topFIRMEN 2021

Smart Mobility Teil 3: Clevere Lösungen aus Bayerisch-Schwaben

Ob Wasserstoffzug, E-Omnibus oder Apps für den ÖPNV: Unternehmen aus der Region arbeiten mit Hochdruck an der Verkehrs- und damit Energiewende. Eine Auswahl an Vorreitern im Überblick – Teil 3.

 

 Fendt: Digitalisierung der Landwirtschaft 

Als „Champion der Digitalen Transformation“ dürfen sich seit kurzem der zum AGCO-Konzern gehörende Landtechnikhersteller Fendt sowie das AGCO Digital Center (Digital Customer Experience DCX) fühlen. Sie konnten in der Kategorie „Maschinenbau“ beim entsprechenden Wettbewerb den Sieg ernten. Das ist umso bemerkenswerter, als die Landtechnikbranche als eine eher traditionelle Branche gilt. Bewertungen von Maschinen, die Landwirte bei der Arbeit mobil machen, finden üblicherweise über PS, Hubkraft oder Zapfwellenleistung statt. Eine kontinuierliche Analyse von Daten und eine Ableitung von Optimierungs- und Innovationsansätzen sowie die Erweiterung um neue digitale Geschäftsmodelle wird eher anderen Branchen oder Start-ups zugeschrieben. 

„Umso mehr freuen wir uns, dass wir diese Auszeichnung erhalten haben. Im Jahr 2018 ist unser ,Digital Customer Experience‘-Projekt, kurz DCX, am Standort Marktoberdorf gestartet und in den ersten 2 ½ Jahren war vieles von dem, was wir investiert haben, auf die Architektur, Plattformen und Prozesse ausgelegt“, so Christian Gondek, Director Digital Product Management. „Ziel des Projektes war und ist es, digitale Produkte für Landwirte und Vertriebspartner zu entwickeln, bei denen die Nutzbarkeit, der Mehrwert und die Qualität im Mittelpunkt stehen. Das ist in der Landwirtschaft mit vielen unterschiedlichen Kundengruppen und Anwendungsbeispielen eine ganz besondere, aber auch immer spannende Herausforderung.“ 

Paradebeispiel, wie und wohin die Traktoren der Zukunft rollen, in der betrieblichen Praxis ist dabei das neue Bedienkonzept FendtONE. Die Motive hinter der Entwicklung sind schnell genannt: Kurze Erntezeitfenster, sich verändernde Klimabedingungen und gesetzliche Restriktionen stellen immer höhere Anforderungen an Landwirte weltweit und damit auch an die Landtechnik. Da braucht es Lösungen, diese Anforderungen zu erfüllen. Mit der digitalen Plattform Fendt­ONE offboard bietet Fendt ein System, damit Betriebsleiter ihre Maschinendaten sowie agronomische Daten verwalten und jederzeit im Blick behalten können. Personal- und Maschineneinsätze sowie Arbeitsaufträge können besser geplant, organisiert und dokumentiert werden und gleichzeitig wird wertvolle Arbeitszeit auf dem Feld gespart. Stehen beispielsweise Feldgrenzen sowie Spurlinien mit einem optimierten Bearbeitungsmuster auf dem Fahrzeug bereits zur Verfügung, kann die volle Leistungsfähigkeit eines Gespanns ab der ersten Einsatzminute genutzt werden. 

Zeitgleich bietet der Fahrerarbeitsplatz FendtONE onboard zahlreiche Lösungen, die Effizienz der Maschine zu erhöhen. Smart-Farming-Funktionen wie Spurführung, die teilflächenspezifische Bearbeitung oder auch die Optimierung von Gespannen reduzieren langfristig den Verbrauch von Kraftstoff und Betriebsmitteln, sparen Zeit und entlasten den Fahrer. Fendt­ONE wird nun auf die drei neuen Generationen der Baureihen Fendt 500, 900 und 1000 Vario ausgerollt – sowieso schon Hightech-Maschinen, deren Cockpit eher einem Flugzeug ähnelt als der Trecker-Romantik von früher.  

