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Drei von fünf mittelständischen Unternehmen in Bayern spüren negative Auswirkungen der aktuellen vielschichtigen Krisenlage. Dennoch schätzen sie in der Mehrzahl ihre eigene unternehmerische Resilienz als hoch ein. Das zeigt die 22. Studie der Commerzbank Initiative Unternehmerperspektiven mit dem Titel „Wirtschaft nach der Zeitenwende: Wie resilient ist der Mittelstand?“.
Die vom Marktforschungsunternehmen forsa im Auftrag der Bank durchgeführte Befragung untersucht, wie krisenfest Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Zeitenwende sind. Dazu wurden bundesweit 1.500 Unternehmen befragt, davon 266 in Bayern.
Es gibt viele Auswirkungen der derzeitigen Krisenlage, die Unternehmen besonders beschäftigen. „Das mit 74 Prozent am häufigsten genannte Thema ist der Arbeits- und Fachkräftemangel, welcher die Mittelständler in Bayern vor die größten Herausforderungen stellt“, sagt Frank Humbach, Niederlassungsleiter Firmenkunden der Commerzbank Augsburg. „Viel diskutierte Krisenthemen wie gestiegene Energie- (73 Prozent) und Rohstoffpreise (60 Prozent) oder gestörte Lieferketten (55 Prozent) machen den Unternehmen ebenfalls zu schaffen“, fügt Humbach hinzu. Gefragt, was die Unternehmen in Bayern krisenfest macht, nennen 79 Prozent der Befragten Flexibilität und Anpassungsfähigkeit als die wichtigsten Eigenschaften. Auch eine gute Eigenkapitaldecke und Diversifizierung machen Unternehmen laut eigenen Angaben widerstandsfähiger gegen krisenhafte Unwägbarkeiten.
Etwas „softere“ Faktoren spielen laut der Erhebung ebenfalls eine große Rolle: Wer die Krise als Chance begreift und gut vernetzt ist, ist auch resilient – das sagen rund 60 Prozent der Befragten. Drei Viertel der Unternehmen schätzen sich in diesem Sinne als „sehr resilient“ oder „eher resilient“ ein. Über die Hälfte der Unternehmen in Bayern setzt auf mehr Tempo Gerade weil Anpassungsfähigkeit bei den Unternehmern großgeschrieben wird, sehen viele hier auch einen vermehrten Handlungsbedarf. Über die Hälfte der Befragten in Bayern (52 Prozent) – und damit mehr als im Bundesschnitt (48 Prozent) – sieht die Notwendigkeit, sich noch schneller und fortlaufend anzupassen, um widerstandsfähiger zu werden. 46 Prozent der Unternehmen (bundesweit 49 Prozent) halten jedoch an den bisherigen vertrauten Krisenstrategien fest. Bei der Frage nach dem besten Führungsstil zur Krisenbewältigung setzen mehr als zwei Drittel (69 Prozent) auf Kooperation und binden die Mitarbeiter in die Maßnahmen mit ein. Bundesweit sind dies nur 63 Prozent.
Etwa die Hälfte der Unternehmen hat bereits einiges auf den Weg gebracht, um sich anzupassen. Hier stehen die Optimierung des Energiebedarfs (57 Prozent), aber auch die Kostensenkungen (51 Prozent) und die Diversifizierung der Produktpalette (35 Prozent) im Fokus. In Zukunft stehen auch einige eher langfristige Maßnahmen auf dem Plan, etwa die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. In jedem Fall sind sich die Unternehmen darüber im Klaren, dass es ohne höhere Investitionen nicht gehen wird. Unterstützung ist gefragt „Wer auf diese Weise Maßnahmen ergreift, sieht auch die Chancen, die darin stecken. Drei Viertel der bayerischen Unternehmen nennen hier die Optimierung von Prozess- und Kosteneffizienz als positiven Effekt“, führt Humbach weiter aus. Auch die Imagepflege sowie die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität (68 und 63 Prozent) werden jetzt im Zuge der Krisenmaßnahmen angegangen. So ergibt sich eine insgesamt positive Tendenz: Drei Viertel der Unternehmen sehen sich für die Zukunft gut gerüstet. „Dabei wird von der Mehrheit der befragten Unternehmen in Bayern Unterstützung im eigenen Umfeld gesucht – etwa durch Geschäftspartner, andere Unternehmer oder Verbände. Doch vor allem bei ihren größten Herausforderungen, dem Arbeits- und Fachkräftemangel, den Energie- und Rohstoffpreisen sind ihren Möglichkeiten Grenzen gesetzt. Hier kommt es ganz besonders auf die politischen Rahmenbedingungen an“, sagt Humbach.
Für 81 Prozent der Befragten ist es wichtig, dass ihre Bank als zuverlässiger Partner an ihrer Seite steht. Spezielle Finanzierungsangebote, aber auch die Beratung werden als hilfreich erachtet. „Der Mittelstand in Bayern hat seine Hausaufgaben gemacht und stellt seine Resilienz auch in dieser Krise erneut unter Beweis“, fasst Humbach zusammen. „Jetzt geht es auch um Investitionen, um heute die Transformation für die Zukunft zu starten.“