B4B Schwaben

Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.

 / 
Themen  / 
Exklusiv  / 
Streifzüge durch Murnau a. Staffelsee
Anzeige
Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden dieser Anzeige!

Wir verwenden einen Drittanbieterdienst, um Anzeigen darzustellen, die möglicherweise Daten über Ihre Aktivität sammeln. Bitte überprüfen Sie die Details und akzeptieren Sie den Dienst, um diese Anzeige zu sehen.

Dieser Inhalt darf aufgrund von Trackern, die dem Besucher nicht bekannt gegeben werden, nicht geladen werden. Der Website-Eigentümer muss die Website mit seinem CMP einrichten, um diesen Inhalt in die Liste der verwendeten Technologien aufzunehmen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform

Streifzüge durch Murnau a. Staffelsee

Ein Blick über die Fußgängerzone von Murnau.
Ein Blick über die Fußgängerzone von Murnau. Foto: Florian Werner

Einatmen. Ausatmen. Die Welle rollt gemächlich ans Ufer und zieht sich langsam wieder zurück. Wer dem sanften Rauschen des Staffelsees in Murnau lauscht, der stellt fest, wie sich der eigene Blick langsam wendet. Weg von der Hektik des Außens und hin zur eigenen Mitte.

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Murnau, das Herz des Blauen Landes, mit seinen glitzernden Seen, dem stimmungsvollen Licht und seiner kunterbunten Altstadt einer Vielzahl an Künstlern und Literaten als Inspiration dient. Damals wie auch heute bereits bei der Ankunft in Murnau werden die Gäste des kleinen Örtchens von den farbenfrohen Fassaden und dem Flair der Altstadt verzaubert. Beim Flanieren durchs Zentrum, vorbei an süßen Cafés und urigen Wirtshäusern, ist einem womöglich noch nicht bewusst, wer sonst noch einst die kleinen Gässchen entlanggeschritten sein mag. Denn hinter den bunt gestalteten Häuserfassaden warten unzählige Geschichten auf die Besucher. 

Gestaltung durch Emanuel von Seidl 

Das Ortszentrum schmücken Häuser im Biedermeierstil, deren Fassaden der Münchner Stararchitekt Emanuel von Seidl Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mit volkstümlichen Fresken verzierte. Dank ihm ist Murnau heute unverkennbar, da er Landhäuser im Heimatstil erbauen und die Fassaden von Unter- und Obermarkt bunt bemalen ließ. Die beeindruckende Farbvielfalt zieht bis heute Gäste aus aller Welt magisch an. 

Der Seidlpark 

Rund um seine Villa legte Seidl eine großflächige Grünanlage an: den heutigen Seidlpark. Alte, hochgewachsene Bäume, ein Teich voller Seerosen und dort aufgestellte Denkmäler verleihen ihm seinen einzigartigen Charme. In Seidls Landhaus und auch auf dem grünen Gelände feierte die Münchner Prominenz ihre Feste. Die Gemeinde Murnau erwarb den Park und der Förderkreis Murnauer Parklandschaft e. V. übernimmt dessen Pflege. 

Bummeln am Staffelsee 

In den Gassen der Marktgemeinde sind unter anderem Kleidungsgeschäfte, Geschenkläden, Fachgeschäfte und Juweliere zu finden – allesamt nah beieinander und fußläufig erreichbar. Trachten sowie Trachtenschmuck, handgeschöpfte Moorseife und andere Besonderheiten können hier ergattert werden. Nach dem Bummel kann man in der Innenstadt die Seele baumeln lassen und nach ortstypischer Manier ein wenig mit den Einheimischen oder anderen Besuchern „ratschen“. Vielleicht ja bei einem kräftigen Cappuccino aus der Murnauer Kaffeerösterei oder einem kühlen Bier aus einem der geschichtsträchtigen Wirtshäuser? 

Die Murnauer Märkte 

Jeden Mittwoch zieht der Wochenmarkt viele Bürger und Besucher in Murnaus Fußgängerzone. Aber auch die anderen Murnauer Märkte, die im Laufe des Jahres stattfinden, sind einen Besuch wert: Hier finden sich landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kunsthandwerk und ein breit gefächertes Angebot an regionalen Schmankerln. 

Murnau bei einer Führung erleben 

Ausgebildete Gästeführer nehmen die Interessierten gerne mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte Murnaus, bei der sie die Gegend mit allen Sinnen erfahren können. Dort lernen sie die schönsten, interessantesten sowie historische Plätze in Murnau am Staffelsee kennen. Die Themenwege lassen sich dank der ausführlichen Beschilderung auch auf eigene Faust erkunden. 

Ortsführung in Murnau am Staffelsee 

Teilnehmer dieser Führung erhalten Einblicke in die Architektur-, Literatur- sowie Kunstgeschichte Murnaus und lernen die wichtigsten Persönlichkeiten des Ortes kennen. Die Ortsführung führt vorbei am Rathaus, der Mariensäule, der Kirche Maria Hilf, dem Hotel Post, der Traube, dem Schloss und der Kirche St. Nikolaus. Die amüsanten Anekdoten der geschulten Gästeführer sorgen für eine lockere Stimmung bei der Führung und lassen vergangene Zeiten wieder aufleben. 

