Interview

Startup plus10: Allzweckwaffe gegen Maschinenstillstände

Ehemalige Forscher des Fraunhofer IPA haben eine Allzweckwaffe gegen Maschinenstillstände erfunden. Vor einem Jahr haben sie sich selbständig gemacht und plus10 gegründet. Felix Georg Müller, CEO und Mitgründer von plus10, hat uns im Interview verraten, wie sie die Corona-Krise als junges Unternehmen meistern wollen und welche Ziele sie verfolgen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf euch als junges Unternehmen aus?

Felix Georg Müller: Durch unsere vorwiegende Tätigkeit in Deutschland, der Schweiz und angrenzenden Ländern spüren wir natürlich die Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen Abkühlung. Die meisten unserer Kundinnen und Kunden fokussieren sich auf die Herausforderungen, mit denen sie sich aufgrund der Corona-Krise konfrontiert sehen. In Summe geht es uns aber sehr gut im Vergleich zu anderen kleinen und mittleren Unternehmen. Doch auch wir wurden ordentlich geschüttelt: wir mussten schnell neue Kundinnen und Kunden finden. 

Ihr habt bereits zwei Produkte entwickelt. Was hat es damit auf sich?

Wir entwickeln und vertreiben Software zur automatisieren Produktionsoptimierung. Unser Anspruch als Fraunhofer KI-Spinoff an uns selbst ist es, nicht einfach nur ein Analysetool oder Dashboard zu liefern. Vielmehr schlagen wir im Betrieb von Produktionsanlagen Maßnahmen zur technischen Optimierung automatisiert und kontinuierlich vor. Das bedeutet, unsere Tools liefern konkrete Vorschläge und unterstützen auf diese Weise das Personal auf dem Shopfloor wie auch in der Instandhaltung.

Zu euren Kunden zählen Unternehmen aus dem Medizinprodukte- und Pharma-Bereich. Welchen medizinischen Bedarf erfüllt ihr mit eurem Produkt?

In der Pharmabranche beziehungsweise der Medizintechnik verursachen vollautomatisierte Anlagen hohe Betriebskosten. Eine Vollautomatisierung ist aber aufgrund der sehr hohen Stückzahlen unumgänglich. Noch dazu gibt es viele Regularien für die Produktion, die die Patientensicherheit beim Einsatz des späteren Produkts sicherstellen. Auf diese Gegebenheiten angepasst bieten wir Softwareprodukte an, die selbstlernend und vor allem kontinuierlich wirkend die Produktivität solcher Maschinen erhöhen. Stopps im Produktionsablauf durch Störungen, Verkettungsverluste oder lange Fehlersuchzeiten werden durch unsere plus10-Technologie reduziert. Unsere lernenden Softwaretools sind zudem GMP-konform (Good Manufacturing Practice), was bedeutet, dass sie die Richtlinien zur Qualitätssicherung in diesen Branchen erfüllen.

Ihr sitzt im Augsburger aiti-Park. Welche Vorteile bringt das mit sich?

Augsburg bietet für Technologie-Startups beste Gründungs- und Wachstumsvoraussetzungen, gerade auch vor dem Hintergrund der bayerischen Förderprogramme und den sehr guten Bildungseinrichtungen. Wir haben unseren Hauptsitz bewusst von Stuttgart nach Augsburg verlegt, um von dem sehr qualifizierten Fachkräftemarkt und den gut ausgebildeten Hochschul- und Universitätsabsolventinnen und -absolventen zu profitieren. Im aiti-Park spüren wir die Innovationskraft durch die vielen Start-ups und die anderen jungen Firmen, die hier ebenfalls Büroräume haben. Zudem gibt es viele Angebote zur Vernetzung und zum Austausch mit den anderen Teams, was sehr wertvoll sein kann.

Was waren die größten Herausforderungen, die ihr meistern musstet?

In unserer gut einjährigen Firmengeschichte fanden wir uns durch die Corona-Krise gleich in turbulenten Zeiten wieder. Diese Situation ruft mehrere Herausforderungen hervor: Vor allem bei Kunden aus der Automobilbranche, aber auch aus anderen Industriesektoren, herrscht gerade eine große Marktunsicherheit. Daher konzentrieren sich viele Firmen auf ihr Kerngeschäft und sind skeptisch bei Investitionen in neue Technologien. Doch wir bieten mit unserer Software eben für genau solche Szenarien hilfreiche Werkzeuge an, um diese kritische Zeit möglichst gut zu überstehen.

Welche kurz- und langfristigen Ziele verfolgt ihr?

Entlang der Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden sowie neuen Anforderungen entwickeln wir kontinuierlich neue Produktfeatures, um unsere Optimierungstechnologie leichter anwendbar, selbsterklärender und effektiver zu gestalten. Unsere internen Forschungsaktivitäten umfassen neue Kommunikationprotokolle für die Echtzeitkommunikation in Fertigungsmaschinen, weitere Standardisierungen für selbsterklärende Metadatenmodelle und auf der Algorithmenseite neuartige Ansätze, um Deep-Learning-Modelle für den Menschen erklärbar zu machen.

Dies alles trägt zu unserem langfristigen Ziel bei: führender Anbieter für datengetriebene Optimierungen in der komplexen Produktion zu sein. Dafür planen wir bereits die nächsten Expansionsschritte und suchen passende Skalierungspartner, um erfolgreich aus der Krise hervorzugehen.

