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10 Tipps, die Ihre Texte sofort besser machen
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Schritt für Schritt zum Reintext

10 Tipps, die Ihre Texte sofort besser machen

© Pixsooz - Fotolia.com

Ihr Textentwurf steht? Der erste Schritt ist getan? Jetzt geht es an den Feinschliff. Und hier kommen die 10 Tipps ins Spiel, die Texte sofort besser machen. Schritt für Schritt überarbeiten Sie damit Ihre Texte und kommen so ganz systematisch zu einem spannenden, aktivierenden, leicht lesbaren Endergebnis: dem Reintext.

Tipp 1: Markieren Sie zu lange Sätze!

Zu lange Sätze machen es dem Leser schwer. Und schwer haben’s Leser nicht gern. Die Folge: Sie lesen nicht weiter. Also kontrollieren Sie Ihre Sätze. Bei 14 Wörtern liegt die sogenannte Obergrenze für gesprochene Texte. Deshalb lautet Ihre praktische Schreibregel für den Alltag: Ihre Sätze sollten nicht länger als 14 bis 20 Wörter sein. Setzen Sie lieber früher Ihren Punkt. Überlegen Sie, ob Sie Sätze aufteilen können. Wenn ein sehr umfangreicher Text doch ein paar längere Sätze enthält, macht das nichts. Die Satzmonster sollen nur nicht überhandnehmen.

Tipp 2: Jagen Sie Wortmonster!

Wortmonster sind Wörter mit fünf oder mehr Silben. Die sind so lang, dass sie den Schärfebereich unseres Auges – ein Oval mit ca. 3 cm Durchmesser – überschreiten. Um Wortmonster zu entziffern, braucht Ihr Leser Konzentration und Zeit, denn das Auge muss mehrmals „ansetzen“. Überlegen Sie, ob Sie den Begriff mithilfe des Genitivs umschreiben können (aus Billardtischoberfläche wird Oberfläche des Billardtisches). Oder Sie trennen ganz einfach durch einen Bindestrich (Billardtisch-Oberfläche).

Tipp 3: Fremdwörter und Fachbegriffe adieu!

Werbetexte müssen mühelos im Gehirn Ihrer Leser landen. Deshalb: Bleiben Sie verständlich. Fremdwörter und Fachbegriffe stehen hier meist im Weg und machen den Text wieder schwieriger. Suchen Sie nach Begriffen, die der Leser einfacher versteht. Führen Sie wichtige Fachbegriffe behutsam ein und erklären Sie diese. Übrigens: Ganz klar, dass „verständlich“ gerade in Fachzielgruppen immer wieder etwas anderes bedeuten kann.

Tipp 4: Bleiben Sie persönlich!

Die Pronomen Sie, Ihnen und Ihr sind Stellvertreter für den Namen des Lesers. Sie machen Ihren Text persönlicher und bringen das beschriebene Produkt oder die Dienstleistung noch näher zum Kunden. Stellen Sie gleich den Bezug zum Leser her: „Hier sehen Sie Ihr neues Auto“ – und nicht „Hier sehen Sie unser neues Auto“. Der Tipp: Im Brief sollten zwei Drittel der Pronomen Sie, Ihr, Ihnen und ein Drittel ich, wir, unser sein. Überprüfen Sie Ihre eigenen Texte: Wo lassen sich ich / wir / unser in Sie / Ihr / Ihnen verwandeln?

Tipp 5: Streichen Sie Hilfsverben!

Je weiter vorn im Satz Ihr Verb erscheint, desto schneller ist dieser Satz. Müssen, können, möchten, dürfen, wollen, sollen oder würden sind Hilfsverben. Und die verbannen den lebendigen Teil Ihres Satzes – das Verb – ans Satzende. Die Folge: Der Satz verliert an Geschwindigkeit. Sagen Sie ganz klar, was Ihr Produkt kann. Was es leistet, und nicht, was es leisten könnte. Streichen Sie Hilfsverben und bringen Sie Ihre Verben wieder nach vorn. So wird aus können wir Ihnen schicken das konkretere und schnellere schicken wir Ihnen.

