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Rolls-Royce hat einen weiteren Schritt bei der Entwicklung alternativer Schiffsantriebe gemacht. Die internationale Klassifikationsgesellschaft DNV hat den aktuellen mtu-Motoren der Baureihe 4000 die sogenannte Methanol-Readiness bescheinigt.
Das Zertifikat bestätigt ein von Rolls-Royce entwickeltes Konzept, nach dem neu gebaute Schiffsantriebe später auf einen Dual-Fuel-Betrieb umgerüstet werden können. Die Motoren könnten dann sowohl mit konventionellem Kraftstoff als auch mit Methanol betrieben werden.
Für Schiffsbetreiber soll das vor allem mehr Spielraum bei langfristigen Investitionen schaffen. Noch ist nicht absehbar, welche Kraftstoffe sich in der Schifffahrt dauerhaft durchsetzen und wie sich die gesetzlichen Vorgaben zum CO2-Ausstoß entwickeln werden.
„Die ungewisse Entwicklung der CO2-Gesetzgebung erhöht bei vielen Schiffsbetreibern den Wunsch nach mehr Flexibilität bei Antrieb und Kraftstoff“, sagt Lukas Köhler, Senior Vice President Global Marine & Mining bei Rolls-Royce Power Systems. Mit dem Zertifikat wolle das Unternehmen seinen Kunden die Möglichkeit geben, ihre Schiffe künftig auch mit Methanol zu betreiben, sobald der Kraftstoff in ausreichender Menge verfügbar sei.
Rolls-Royce beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit Methanol als Kraftstoff für die Schifffahrt. 2025 testete das Unternehmen in Friedrichshafen nach eigenen Angaben erstmals einen schnelllaufenden Schiffsmotor, der ausschließlich mit Methanol betrieben wurde.
Mittlerweile haben die MTU-Motoren auf verschiedenen Prüfständen mehr als 5.000 Betriebsstunden mit Methanol absolviert. Getestet wurde sowohl der reine Methanolbetrieb als auch die Nutzung im Dual-Fuel-Verfahren.
Die dabei gewonnenen Erkenntnisse bilden nach Angaben des Unternehmens die Grundlage für das nun zertifizierte Umrüstkonzept. Einsatzmöglichkeiten sieht Rolls-Royce unter anderem bei Offshore-Schiffen, Fähren und Megayachten.
Grünes Methanol gilt als eine mögliche Alternative zu fossilem Diesel in der Schifffahrt. Bei seiner Verbrennung entstehen weniger Stickoxid- und Partikelemissionen. Wird der gesamte Weg von der Herstellung des Kraftstoffs bis zu seinem Einsatz an Bord betrachtet, kann zudem der CO2-Fußabdruck deutlich geringer ausfallen als bei fossilen Kraftstoffen.
Neben Methanol arbeitet Rolls-Royce an weiteren Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß seiner Antriebssysteme zu senken. Bereits 2021 wurden wichtige MTU-Motorenbaureihen für den Einsatz von HVO und weiteren Kraftstoffen nach DIN EN 15940 getestet und freigegeben.
Hinzu kommt die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe. Gemeinsam mit dem deutschen E-Fuel-Hersteller Ineratec untersuchte Rolls-Royce zuletzt den erneuerbaren Kraftstoff Matera e-Diesel. Eine entsprechende Laborprüfung wurde im Frühjahr 2026 abgeschlossen.
Rolls-Royce Power Systems mit Sitz in Friedrichshafen beschäftigt weltweit rund 11.000 Mitarbeitende. Unter der Marke MTU entwickelt das Unternehmen unter anderem Motoren und Antriebssysteme für Schiffe sowie schwere Land- und Schienenfahrzeuge.