Bundestagswahl 2017

„Wie will die SPD die Wirtschaft in Augsburg stärken, Ulrike Bahr?“

Ulrike Bahr, Bundestagskandidatin der SPD für Augsburg und Königsbrunn. Foto: Ulrike Bahr
Wie stehen die Spitzenkandidaten der jeweiligen Parteien zu den Themen, die den Wirtschaftsstandort Augsburg bewegen? Wir haben nachgefragt. Heute lesen Sie, was Ulrike Bahr, Bundestagskandidatin der SPD für Augsburg und Königsbrunn, vorhat.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Frau Bahr, was sind Ihrer Meinung nach die drängendsten Themen, die Sie und Ihre Partei am Wirtschaftsstandort Augsburg angehen wollen?

Ulrike Bahr: Eines der entscheidenden Kriterien für die Attraktivität eines Wirtschaftsstandorts ist eine gute Verkehrsanbindung. In Augsburg erachte ich dabei eine Verbesserung der Anbindung an das Schienennetz der Deutschen Bahn und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) für besonders wichtige Aufgaben.

Doch auch jenseits von Schiene und Straße kommt der Infrastruktur eine große Bedeutung zu. Dabei denke ich ganz besonders an den Kita-Ausbau und an den Erhalt und die Verbesserung der Bildungsinfrastruktur in Augsburg. Zudem handelt es sich bei der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Gewinnung von Fachkräften um Herausforderungen, die in Zeiten des technologischen Wandels deutschlandweit hohe Priorität genießen müssen, was natürlich auch für Augsburg gilt.

Stichwort Digitalisierung: Wie wichtig ist dieses Thema aus Ihrer Sicht für die Wirtschaft?

Als Megatrend übt die Digitalisierung nun bereits seit einigen Jahren einen deutlichen Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft aus. Aus Sicht der deutschen Wirtschaft birgt dies neue Chancen, aber auch Gefahren. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass der digitale Wandel bis zum Jahr 2020 zu einer Steigerung der deutschen Wirtschaftsleistung um bis zu 82 Milliarden Euro führen könnte. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es gelingt, die Potenziale der Digitalisierung in allen Wirtschaftszweigen optimal auszunutzen und dabei gleichzeitig die große Zahl an Arbeitsplätzen zu sichern, die durch ein Voranschreiten der Automatisierung bedroht werden.

Wie will die SPD hier vorgehen?

Die Grundlage für die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft ist die entsprechende Infrastruktur. Die SPD strebt bis zum Jahr 2025 an, dass 90 Prozent aller Gebäude in Deutschland an hochleistungsfähige Gigabit-Netze angeschlossen sind. Der flächendeckende Ausbau der Internetversorgung mit einer Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bis zum Jahr 2018 ist dabei ein wichtiger Teilschritt. Zudem verlangt die Digitalisierung nach der Förderung innovativer Ideen und Technologien. Vor allem viele mittelständische Unternehmen versuchen aufgrund der guten Auftragslage gegenwärtig noch, Investitionen in die Digitalisierung hinauszuzögern. Genau hier setzt die SPD an: Gezielte Förderung soll dazu beitragen, dass die Aufwendungen der deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung bis zum Jahr 2025 auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen. Dazu werden wir die Abschreibungsmöglichkeiten verbessern und die Einstellung von Fachpersonal mit einem „Forschungsbonus“ finanziell unterstützen. Um nach optimalen digitalen Lösungen für die örtliche Wirtschaft zu suchen, werden wir gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammer regionale Innovationsagenturen gründen, die zum Austausch zwischen der Wissenschaft und den Unternehmen vor Ort beitragen.

Welche Verkehrsinfrastruktur-Projekte beschäftigen die Wähler am meisten?

Eines der wichtigsten Verkehrsprojekte für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Augsburg ist die „Mobilitätsdrehscheibe Augsburg“. Im Zentrum steht dabei  der Ausbau des Hauptbahnhofs zu einem modernen Verkehrsknotenpunkt, der eine optimale Anbindung Augsburgs an den Nah-, Regional- und Fernverkehr sicherstellen soll. Zudem verdichtet der Ausbau der Straßenbahnlinie 3 und der Neubau der Linie 5 das Verbindungsnetz des ÖPNV und erhöht die persönliche Mobilität der Augsburger deutlich.

Damit gehört die Mobilitätsdrehscheibe zu genau jenen Infrastrukturprojekten, welche die SPD auf Bundesebene künftig noch stärker fördern wird. Wir werden die Schiene für den Güter- und Personenverkehr durch gezielte Investitionen noch attraktiver gestalten. Unsere Ziele sind die zügige Modernisierung des Schienennetzes und eine bessere Verbindung zwischen Großstädten wie Augsburg und wichtigen Mittelzentren. Zudem werden wir die Kommunen beim Erhalt, Ausbau und der barrierefreien Modernisierung des ÖPNV mit Finanzhilfen des Bundes unterstützen, deren Umfang sich am örtlichen Bedarf orientiert. Davon wird auch Augsburg profitieren.

Wie wollen Sie und Ihre Partei Augsburger Unternehmen künftig unterstützen?

Aus den bereits angesprochenen Zielen in den Bereichen Infrastruktur und Digitalisierung ergibt sich eine Vielzahl von Fördermaßnahmen, die sich auch auf die Augsburger Unternehmen auswirken. Exemplarisch möchte ich dabei zwei Projekte herausgreifen. Die Hochschule Augsburg hat kürzlich einen Zuschlag im Rahmen der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ erhalten und Fördergelder in Höhe von insgesamt 6,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt bekommen. Die Hochschule erarbeitet in enger Kooperation mit den Unternehmen und der Zivilgesellschaft passgenaue und innovative Lösungen für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Augsburg. Genau solche Projekte werden wir auch weiterhin mit Bundesmitteln fördern.

Ein weiteres Beispiel für die Innovationspolitik der SPD ist die gezielte Unterstützung von Start-ups in ganz Deutschland. Denn junge Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zum Technologietransfer. Dafür werden wir die Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessern und Studierenden mit einem Gründungssemester den Weg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Sie möchten wissen, wie die Spitzenkandidaten der anderen Parteien den Wirtschaftsstandort Augsburg stärken wollen? Die Antworten von Maximilian Funke-Kaiser, FDP, finden Sie hier, die Statements von Dr. Volker Ullrich, CSU, folgen morgen. (Bei Claudia Roth, Bündnis 90/Die Grünen, und Frederik Hintermayr, Die Linke, haben wir ebenfalls nachgefragt. Sie konnten uns ihre Antworten jedoch leider nicht zukommen lassen.)

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