Thema der Woche

Digitalisierung in der Baubranche: Auswirkungen auf Bauherr und Planung

Das Baugewerbe boomt seit Jahren, doch ein großes Problem begleitet die Branche weiterhin: Die Produktivitätssteigerung liegt deutlich hinter der positiven Entwicklung der Gesamtwirtschaft Deutschlands. Stefan Hafner von Kling Consult erklärt im Interview, wie durch die Digitalisierung neue Methoden und Prozesse eingeführt werden können, um diesen Rückstand zu verringern.

Bei der Planung und dem Bau eines Gebäudes wird häufig noch die sukzessive Vorgehensweise verfolgt. Was genau steckt dahinter und welche Problematik ist damit verbunden?

Stefan Hafner, Kling Consult: Wenn es um die Planung und den Bau eines Gebäudes geht, fällt oft der Satz „Das klären wir, wenn es soweit ist.“ Solch eine Aussage beschreibt die sukzessive Vorgehensweise sehr passend. Zuerst stehen die räumliche Gestaltung und funktionale Ausrichtung im Fokus, erst danach werden technische Entscheidungen getroffen. Zudem wird das Bauvorhaben sehr stringent in die Projektphasen der Planung und Ausführung aufgeteilt und darüber hinaus meist eine getrennte Beauftragung einzelner Leistungen vorgenommen. Dies bringt bis zu 50 verschiedene Auftragnehmer mit sich. Als Folge bilden sich komplexe Schnittstellen, wodurch sich ein hoher Koordinationsaufwand ergibt. Zudem entstehen durch den Wechsel der handelnden Personen große Informationsverluste.

Wie kann mithilfe der Digitalisierung diesen Problemen entgegengewirkt werden?

Für die Digitalisierung in der Baubranche hat sich die Planungsmethodik „Building Modeling Information“ (BIM) etabliert. Dabei werden in einem integrierten 3D-Modell alle relevanten Gebäudedaten digital modelliert und erfasst, um Prozesse und Informationen zu zentralisieren. So können alle Akteure im Projekt gemeinsam am selben Gebäudemodell arbeiten. Dadurch wird sichergestellt, dass alle über den gleichen Wissensstand verfügen und auf sämtliche relevante Daten in Echtzeit zugreifen können. Dies hat zur Folge, dass die Informationsverluste deutlich geringer werden, was wiederum zu einer Kostensenkung und Steigerung der Produktivität führt.

Durch die digitale Planung mit BIM verändert sich die Art und Weise, wie Gebäude geplant und gebaut werden. Was bedeutet das für den Bauherrn?

Um die digitale Planung im 3D-Modell durchführen zu können, muss der Bedarf frühzeitig definiert werden. Es reicht also nicht mehr aus, Entscheidungen dann zu klären, wenn es so weit ist. Das digitale Gebäudemodell enthält beispielsweise von Beginn an Raumhöhen und Volumeninformationen, die früher zunächst nicht notwendig waren. Ein Bauherr muss sich also noch vor Planungsbeginn detailliert mit den Anforderungen an das Gebäude auseinandersetzen und z.B. definieren, welche Funktionen die Räume haben oder welche Maschinen untergebracht werden müssen. Dieser Prozess nennt sich Bedarfsplanung (nach DIN 18205) und bildet in Zeiten der Digitalisierung die Voraussetzung für die eigentliche Planungsarbeit.

Das heißt, dass bei der Bedarfsplanung noch vor Planungsstart alle Details des Gebäudes definiert werden müssen? Wie läuft das ab?

Richtig, denn fehlende oder mangelhafte Bedarfsplanung ist und bleibt ein Projektkiller. Bürger fragen uns immer wieder, warum Bauprojekte schieflaufen oder über Jahre nicht vorankommen. Die Antwort ist trivial und liegt in einer mangelhaften Definition der Planungsaufgabe. Bei der Bedarfsplanung wird unmittelbar vor Projektbeginn zusammen mit dem Bauherrn der Projektkontext analysiert, Projektziele definiert, quantitative und qualitative Rahmenbedingungen erfasst sowie Varianten und die Entwicklung der Gesamtwirtschaftlichkeit betrachtet. So werden alle relevanten Informationen direkt zu Beginn abgegriffen, welche in das digitale Gebäudemodell einfließen. Durch die klare Definition des Bedarfs können die Vorgehensweise, der Prozess und der Ablauf des Bauprojektes zielorientiert gestaltet werden. Auf dieser Grundlage wird ein zügiger Projektverlauf ohne Planungsschleifen gewährleistet, wodurch zu einem späteren Projektzeitpunkt kostenintensivere Anpassungen im 3D-Modell bzw. auf der Baustelle vermieden werden können. Die dafür vorhandene DIN-Norm 18205 kommt in den Projekten aber leider noch viel zu selten zur Anwendung.

Der Schlüssel zur Digitalisierung ist also die Bedarfsplanung. Hat das Auswirkungen auf den zeitlichen Planungsverlauf?

Durch die Bedarfsplanung entsteht ein vergleichbar hoher Initialaufwand. Dieser amortisiert sich aber im Projektablauf, da eine stringente Bearbeitung ermöglicht wird.

