Interview mit LEW-Vorstand

Dr. Markus Litpher: Stromkunden tragen Hauptlast der Energiewende

Dr. Markus Litpher, Vorstandsmitglied der Lechwerke AG. Foto: LEW
Die Energiewende ist eines der Top-Themen der Energieversorgung. Woran sie derzeit noch scheitert und in welchen Technologien das meiste Potenzial steckt, erklärt Dr. Markus Litpher, Vorstandsmitglied der Lechwerke AG, im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Wie weit fortgeschritten sehen Sie die Energiewende in Bayerisch-Schwaben?

Dr. Markus Litpher: Bei der Stromwende sind wir in der Region schon sehr erfolgreich unterwegs. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegt mittlerweile bei über 75 Prozent – das ist ein enormer Wert. Damit liegen wir schon jetzt deutlich über dem, was sich die Bundesregierung für 2030 vorgenommen hat. Aber Energiewende bedeutet eben auch Verkehrs- und Wärmewende und da müssen wir noch kräftig zulegen.

Woran fehlt es derzeit, die Energiewende umzusetzen?

Die Erfolgsformel für den Klimaschutz ist die stärkere Vernetzung von Strom, Wärme und Verkehr. Damit wir das erreichen, müssen wir die Lasten besser verteilen. Im Moment liegt die Hauptlast der Energiewende bei den Stromkunden. Steuern und Abgaben machen über 50 Prozent des Haushaltsstrompreises aus. Es ist Aufgabe der Politik, hier einzugreifen. Wird der Strompreis entlastet, können wir Ökostrom attraktiver für das Heizen und die Mobilität machen und bei der Energiewende schneller vorankommen.

Was ist aus Ihrer Sicht effektiver: Strom sparen oder Strom nachhaltig gewinnen?

Da gibt es kein entweder oder. Wir müssen sowohl die erneuerbaren Energien weiter ausbauen als auch Strom möglichst effizient nutzen. Ein weiterer Punkt ist wichtig: leistungsfähige und intelligente Stromnetze. Sie bilden das Rückgrat unseres Energiesystems, gerade wenn wir Ökostrom auch immer stärker für Mobilität und Wärme einsetzen.

LEW arbeitet an verschiedenen Ansätzen um die Wende voranzutreiben. Worin sehen Sie momentan das größte Potenzial?

Die Energiewelt wandelt sich grundlegend. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kunden. Das ist eine Entwicklung, die wir mit unseren Energielösungen weiter vorantreiben. LEW wird dabei immer mehr zum Energiemanager der Kunden – ob bei Haushalten, Geschäftskunden oder Kommunen. Wir sind mit Abstand der größte Betreiber öffentlicher Ladestationen in der Region – 135 werden es demnächst sein. Und wir setzen weiter auf den Glasfaserausbau. Aktuell bereiten wir in ausgewählten Pilotkommunen den Markteinstieg ins Privatkundengeschäft mit einem Angebot für Internet und Telefonie vor. Dazu schließen wir die Kunden direkt ans Glasfasernetz an.

Wie beeinflussen neue Technologien diesen Wandel?

Ganz enorm. Beispiel Stromspeicher. Da verläuft die Entwicklung rasant. Mittlerweile wird jede zweite PV-Anlage, die wir neu ans LEW-Netz anschließen, mit einem Batteriespeicher kombiniert. Es gibt noch viele andere Beispiele: hocheffiziente LED-Technologie für die Straßenbeleuchtung, Schnellladestationen für E-Autos, Sensorik für Netzautomatisierung und vieles mehr. Ganz entscheidend sind digitale Innovationen in allen Bereichen unseres Geschäfts.

Begriffe wie Smart Grid oder Smart Meter sind hier Schlagworte. Welche Bedeutung nimmt die Digitalisierung in diesem Kontext ein?

Für uns lautet die Formel „dezentral geht nur digital“. Das bedeutet, dass ein dezentrales Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien nur funktioniert, wenn es intelligent vernetzt ist. Das Stromnetz wird also durch die Datenkommunikation ergänzt. Deshalb spricht man auch vom Internet der Energie. Zentraler Baustein dafür sind Smart Meter, also intelligente Stromzähler, die schrittweise in den kommenden Jahren bei den Kunden installiert werden.

Fachliches Know-how ist hier entscheidend. Wo setzen Sie an, um Ihre Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren?

Die Unternehmen sind mehr denn je auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Nachwuchsförderung ist dabei Zukunftssicherung. LEW ist mit rund 90 Auszubildenden einer der großen Ausbildungsbetriebe der Region. Die Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter ist ein weiterer zentraler Baustein, in den wir sehr viel investieren. Denn Lernen ist die Kernkompetenz im digitalen Zeitalter. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, spielt die Positionierung als starke Arbeitgebermarke eine wichtige Rolle. Das Thema Employer Branding gehen wir deshalb aktiv und mit ganz neuen, digitalen Formaten an. 

Derzeit kandidieren Sie außerdem für die IHK Schwaben Wahl. Welche Impulse erhoffen Sie sich davon?

Die IHK ist die Stimme der Wirtschaft in der Region und greift wichtige Zukunftshemen der Unternehmen auf. Dazu zählen zum Beispiel die Versorgungssicherheit in Zeiten der Energiewende oder die Fachkräfteentwicklung und Ausbildung. Darüber hinaus sind die Vernetzung und der Austausch der Unternehmen untereinander und mit der Politik enorm wichtig. Sich für gute Rahmenbedingungen stark machen und gemeinsam die Region voranbringen, ist ein lohnenswertes Ziel – auch für die nächsten Jahre. Damit Schwaben das bleibt, was es heute ist: eine wirtschaftlich starke und lebenswerte Region. Dafür engagiere ich mich auch in Zukunft gerne gemeinsam mit den Mitstreitern in der IHK.

