Dr. Stefan Söhn im Interview

Osram und LEDVANCE: Dreht China den Geldhahn zu?

Dr. Stefan Söhn. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Zuletzt wurde häufig gefordert, chinesische Investitionen hierzulande einzudämmen. Jetzt will Peking diese sogar selber verhindern.

Zu Gast in unserer Redaktion erklärt Dr. Stefan Söhn, Geschäftsführer der MBL Consulting GmbH, was das für die noch ausstehenden Transfers mit Osram und LEDVANCE bedeutet.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Dr. Söhn, vergangene Woche hat Peking überraschend angekündigt, Kapitalflüsse ins Ausland bremsen zu wollen. Was ist da passiert?

Dr. Stefan Söhn: Zuletzt hat die chinesische Währung stark abgewertet. Das liegt einerseits an dem schwächer werdenden Wirtschaftswachstum. Andererseits spielt auch der in letzter Zeit stark gestiegene Kapitalabfluss eine Rolle. Darüber will die chinesische Regierung jetzt wieder die Kontrolle erlangen.

Die Unsicherheit an sich ist das Problem.
Dr. Stefan Söhn

Warum will die chinesische Regierung den Kapitalexport stoppen?

Der Renminbi hat gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn um 5,6 Prozent an Wert verloren und zwischenzeitlich ein Achtjahrestief erreicht. Dieser Trend soll gestoppt werden. Deswegen werden Geldtransfers nun wohl einer deutlich schärferen Kontrolle unterzogen. Welche Maßnahmen im Einzelnen ergriffen werden, weiß man noch nicht genau. Auslands-Investitionen chinesischer Firmen werden wohl erschwert. Möglicherweise werden auch Gewinn-Ausschüttungen oder Darlehens-Rückzahlungen von Tochter-Gesellschaften ausländischer Unternehmen betroffen sein. Es geht wohl auch darum, den Schwarzgeld-Transfer ins Ausland zu unterbinden. Dieser wird mitunter über Fake-Deals organisiert. 

Die Reaktion Pekings wirft natürlich auch Fragen bezüglich derzeit laufender Transaktionen auf. Investments bis zu fünf Millionen Dollar bleiben wohl weiter unproblematisch. Auslands-Investitionen von mehr als zehn Milliarden Dollar sollen eingefroren werden. Übernahmen mit einem Transaktionswert von über einer Milliarde Dollar sollen untersagt werden, wenn das zu übernehmende Unternehmen nicht zum Kerngeschäft des Investors gehört. Damit wäre der Verkauf von KUKA heute nicht mehr möglich, da Midea vorher nichts mit Robotern zu tun hatte. Investitionen durch Staatsbetriebe in Grund und Boden sollen ab einer Milliarde Dollar gestoppt werden.

Dr. Stefan Söhn im Interview mit Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Was bedeutet das für unsere heimische Wirtschaft?

Ich würde sagen, dass sie eher weniger betroffen sein wird, da sie sehr stark mittelständisch strukturiert ist. Die gerade genannten großen Zahlen haben eher Bedeutung für große Konzerne.

Was ist mit dem Geld, das noch in LEDVANCE und in Osram fließen soll? Sind diese Deals auch betroffen?

Das sind sicher auch Investitionen, die dann genauer geprüft würden. Soweit ich weiß, liegen sie jedoch nicht über einer Milliarde Dollar. Von daher wären sie nicht verboten, es gäbe allenfalls eine Verzögerung.

Problematisch ist vielmehr die Unsicherheit. Unklarheit über die wirtschafts- und fiskalpolitische Linie ist Gift für die Wirtschaft. Eigentlich sind die Chinesen auf gutem Wege, ihre Währung zu internationalisieren und ihr Finanzsystem westlichen Standards anzupassen. Doch solche Schritte sind eher kontraproduktiv. Bemerkenswert ist vor allem, wie hier ohne jede Vorankündigung plötzlich Entscheidungen getroffen werden.    

Aber wir sollten jetzt erst einmal abwarten, bis es nachprüfbare, konkrete Regelungen gibt. Normalerweise lenken die Chinesen bei vielen Dingen auch wieder ein. Sie sind selbst daran interessiert, international als verlässlicher Partner angesehen zu werden. Es wird oft nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Was bedeutet es für Unternehmen wie Osram und LEDVANCE, wenn plötzlich so viel in der Schwebe ist?

