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Hat der Nachwuchs in Handwerk und Mittelstand noch eine Chance?
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B4B Impuls von 5 Sterne Redner Dr. Bernd W. Dornach

Hat der Nachwuchs in Handwerk und Mittelstand noch eine Chance?

Symbolbild. Foto: monkeybusinessimages / iStock / thinkstock

Die häufigste Frage, die Eltern nach meinen Vorträgen stellen, ist die nach den beruflichen Zukunftschancen ihrer Kinder. Welches Studium und welche Einstellung sind für den Nachwuchs jedoch am besten geeignet, um die zukünftigen Herausforderungen unserer Arbeitswelt zu meistern?

Betrachtet man die künftige wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre zeigt sich oft, dass gerade in Unternehmerfamilien über derartige Fragen wenig diskutiert wird. Auch in den dahinter stehenden Unternehmen werden diese Zukunftsszenarien im Tagesablauf meistens schlichtweg ausgeblendet. Ist das heutzutage unbequem? Doch gerade die Diskussion der wirtschaftlichen Zukunft sollte man weniger den allgegenwärtigen digitalen Medien überlassen, sondern Face-to-Face mit dem Nachwuchs besprechen. Oder bei Veranstaltungen der Wirtschaftsclubs, respektive der Wirtschaftsjunioren, der Unternehmer-Loge sowie dem Marketingclub vor Ort erfahren. Dort wird gerade der Nachwuchs als Gesprächspartner und späteres Mitglied dringend gesucht.

Was bringt die Zukunft dem Handwerk und der mittelständischen Wirtschaft?
Dabei sollte man zuerst einmal einen Blick auf folgende aktuell relativ sicheren Zukunftsprognosen werfen.

1. Geschäftsmodell „Auto“ am Zenit (jeder siebte Arbeitsplatz)
2. Fabriken mit automatisierter Produktion
3. Flutung mit Asylanten und Flüchtlingen anderer Kulturen
4. Dauerhafte Rezession und gefährliche Deflation
5. Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Geschäfts-Bereiche
6. Drastische Verhärtung sozialer Konflikte
7. Zunahme psychosomatischer Erkrankungen

Die bisherige naive Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft mit dem „Alles wird gut“ oder „Es wird schon wieder werden“ wird nicht mehr ausreichen, um die Folgen herunter zu spielen. „Es geht darum, dass noch nie so viel Wissen zur Verfügung stand wie heute und sich gleichzeitig noch nie so viel Unwissenheit artikuliert hat“, so bringt es Ulrike Simon bei der Preisverleihung zum Journalisten des Jahres auf den Punkt. Und vom Licht am Ende des Tunnels ist wenig zu sehen. Die Kalkulierbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung, aus denen sich Empfehlungen für attraktive Berufsfelder ableiten ließe, nimmt zunehmend ab.

Es wird relativ schwierig, das zu schaffen

Die Szenarien können mit den Auswirkungen von großen Weltwirtschaftskrisen verglichen werden, wie zum Beispiel, dass der Mensch in vielen Branchen überflüssig wird und die Massenarbeitslosigkeit unausweichlich ist. Zweitens ersetzt die Software eines Computers in den Büroetagen die Management-, Logistik-, Controlling-, Marketing-Ebenen und vieles mehr. Drittens entfällt das Verkaufspersonal für Produkte, die in einem Online-Shop verkauft werden. Früher war das einmal ein Traumberuf. Und viertens verändern sich die  Anforderungen an brauchbare „Mitarbeiter“ grundlegend -  egal auf welcher Ebene.

Die größten Probleme sind bekannt: Menschen sind nur begrenzt „programmierbar“ und müssen zukünftig erforderliche Fähigkeiten mühsam erlernen. Die Ausbildungsinhalte in den Grund- und weiterführenden Schulen bilden die Herausforderungen schon seit Jahrzehnten viel zu wenig ab. Die Verantwortung für Weiterbildung, Eigenmotivation und ökonomische Risiken wird auf den Menschen abgewälzt. Eine systematische Einkommenssicherung, Rücklagenbildung und Altersvorsorge wird dadurch praktisch unmöglich. Zeitlich begrenzte Projektaufträge und eine erzwungene Selbstständigkeit an wechselnden Standorten ersetzen praktisch eine Festanstellung.