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Dr. Markus Litpher: Bei der Stromwende sind wir in der Region schon sehr erfolgreich unterwegs. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegt mittlerweile bei über 75 Prozent – das ist ein enormer Wert. Damit liegen wir schon jetzt deutlich über dem, was sich die Bundesregierung für 2030 vorgenommen hat. Aber Energiewende bedeutet eben auch Verkehrs- und Wärmewende und da müssen wir noch kräftig zulegen.

Woran fehlt es derzeit, die Energiewende umzusetzen?

Die Erfolgsformel für den Klimaschutz ist die stärkere Vernetzung von Strom, Wärme und Verkehr. Damit wir das erreichen, müssen wir die Lasten besser verteilen. Im Moment liegt die Hauptlast der Energiewende bei den Stromkunden. Steuern und Abgaben machen über 50 Prozent des Haushaltsstrompreises aus. Es ist Aufgabe der Politik, hier einzugreifen. Wird der Strompreis entlastet, können wir Ökostrom attraktiver für das Heizen und die Mobilität machen und bei der Energiewende schneller vorankommen.

Was ist aus Ihrer Sicht effektiver: Strom sparen oder Strom nachhaltig gewinnen?

Da gibt es kein entweder oder. Wir müssen sowohl die erneuerbaren Energien weiter ausbauen als auch Strom möglichst effizient nutzen. Ein weiterer Punkt ist wichtig: leistungsfähige und intelligente Stromnetze. Sie bilden das Rückgrat unseres Energiesystems, gerade wenn wir Ökostrom auch immer stärker für Mobilität und Wärme einsetzen.

LEW arbeitet an verschiedenen Ansätzen um die Wende voranzutreiben. Worin sehen Sie momentan das größte Potenzial?

Die Energiewelt wandelt sich grundlegend. Im Mittelpunkt stehen dabei die Kunden. Das ist eine Entwicklung, die wir mit unseren Energielösungen weiter vorantreiben. LEW wird dabei immer mehr zum Energiemanager der Kunden – ob bei Haushalten, Geschäftskunden oder Kommunen. Wir sind mit Abstand der größte Betreiber öffentlicher Ladestationen in der Region – 135 werden es demnächst sein. Und wir setzen weiter auf den Glasfaserausbau. Aktuell bereiten wir in ausgewählten Pilotkommunen den Markteinstieg ins Privatkundengeschäft mit einem Angebot für Internet und Telefonie vor. Dazu schließen wir die Kunden direkt ans Glasfasernetz an.

Wie beeinflussen neue Technologien diesen Wandel?

Ganz enorm. Beispiel Stromspeicher. Da verläuft die Entwicklung rasant. Mittlerweile wird jede zweite PV-Anlage, die wir neu ans LEW-Netz anschließen, mit einem Batteriespeicher kombiniert. Es gibt noch viele andere Beispiele: hocheffiziente LED-Technologie für die Straßenbeleuchtung, Schnellladestationen für E-Autos, Sensorik für Netzautomatisierung und vieles mehr. Ganz entscheidend sind digitale Innovationen in allen Bereichen unseres Geschäfts.

Begriffe wie Smart Grid oder Smart Meter sind hier Schlagworte. Welche Bedeutung nimmt die Digitalisierung in diesem Kontext ein?

Für uns lautet die Formel „dezentral geht nur digital“. Das bedeutet, dass ein dezentrales Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien nur funktioniert, wenn es intelligent vernetzt ist. Das Stromnetz wird also durch die Datenkommunikation ergänzt. Deshalb spricht man auch vom Internet der Energie. Zentraler Baustein dafür sind Smart Meter, also intelligente Stromzähler, die schrittweise in den kommenden Jahren bei den Kunden installiert werden.

Fachliches Know-how ist hier entscheidend. Wo setzen Sie an, um Ihre Mitarbeiter entsprechend zu qualifizieren?

Die Unternehmen sind mehr denn je auf qualifizierte Mitarbeiter angewiesen. Nachwuchsförderung ist dabei Zukunftssicherung. LEW ist mit rund 90 Auszubildenden einer der großen Ausbildungsbetriebe der Region. Die Weiterqualifizierung unserer Mitarbeiter ist ein weiterer zentraler Baustein, in den wir sehr viel investieren. Denn Lernen ist die Kernkompetenz im digitalen Zeitalter. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, spielt die Positionierung als starke Arbeitgebermarke eine wichtige Rolle. Das Thema Employer Branding gehen wir deshalb aktiv und mit ganz neuen, digitalen Formaten an. 

Derzeit kandidieren Sie außerdem für die IHK Schwaben Wahl. Welche Impulse erhoffen Sie sich davon?

Die IHK ist die Stimme der Wirtschaft in der Region und greift wichtige Zukunftshemen der Unternehmen auf. Dazu zählen zum Beispiel die Versorgungssicherheit in Zeiten der Energiewende oder die Fachkräfteentwicklung und Ausbildung. Darüber hinaus sind die Vernetzung und der Austausch der Unternehmen untereinander und mit der Politik enorm wichtig. Sich für gute Rahmenbedingungen stark machen und gemeinsam die Region voranbringen, ist ein lohnenswertes Ziel – auch für die nächsten Jahre. Damit Schwaben das bleibt, was es heute ist: eine wirtschaftlich starke und lebenswerte Region. Dafür engagiere ich mich auch in Zukunft gerne gemeinsam mit den Mitstreitern in der IHK.

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