Schwäbisch-chinesisches Mondfest

Nach Übernahme durch Midea: Wohin geht die Reise für KUKA?

Das schwäbisch-chinesische Mondfest wurde am 19. Oktober in der IHK Schwaben gefeiert. Foto: B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Am 19. Oktober 2017 wurde in der IHK Schwaben das schwäbisch-chinesische Mondfest gefeiert, das nach dem Neujahrsfest wichtigste chinesische Fest. Heuer drehte sich alles um die Frage: „Bedeuten chinesische Investitionen in Schwaben einen Ausverkauf von Know-how oder tragen sie zur Standortsicherung bei?“

Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, begrüßte die zahlreiche Gäste. „Die Angst vor der Abwanderung von schwäbischem Know-how nach China war insbesondere im letzten Jahr groß“, sagte Kopton. Er sprach damit die öffentliche Wahrnehmung der Übernahme des Augsburger Roboterherstellers KUKA durch Midea an. Ein wichtiges Ziel des Mondfestes sei es jedoch, diese Ängste abzubauen.

„Die Angst war sicherlich in vielen Punkten unbegründet“

Auch Eva Weber, Zweite Bürgermeister, Wirtschafts- und Finanzreferentin der Stadt Augsburg, kam in ihrem Grußwort auf die KUKA-Übernahme zu sprechen. Zu Anfang habe es große Sorgen gegeben, was sowohl die mittel- als auch die langfristige Entwicklung von KUKA angehe. Umso größer sei nun die Freude darüber, dass am Augsburger Standort weiterhin viel investiert werde. „Die Angst“, so Weber, „war sicherlich in vielen Punkten unbegründet.“

Zahlreiche Gäste feiern schwäbisch-chinesisches Mondfest in Augsburg

Investitionen keine Einbahnstraße mehr

Hao Cai, Vize Generalkonsul, betonte die enge Verbindung zwischen Bayern und China. Denn die Zusammenarbeit des Freistaats mit der chinesischen Provinz Shandong feierte heuer ihr 30-jähriges Jubiläum. „Aus der ursprünglichen Einbahnstraße sind in den vergangenen Jahrzehnten Investitionen auf beiden Seiten geworden“, sagte Cai.

So stark investieren chinesische Unternehmen in Deutschland

Für die Ängste der Deutschen vor der Abwanderung von Know-how zeigte Cai Verständnis. „Ihre Sorgen nehmen wir sehr ernst“, versicherte Cai. Gleichzeitig betonte er, dass chinesische Investitionen in Deutschland nur ein Zehntel der deutschen Investitionen in China ausmachen würden. Zudem fänden weniger als ein Prozent aller ausländischen Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland statt. Vor allem aber seien diese häufig eine Win-win-Situation für beide Unternehmen, wie auch am Beispiel der KUKA-Übernahme durch Midea deutlich werde. Cais Wunsch: „Das chinesische Investitionen in Deutschland künftig positiver wahrgenommen werden.“

„Wir sind in China, weil unsere Kunden in China sind“

Dr. Till Reuter, Vorstandsvorsitzender der KUKA AG, kam in seinem Vortrag immer wieder auf das große Wachstumspotenzial in China zu sprechen. Schon heute sei China der größte Robotermarkt der Welt. KUKA will künftig zehnmal mehr Roboter in China verkaufen als heute. „Die Chancen sind gigantisch“, so Reuter. 2009 betrug der Umsatz KUKAs in China rund 50 Millionen Euro, heute sind es 500 Millionen Euro. „Unsere Wachstumsstrategie geht weiter. Wir sind in China, weil unsere Kunden in China sind“, betonte Reuter, „und wir werden nur auf den Märkten erfolgreich sein, auf denen wir auch lokal vertreten sind.“

Wie gefährlich sind chinesische Investitionen in Augsburg wirklich?

Reuter betonte außerdem, dass der Übernahme-Vertrag zwischen KUKA und Midea außergewöhnlich sei. Neben einer Standortgarantie über siebeneinhalb Jahre sowie weiteren Investitionen gerade auch in Augsburg sieht der Vertrag vor, dass alle Daten des Roboterherstellers bei KUKA bleiben. Was in siebeneinhalb Jahren sei, was sich nach Ablauf dieser Garantien ändern würde, das sei er im vergangenen Jahr oft gefragt worden, so der KUKA-Chef. „Als ich vor acht Jahren zu KUKA kam, war das Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Lage“, so Reuter, „heute ist KUKA ein international sehr erfolgreiches Unternehmen. Das zeigt: In sieben Jahren kann viel passieren.“ Gleichzeitig betonte Reuter, Midea habe großes Interesse an einer starken, global aufgestellten KUKA. Doch wo die Reise für KUKA letztendlich hingeht, wo das Augsburger Traditionsunternehmen in zehn, 15, 20 Jahren steht, kann wohl heute niemand sagen.

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