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Startup plus10: Allzweckwaffe gegen Maschinenstillstände

Ehemalige Forscher des Fraunhofer IPA haben eine Allzweckwaffe gegen Maschinenstillstände erfunden. Vor einem Jahr haben sie sich selbständig gemacht und plus10 gegründet. Felix Georg Müller, CEO und Mitgründer von plus10, hat uns im Interview verraten, wie sie die Corona-Krise als junges Unternehmen meistern wollen und welche Ziele sie verfolgen.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf euch als junges Unternehmen aus?

Felix Georg Müller: Durch unsere vorwiegende Tätigkeit in Deutschland, der Schweiz und angrenzenden Ländern spüren wir natürlich die Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen Abkühlung. Die meisten unserer Kundinnen und Kunden fokussieren sich auf die Herausforderungen, mit denen sie sich aufgrund der Corona-Krise konfrontiert sehen. In Summe geht es uns aber sehr gut im Vergleich zu anderen kleinen und mittleren Unternehmen. Doch auch wir wurden ordentlich geschüttelt: wir mussten schnell neue Kundinnen und Kunden finden. 

Ihr habt bereits zwei Produkte entwickelt. Was hat es damit auf sich?

Wir entwickeln und vertreiben Software zur automatisieren Produktionsoptimierung. Unser Anspruch als Fraunhofer KI-Spinoff an uns selbst ist es, nicht einfach nur ein Analysetool oder Dashboard zu liefern. Vielmehr schlagen wir im Betrieb von Produktionsanlagen Maßnahmen zur technischen Optimierung automatisiert und kontinuierlich vor. Das bedeutet, unsere Tools liefern konkrete Vorschläge und unterstützen auf diese Weise das Personal auf dem Shopfloor wie auch in der Instandhaltung.

Zu euren Kunden zählen Unternehmen aus dem Medizinprodukte- und Pharma-Bereich. Welchen medizinischen Bedarf erfüllt ihr mit eurem Produkt?

In der Pharmabranche beziehungsweise der Medizintechnik verursachen vollautomatisierte Anlagen hohe Betriebskosten. Eine Vollautomatisierung ist aber aufgrund der sehr hohen Stückzahlen unumgänglich. Noch dazu gibt es viele Regularien für die Produktion, die die Patientensicherheit beim Einsatz des späteren Produkts sicherstellen. Auf diese Gegebenheiten angepasst bieten wir Softwareprodukte an, die selbstlernend und vor allem kontinuierlich wirkend die Produktivität solcher Maschinen erhöhen. Stopps im Produktionsablauf durch Störungen, Verkettungsverluste oder lange Fehlersuchzeiten werden durch unsere plus10-Technologie reduziert. Unsere lernenden Softwaretools sind zudem GMP-konform (Good Manufacturing Practice), was bedeutet, dass sie die Richtlinien zur Qualitätssicherung in diesen Branchen erfüllen.

Ihr sitzt im Augsburger aiti-Park. Welche Vorteile bringt das mit sich?

Augsburg bietet für Technologie-Startups beste Gründungs- und Wachstumsvoraussetzungen, gerade auch vor dem Hintergrund der bayerischen Förderprogramme und den sehr guten Bildungseinrichtungen. Wir haben unseren Hauptsitz bewusst von Stuttgart nach Augsburg verlegt, um von dem sehr qualifizierten Fachkräftemarkt und den gut ausgebildeten Hochschul- und Universitätsabsolventinnen und -absolventen zu profitieren. Im aiti-Park spüren wir die Innovationskraft durch die vielen Start-ups und die anderen jungen Firmen, die hier ebenfalls Büroräume haben. Zudem gibt es viele Angebote zur Vernetzung und zum Austausch mit den anderen Teams, was sehr wertvoll sein kann.

Was waren die größten Herausforderungen, die ihr meistern musstet?

In unserer gut einjährigen Firmengeschichte fanden wir uns durch die Corona-Krise gleich in turbulenten Zeiten wieder. Diese Situation ruft mehrere Herausforderungen hervor: Vor allem bei Kunden aus der Automobilbranche, aber auch aus anderen Industriesektoren, herrscht gerade eine große Marktunsicherheit. Daher konzentrieren sich viele Firmen auf ihr Kerngeschäft und sind skeptisch bei Investitionen in neue Technologien. Doch wir bieten mit unserer Software eben für genau solche Szenarien hilfreiche Werkzeuge an, um diese kritische Zeit möglichst gut zu überstehen.

Welche kurz- und langfristigen Ziele verfolgt ihr?

Entlang der Rückmeldungen unserer Kundinnen und Kunden sowie neuen Anforderungen entwickeln wir kontinuierlich neue Produktfeatures, um unsere Optimierungstechnologie leichter anwendbar, selbsterklärender und effektiver zu gestalten. Unsere internen Forschungsaktivitäten umfassen neue Kommunikationprotokolle für die Echtzeitkommunikation in Fertigungsmaschinen, weitere Standardisierungen für selbsterklärende Metadatenmodelle und auf der Algorithmenseite neuartige Ansätze, um Deep-Learning-Modelle für den Menschen erklärbar zu machen.

Dies alles trägt zu unserem langfristigen Ziel bei: führender Anbieter für datengetriebene Optimierungen in der komplexen Produktion zu sein. Dafür planen wir bereits die nächsten Expansionsschritte und suchen passende Skalierungspartner, um erfolgreich aus der Krise hervorzugehen.

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