Startup Interview

Alamos: Das „digitale Schweizer Taschenmesser für Rettungskräfte“

Beim Startup Alamos aus dem Landkreis Dillingen dreht sich alles um das Thema Alarmierung. Wir haben bei den Gründern Simon Scherer, Manuel Gebert und Andreas Bettenburg nachgefragt, wie sie es von einem Studenten-Projekt zu einer GmbH geschafft haben und ob Deutschland überhaupt digital genug für eine Alarmierungs-App ist.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie kamt ihr dazu, ein Startup für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und Industrielösungen zu gründen?

Manuel Gebert: Wir Gründer kennen uns alle aus dem Informatik-Studium an der FH Augsburg. Simon, unser Geschäftsführer, hatte damals in den ersten Semesterferien für seine eigene Feuerwehr in Unterglauheim eine SMS Alarmierung entwickelt. Er hatte dann auch die Idee, im Rahmen einer Projektarbeit das Ganze groß aufzusetzen und hat seine ersten Erfahrungen und viele weitere Ideen eingebracht. Als er uns dann die Idee vorgestellt hat, waren wir von Anfang an gleich begeistert und haben gemeinsam das Projekt an der FH eingereicht und umgesetzt. Die damalige Lösung haben wir dann auch in einem BOS Forum veröffentlicht. Die Rückmeldungen waren gigantisch. Wir waren damals quasi die ersten mit einer solchen Lösung im Bereich Zusatzalarmierung. 

Was ist die Idee hinter Alamos?  

Simon Scherer: Unser Ziel ist es, eine zuverlässige, sichere und bezahlbare Zusatzalarmierung für Einsatzkräfte anzubieten. Hierbei können als Endgeräte für den Alarmempfang die sowieso vorhandenen mobilen Endgeräte genutzt werden. Zudem kann man mit unserer Software Einsatzdaten aus verschiedensten Quellen sammeln, bündeln und aufbereiten. Alamos ist eine vollumfängliche Lösung im Bezug auf Alarmierung und Alarmvisualisierung, Rückmeldung, Verfügbarkeit, Einsatznavigation und ein Objektverzeichnis. Wir wollen das digitale Schweizer Taschenmesser für Rettungskräfte sein. 

Seid ihr als GmbH überhaupt noch ein Start-up? Was macht euch in euren Augen zum Startup? 

Andreas Bettenburg: Aufgrund der Mitarbeiterzahl und des Arbeitsklimas sehen wir uns schon noch als Startup. Wir selbst haben bis vor drei Jahren die Firma nur nebenberuflich betrieben und sind erst Schritt für Schritt die letzten Jahre Vollzeit eingestiegen. Mittlerweile haben wir aber schon Mitarbeiter, die nach der Gründung dazugekommen sind. 

Woher kommen eure Erfahrungen im Bereich BOS? Seid ihr selbst beim THW oder der Feuerwehr aktiv? 

Manuel Gebert: Zunächst haben wir natürlich Mitarbeiter, die Mitglied in teilweise sogar mehreren Feuerwehren sind. Weiterhin haben wir uns über die Jahre ein enges, persönliches Kontaktnetzwerk zu Entscheidungsträgern  und namhaften Herstellern im BOS Bereich aufgebaut. Viel wertvoller Input kommt aber auch von unserem deutschlandweitem Reseller-Netzwerk aus unterschiedlichen Fachbereichen. 

Wo kommen eure Produkte überall zum Einsatz?

Simon Scherer: Das Kerngeschäft sind natürlich Feuerwehr und Rettungsdienst in sämtlichen Organisationsbereichen (DRK, BRK, Malteser, THW,...). Hier decken wir alle Größen ab - von der kleinen, ländlichen Feuerwehr bis zu komplexen, einheitlichen Landkreislösungen. Ein weiterer großer Bereich ist Industrie in verschiedensten Fachrichtungen. Auch immer mehr Krankenhäuser steigen mittlerweile ein, um zum Beispiel Telefonketten bei Großschadenslagen abzulösen. Wir stoßen aber auch immer wieder auf komplett neue Kundensegmente wie Schulen oder auch ein Kernkraftwerk. Das erweitert natürlich unseren Horizont und bietet uns regelmäßig neue, spannende Herausforderungen. 

Ihr arbeitet mit großen Industriekunden zusammen. Welche Vorteile bringt das mit sich? 

Andreas Bettenburg: Zum einen bieten uns diese Partner neue, technisch Interessante Anforderungen über den Tellerrand hinaus. Beispielhaft sind hier ein direkter Anschluss an Brandmeldeanlagen und Alarmeingang über Kameras mit Feuererkennung. 