 

„Pioneering Sustainable Aerospace“: Der CityAirbus 

Helikopter aus Donauwörth sind seit mehreren Generationen rund um die Welt ein geschätztes Beförderungsmittel. Nicht nur zum Erreichen von Zielen in unwegsamem Gelände oder zum schnellen, bodennahen Transport auf kurzen Strecken, sondern auch überall dort, wo aus Platzgründen die Vorteile eines Senkrechtstarters gefragt sind. Das über viele Jahre gesammelte Know-how fließt jetzt in ein Thema ein, das unter dem Stichwort „Urban Air Mobility“ (UAM) einen Teil des Verkehrs von den Straßen der Metropol-Regionen in deren Luftraum verlagern will. 

Der federführende Airbus-Konzern ist in diesem Herbst mit dem Slogan „Pioneering Sustainable Aerospace“ vorgeprescht und hat Pläne für einen neuen CityAirbus bekannt gegeben. Der vollelektrische „Multicopter“, der jetzt nach ausführlichen Tests die nächste Generation des CityAirbus einläutet, ist mit festen Flügeln, einem v-förmigen Heck und acht elektrisch angetriebenen Propellern als Teil seines einzigartig konzipierten verteilten Antriebssystems ausgestattet. Er ist für die Beförderung von bis zu vier Passagieren in einem emissionsfreien Flug in verschiedenen Anwendungen ausgelegt. Der CityAirbus wird mit einer Reichweite von 80 km und einer Reisegeschwindigkeit von 120 km/h entwickelt. 

Wie marktrealistisch die Anstrengungen in Donauwörth sind, zeigt die Einbindung der Luftfahrtexperten in die UAM-Initiative der „Europäischen Innovationspartnerschaften für intelligente Städte und Gemeinden“ (EIP-SCC), unterstützt von der Europäischen Kommission. Das Programm konzentriert sich auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Industrie, Regulierungsbehörden, Städten, Bürgern und anderen Interessengruppen, um Mobilitätslösungen zu finden, die das gesamte Spektrum der Nachhaltigkeit abdecken –  ökologisch, wirtschaftlich und sozial.  

„Wir sind bestrebt, einen völlig neuen Markt mitzugestalten, der die urbane Luftmobilität nachhaltig in die Städte integriert und gleichzeitig ökologische und soziale Belange berücksichtigt. Airbus ist überzeugt, dass die wirklichen Herausforderungen sowohl in der städtischen Integration, der öffentlichen Akzeptanz und dem automatisierten Luftverkehrsmanagement als auch in der Fahrzeugtechnologie und den Geschäftsmodellen liegen. Wir bauen auf all diesen Fähigkeiten auf, um der Gesellschaft einen sicheren, nachhaltigen und vollständig integrierten Service zu bieten“, erläutert Bruno Even, CEO von Airbus Helicopters, die Strategie hinter dem Projekt, dessen Wurzeln bis 2017 zurückreichen und das nun 2023 in einen Erstflug münden soll. 

Goldhofer AG: Schweres Gerät für schwere Lasten 

Schweres Gerät für schwere Lasten – das ist die Spezialität des Memminger Herstellers Goldhofer, dessen Spezialfahrzeuge rund um den Globus im Einsatz sind. Auch bei diesem Aspekt der Mobilität, wenn sein Marktanteil auch nicht so groß ist, sind massive Veränderungen in Bewegung gekommen. Denn die Themen Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz entfalten gerade bei Fahrzeugen dieser Dimension eine starke Hebelwirkung. 

Unternehmen aus dem Kundenkreis von Goldhofer gingen mit immer mehr Mut zur Innovation in die Zukunft, hat zum Beispiel Rüdiger Dube, Leiter Strategisches Produktmanagement Airport Technology, festgestellt: „Neben der Effizienzsteigerung durch optimierte Arbeitsabläufe und stärkere Automatisierung sollte hierbei der Fokus auch auf Nachhaltigkeit liegen. Fahrzeuge und Ground-Support-Equipment mit elektrischem Antrieb sind ein wichtiger Schritt, um den Emissionsausstoß zu reduzieren. Daher wird in neugeplanten Flughäfen die dafür benötigte Infrastruktur bereits mitgedacht. Aber auch in älteren Flughäfen lässt sich die nötige Technik nachrüsten.“ 

