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Die dunkle Seite der Macht: Was wir von Psychopathen lernen können
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B4B Impuls von 5 Sterne Rednerin Dr. Susanne Kleinhenz

Die dunkle Seite der Macht: Was wir von Psychopathen lernen können

Foto: Alex Brosa / iStock / thinkstock

Werden die wirtschaftlichen Herrscher dieser Welt immer verrückter? Oder leben wir in einem narzisstischen Zeitalter, in dem selbstbezogenes Verhalten und Rücksichtslosigkeit normal geworden sind?

Charismatiker – Narzisst oder Psychopath?

Schon immer haben sich Menschen charismatische Führungspersönlichkeiten gewünscht. Was aber ist Charisma? Gibt es Charismatiker, die nicht gleichzeitig auch narzisstisch sind? Karl Weber stellt Charisma als eine „Gottesgnade“ dar, die eben nicht erlernbar ist. Er beschreibt den Charismatiker aber auch als einen „Berserker, der wie in der griechischen Mythologie der Gott Achilleus nur durch einen manischen Anfall die Fähigkeit zur Heldenekstase verliehen bekam (Weber 2001). Weber gibt auch zu bedenken, dass Charisma immer mit dem Wohlergehen seiner Untertanen zu tun hat. Bleibt der Vorteil für eine Bevölkerung durch ihren Herrscher aus, so büßt er sehr schnell sein Charisma ein – wie es auch bei Präsident Barack Obama zu sehen war. Charisma ist also eng verbunden mit der hellen, aber auch mit der dunklen Seite der Macht, z.B. in Form des übermäßigen Narzissmus.

Warum Narzissten erfolgreicher sind

Forschungsergebnisse zeigen, dass Menschen mit einer narzisstischeren Persönlichkeit schneller und leichter Karriere machen als andere. Die Begründung liegt darin, dass Machtorientierte Spaß daran haben, in Konkurrenz mit anderen zu gehen und bereit sind einen wesentlich höheren Preis für ihre Karriere zu bezahlen. Sie verzichten ohne Reue auf Freizeit oder glückliche Familie und legen auch kein Augenmerk auf ihre Gesundheit. Genauso würden sie auf Freundschaft zu Gunsten der Karriere jederzeit verzichten.

Narzissten und auch Psychopathen haben sich der dunklen Seite der Macht verschrieben. Sie setzen die Ihnen durch ihr Amt verliehene Autorität nicht zum Wohle einer Organisation oder Gesellschaft ein, sondern vor allem für Ihren eigenen Vorteil. Das bedeutet nicht, dass sie betrügen. Ihre Gedanken kreisen nur nicht um das Wohlwollen aller, sondern ihr inneres Mantra lautet:

„Wie kann mein Handeln meinem eigenen Fortkommen und meinem Ansehen in der Firmenleitung am besten dienen?“  

Durch dieses Denken werden dann Skandale möglich, wie wir sie bei Volkswagen oder der FIFA erleben.

Was wir von Psychopathen lernen können

Extremer noch als Narzissten sind Psychopathen. In seinen Forschungsarbeiten zeigt der englische Wissenschaftler Kevin Dutton, dass die  Führungsetagen durchzogen sind mit Managern, die im psychopathologischen Inventar nahe an die Höchstpunktzahl von 40 gelangen. Dies zeigt, dass man durchaus nicht immer von einer Persönlichkeitsstörung sprechen kann. Denn diese Psychopathen sind genauso wie die Narzissten in keinster Weise gestört, sie funktionieren häufig weit besser in Machtgesellschaften als die sog. „Gesunden Persönlichkeiten“.

Was einen „Psychopathen“ von einem „Normalen“ unterscheidet, sind sein Umgang mit Angst und Empathie.

Mit Hilfe der Computertomografie konnte Dutton feststellen, dass bei psychopathischen Testpersonen das Angstzentrum in der Amygdala (Mandelkern = ältester Teil des menschlichen Gehirns) quasi leer ist.