Aber auch die freiwilligen Einsatzkräfte profitieren davon, wenn Anforderungen aus dem Industriebereich in unsere Standardsoftware Einzug halten. Hier ist die intelligente Gebäudesteuerung im Alarmfall ein gutes Beispiel. Diese Lösungen können dann auch von allen Einsatzkräften genutzt werden. 

Ihr habt auch schon einige Feuerwehren ausgestattet. Worauf kommt es da an? 

Manuel Gebert: Ohne spezielles Fachwissen wäre es hier schwierig bis unmöglich, passende Umsetzungen anzubieten. Dieses Feedback kommt auch aus vielen Vor-Ort Terminen. Neben hohen Ansprüchen an Datenschutz, Zuverlässigkeit und Sicherheit ist aber auch eine hohe Flexibilität der Software notwendig. Die Anforderungen unterscheiden sich teilweise von Ort zu Ort. Nicht zuletzt ist auch eine gewisse Endnutzerbegeisterung notwendig. Die App´s werden ja schließlich von den Feuerwehr-Mitgliedern genutzt. Hier ist eine ansprechende Grafik und einfache Handhabung notwendig. 

Ist Deutschland digital genug für eure Lösung? Was passiert bei Funklöchern?  

Simon Scherer: Leider ist Deutschland bekannter weise in manchen ländlichen Räumen was Netzabdeckung angeht noch im Rückschritt. Die Erreichbarkeit zuhause ist meist zumindest noch durch einen Internetanschluss mit WLAN gegeben. Für unterwegs bieten wir auch eine Fallback-Alarmierung per SMS an, falls der Alarm über (mobiles) Internet nicht schnell genug zugestellt wurde. Auch die Digitalisierung der Alarmierung von Feuerwehren an sich lässt leider noch zu wünschen übrig. Hier werden meist wertvolle Einsatzdaten noch per Fax aus den Leitstellen versendet. Prinzipiell stellen wir aber seit wir am Markt sind ein großes Umdenken fest. Digitalisierung hat im ganzen BOS-Sektor Einzug gehalten. Mitglieder, Vereine, Behörden und sogar die Innenminsterien Beschäftigen sich damit. Das macht uns schon auch etwas stolz. 

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Startup Interview

Alamos: Das „digitale Schweizer Taschenmesser für Rettungskräfte“

Beim Startup Alamos aus dem Landkreis Dillingen dreht sich alles um das Thema Alarmierung. Wir haben bei den Gründern Simon Scherer, Manuel Gebert und Andreas Bettenburg nachgefragt, wie sie es von einem Studenten-Projekt zu einer GmbH geschafft haben und ob Deutschland überhaupt digital genug für eine Alarmierungs-App ist.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie kamt ihr dazu, ein Startup für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und Industrielösungen zu gründen?

Manuel Gebert: Wir Gründer kennen uns alle aus dem Informatik-Studium an der FH Augsburg. Simon, unser Geschäftsführer, hatte damals in den ersten Semesterferien für seine eigene Feuerwehr in Unterglauheim eine SMS Alarmierung entwickelt. Er hatte dann auch die Idee, im Rahmen einer Projektarbeit das Ganze groß aufzusetzen und hat seine ersten Erfahrungen und viele weitere Ideen eingebracht. Als er uns dann die Idee vorgestellt hat, waren wir von Anfang an gleich begeistert und haben gemeinsam das Projekt an der FH eingereicht und umgesetzt. Die damalige Lösung haben wir dann auch in einem BOS Forum veröffentlicht. Die Rückmeldungen waren gigantisch. Wir waren damals quasi die ersten mit einer solchen Lösung im Bereich Zusatzalarmierung. 

Was ist die Idee hinter Alamos?  

Simon Scherer: Unser Ziel ist es, eine zuverlässige, sichere und bezahlbare Zusatzalarmierung für Einsatzkräfte anzubieten. Hierbei können als Endgeräte für den Alarmempfang die sowieso vorhandenen mobilen Endgeräte genutzt werden. Zudem kann man mit unserer Software Einsatzdaten aus verschiedensten Quellen sammeln, bündeln und aufbereiten. Alamos ist eine vollumfängliche Lösung im Bezug auf Alarmierung und Alarmvisualisierung, Rückmeldung, Verfügbarkeit, Einsatznavigation und ein Objektverzeichnis. Wir wollen das digitale Schweizer Taschenmesser für Rettungskräfte sein. 

Seid ihr als GmbH überhaupt noch ein Start-up? Was macht euch in euren Augen zum Startup? 