Der Fachmann macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, der die Fahrzeuge und ihre Technik weitgehend verändert: „Nachhaltigkeit endet nicht beim Antrieb der Fahrzeuge!“ Umfassende Telemetrie-Funktionen ermöglichen hier inzwischen einen ganzheitlichen Ansatz. So lassen sich einerseits per Remote-Zugriff auf die Fahrzeuge viele Wartungsaufgaben schneller und sparsamer erledigen als je zuvor. Denn auf diese Weise verringern sich Reisekosten und Kraftstoffverbrauch der Service-Mitarbeiter ebenso, wie sich die Ausfallzeiten für den jeweiligen Abfertigungsbetrieb am Flughafen minimieren. „Auf der anderen Seite bieten die von den Fahrzeugen gesammelten Informationen – also Betriebsstunden, gefahrene Strecke und Art der bewegten Flugzeuge – spannende Möglichkeiten zur Prozess­optimierung. Mithilfe einer derart breiten Datenbasis können Abläufe auf maximale Effizienz und Nachhaltigkeit getrimmt werden.“ Damit einher geht das immer relevantere Thema „Predictive Maintenance“, also vorausschauende Wartung und Instandhaltung. Sie vermeidet überraschende Ausfälle und erhöht damit die Wirtschaftlichkeit beim Betrieb. Bei der Anschaffung von neuem Equipment gebe es deshalb auch keine Ausreden mehr, ist Dube sicher. „Die Themen Nachhaltigkeit und Qualität sowie zukunftsorientierte Technologien werden bei zukünftigen Kaufentscheidungen eine sehr viel größere Rolle spielen, als dies in der Vergangenheit der Fall war.“  

 

Health Management Services von Liebherr 

Vorausschauende Wartung hat sich in der Welt der Luftfahrt schon vor geraumer Zeit als wegweisendes Prinzip erwiesen – insbesondere wegen der dadurch verbesserten Sicherheit. Aktiv mit an Bord ist dabei die Liebherr-Aerospace in Lindenberg im Westallgäu. Erst unlängst haben sich die beiden Airlines airBaltic und SWISS für die dort entwickelten und bereitgestellten „Health Management Services“ entschieden. Wobei es bei der angesprochenen „Gesundheit“ um das Wohlergehen der Technik im Flugzeug geht. Diese profitiert von einem wachsenden Angebot an vorbeugenden Wartungs-Algorithmen sowie Anwendungen zur Trendüberwachung. 

Liebherr Analytics Solutions kombinieren dazu die Leistungsfähigkeit von Big Data und die Möglichkeiten einer proprietären Datenplattform („Artic“) mit dem fundierten Wissen über die Systeme und der damit verbundenen Erfahrung im In-Service Support von Liebherr-Produkten. Daraus entstehen präzise und effiziente Werkzeuge zur Verbesserung der Flugzeugwartung. Das betrifft alle in den Fluggesellschaften vorhandenen Liebherr-Produkte, von Zapfluft- über Luftmanagement- und Fahrwerkssystemen bis hin zu Flugsteuerungskomponenten. 

Die Zusammenarbeit mit airBaltic und SWISS bietet Liebherr-Aerospace nach eigenen Angaben auch eine hervorragende Chance, Feedback zu den Marktanforderungen und Erwartungen im Bereich Health Management zu sammeln. „Durch den Einsatz unserer Analytics Solutions optimieren die Fluggesellschaften ihre Wartungsabläufe und profitieren dabei voll und ganz von unserem OEM-Produktwissen und unseren MRO-Daten“, betont Joël Cadaux, Director Business & Services – Customer Services bei Liebherr-Aerospace & Transportation SAS. 

Obendrein macht eine Kooperation mit dem Brennstoffzellen-Spezialisten General Motors und den Aerospace-Experten in Lindenberg eine weitere neue technische Dimension sichtbar. Beide zusammen wollen ein Stromerzeugungssystem entwickeln, das zeigt, wie Wasserstoff-Brennstoffzellen-basierte Stromsysteme in Flugzeugen eingesetzt werden könnten. Der Aufbau und Test dieses Demonstrators wird in einem Prüflabor, das auf Integrationstests multipler Systeme spezialisiert ist, bei Liebherr-Aerospace in Toulouse (Frankreich) stattfinden. Niedrigere Emissionswerte, geringere Geräuschentwicklung als beim konventionellen Flugzeugbetrieb – mit diesen, unter anderen, Vorteilen der Brennstoffzelle sehen die Unternehmen große Chancen für den Einsatz in der Luftfahrt.  