Wie gesagt, die Unsicherheit an sich ist das Problem. Wichtig ist in jedem Fall, dass schnellstens Klarheit geschaffen wird. Andernfalls werden zahlreiche beabsichtigte Transaktionen nicht stattfinden, die von den handelnden Unternehmen für strategisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll gehalten werden.

Zum zweiten Teil des Double Features gelangen Sie hier.

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Dr. Stefan Söhn. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
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Dr. Stefan Söhn: Zuletzt hat die chinesische Währung stark abgewertet. Das liegt einerseits an dem schwächer werdenden Wirtschaftswachstum. Andererseits spielt auch der in letzter Zeit stark gestiegene Kapitalabfluss eine Rolle. Darüber will die chinesische Regierung jetzt wieder die Kontrolle erlangen.

Die Unsicherheit an sich ist das Problem.
Dr. Stefan Söhn

Warum will die chinesische Regierung den Kapitalexport stoppen?

Der Renminbi hat gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn um 5,6 Prozent an Wert verloren und zwischenzeitlich ein Achtjahrestief erreicht. Dieser Trend soll gestoppt werden. Deswegen werden Geldtransfers nun wohl einer deutlich schärferen Kontrolle unterzogen. Welche Maßnahmen im Einzelnen ergriffen werden, weiß man noch nicht genau. Auslands-Investitionen chinesischer Firmen werden wohl erschwert. Möglicherweise werden auch Gewinn-Ausschüttungen oder Darlehens-Rückzahlungen von Tochter-Gesellschaften ausländischer Unternehmen betroffen sein. Es geht wohl auch darum, den Schwarzgeld-Transfer ins Ausland zu unterbinden. Dieser wird mitunter über Fake-Deals organisiert. 

Die Reaktion Pekings wirft natürlich auch Fragen bezüglich derzeit laufender Transaktionen auf. Investments bis zu fünf Millionen Dollar bleiben wohl weiter unproblematisch. Auslands-Investitionen von mehr als zehn Milliarden Dollar sollen eingefroren werden. Übernahmen mit einem Transaktionswert von über einer Milliarde Dollar sollen untersagt werden, wenn das zu übernehmende Unternehmen nicht zum Kerngeschäft des Investors gehört. Damit wäre der Verkauf von KUKA heute nicht mehr möglich, da Midea vorher nichts mit Robotern zu tun hatte. Investitionen durch Staatsbetriebe in Grund und Boden sollen ab einer Milliarde Dollar gestoppt werden.

Dr. Stefan Söhn im Interview mit Redakteurin Rebecca Weingarten. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Was bedeutet das für unsere heimische Wirtschaft?

Ich würde sagen, dass sie eher weniger betroffen sein wird, da sie sehr stark mittelständisch strukturiert ist. Die gerade genannten großen Zahlen haben eher Bedeutung für große Konzerne.

Was ist mit dem Geld, das noch in LEDVANCE und in Osram fließen soll? Sind diese Deals auch betroffen?

Das sind sicher auch Investitionen, die dann genauer geprüft würden. Soweit ich weiß, liegen sie jedoch nicht über einer Milliarde Dollar. Von daher wären sie nicht verboten, es gäbe allenfalls eine Verzögerung.

Problematisch ist vielmehr die Unsicherheit. Unklarheit über die wirtschafts- und fiskalpolitische Linie ist Gift für die Wirtschaft. Eigentlich sind die Chinesen auf gutem Wege, ihre Währung zu internationalisieren und ihr Finanzsystem westlichen Standards anzupassen. Doch solche Schritte sind eher kontraproduktiv. Bemerkenswert ist vor allem, wie hier ohne jede Vorankündigung plötzlich Entscheidungen getroffen werden.    

Aber wir sollten jetzt erst einmal abwarten, bis es nachprüfbare, konkrete Regelungen gibt. Normalerweise lenken die Chinesen bei vielen Dingen auch wieder ein. Sie sind selbst daran interessiert, international als verlässlicher Partner angesehen zu werden. Es wird oft nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Was bedeutet es für Unternehmen wie Osram und LEDVANCE, wenn plötzlich so viel in der Schwebe ist?

Wie gesagt, die Unsicherheit an sich ist das Problem. Wichtig ist in jedem Fall, dass schnellstens Klarheit geschaffen wird. Andernfalls werden zahlreiche beabsichtigte Transaktionen nicht stattfinden, die von den handelnden Unternehmen für strategisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll gehalten werden.

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