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Digitalisierung in der Baubranche: Auswirkungen auf Bauherr und Planung

Das Baugewerbe boomt seit Jahren, doch ein großes Problem begleitet die Branche weiterhin: Die Produktivitätssteigerung liegt deutlich hinter der positiven Entwicklung der Gesamtwirtschaft Deutschlands. Stefan Hafner von Kling Consult erklärt im Interview, wie durch die Digitalisierung neue Methoden und Prozesse eingeführt werden können, um diesen Rückstand zu verringern.

Bei der Planung und dem Bau eines Gebäudes wird häufig noch die sukzessive Vorgehensweise verfolgt. Was genau steckt dahinter und welche Problematik ist damit verbunden?

Stefan Hafner, Kling Consult: Wenn es um die Planung und den Bau eines Gebäudes geht, fällt oft der Satz „Das klären wir, wenn es soweit ist.“ Solch eine Aussage beschreibt die sukzessive Vorgehensweise sehr passend. Zuerst stehen die räumliche Gestaltung und funktionale Ausrichtung im Fokus, erst danach werden technische Entscheidungen getroffen. Zudem wird das Bauvorhaben sehr stringent in die Projektphasen der Planung und Ausführung aufgeteilt und darüber hinaus meist eine getrennte Beauftragung einzelner Leistungen vorgenommen. Dies bringt bis zu 50 verschiedene Auftragnehmer mit sich. Als Folge bilden sich komplexe Schnittstellen, wodurch sich ein hoher Koordinationsaufwand ergibt. Zudem entstehen durch den Wechsel der handelnden Personen große Informationsverluste.

Wie kann mithilfe der Digitalisierung diesen Problemen entgegengewirkt werden?

Für die Digitalisierung in der Baubranche hat sich die Planungsmethodik „Building Modeling Information“ (BIM) etabliert. Dabei werden in einem integrierten 3D-Modell alle relevanten Gebäudedaten digital modelliert und erfasst, um Prozesse und Informationen zu zentralisieren. So können alle Akteure im Projekt gemeinsam am selben Gebäudemodell arbeiten. Dadurch wird sichergestellt, dass alle über den gleichen Wissensstand verfügen und auf sämtliche relevante Daten in Echtzeit zugreifen können. Dies hat zur Folge, dass die Informationsverluste deutlich geringer werden, was wiederum zu einer Kostensenkung und Steigerung der Produktivität führt.

Durch die digitale Planung mit BIM verändert sich die Art und Weise, wie Gebäude geplant und gebaut werden. Was bedeutet das für den Bauherrn?

Um die digitale Planung im 3D-Modell durchführen zu können, muss der Bedarf frühzeitig definiert werden. Es reicht also nicht mehr aus, Entscheidungen dann zu klären, wenn es so weit ist. Das digitale Gebäudemodell enthält beispielsweise von Beginn an Raumhöhen und Volumeninformationen, die früher zunächst nicht notwendig waren. Ein Bauherr muss sich also noch vor Planungsbeginn detailliert mit den Anforderungen an das Gebäude auseinandersetzen und z.B. definieren, welche Funktionen die Räume haben oder welche Maschinen untergebracht werden müssen. Dieser Prozess nennt sich Bedarfsplanung (nach DIN 18205) und bildet in Zeiten der Digitalisierung die Voraussetzung für die eigentliche Planungsarbeit.

Das heißt, dass bei der Bedarfsplanung noch vor Planungsstart alle Details des Gebäudes definiert werden müssen? Wie läuft das ab?

Richtig, denn fehlende oder mangelhafte Bedarfsplanung ist und bleibt ein Projektkiller. Bürger fragen uns immer wieder, warum Bauprojekte schieflaufen oder über Jahre nicht vorankommen. Die Antwort ist trivial und liegt in einer mangelhaften Definition der Planungsaufgabe. Bei der Bedarfsplanung wird unmittelbar vor Projektbeginn zusammen mit dem Bauherrn der Projektkontext analysiert, Projektziele definiert, quantitative und qualitative Rahmenbedingungen erfasst sowie Varianten und die Entwicklung der Gesamtwirtschaftlichkeit betrachtet. So werden alle relevanten Informationen direkt zu Beginn abgegriffen, welche in das digitale Gebäudemodell einfließen. Durch die klare Definition des Bedarfs können die Vorgehensweise, der Prozess und der Ablauf des Bauprojektes zielorientiert gestaltet werden. Auf dieser Grundlage wird ein zügiger Projektverlauf ohne Planungsschleifen gewährleistet, wodurch zu einem späteren Projektzeitpunkt kostenintensivere Anpassungen im 3D-Modell bzw. auf der Baustelle vermieden werden können. Die dafür vorhandene DIN-Norm 18205 kommt in den Projekten aber leider noch viel zu selten zur Anwendung.

Der Schlüssel zur Digitalisierung ist also die Bedarfsplanung. Hat das Auswirkungen auf den zeitlichen Planungsverlauf?

Durch die Bedarfsplanung entsteht ein vergleichbar hoher Initialaufwand. Dieser amortisiert sich aber im Projektablauf, da eine stringente Bearbeitung ermöglicht wird.

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