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Smart Mobility Teil 3: Clevere Lösungen aus Bayerisch-Schwaben

Ob Wasserstoffzug, E-Omnibus oder Apps für den ÖPNV: Unternehmen aus der Region arbeiten mit Hochdruck an der Verkehrs- und damit Energiewende. Eine Auswahl an Vorreitern im Überblick – Teil 3.

 

 Fendt: Digitalisierung der Landwirtschaft 

Als „Champion der Digitalen Transformation“ dürfen sich seit kurzem der zum AGCO-Konzern gehörende Landtechnikhersteller Fendt sowie das AGCO Digital Center (Digital Customer Experience DCX) fühlen. Sie konnten in der Kategorie „Maschinenbau“ beim entsprechenden Wettbewerb den Sieg ernten. Das ist umso bemerkenswerter, als die Landtechnikbranche als eine eher traditionelle Branche gilt. Bewertungen von Maschinen, die Landwirte bei der Arbeit mobil machen, finden üblicherweise über PS, Hubkraft oder Zapfwellenleistung statt. Eine kontinuierliche Analyse von Daten und eine Ableitung von Optimierungs- und Innovationsansätzen sowie die Erweiterung um neue digitale Geschäftsmodelle wird eher anderen Branchen oder Start-ups zugeschrieben. 

„Umso mehr freuen wir uns, dass wir diese Auszeichnung erhalten haben. Im Jahr 2018 ist unser ,Digital Customer Experience‘-Projekt, kurz DCX, am Standort Marktoberdorf gestartet und in den ersten 2 ½ Jahren war vieles von dem, was wir investiert haben, auf die Architektur, Plattformen und Prozesse ausgelegt“, so Christian Gondek, Director Digital Product Management. „Ziel des Projektes war und ist es, digitale Produkte für Landwirte und Vertriebspartner zu entwickeln, bei denen die Nutzbarkeit, der Mehrwert und die Qualität im Mittelpunkt stehen. Das ist in der Landwirtschaft mit vielen unterschiedlichen Kundengruppen und Anwendungsbeispielen eine ganz besondere, aber auch immer spannende Herausforderung.“ 

Paradebeispiel, wie und wohin die Traktoren der Zukunft rollen, in der betrieblichen Praxis ist dabei das neue Bedienkonzept FendtONE. Die Motive hinter der Entwicklung sind schnell genannt: Kurze Erntezeitfenster, sich verändernde Klimabedingungen und gesetzliche Restriktionen stellen immer höhere Anforderungen an Landwirte weltweit und damit auch an die Landtechnik. Da braucht es Lösungen, diese Anforderungen zu erfüllen. Mit der digitalen Plattform Fendt­ONE offboard bietet Fendt ein System, damit Betriebsleiter ihre Maschinendaten sowie agronomische Daten verwalten und jederzeit im Blick behalten können. Personal- und Maschineneinsätze sowie Arbeitsaufträge können besser geplant, organisiert und dokumentiert werden und gleichzeitig wird wertvolle Arbeitszeit auf dem Feld gespart. Stehen beispielsweise Feldgrenzen sowie Spurlinien mit einem optimierten Bearbeitungsmuster auf dem Fahrzeug bereits zur Verfügung, kann die volle Leistungsfähigkeit eines Gespanns ab der ersten Einsatzminute genutzt werden. 

Zeitgleich bietet der Fahrerarbeitsplatz FendtONE onboard zahlreiche Lösungen, die Effizienz der Maschine zu erhöhen. Smart-Farming-Funktionen wie Spurführung, die teilflächenspezifische Bearbeitung oder auch die Optimierung von Gespannen reduzieren langfristig den Verbrauch von Kraftstoff und Betriebsmitteln, sparen Zeit und entlasten den Fahrer. Fendt­ONE wird nun auf die drei neuen Generationen der Baureihen Fendt 500, 900 und 1000 Vario ausgerollt – sowieso schon Hightech-Maschinen, deren Cockpit eher einem Flugzeug ähnelt als der Trecker-Romantik von früher.  

