Frau Kettner

„Einhandteller“: Startup hilft Menschen mit Einschränkungen

Marie Ruddeck und Marcel Dittrich wollen mit ihrem Startup „Frau Kettner“ den Alltag von Menschen mit Einschränkungen erleichtern. Ihr erstes Produkt ist der sogenannte Einhandteller. Was es damit auf sich hat und was ein gepimpter Rollator damit zu tun hat, verrät Marie Ruddeck im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wer steckt hinter „Frau Kettner“?

Marie Ruddeck: Wir entwickeln Produkte für Menschen mit mobilen Einschränkungen. Denn: Integration beginnt mit den kleinen Dingen im Leben.

Warum der Name „Frau Kettner“?

Frau Kettner ist unsere ehemalige Nachbarin, die sich geärgert hat, dass sie kein Licht an ihrem Rollator hat. Also hat sie kurzerhand Panzertape und eine Taschenlampe genommen und ihren Rollator gepimpt. Deswegen haben wir unsere Firma nach ihr benannt: Sie hatte ein Problem und hat dafür eine einfache Lösung gefunden. Das passt zu uns.

Was gab euch den Anstoß, „Frau Kettner“ zu gründen?

Ein Freund von mir hatte einen Schlaganfall erlitten und konnte seine rechte Hand nicht mehr benutzen. Ich bemerkte die Schwierigkeiten, die er beim Essen hatte. Das gab den Anstoß, das Problem zu lösen. Ich entwickelte den Einhandteller während meines Industriedesignstudiums in München. In einem Universitätsprojekt habe ich dann Marcel kennengelernt.

Was war Marcels Motivation?

Bei Marcel steckt eine andere Geschichte dahinter, nämlich seine eigene. Er musste viel Zeit in Rehabilitationszentren verbringen, um sich von einer seltenen Autoimmunerkrankung zu erholen, die sein Augenlicht schwächte. Während dieser Zeit lernte er viele schlecht konzipierte Gesundheitsprodukte und Hilfsmittel kennen. Dabei erkannte er, dass die Bedürfnisse derjenigen mit solchen Einschränkungen nicht angemessen berücksichtigt werden. So beschlossen wir im Januar 2018 gemeinsam unser Unternehmen Frau Kettner zu gründen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Startup?

Wir wollen alltägliche Hilfsmittel für Menschen mit Einschränkungen entwickeln. Der Einhandteller ist unser erstes Produkt. Zurzeit tüfteln wir an einem Schneidebrett, welches Betroffene bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten unterstützen soll. Wir haben noch viele weitere Ideen, beschränken uns in der Anfangsphase erstmal auf diese zwei zueinander stimmigen Produkte. Es werden aber noch viele weitere folgen.

Was unterscheidet den „Einhandteller“ von „normalen“ Tellern?

Durch seine spezielle Form ermöglicht der Einhandteller, dass jede Mahlzeit am Tag mit einer Hand zerkleinert und gegessen werden kann. Mit einem „normalen Teller“ ist es mit einer Hand nicht möglich Gemüse, Fleisch, Obst und ähnliches ohne fremde Hilfe zu schneiden.

Wie funktioniert das genau?

Auf der Innenseite des Einhandtellers befinden sich speziell angeordnete Zylinder, die es ermöglichen, dass verschiedenste Mahlzeiten beim Schneiden gehalten werden. So können Schnitzel, Kartoffeln, Möhren, Tomaten und alles was sonst so auf dem Tisch landet in mundgerechte Stücke geteilt werden. Der hohe Rand ermöglicht es, kleine Stücke auf die Gabel zu schieben. Durch die schmalen Zylinder in der Mitte des Tellers können zum Beispiel Brötchen oder Mandarinen zum Aufschneiden oder Schälen aufgespießt werden. Eine leichte Soßenschräge ist eingebaut, damit Flüssigkeiten zur Seite fließen. So können sie leichter aufgenommen werden und behindern nicht das Schneiden. An der Unterseite hat der Teller einen Silikonring, damit er rutschfest auf jedem Tisch steht. Die Konstruktion der Unterseite ermöglicht zudem ein einfaches Stapeln der Einhandteller.

Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem „Einhandteller“ erreichen?

Wir verkaufen an betroffene Privatpersonen, überwiegend über unseren Onlineshop und bald auch über Sanitätshäuser. Wir wollen aber auch ambulante und stationäre Pflege, Rehakliniken speziell die Ergotherapeuten erreichen, die sich mit der Rehabilitation von Menschen mit Schlaganfällen, Parkinson und so weiter beschäftigen. Therapieeinrichtungen, Wohnheime, Schulen, Sanitätshäuser und Krankenhäuser sind für uns ebenfalls interessant.

Sie wollen künftig auch eng mit den Allgäuer Werkstätten zusammenarbeiten. Ihr Startup sitzt aber in Berlin. Wie passt das zusammen?

Unser Herz liegt im Allgäu. Wir mussten damals aus rechtlichen Gründen unser Startup in Berlin beheimaten. Aber das komplette Lager und der Versand sind bereits im Allgäu.

Sie suchen gerade nach Investoren über Kickstarter. Was haben Sie mit dem Geld geplant?

Zunächst wollen wir uns mit dem Geld von der Kickstarter-Kampagne die Gussform für die Produktion der Einhandteller in Deutschland finanzieren. Denn Nachhaltigkeit und Qualität hat seinen Preis. Weiteres Geld wird in die Entwicklung der nächsten Produkte und in unser Marketing investiert.

Wo sehen Sie Ihr Startup in 1, 3 und 5 Jahren?

In naher Zukunft sehen wir eine erfolgreiche Präsenz mit dem Einhandteller und dem Schneidebrett in Rehakliniken, Sanitätshäusern und bei Betroffenen zu Hause. In 3 Jahren wollen wir mindestens zwei weitere Produkte auf den Markt bringen und in 5 Jahren wollen wir als Marke einen Namen in der Gesundheitsbranche aufgebaut haben. Frau Kettner, die Firma für coole geniale Hilfsmittel.

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„Einhandteller“: Startup hilft Menschen mit Einschränkungen

Marie Ruddeck und Marcel Dittrich wollen mit ihrem Startup „Frau Kettner“ den Alltag von Menschen mit Einschränkungen erleichtern. Ihr erstes Produkt ist der sogenannte Einhandteller. Was es damit auf sich hat und was ein gepimpter Rollator damit zu tun hat, verrät Marie Ruddeck im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wer steckt hinter „Frau Kettner“?

Marie Ruddeck: Wir entwickeln Produkte für Menschen mit mobilen Einschränkungen. Denn: Integration beginnt mit den kleinen Dingen im Leben.

Warum der Name „Frau Kettner“?

Frau Kettner ist unsere ehemalige Nachbarin, die sich geärgert hat, dass sie kein Licht an ihrem Rollator hat. Also hat sie kurzerhand Panzertape und eine Taschenlampe genommen und ihren Rollator gepimpt. Deswegen haben wir unsere Firma nach ihr benannt: Sie hatte ein Problem und hat dafür eine einfache Lösung gefunden. Das passt zu uns.

Was gab euch den Anstoß, „Frau Kettner“ zu gründen?

Ein Freund von mir hatte einen Schlaganfall erlitten und konnte seine rechte Hand nicht mehr benutzen. Ich bemerkte die Schwierigkeiten, die er beim Essen hatte. Das gab den Anstoß, das Problem zu lösen. Ich entwickelte den Einhandteller während meines Industriedesignstudiums in München. In einem Universitätsprojekt habe ich dann Marcel kennengelernt.

Was war Marcels Motivation?

Bei Marcel steckt eine andere Geschichte dahinter, nämlich seine eigene. Er musste viel Zeit in Rehabilitationszentren verbringen, um sich von einer seltenen Autoimmunerkrankung zu erholen, die sein Augenlicht schwächte. Während dieser Zeit lernte er viele schlecht konzipierte Gesundheitsprodukte und Hilfsmittel kennen. Dabei erkannte er, dass die Bedürfnisse derjenigen mit solchen Einschränkungen nicht angemessen berücksichtigt werden. So beschlossen wir im Januar 2018 gemeinsam unser Unternehmen Frau Kettner zu gründen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Startup?

