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Was Manager von Künstlern lernen können
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B4B Impuls von 5 Sterne Rednerin Konstanze Frölich

Was Manager von Künstlern lernen können

5 Sterne Rednerin Konstanze Frölich. Foto: Astrid Ackermann

Künstler1 und Manager sind Gegensätze, so scheint es. Das Vorurteil sagt: Manager sind erfolgreich und organisiert, aber nicht immer kreativ, Künstler sind schöpferisch, aber arm und lebensuntüchtig. Beim genaueren Hinschauen sieht man, dass vieles davon Legendenbildung ist.

Erfolg und Misserfolg gibt es auf beiden Seiten. Und manch ein Manager tickt genauso wie berühmte Künstler. Wer es aber gerne wissen und von den „Großen“ der Kunst lernen will, entdeckt vor allem etwas, was in jedem Beruf das beste Rezept zum Erfolg ist: Glaube an Dich selbst!

Leistung aus Leidenschaft: Das normale Business des Künstlers

Dieser Spruch ist keine Erfindung der deutschen Bank, sondern das ungeschriebene Gesetz eines jeden echten Künstlers. Künstler wollen die Welt verändern und glauben, sie haben die richtigen Mittel dafür in der Hand. Die wahre Kunst fällt einem Menschen genauso wenig in den Schoß wie die Fähigkeiten eines guten Ingenieurs oder Verkaufsprofis. Eine Studie2 zeigt, dass mindestens 10.000 Stunden Übung notwendig sind, bis man es zur absoluten Meisterschaft gebracht hat, egal, ob man Fußballer, Manager oder Bildhauer ist. Es gilt als also auch für die Kunst, was Karl Valentin so treffend gesagt hat: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!“ Der Unterschied ist nur, dass bei den Künstlern prozentuell deutlich mehr „Überzeugungstäter“ am Werk sind: Sie sind leidenschaftlich bei der Sache und glauben an das, was sie tun!

Berufsstolz: Zeigen, was man drauf hat!

Selbst zu Zeiten, als künstlerische Arbeit noch als Handwerk angesehen wurde, gab es eine Art „Ehrenkodex“ der Maler, Bildhauer, Musiker oder Theaterschreiber: Sie hatten die „Tugend“ ihres Berufes zu verteidigen, sie wollten zeigen, was sie drauf hatten. Die Künstler waren in Zünften organisiert, und man wollte seiner Zunft Ehre machen. Diese konnte sich dann auch auszahlen: Schon im Mittelalter bis in die Neuzeit regelten genau formulierte Verträge den Wert einer Arbeit, der sehr stark vom Ruf des Meisters und seines Teams abhängig war. Dabei wurde auch entschieden, welche Teile vom Meister selbst zu erstellen waren und welche die Gehilfen übernehmen durften. Der Ruf entschied über alles: Ob in Naturalien oder in Goldmünzen bezahlt wurde und ob man auch als Ausnahmetalent Aufgaben aus einem anderen Bereich übernehmen durfte.

Michelangelo: Einen Verliererjob zum Erfolg machen

Das beste Beispiel für ein Ausnahmetalent ist Michelangelo Buonarotti (1475 - 1564), der wohl der berühmteste und – was viele nicht wissen – wohl auch der bestverdienende Künstler aller Zeiten war. Nach einer kurzen Ausbildung als Maler entschied er sich, Bildhauer zu werden und erwarb sich als solcher einen Ruf, der bis zum Papst drang. Der damals wichtigste Mann für Kunst in Italien, Papst Julius II., beauftragte zunächst Michelangelo mit der Erstellung eines Grabmonuments mit 40 Statuen aus Marmor, ein Lebenswerk für einen Bildhauer. Dann entschied er sich um und verlangte, dass Michelangelo die Decke der Sixtinischen Kapelle aus malen sollte, mit einem relativ belanglosen Inhalt. Es wird behauptet, dass dieser Auftrag eine geschickt eingefädelte Intrige des damaligen vatikanisches Architekten Bramante war, der davon ausging, dass der Bildhauer Michelangelo bei einem so großen malerischen Projekt, noch dazu in der äußert schwierigen Freskotechnik, versagen würde. Man könnte sagen: Ein schwieriger Kunde, ein unmöglicher Auftrag. Michelangelo entschied sich, die Herausforderung anzunehmen, rang dem Papst sein eigenes künstlerisches Bildkonzept ab und schuf das berühmteste Freskengemälde der Welt.