Teufelskreis ist absehbar

Wie blauäugig elementare Themen des Überlebens in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vernachlässigt werden, ist unvorstellbar. Nur Wenige trauen sich zuzugeben, dass die schönen Zeiten unwiederbringlich vorbei sind. Zum Beispiel wird es die von vielen Politikern verantwortungslos hinausposaunte Dauerkonjunktur nicht mehr geben. Zudem finden Millionen Menschen für ihren aktuellen Erfahrungsschatz keine Abnehmer mehr. Dies bezieht sich vor allem auf die Middle-Ager, von den Jung-Senioren ganz zu schweigen. An die Sicherheit des aktuellen Rentensystems glaubt heute schon kaum noch jemand und die längst absehbaren Migrationsprobleme wurden von den Verantwortlichen sträflichst ignoriert.

Ziemlich sicher ist deshalb, dass die eher monetär orientierten Strategien der Großkonzerne keine Benchmarks mehr darstellen werden. Die unaufhaltsamen Tendenzen der Globalisierung führen zu weiteren Verwerfungen und die unterschiedlichen Welt-Kulturen sind nicht harmonisierbar und hebeln bisherige Regeln der Zusammenarbeit aus. Auch die zunehmende Zukunftsangst, die bei den Deutschen aktuell bei etwa 50 Prozent liegt, ist ein schlechter Berater. Jeder Betrieb, jeder Eigentümer, jeder Mitarbeiter und vor allem jeder Kunde ist für seinen Erfolg heute selbst verantwortlich.

Nach einer Studie, die zum kürzlich stattgefundenen Davoser Weltwirtschaftsforum veröffentlicht wurde, werden in den nächsten fünf Jahren allein sieben Millionen Arbeitsplätze durch den Einsatz von Robotern und Digitalisierung vernichtet, während zugleich nur zwei Millionen Stellen für Computer und Technik entstehen. Befragt wurden dafür die Personalchefs der 350 größten Konzerne der Welt. Man darf dabei aber nicht versäumen, eine Lanze für den Beruf des Personalchefs zu brechen. Denn was hier heute und in Zukunft zu leisten ist, verdient wirklich Spitzenausbildung und Spitzenhonorare.

Empfehlungen für die Förderung des Nachwuchses

Wo können die Kinder beruflich also am besten landen? Die Eigenverantwortung wird zum größten Geschäftsfeld der Zukunft. Die Kreativität und verrückte Gegenstrategien ermöglichen erst ein Überleben. Die gelebte Individualität und permanente Eigenmotivation muss viel stärker betont werden, was wiederum zum Trend der Regionalität und Authentizität passt. Kundenorientierung und Mensch-zu-Mensch-Beziehungen erfahren eine Renaissance und Marketing findet zum Glück nicht nur online statt.

Social Media hat dafür gesorgt, dass der Kunde das endgültige Sagen hat. Marketing muss jetzt endgültig von unten nach oben denken. Ein konkreter Traumberuf wäre zum Beispiel der Social-Media-Supporter, der mit seinem aktuellen Markt-Know-how schnell den direkten Zugang zur Führungsspitze verdient. Man kann ihn auch Kundenzufriedenheits-Manager, Kunden-Club-Beauftragten oder Weiterempfehlungs-Verantwortlichen nennen. Auch ein Schnittstellen-Koordinator oder reiner Kunden-zuhörer, vielleicht sogar Kundenversteher wäre denkbar. Trend-Scouts und Kreative, die scheinbar unvereinbare Bereiche und unterschiedliche Disziplinen verbinden, werden gefragt sein. Und vor allem auch Mediatoren, die einen echten Ausgleich der verschiedenen Interessen zustande bringen. Aber auch Handwerker mit Individualität, die nicht aus dem Internet heruntergeladen werden können. Und vor allem auch geschlechtlich Androgyne, die die Frauenquote und Männer-Denke in Einklang bringen.

„Wenn man die Welt verändert, wird man reich, sofern man sich nicht ganz doof anstellt“, so treffend beschreibt es der Google-Manager Sebastian Thrun, Robotikspezialist aus Deutschland und Vater des Google-Autos.

Über Dr. Bernd W. Dornach

Dr. Bernd W. Dornach begann seine Karriere als Forscher, Berater und Referent an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Reform-Universität Augsburg. Dort leitete er unter anderem die Fördergesellschaft Marketing e.V. und war mit verantwortlich für den Wissenschafts-Praxis Transfer.  Zu seinen beruflichen Stationen gehören auch die Marketingleitung eines Handelskonzerns und die Mitbeteiligung an einer großen Werbeagentur.

Die Kunst des Marketings, speziell für dem Mittelstand und das Handwerk, ist heute seine Profession. Seiner Dissertation über die Chancen unterschiedlicher Wirtschaftssysteme folgten mehrere wegweisende Veröffentlichungen über das Marketing im Mittelstand. Seine Vorträge werden von der Dillinger Referentenagentur 5 Sterne Redner organisiert.