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Warum wir Agilität nicht mit Anarchie verwechseln dürfen
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Nicola Fritze

Warum wir Agilität nicht mit Anarchie verwechseln dürfen

Agilität – fast jedes Unternehmen will jetzt agil sein: schnell, unkompliziert, effektiv.Doch was gerne vernachlässigt wird: Agilität braucht feste Regeln und Strukturen.

Arbeitskulturen werden lockerer. Die Krawatten fallen, isolierte Einzelbüros sind zunehmend out. Es ist leichter als noch vor ein paar Jahren, alltagsferne, von Bürokraten erdachte Alptraumprozesse einfach anders zu gestalten. Und: Zusammenarbeit in Teams wird viel größer geschrieben denn je! 

Die Schattenseiten von Agilität

Aber Agilität hat auch eine Schattenseite. Sie kann – wenn falsch angepackt – dazu beitragen, dass Menschen stark gestresst, demotiviert oder sogar häufiger krank sind. 

Der Grund: viele Firmen wollen von einem Tag auf den anderen in eine agile Kultur kippen. Jahrelang gepflegte Hierarchien, Strukturen und Prozesse sind auf einmal hinfällig. 

Das Ergebnis ist dann häufig Chaos. Denn viele gehen dem Irrglauben auf den Leim, dass Agilität gleichzusetzen ist mit „Jeder macht, was sie will.“ Dann steht da, wo früher vielleicht zu viel geregelt war, auf einmal viel zu wenig Struktur. Chaos statt Agilität! 

Gerade sicherheitsorientierte Menschen reagieren dann mit heftigem Stress, wenn sie nicht wissen: Was ist jetzt genau meine Rolle? Wer ist mein Ansprechpartner, wenn ich nicht weiter weiß? Wer sagt mir jetzt, ob ich genug und gut genug arbeite? Wenn solche Unsicherheiten zu lange anhalten, frustriert das die Mitarbeitenden. 

Agilität ist nicht Anarchie

Tatsächlich leben agile Teams und Firmen von klaren Grundregeln und Arbeitsprinzipien. Die sind das genaue Gegenteil von „Ich mache, was ich will“. An agilen Arbeitsplätzen geht es nämlich mehr denn je um verlässliche Absprachen, häufige Koordination und viel Feedback. 

Agile Kulturen müssen mit den Menschen wachsen. Sie entstehen nicht auf Order von oben! Dann kann die neue Kultur ein echter Motivations-Booster sein und Wunder bewirken. 

Zur Person: Nicola Fritze ist „Die Motivationsfrau“. Als Autorin, Coach und Organisationspsychologin hat sie seit 2001 über 200.000 Menschen in Workshops und Coachings bei Veränderungsprozessen begleitet - Führungskräfte, Männer und Frauen, Teams und Unternehmer.