwas zu erledigen, in Ihnen für zusätzlichen Druck oder Unverständnis. Oder der Klassiker: just in diesem Moment, wo Sie eh angespannt und genervt sind, kommt ein Mitarbeiter in Ihr Büro und möchte dringend etwas mit Ihnen besprechen. Und dann platzt es plötzlich aus Ihnen heraus: „Sie schon wieder! Jetzt nicht! Für so einen Kram habe ich jetzt keine Zeit! Machen Sie die Tür bitte von außen zu!“

Auch bei Führungskräften beweist sich in der Krise der Charakter. Der Beginn der Corona-Pandemie stellte Führungskräfte vor Herausforderungen, den beruflichen Alltag zu meistern. Nun geht es im Führungsalltag aber nicht nur um Krisen, sondern auch um alltägliche Situationen, mit denen sich Führungskräfte schwertun. Ob wir uns in einer „schweren Situation“ befinden oder nicht, hängt von unserem subjektiven Empfinden ab. Genauer gesagt davon, ob wir uns in der Lage kompetent fühlen, diese Situation zu meistern. In allen beschriebenen Situationen passiert dasselbe: eigene negative Gefühle und/oder Gedanken nehmen einen zu großen Raum in unserer inneren Welt ein. Schlimmstenfalls verändert sich zusätzlich noch das eigene Kommunikationsverhalten in der Form, dass die Wertschätzung und die Souveränität ausbleiben. Unser Umfeld wird ungewollt mit unserem ungefilterten Stress- oder Unzufriedenheitsschwall überrollt und muss das erstmal ertragen. So oder so: das ist ungünstig und unprofessionell! Führungskräfte sollten ihre eigenen Gefühle/ Gedanken so steuern können, dass sie innerlich ausbalanciert und gelassen bleiben. Trotz der Gefühls-/ und Gedankenlage sollten sie souverän und vor allem wertschätzend gegenüber Mitarbeitenden agieren. Das ist die höchste Form der Selbststeuerung.

Die eigenen Emotionen und Gedanken wahrnehmen

Wie gelingt das gerade in Krisenzeiten? Wir sind schließlich Menschen und keine Maschinen. Das wohl unangenehmste Gefühl, das Führungskräfte kennen, ist Angst. Wo Angst ist, ist generell wenig Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. „Angst ist immer da, wo wir etwas nicht kennen oder nicht können“, bringt es der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther auf den Punkt. Es ist ausschlaggebend, welche Erfahrung („Kennen“) wir in der Vergangenheit mit einer ähnlichen Situation gemacht haben und ob wir die Fähigkeit („Können“) besitzen. Es gilt also im ersten Schritt, sich der eigenen Gefühle und Kompetenzen bewusst zu werden: Was sind typische Situationen im Alltag, die Sie unsicher werden lassen oder denen Sie sich nicht gewachsen fühlen? Was bereitet Ihnen ein flaues Gefühl im Magen, wenn Sie daran denken?

Die Sicht auf die Dinge ändern und sich selbst steuern

Aber nicht nur die Gefühlsebene spielt im Umgang mit Krisensituationen eine Rolle, sondern auch unsere innere Einstellung: Ob wir positiv und zuversichtlich auf Herausforderungen blicken oder ob wir eher pessimistisch an die Sache herangehen, entscheidet darüber, ob wir in der Lage sind, Lösungsalternativen und Handlungsoptionen zu erkennen. Menschen mit einer negativen Grundhaltung können aufgrund ihrer destruktiven Wahrnehmung der Situation nur selten konstruktive Handlungsoptionen erkennen oder entwickeln.

Wir können allerdings nicht nur wählen, wie wir reagieren, sondern auch, wie wir über etwas denken. Überlegen Sie vor diesem Hintergrund einmal, wie unterschiedlich sich schwierige Situationen bewerten lassen und welche Optionen Sie als Führungskraft dadurch haben, Ihr Team durch herausfordernde Zeiten zu führen. Sehen Sie eher die Chance oder das Übel in der Situation?

Im nächsten Schritt geht es darum, sich selbst besser zu kontrollieren, zu steuern.

Manchmal hilft es bereits, sich Luft zu machen und sich den Raum für Ablenkung zu nehmen: aus der Situation heraus zu treten (z. B. eine Pause zu machen oder sich zu fragen, was bestenfalls passieren könnte ), um den Fokus auf etwas anderes zu richten. Hier muss jede Führungskraft den eigenen Selbststeuerungs-Mechanismus finden und anwenden.

Wertschätzend und souverän mit Menschen umgehen

Unabhängig davon, wie es in Ihnen aussieht, ist es die hohe Kunst, den richtigen Ton und die richtigen Worte zu finden. Als Führungskraft können Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerade in schwierigen Zeiten nur dann Orientierung und Sicherheit geben, wenn Sie souverän auftreten. Voraussetzung dafür ist Klarheit bezüglich Ihrer Gefühle und Gedanken und eine gute Selbststeuerung. Dabei sollten Sie ein besonderes Augenmerk auf die eigenen Ängste werfen und sich in innerer Gelassenheit üben.

Über Ilka Piechowiak

Die 5-Sterne-Rednerin Ilka Piechowiak verschrieb sich als Ex-Handballnationalspielerin 20 Jahre lang mit großer Leidenschaft dem Leistungssport. Ihr beruflicher Karriereweg führte sie von der Funktion als Junior-Produktmanagerin bis zur Marketingleitung, Leiterin Internationales Key Account Management und Marketing- und Vertriebsleiterin in unterschiedlichen Unternehmen. In diesen Funktionen hat sie auch schwierige Situationen erlebt und als Führungskraft über 15 Jahre sich selbst und Mitarbeiter durch Höhen und Tiefen geführt. Diese über 20-jährige internationale Management-Erfahrung bietet einen idealen Erfahrungsschatz in Kombination mit dem Insider-Wissen zum Thema Leistungssport. Ilka Piechowiak begeistert mit ihrer erfrischenden und authentischen Art als Vortragsrednerin, Führungskräfte-Trainerin und Coach für Top-Manager vieler Unternehmen.

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