Sie empfinden so gut wie keine Angst. So ist es verständlich, dass man gerade in Spezialeinheiten der Polizei und der Terrorbekämpfung dies als hohe Kompetenz erkennt. Kein „Normaler“ würde sich solchen Gefahren aussetzen, wie es Selbstmordattentäter auf der Seite des Terrorismus tun würden. Nur dass sich die „kultivierten Psychopathen“ ganz bewusst für die helle Seite der Macht entschieden haben.  Ein Psychopath ist also durchaus in der Lage zu entscheiden, wo er seine Extrempersönlichkeit einsetzen will.

Das zweite Phänomen ist die Empathie. Es wurde lange angenommen, dass Psychopathen überhaupt nicht empathisch sei könnten. Dies konnte aber wiederlegt werden. Sie haben vielmehr die Möglichkeit, Empathie quasi ein und auszuschalten. So gibt es gerade unter den Heiratsschwindlern, wie z.B. Helg S., dem Erpresser von Susanne Klatten sehr große Empathen, die diese Eigenschaft aber nur zum eigenen Vorteil nutzen – und niemals Mitgefühl mit einem anderen haben. Genau diese Fähigkeit macht nun den Psychopathen für die Geschäftswelt so interessant. Denn nur eine solche Persönlichkeit ist überhaupt in der Lage, ohne Schlafstörung und Magenschmerzen, tausenden von Arbeitnehmern ihre Existenzgrundlagen zu entziehen, weil es seinen Zielen dient.

Die narzisstische Kultur der Ich-Gesellschaft

Wir leben in einem narzisstischen Zeitalter (vgl. Lasch 1995). In diesem Klima, in dem Karriere und Erfolgsstreben immer noch an erster Stelle stehen, werden die egozentrierten Ausprägungen einer Persönlichkeit sowohl von der Gesellschaft als auch von den Unternehmen höher belohnt als Empathie und Demut. Bei einer Gesinnung, dass alles seinen Preis hat, ist es im Grunde ganz normal, wenn ab und zu etwas an die Oberfläche schwappt, was versteckt in dem tiefen Kessel der dunklen Seite brodelt. Es ist erstaunlich, wenn diese Gesellschaft dann doch entsetzt darüber ist, dass auch für ein Sommermärchen bezahlt werden musste. 

Wie kann der Einzelne die Balance zwischen Gut und Böse halten?

Wer Unternehmer ist, kann es sich nicht leisten, ständig auch Mutter Theresa zu sein. Trotzdem sind nicht alle Erfolgreichen große Narzissten oder gar Psychopathen.

Ein  Weg um die eigene Balance zwischen Gut und Böse für sich zu finden, könnte in folgenden Fragen liegen:

  • Was möchte ich in diesem Leben erreichen?
  • Wie hoch darf der Preis dafür sein?
  • Heiligt der Zweck wirklich jedes Mittel?
  • Wo ist meine Grenze?
    • Verlust der eigenen Gesundheit
    • Verlust der guten Beziehung zu Familie und Freunden
    • Skrupellosigkeit

Wer sich bewusst ist, was er will und welchen Preis er bereit ist für die Erreichung seiner Ziele zu bezahlen, kann sich am Ende seines Lebens nicht vorwerfen, er habe nicht bewusst gelebt und seine Entscheidungen getroffen.

In diesem Sinne sei die helle Macht mit Ihnen und den Ihren!

Zur Person

Susanne Kleinhenz ist Doktor der Philosophie mit dem Schwerpunkt Organisationsentwicklung und differenzielle Psychologie. Als Autorin, Speaker und Inhaber der live-academy, einer Akademie für Persönlichkeitsentwicklung und Organisationspsychologie, liegt ihr vor allem die persönliche und berufliche Weiterentwicklung von Menschen am Herzen. Als zertifizierte Trainerin und Theaterpädagogin gilt ihr besonderes Interesse der Führungs- und Verkaufskommunikation, dem Gender-Marketing und der Mann-Frau-Kommunikation.

Ihr Buch „Die dunkle Seite der Macht: eine Typologie von Führung“ erscheint im Februar 2016 im Springer Verlag.