Qualitätsbewusstsein: Nur das Beste ist gut genug!

Nicht nur die berühmtesten aller Künstler, sondern jeder Maler, Musiker, Schriftsteller arbeitet nach dem Prinzip: Nur das Beste ist gerade gut genug. Im Gespräch mit Künstlern bei der Arbeit kann man immer wieder erfahren, wie sie ohne Unterlass, Tag und Nacht, an ihrem Werk versuchen, noch besser zu werden und erst dann zufrieden sind, wenn sie das Gefühl haben, 100% erreicht zu haben. Auch in der Wirtschaft ist Qualitätsbewusstsein letztlich immer noch ein Schlüssel zum Erfolg: Was Steve Jobs für sich formulierte „Werde zum Qualitätsmaßstab!“, gilt für jede Tätigkeit in Unternehmen, im Team, in der Führungsebene bis zum Vorstand. Letztlich ist dieses Bewusstsein auch eine Form des Respekts: Wenn ich jedem einzelnen Mitarbeiter zutraue, dass seine hundertprozentige Leistung zählt.

Beharrlichkeit: Niemals aufgeben!

Nichts ist wichtiger als eine tägliche Selbstüberwindung, meine viele. Aber wer an sich glaubt, muss sich nicht überwinden. Er muss nur „dran bleiben“, nicht sich mit einer Lösung auf halber Strecke zufrieden geben. Diese Beharrlichkeit scheinen Künstler im Blut zu haben. Prominentestes Beispiel dafür ist vielleicht Pablo Picasso, von dem bekannt ist, dass er unzählige Vorarbeiten für seine wichtigsten Arbeiten erstellt hat. Ein Beispiel: Das Werk, das möglicherweise die entscheidende Wende der Kunst zu Moderne gebracht hat, ist Picassos Gemälde „Les Desmoiselles d’Avignon“ von 1907. Für dieses Bild erstellte Picasso im Zeitraum von 9 Monaten über 800 Vorzeichnungen, Studien und Skizzen, teilweise bis zu 3 x 3m groß. Dies ist die höchste bekannte Zahl an Vorarbeiten, die je zu einem Gemälde erstellt wurden.  

Auch wenn Künstler wie Michelangelo oder Picasso auch in der Kunstwelt geniale Ausnahmeerscheinungen sind, so zeigen sie nur umso deutlicher, wie Künstler ihre Arbeit sehen. Was Manager von ihnen lernen können, sind nicht so sehr praktische Fähigkeiten, Technik oder persönliches Geschick, sondern eine Haltung, der eigenen Leistung zu vertrauen und an sich zu glauben. Erfolgsstorys, die wir alle kennen, von Apple, Starbucks, Hublot u.a. haben mit diesen Haltungen zu tun: Glaube an Dich, gib Dein Bestes, und bleib dran!

1In diesem Artikel wurden Personen und Berufe nicht geändert, um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen. Die Autorin möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass in jedem Fall Leistungen, Aktivitäten u.v.m. von Männern und Frauen gleichermaßen gemeint sind.

2 Neurologe Daniel Levitin, McGill University Montreal/ Umfrage (Berliner HdK)

 

Über Konstanze Frölich

Die Kunsthistorikerin, Kulturmanagerin und PR-Expertin Konstanze Frölich wurde in München geboren und studierte in Wien Sprachen und Kunstgeschichte. Nach dem Studium arbeitete sie als Dozentin, Studienreiseleiterin und Kulturmanagerin in Mailand und Paris.

Seit 1993 wieder in ihrer Heimatstadt München, arbeitet Konstanze Frölich seitdem im Bereich Kulturmanagement, PR und Öffentlichkeitsarbeit für Dax-Unternehmen, Politik und Bildungsinstitutionen. 2006 bis 2009 leitete sie den Schwäbischen Kunstsommer im Kloster Irsee, 2011 rief sie die Herbstakademie der Schönen Künste der Kunstakademie Bad Reichenhall ins Leben und leitete sie. Darüber hinaus ist sie als Autorin tätig. Ihr letzter Roman „Der gute Cellist“ behandelt die Parallelen von Kunst und Wirtschaft. Derzeit arbeitet Konstanze Frölich als PR-Verantwortliche für das Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg und ist zusätzlich freiberuflich als Kulturexpertin und Rednerin tätig. Als Rednerin im Bereich Kunst, Kultur und Wirtschaft wird sie regelmäßig von Bildungsinstitutionen. Unternehmen und Wirtschaftsnetzwerken angefragt.