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Die Kosten für unser Gesundheitssystem steigen. Es ist richtig darüber zu sprechen, wie wir hier sparen können. „Keine Denkverbote“ war das Credo der Kommission, die jetzt ihre Vorschläge vorgestellt hat. Grundsätzlich löblich. So ist eine Steuer auf Alkohol, Tabak und zuckerhaltige Getränke aus meiner Sicht definitiv ein richtiger Ansatz.
Andere Vorschläge machen mich jedoch fassungslos und ich habe den Eindruck, dass die Kommission sich dort durchaus Denkverbote auferlegt hat: Statt bei den Ursachen anzusetzen, hat sie sich in einigen Themen daran abgearbeitet, Symptome zu bekämpfen.
So schlägt die Kommission vor, bei der Hautkrebsvorsorge zu sparen. Grund: Der Nutzen sei nicht erwiesen. Die Vorsorge soll nur noch für Hochrisikogruppen von den Kassen bezahlt werden. Vorsorge streichen, statt auf Prävention zu setzen. Und das zu einer Zeit, in der durch den Klimawandel die UV-Belastung und damit das Risiko für Hautkrebs steigen.
Für mich klingt das wie ein schlechter Witz und ist kurzfristig gedacht. Wird Krebs zu spät erkannt, kommen auf die Krankenkassen für Behandlung und Krankgengeld enorme Kosten zu. Für die Unternehmen bedeutet es Ausfälle von Mitarbeitenden, die in diesem Ausmaß nicht hätten sein müssen. Ganz abgesehen davon, dass es auf Kosten der Gesundheit von Menschen geht.
Die Folgen von weniger Hautkrebsvorsorge haben wir übrigens schon durch die Corona-Pandemie gesehen: Aus Angst vor Ansteckung haben weniger Menschen ein Hautkrebsscreening machen lassen. Eine Auswertung des Bayerischen Krebsregisters des Bayerischen Landesamts für Gesundheit zeigt, dass im ersten Pandemie-Jahr der melanotische Hautkrebs um 15,6 Prozent weniger diagnostiziert wurde als in den Jahren davor.
Auch schlägt die Kommission vor, dass Ehepartner künftig nicht mehr kostenlos mitversichert werden können. Ausnahme: Man steht vor dem Rentenalter oder hat Kinder unter sechs Jahren. Der Vorschlag geht an der Realität von Familien vorbei.
Die Kommission geht pauschal davon aus, dass durch den Rechtsanspruch auf ganztätige Betreuung im Grundschulalter die Betreuung der Kinder auch tatsächlich gewährleistet sei. Dass dies in der Realität nicht funktioniert, zeigt schon der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Zudem fehlen laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bis zum Schuljahr 2029/2030 in Westdeutschland mindestens 150.000 zusätzliche Plätze in der Ganztagsbetreuung der Grundschulen. Bayern ist derzeit Schlusslicht. Dass Kinder krank werden oder Eltern individuelle Gründe haben, warum sie nicht beide arbeiten gehen, wird überhaupt nicht berücksichtigt.
Darüber hinaus ändern die Argumentation der Kommission und der Rechtsanspruch nichts daran, dass es in vielen Unternehmen und Behörden an modernen Arbeitszeitmodellen fehlt, damit Eltern Familie und Arbeit unter einen Hut bringen können.
Bevor pauschal Leistungen gestrichen werden sollen, ist es aus meiner Sicht wichtiger zu prüfen, welche Strukturen Eltern dazu drängen, dass nicht beide arbeiten gehen (können). Das hätte langfristig mehr positive Effekte, auch auf den Arbeits- und Fachkräftemangel der Unternehmen.
Generell könnten sich unsere Krankenkassen und in Folge auch die Unternehmen viel Geld sparen, wenn wir den Fokus auf ein präventives Gesundheitssystem legen würden. Statt einer Reparaturmedizin wie jetzt würden dann viele Krankheiten und Beschwerden gar nicht erst entstehen – und daraus folgende und hohe Kosten ebenfalls nicht.