Wir wollen alltägliche Hilfsmittel für Menschen mit Einschränkungen entwickeln. Der Einhandteller ist unser erstes Produkt. Zurzeit tüfteln wir an einem Schneidebrett, welches Betroffene bei der Zubereitung ihrer Mahlzeiten unterstützen soll. Wir haben noch viele weitere Ideen, beschränken uns in der Anfangsphase erstmal auf diese zwei zueinander stimmigen Produkte. Es werden aber noch viele weitere folgen.

Was unterscheidet den „Einhandteller“ von „normalen“ Tellern?

Durch seine spezielle Form ermöglicht der Einhandteller, dass jede Mahlzeit am Tag mit einer Hand zerkleinert und gegessen werden kann. Mit einem „normalen Teller“ ist es mit einer Hand nicht möglich Gemüse, Fleisch, Obst und ähnliches ohne fremde Hilfe zu schneiden.

Wie funktioniert das genau?

Auf der Innenseite des Einhandtellers befinden sich speziell angeordnete Zylinder, die es ermöglichen, dass verschiedenste Mahlzeiten beim Schneiden gehalten werden. So können Schnitzel, Kartoffeln, Möhren, Tomaten und alles was sonst so auf dem Tisch landet in mundgerechte Stücke geteilt werden. Der hohe Rand ermöglicht es, kleine Stücke auf die Gabel zu schieben. Durch die schmalen Zylinder in der Mitte des Tellers können zum Beispiel Brötchen oder Mandarinen zum Aufschneiden oder Schälen aufgespießt werden. Eine leichte Soßenschräge ist eingebaut, damit Flüssigkeiten zur Seite fließen. So können sie leichter aufgenommen werden und behindern nicht das Schneiden. An der Unterseite hat der Teller einen Silikonring, damit er rutschfest auf jedem Tisch steht. Die Konstruktion der Unterseite ermöglicht zudem ein einfaches Stapeln der Einhandteller.

Welche Zielgruppe wollen Sie mit dem „Einhandteller“ erreichen?

Wir verkaufen an betroffene Privatpersonen, überwiegend über unseren Onlineshop und bald auch über Sanitätshäuser. Wir wollen aber auch ambulante und stationäre Pflege, Rehakliniken speziell die Ergotherapeuten erreichen, die sich mit der Rehabilitation von Menschen mit Schlaganfällen, Parkinson und so weiter beschäftigen. Therapieeinrichtungen, Wohnheime, Schulen, Sanitätshäuser und Krankenhäuser sind für uns ebenfalls interessant.

Sie wollen künftig auch eng mit den Allgäuer Werkstätten zusammenarbeiten. Ihr Startup sitzt aber in Berlin. Wie passt das zusammen?

Unser Herz liegt im Allgäu. Wir mussten damals aus rechtlichen Gründen unser Startup in Berlin beheimaten. Aber das komplette Lager und der Versand sind bereits im Allgäu.

Sie suchen gerade nach Investoren über Kickstarter. Was haben Sie mit dem Geld geplant?

Zunächst wollen wir uns mit dem Geld von der Kickstarter-Kampagne die Gussform für die Produktion der Einhandteller in Deutschland finanzieren. Denn Nachhaltigkeit und Qualität hat seinen Preis. Weiteres Geld wird in die Entwicklung der nächsten Produkte und in unser Marketing investiert.

Wo sehen Sie Ihr Startup in 1, 3 und 5 Jahren?

In naher Zukunft sehen wir eine erfolgreiche Präsenz mit dem Einhandteller und dem Schneidebrett in Rehakliniken, Sanitätshäusern und bei Betroffenen zu Hause. In 3 Jahren wollen wir mindestens zwei weitere Produkte auf den Markt bringen und in 5 Jahren wollen wir als Marke einen Namen in der Gesundheitsbranche aufgebaut haben. Frau Kettner, die Firma für coole geniale Hilfsmittel.

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