 

„Pioneering Sustainable Aerospace“: Der CityAirbus 

Helikopter aus Donauwörth sind seit mehreren Generationen rund um die Welt ein geschätztes Beförderungsmittel. Nicht nur zum Erreichen von Zielen in unwegsamem Gelände oder zum schnellen, bodennahen Transport auf kurzen Strecken, sondern auch überall dort, wo aus Platzgründen die Vorteile eines Senkrechtstarters gefragt sind. Das über viele Jahre gesammelte Know-how fließt jetzt in ein Thema ein, das unter dem Stichwort „Urban Air Mobility“ (UAM) einen Teil des Verkehrs von den Straßen der Metropol-Regionen in deren Luftraum verlagern will. 

Der federführende Airbus-Konzern ist in diesem Herbst mit dem Slogan „Pioneering Sustainable Aerospace“ vorgeprescht und hat Pläne für einen neuen CityAirbus bekannt gegeben. Der vollelektrische „Multicopter“, der jetzt nach ausführlichen Tests die nächste Generation des CityAirbus einläutet, ist mit festen Flügeln, einem v-förmigen Heck und acht elektrisch angetriebenen Propellern als Teil seines einzigartig konzipierten verteilten Antriebssystems ausgestattet. Er ist für die Beförderung von bis zu vier Passagieren in einem emissionsfreien Flug in verschiedenen Anwendungen ausgelegt. Der CityAirbus wird mit einer Reichweite von 80 km und einer Reisegeschwindigkeit von 120 km/h entwickelt. 

Wie marktrealistisch die Anstrengungen in Donauwörth sind, zeigt die Einbindung der Luftfahrtexperten in die UAM-Initiative der „Europäischen Innovationspartnerschaften für intelligente Städte und Gemeinden“ (EIP-SCC), unterstützt von der Europäischen Kommission. Das Programm konzentriert sich auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Industrie, Regulierungsbehörden, Städten, Bürgern und anderen Interessengruppen, um Mobilitätslösungen zu finden, die das gesamte Spektrum der Nachhaltigkeit abdecken –  ökologisch, wirtschaftlich und sozial.  

„Wir sind bestrebt, einen völlig neuen Markt mitzugestalten, der die urbane Luftmobilität nachhaltig in die Städte integriert und gleichzeitig ökologische und soziale Belange berücksichtigt. Airbus ist überzeugt, dass die wirklichen Herausforderungen sowohl in der städtischen Integration, der öffentlichen Akzeptanz und dem automatisierten Luftverkehrsmanagement als auch in der Fahrzeugtechnologie und den Geschäftsmodellen liegen. Wir bauen auf all diesen Fähigkeiten auf, um der Gesellschaft einen sicheren, nachhaltigen und vollständig integrierten Service zu bieten“, erläutert Bruno Even, CEO von Airbus Helicopters, die Strategie hinter dem Projekt, dessen Wurzeln bis 2017 zurückreichen und das nun 2023 in einen Erstflug münden soll. 

Goldhofer AG: Schweres Gerät für schwere Lasten 

Schweres Gerät für schwere Lasten – das ist die Spezialität des Memminger Herstellers Goldhofer, dessen Spezialfahrzeuge rund um den Globus im Einsatz sind. Auch bei diesem Aspekt der Mobilität, wenn sein Marktanteil auch nicht so groß ist, sind massive Veränderungen in Bewegung gekommen. Denn die Themen Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz entfalten gerade bei Fahrzeugen dieser Dimension eine starke Hebelwirkung. 

Unternehmen aus dem Kundenkreis von Goldhofer gingen mit immer mehr Mut zur Innovation in die Zukunft, hat zum Beispiel Rüdiger Dube, Leiter Strategisches Produktmanagement Airport Technology, festgestellt: „Neben der Effizienzsteigerung durch optimierte Arbeitsabläufe und stärkere Automatisierung sollte hierbei der Fokus auch auf Nachhaltigkeit liegen. Fahrzeuge und Ground-Support-Equipment mit elektrischem Antrieb sind ein wichtiger Schritt, um den Emissionsausstoß zu reduzieren. Daher wird in neugeplanten Flughäfen die dafür benötigte Infrastruktur bereits mitgedacht. Aber auch in älteren Flughäfen lässt sich die nötige Technik nachrüsten.“ 

