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Das Geraune in der Branche ist nicht mehr zu überhören: Der Messeplatz Stuttgart arbeitet an einer Konkurrenzveranstaltung zur Augsburger Grindtec. Die Neckar-Schwaben spekulieren dabei auf die Gunst der Krisen-Stunde, in der sich am Markt viel verschiebt. Wenn die Branche sich neu sortiert, so wohl die Vermutung, dann kann man doch auch einen neuen Standort für die Weltleitmesse ins Spiel bringen. Außerdem gilt es, das eigene, wegbrechende Geschäft zu kompensieren.
Wettbewerb, wie er überall stattfindet. Ein Schuft also, wer Böses dabei denkt? Ein Blick in das Gesellschaftsregister der Messe Stuttgart belehrt uns eines Besseren: Da stehen, zu gleichen Anteilen, die Landeshauptstadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg verzeichnet. Die öffentliche Hand also, die nicht nur das opulente Messegelände direkt am Landesflughafen betreibt, sondern auch das Veranstaltungsgeschäft selbst betreibt.
Das ist in Augsburg anders. Dort stellt sich ein privatwirtschaftlicher Anbieter seit 1998 ins Risiko, die AFAG. Für sie gibt es keine Beihilfen im hohen zweistelligen Millionenbereich, wie sie die Messe Stuttgart erst Ende 2020 von ihren Gesellschaftern erhalten hat. Für sie steht das Invest von mehr als zwei Jahrzehnten auf der Kippe, das aus einer Fachmesse einen globalen Branchentreff gemacht hat.
Wenn der Neustart der Wirtschaft nach der Corona-Krise so aussieht, dass öffentliche Unternehmen mit öffentlichen Geldern in der Privatwirtschaft wildern – dann ist das ein eklatanter Missbrauch ihrer Position. Wenn sie obendrein erfolgreiche Geschäftsmodelle kopieren, um sich aus dem eigenen Schutzraum heraus billig einen Markt zu schnappen – dann ist das pure Wilderei, aber keine freie Wirtschaft. Dass die Stuttgarter auch noch einen „Grindhub“ anbieten wollen, spricht Bände: Hier ist kein spannender Wettbewerb zu erwarten, sondern ein Ausbooten auf der Hilfsgelder-Welle.
Der Standort Augsburg ist gut beraten, diesem Versuch einer unfreundlichen Übernahme der Grindtec nicht tatenlos zuzusehen. Auch die Messedienstleister, Hotels, Gastronomiebetriebe oder Taxler am Lech wissen zu schätzen, was ihnen ein Weltleitmesse an Geschäft ins Haus bringt. Darauf aufbauen zu können, wenn es heißt, erfolgreich aus der Krise zu kommen, ist für manche von ihnen existenziell. Dies mit Steuermitteln zu gefährden, ist mehr als ein „Sündenfall“. Es ist eine Schande für ein Land, das angeblich alles kann außer Hochdeutsch.