ISP Eduard Pestel Institut für Systemforschung e.V.

Pestel-Institut: Augsburg braucht 3,2-mal mehr neue Wohnungen als bisher

Symbolbild. Foto: Tobias Seifert

Das Eduard-Pestel-Institut stellt in seiner aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse für Augsburg fest: Die Fuggerstadt muss 3,2-mal mehr Wohnungen schaffen als bisher, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum decken zu können. 

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Augsburg ist unabhängig von der Flüchtlingskrise ein immer größer werdendes Problem. „Die Flüchtlingsströme sind nicht der Grund für unsere grundständige Problematik“, stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl erst kürzlich klar. Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass sich durch die überraschend hohe Anzahl der Neuankömmlinge die Lage zuspitzt. In Augsburg werden rund 1.360 zusätzliche Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Eduard-Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für Augsburg in 2015 damit auf rund 3.960 Wohnungen. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren in Augsburg allerdings lediglich rund 1.240 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.

Augsburg braucht 3,2-mal so viele Wohnungen wie bisher

„Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht Augsburg in diesem Jahr 3,2-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. Auch in den kommenden Jahren müsse sich Augsburg auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“. Matthias Günther war auch einer der Referenten des Fachtags „Bezahlbares Wohnen im Großraum Augsburg“. 

Augsburg braucht dringend mehr bezahlbaren Wohnraum

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler des Pestel-Instituts bei der Wohnungsmarkt-Analyse für Augsburg: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich.

Private Investoren könnten durch steuerliche Anreize gewonnen werden

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Zudem ist eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent geplant, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Diese gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, so Günther.

500 Millionen Euro-Förderung vom Bund „wird hinten und vorne nicht reichen“

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10.000 und 12.000 Wohnungen neu entstehen. Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt. Augsburg wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther.

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Neubau und Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor

An die Adresse der heimischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, fügt der Wissenschaftler hinzu: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Denn, was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, macht Institutschef Günther klar.

Pro 100 Flüchtlinge braucht Augsburg rund 40 zusätzliche Wohnungen

Das Pestel-Institut in Hannover geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 3.390 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres nach Augsburg kommen werden. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer berechneten die Wissenschaftler nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl. „Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die nach Augsburg kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Matthias Günther.

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Pestel-Institut: Augsburg braucht 3,2-mal mehr neue Wohnungen als bisher

Symbolbild. Foto: Tobias Seifert

Das Eduard-Pestel-Institut stellt in seiner aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse für Augsburg fest: Die Fuggerstadt muss 3,2-mal mehr Wohnungen schaffen als bisher, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum decken zu können. 

von Rebecca Weingarten, Online-Redaktion

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Augsburg ist unabhängig von der Flüchtlingskrise ein immer größer werdendes Problem. „Die Flüchtlingsströme sind nicht der Grund für unsere grundständige Problematik“, stellte Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl erst kürzlich klar. Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass sich durch die überraschend hohe Anzahl der Neuankömmlinge die Lage zuspitzt. In Augsburg werden rund 1.360 zusätzliche Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, gebraucht. Das geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Analyse des Eduard-Pestel-Instituts hervor. Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Gesamt-Wohnungsbedarf für Augsburg in 2015 damit auf rund 3.960 Wohnungen. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren in Augsburg allerdings lediglich rund 1.240 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt.

Augsburg braucht 3,2-mal so viele Wohnungen wie bisher

„Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her. Immerhin braucht Augsburg in diesem Jahr 3,2-mal so viele Wohnungen wie bislang jährlich überhaupt neu gebaut wurden“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. Auch in den kommenden Jahren müsse sich Augsburg auf einen „hohen Wohnraumbedarf einstellen“. Matthias Günther war auch einer der Referenten des Fachtags „Bezahlbares Wohnen im Großraum Augsburg“. 

Augsburg braucht dringend mehr bezahlbaren Wohnraum

Zwei „Mangelerscheinungen“ diagnostizieren die Wissenschaftler des Pestel-Instituts bei der Wohnungsmarkt-Analyse für Augsburg: „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen. Also vier Wände für die Menschen, die sich teure Wohnungen in der Regel nicht leisten können: Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich.

Private Investoren könnten durch steuerliche Anreize gewonnen werden

Um private Investoren zu gewinnen, schlagen die Wissenschaftler steuerliche Anreize vor. So sollte regional und zeitlich begrenzt in Verbindung mit Mietobergrenzen eine lineare Abschreibung für Abnutzung (AfA) von vier Prozent eingeführt werden. Zudem ist eine degressive Abschreibung mit anfänglich zehn Prozent geplant, um den sozialen Wohnungsbau zu stärken. Diese gab es bereits bei der letzten großen Zuwanderungswelle in den 90er-Jahren. „Wenn private Investoren bezahlbare Wohnungen bauen sollen, dann wird das ohne steuerliche Anreize nicht funktionieren“, so Günther.

500 Millionen Euro-Förderung vom Bund „wird hinten und vorne nicht reichen“

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorne nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10.000 und 12.000 Wohnungen neu entstehen. Das ist eine Kapazität, die eine Großstadt nur so wegschluckt. Augsburg wird davon nicht wirklich spürbar profitieren“, sagt Matthias Günther.

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Neubau und Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor

An die Adresse der heimischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, fügt der Wissenschaftler hinzu: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Denn, was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, macht Institutschef Günther klar.

Pro 100 Flüchtlinge braucht Augsburg rund 40 zusätzliche Wohnungen

Das Pestel-Institut in Hannover geht bei seiner Wohn-Prognose von rund 3.390 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres nach Augsburg kommen werden. Grundlage hierfür ist die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen in 2015. Die Verteilung der Asylbewerber auf die Bundesländer berechneten die Wissenschaftler nach dem sogenannten „Königsteiner Schlüssel“, innerhalb der Länder nach der Einwohnerzahl. „Um die für Asylbewerber zusätzlich benötigten Wohnungen zu ermitteln, gilt die Formel: 100 Flüchtlinge, die nach Augsburg kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen“, erläutert Matthias Günther.

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