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Was bedeuten steigende Zinsen für Anleger?
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Expertenkolumne von Christian Jenne

Was bedeuten steigende Zinsen für Anleger?

© Gina Sanders - Fotolia.com

Wer heute bei diesen niedrigen Zinsen in Renten anlegt, hat schon verloren. Diese Aussage kann man zurzeit immer häufiger von Experten lesen oder hören. Was steckt dahinter?

Die Chance in sicheren Anleihen mehr zu verdienen als die Inflationsrate, ist auf mittlere Sicht (2-5 Jahren) wohl nicht mehr gegeben. Anleger müssen daher Risiken anpacken um die Chance zu wahren, ihre Kaufkraft dauerhaft zu erhalten. Doch dazu später mehr.

Weltweiter Zinsanstieg bringt Rentenpapiere ins Rutschen

Anleger, die in festverzinsliche Papiere (Renten) des Jahres 2013 investiert haben, müssen sich bewusst sein, dass seine Rentenpapiere kräftig rutschen können, wenn es denn in der nahen Zukunft, etwa 2014 oder 2015 zu einem weltweiten Zinsanstieg kommt. Anzeichen, dass dieses Ereignis eintreten wird, gibt es mehrere.

Stichworte für dieses Szenario sind Tapering, der Ausstieg der FED aus dem QE Programm, Eurokrise, Staatsverschuldung, oder der Klassiker: Konjunkturerholung.

Ein Anstieg von nur 1% p.a. bei 10-jährigen Papieren klingt bei weitem nicht viel und wird wohl in der Bevölkerung nur am Rande, wenn überhaupt, wahrgenommen. Aber dieser Anstieg von jetzt 2,0% p.a. auf dann 3,0% p.a. bedeutet einen Kursverfall von ca. 9-10 % unmittelbar im Depot, und nicht auf die Dauer von 10 Jahren verteilt. Und das schmerzt richtig.

Zumal man im Hinterkopf ja weiß, ich bin ziemlich risikoarm, weil in Renten, engagiert. Natürlich ist man nie komplett mit seinem ganzen Depot in 10 jährigen Renten investiert, aber über das gesamte Depot und den unterschiedlichen Laufzeiten sammeln sich rasch 5-7% Verluste an. Und das nur bei einem Zinsanstieg von einem Prozent. Die Geschichte der Kapitalmärkte lehrt uns aber, daß im Falle einer Trendwende (von fallenden auf steigenden oder umgekehrt) die Bewegungen meist sehr kräftig ausfallen. Unter kräftig versteht der Experte eine Veränderung der Zinsrate um etwa 2 % für erstklassige Papiere, meistens Staatspapiere mit AAA in der Sicherheitskategorie bewertet. Und dies in sehr kurzer Zeit auf etwa 6-12 Monaten. Massive Beispiele hierfür sind der Zinscrash von 1994 von 5,75% auf 7,8% ,  der Zinsanstieg 1999 von 3,60% auf 5,60% und 2010 von 2,01% auf 3,5%.

Sollte so ein Zinsanstieg den Anleger unvorbereitet ereilen, dann sieht er sich auf Jahresfrist mit seinem „gefühlten sicheren“ Rentendepot einem Wertverlust von gut und gerne 10-15% gegenüber. Um das zu verdauen, braucht es weitere 4-5 Jahre an Zinseinnahmen bei unverändertem Zinsniveau.

Der Wert bzw. Kurs von Rentenpapieren bemisst sich jedoch an weiteren Kriterien, die es ebenfalls zu verfolgen gilt:

  • Zinsniveau in der entsprechenden Währung,
  • Sicherheit der Rückzahlung = Gläubigerrisiko
  • Fungibilität = Handelsfähigkeit des einzelnen Papiers.

Im oberen Teil haben wir ausschließlich die Veränderung des Wertes unter dem Aspekt des Zinsanstiegs betrachtet. Mit einem allgemeinen Zinsanstieg verändern sich aber innerhalb kurzer Zeit auch die Liquiditätsströme der Unternehmen, die Zinsen zu zahlen haben, sprich hohe Fremdkapitalfinanzierungen unterhalten. Drücken die steigenden Zinsen die Zinsbelastung über ein gewisses Maß hinaus, verschlechtert sich beim Unternehmen die Bonität. Diese Verschlechterung bewertet der Markt mit Kursabschlägen bzw. Risikoaufschlägen. Das heißt, Anleihen von nicht gerade besten Topadressen können hier rasch neben dem Zinsanstieg noch zusätzliche Minuspunkte verbuchen und Kursverluste bescheren. Der Markt spricht dann von einer Ausweitung des Spreads (Zinsabstand zwischen AAA Bundesanleihen und einer Industrieanleihe).

In normalen Zeiten ist der dritte Punkt, die Fungibilität, quasi völlig ohne Belang und wird vom Anleger weitgehend ignoriert. In turbulenten Zeiten jedoch ist es für professionelle Marktteilnehmer, wie Rückversicherer oder Pensionskassen von äußerster Wichtigkeit, daß die getätigten Anlagen auch liquide sind und bleiben. Damit schützt sich der institutionelle Anleger vor einer Liquidationsklemme. Verändern sich die Kriterien Zinsniveau und zusätzlich die Sicherheit des Schuldners zum Negativen, dann will auch kein Zwischenhändler so ein Papier in seinen Büchern haben, folglich sinkt der Kurs noch mehr. Wenn auch zugegebener Maßen auf einen unfairen Kurs tief unterhalb des wahren Wertes. Aber eben auf den Kurs, den jemand zu zahlen bereit ist. Damit ist das Depot dann noch weniger wert und bringt den Privatanleger deutlich ins Grübeln, wo er doch vor Jahresfrist noch ein „sicheres ertragreiches Depot“ sein eigen nannte.

Präventivmaßnahmen gegen solch ein Abrutschen im Zinsanstieg sind ständige Beobachtung des Marktes, feinfühliges Verfolgen der Finanz- und Währungspolitik sowie eine breite Streuung der Anlageinstrumente hinsichtlich Laufzeiten- und Gläubigerrisiken.

Christian Jenne
Vorstandsmitglied KFSA e.V.