Tipp 6: Keine Chance dem Hauptwort-Stil!

Für die Zurverfügungstellung Ihrer Produktneuheit und das unterbreitete Kooperations-angebot ... Stopp!, denkt Ihr Gehirn. Denn Wörter, die auf -ung, -heit, -keit, -ät, -ive, -ion, -ik oder -ismus enden, signalisieren: Hier versteckt sich wahrscheinlich ein abstraktes und bildleeres Substantiv. Verwenden Sie lieber Substantive, die konkrete Bilder abrufen – also Rose oder Orchidee anstatt Blume. Und setzen sie auf aktive Verben. Dann wird aus es erfolgte keine Antwort von ihrer Seite ein aktives Sie antwortete nicht.

Tipp 7: Formulieren Sie positiv!

Denken Sie jetzt nicht an einen lila Elefanten! Nein! Nicht dran denken! Sie merken: keine Chance. Schuld ist unsere rechte Gehirnhälfte. Die kennt nur Bilder. Nicht-Bilder gibt es nicht. Was das mit Texten zu tun hat? Mit Begriffen wie keine Gefahr oder kein Risiko generieren Sie automatisch Bilder von Gefahr und Risiko im Kopf Ihres Lesers. Suchen Sie nach negativen Begriffen und formulieren Sie um. Aus keine Gefahr wird absolut sicher.

Tipp 8: Achtung Unwörter, Floskeln und Worthülsen!

Jedes Unternehmen sollte schriftliche Standards und absolute No-Gos definieren. Dazu gehören zum Beispiel abgedroschene Floskeln, Worthülsen oder negative besetzte Wörter, die sich immer wieder einschleichen. Mal ehrlich: Was bedeutet „innovativ“ oder „praktisch“ für den Kunden? Überlegen Sie, wie Sie anstelle von Worthülsen oder Floskeln besser, konkreter formulieren können. Damit bringen Sie frischen Wind in Ihre Texte.

Tipp 9: Kennzeichnen Sie Passiv-Konstruktionen!

Im Werbetext hat das Passiv nichts verloren! Denn es wirkt distanziert und hölzern. Es macht Ihren Text unpersönlich. Aktiv formulierte Sätze wirken dagegen viel dynamischer und freundlicher. Hier gibt’s „Action“. Der Kunde bekommt das Gefühl, aktiv mit Ihnen im Gespräch zu stehen.

Tipp 10: Trend- und Modewörter? Nur mit Augenmaß.

Es ist ganz besonders wichtig, seine Zielgruppe klar vor Augen zu haben. Sind es Jugendliche? Senioren? Wie ist der Sprachgebrauch? Machen Sie sich bewusst, wie viele Trend- und Modewörter (zum Beispiel Anglizismen) Sie nutzen. Verwenden Sie solche Begriffe mit Augenmaß. Denn sie sind mitunter schnelllebigen Trends unterworfen und oft nicht klar definiert. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Überlegen Sie auch hier: Lässt sich das Wort durch einen üblicheren (deutschen) Begriff ersetzen?

Natürlich hat beim Redigieren nur einer das letzte Wort: Sie! Denn den einzig richtigen Weg zu texten gibt es nicht. Sonst klängen alle Texte gleich. Denken Sie also daran: Nichts, was Sie hier lesen, ist in Stein gemeißelt.

Aber: Die einzelnen Redigierschritte sensibilisieren Sie für umständlichen Korrespondenzstil und andere Dinge, die Ihre Texte schwer lesbar machen. Und wer dieses Handwerkszeug aus dem Effeff beherrscht, dem sind geniale Regelverstöße natürlich ausdrücklich erlaubt!

Aber bis dahin heißt es (vielleicht) erst einmal: üben, üben, üben …

Ihr Stefan Gottschling
- Geschäftsführer Texterclub und SGV Verlag