Andreas Bettenburg: Aufgrund der Mitarbeiterzahl und des Arbeitsklimas sehen wir uns schon noch als Startup. Wir selbst haben bis vor drei Jahren die Firma nur nebenberuflich betrieben und sind erst Schritt für Schritt die letzten Jahre Vollzeit eingestiegen. Mittlerweile haben wir aber schon Mitarbeiter, die nach der Gründung dazugekommen sind. 

Woher kommen eure Erfahrungen im Bereich BOS? Seid ihr selbst beim THW oder der Feuerwehr aktiv? 

Manuel Gebert: Zunächst haben wir natürlich Mitarbeiter, die Mitglied in teilweise sogar mehreren Feuerwehren sind. Weiterhin haben wir uns über die Jahre ein enges, persönliches Kontaktnetzwerk zu Entscheidungsträgern  und namhaften Herstellern im BOS Bereich aufgebaut. Viel wertvoller Input kommt aber auch von unserem deutschlandweitem Reseller-Netzwerk aus unterschiedlichen Fachbereichen. 

Wo kommen eure Produkte überall zum Einsatz?

Simon Scherer: Das Kerngeschäft sind natürlich Feuerwehr und Rettungsdienst in sämtlichen Organisationsbereichen (DRK, BRK, Malteser, THW,...). Hier decken wir alle Größen ab - von der kleinen, ländlichen Feuerwehr bis zu komplexen, einheitlichen Landkreislösungen. Ein weiterer großer Bereich ist Industrie in verschiedensten Fachrichtungen. Auch immer mehr Krankenhäuser steigen mittlerweile ein, um zum Beispiel Telefonketten bei Großschadenslagen abzulösen. Wir stoßen aber auch immer wieder auf komplett neue Kundensegmente wie Schulen oder auch ein Kernkraftwerk. Das erweitert natürlich unseren Horizont und bietet uns regelmäßig neue, spannende Herausforderungen. 

Ihr arbeitet mit großen Industriekunden zusammen. Welche Vorteile bringt das mit sich? 

Andreas Bettenburg: Zum einen bieten uns diese Partner neue, technisch Interessante Anforderungen über den Tellerrand hinaus. Beispielhaft sind hier ein direkter Anschluss an Brandmeldeanlagen und Alarmeingang über Kameras mit Feuererkennung. 

Aber auch die freiwilligen Einsatzkräfte profitieren davon, wenn Anforderungen aus dem Industriebereich in unsere Standardsoftware Einzug halten. Hier ist die intelligente Gebäudesteuerung im Alarmfall ein gutes Beispiel. Diese Lösungen können dann auch von allen Einsatzkräften genutzt werden. 

Ihr habt auch schon einige Feuerwehren ausgestattet. Worauf kommt es da an? 

Manuel Gebert: Ohne spezielles Fachwissen wäre es hier schwierig bis unmöglich, passende Umsetzungen anzubieten. Dieses Feedback kommt auch aus vielen Vor-Ort Terminen. Neben hohen Ansprüchen an Datenschutz, Zuverlässigkeit und Sicherheit ist aber auch eine hohe Flexibilität der Software notwendig. Die Anforderungen unterscheiden sich teilweise von Ort zu Ort. Nicht zuletzt ist auch eine gewisse Endnutzerbegeisterung notwendig. Die App´s werden ja schließlich von den Feuerwehr-Mitgliedern genutzt. Hier ist eine ansprechende Grafik und einfache Handhabung notwendig. 

Ist Deutschland digital genug für eure Lösung? Was passiert bei Funklöchern?  

Simon Scherer: Leider ist Deutschland bekannter weise in manchen ländlichen Räumen was Netzabdeckung angeht noch im Rückschritt. Die Erreichbarkeit zuhause ist meist zumindest noch durch einen Internetanschluss mit WLAN gegeben. Für unterwegs bieten wir auch eine Fallback-Alarmierung per SMS an, falls der Alarm über (mobiles) Internet nicht schnell genug zugestellt wurde. Auch die Digitalisierung der Alarmierung von Feuerwehren an sich lässt leider noch zu wünschen übrig. Hier werden meist wertvolle Einsatzdaten noch per Fax aus den Leitstellen versendet. Prinzipiell stellen wir aber seit wir am Markt sind ein großes Umdenken fest. Digitalisierung hat im ganzen BOS-Sektor Einzug gehalten. Mitglieder, Vereine, Behörden und sogar die Innenminsterien Beschäftigen sich damit. Das macht uns schon auch etwas stolz. 

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