Der Fachmann macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam, der die Fahrzeuge und ihre Technik weitgehend verändert: „Nachhaltigkeit endet nicht beim Antrieb der Fahrzeuge!“ Umfassende Telemetrie-Funktionen ermöglichen hier inzwischen einen ganzheitlichen Ansatz. So lassen sich einerseits per Remote-Zugriff auf die Fahrzeuge viele Wartungsaufgaben schneller und sparsamer erledigen als je zuvor. Denn auf diese Weise verringern sich Reisekosten und Kraftstoffverbrauch der Service-Mitarbeiter ebenso, wie sich die Ausfallzeiten für den jeweiligen Abfertigungsbetrieb am Flughafen minimieren. „Auf der anderen Seite bieten die von den Fahrzeugen gesammelten Informationen – also Betriebsstunden, gefahrene Strecke und Art der bewegten Flugzeuge – spannende Möglichkeiten zur Prozess­optimierung. Mithilfe einer derart breiten Datenbasis können Abläufe auf maximale Effizienz und Nachhaltigkeit getrimmt werden.“ Damit einher geht das immer relevantere Thema „Predictive Maintenance“, also vorausschauende Wartung und Instandhaltung. Sie vermeidet überraschende Ausfälle und erhöht damit die Wirtschaftlichkeit beim Betrieb. Bei der Anschaffung von neuem Equipment gebe es deshalb auch keine Ausreden mehr, ist Dube sicher. „Die Themen Nachhaltigkeit und Qualität sowie zukunftsorientierte Technologien werden bei zukünftigen Kaufentscheidungen eine sehr viel größere Rolle spielen, als dies in der Vergangenheit der Fall war.“  

 

Health Management Services von Liebherr 

Vorausschauende Wartung hat sich in der Welt der Luftfahrt schon vor geraumer Zeit als wegweisendes Prinzip erwiesen – insbesondere wegen der dadurch verbesserten Sicherheit. Aktiv mit an Bord ist dabei die Liebherr-Aerospace in Lindenberg im Westallgäu. Erst unlängst haben sich die beiden Airlines airBaltic und SWISS für die dort entwickelten und bereitgestellten „Health Management Services“ entschieden. Wobei es bei der angesprochenen „Gesundheit“ um das Wohlergehen der Technik im Flugzeug geht. Diese profitiert von einem wachsenden Angebot an vorbeugenden Wartungs-Algorithmen sowie Anwendungen zur Trendüberwachung. 

Liebherr Analytics Solutions kombinieren dazu die Leistungsfähigkeit von Big Data und die Möglichkeiten einer proprietären Datenplattform („Artic“) mit dem fundierten Wissen über die Systeme und der damit verbundenen Erfahrung im In-Service Support von Liebherr-Produkten. Daraus entstehen präzise und effiziente Werkzeuge zur Verbesserung der Flugzeugwartung. Das betrifft alle in den Fluggesellschaften vorhandenen Liebherr-Produkte, von Zapfluft- über Luftmanagement- und Fahrwerkssystemen bis hin zu Flugsteuerungskomponenten. 

Die Zusammenarbeit mit airBaltic und SWISS bietet Liebherr-Aerospace nach eigenen Angaben auch eine hervorragende Chance, Feedback zu den Marktanforderungen und Erwartungen im Bereich Health Management zu sammeln. „Durch den Einsatz unserer Analytics Solutions optimieren die Fluggesellschaften ihre Wartungsabläufe und profitieren dabei voll und ganz von unserem OEM-Produktwissen und unseren MRO-Daten“, betont Joël Cadaux, Director Business & Services – Customer Services bei Liebherr-Aerospace & Transportation SAS. 

Obendrein macht eine Kooperation mit dem Brennstoffzellen-Spezialisten General Motors und den Aerospace-Experten in Lindenberg eine weitere neue technische Dimension sichtbar. Beide zusammen wollen ein Stromerzeugungssystem entwickeln, das zeigt, wie Wasserstoff-Brennstoffzellen-basierte Stromsysteme in Flugzeugen eingesetzt werden könnten. Der Aufbau und Test dieses Demonstrators wird in einem Prüflabor, das auf Integrationstests multipler Systeme spezialisiert ist, bei Liebherr-Aerospace in Toulouse (Frankreich) stattfinden. Niedrigere Emissionswerte, geringere Geräuschentwicklung als beim konventionellen Flugzeugbetrieb – mit diesen, unter anderen, Vorteilen der Brennstoffzelle sehen die Unternehmen große Chancen für den Einsatz in der Luftfahrt.  

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