Der Königsweg – majestätische Aus- und Einblicke 

Der Märchenkönig Ludwig II. ist der bekannteste Wittelsbacher. Auf dem Weg zu seinen Schlössern „Schachenhaus“ und „Linderhof“ machte er stets im Hotel Post in Murnau halt. Durch die vielen Besuche freundete er sich mit der Besitzerfamilie „Bayerlacher“ an. Ihm zu Ehren hat der Eigentümer eigens auf seinem Grundstück 1894 in Murnau das erste Denkmal deutschlandweit gewidmet. Von dort beginnt der rund 2,5-stündige Weg mit herrlichen Ausblicken auf den Staffelsee, das Murnauer Moos und die Berge. Dabei werden Sie unterhaltsam über die Ortsgeschichte und deren Verbindung zu König Ludwig informiert. Wussten Sie zum Beispiel, dass er die Insel Wörth im Staffelsee kaufen und darauf ein Schloss bauen wollte? 

Geführt wandern durchs Moos 

So lassen sich auch das Umland und das Murnauer Moos bei einer geführten Wanderung erkunden. Gemeinsam mit den Wander- und Bergführern können die Tour-Teilnehmer die Flora und Fauna der Region, heimische Kräuter und die geologischen Besonderheiten einer einzigartigen Landschaft entdecken. Sie erfahren auch Hintergründe zur Entstehung des europaweit größten zusammenhängenden Moorgebiets. 

Auf den Spuren Ödön von Horváths 

„Wenn ich nur wieder in Murnau sein könnte“, schrieb Ödön von Horváth in einem Brief an seine Bekannte. Hieraus geht hervor, wie sehr er an diesem Örtchen hing. Doch warum mochte der Weltliterat wohl gerade Murnau so gern? Lag es an den Bewohnern, den Wirtshäusern, dem Wettersteingebirge oder dem Murnauer Moos? Auf dem Horváth-Rundweg begeben Sie sich auf die Spuren des Schriftstellers und Dichters, der zwischen 1924 und 1933 in Murnau am Staffelsee lebte. 

Angefangen bei dessen Wohnhaus, bis zum Schloßmuseum Murnau, das ihm eine eigene Ausstellung widmet, geht es auf dem Rundweg zu Plätzen, die Ödön von Horváth regelmäßig aufsuchte. Hier entstanden seine berühmten Volksstücke. Auf dem Rundweg wird deutlich, wie sehr er Land und Leute schätzte, denn das Blaue Land bedeutete für Horváth vor allem eines: Heimat. Den Weg kann man allein bestreiten oder in Form einer Themenführung gemeinsam mit einem geschulten Gästeführer. Doch nicht nur Schriftsteller wurden vom Blauen Land inspiriert, auch auf andere Künstler übt es damals wie heute eine immense Faszination aus. 

Der „Blaue Reiter“ im „Blauen Land“ 

Durch das sogenannte „Russenhaus“ in der Kottmüllerallee wird Murnau zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts einem internationalen Publikum bekannt. Es gehörte einst Gabriele Münter, die es zusammen mit Wassily Kandinsky als Sommerhaus bewohnte. Was viele nicht wissen: Ihre Zeit dort bildet die Geburtsstunde des Expressionismus. Denn im Münter-Haus findet sich regelmäßig ein Kreis junger Künstlerinnen und Künstler zusammen, der die neue Strömung im Blauen Land ins Leben ruft. Die künstlerische Zusammenarbeit von Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin trägt schnell Früchte. Somit spielt das Münter-Haus als bedeutender Treffpunkt der Avantgarde eine entscheidende Rolle in der Geschichte des „Blauen Reiters“. 

Gabriele Münter und der Expressionismus 

Gabriele Münter (1877– 1962) stand lange Zeit im Schatten ihres Lebensgefährten Wassily Kandinsky, mit dem sie gemeinsame Studienreisen durch Europa und bis nach Nordafrika unternahm. Dennoch wurde Gabriele Münter nach dem Zweiten Weltkrieg als eine Wegbereiterin der Moderne und eigenständige Vertreterin des Expressionismus anerkannt.

Gabriele Münter kaufte im Jahr 1909 ein Haus in der Kottmüllerallee in Murnau, welches ihr und Wassily Kandinsky als Sommerhaus diente. In dieser Zeit beschäftigte sie sich mit der für diese Region typischen Hinterglasmalerei. Diese Volkskunst wies ihr den Weg zu einer prägnanten Bildaussage.

Der Erste Weltkrieg unterbrach diese intensive künstlerische Schaffensphase und führte auch zur Trennung von Wassily Kandinsky. Gabriele Münter lebte einige Jahre in Skandinavien, bis sie 1920 nach Deutschland zurückkehrte. Erst 1931 nahm die Malerin ihr Handwerk in Murnau am Staffelsee wieder auf. Im Alter von fünfundachtzig Jahren starb sie im Russenhaus in Murnau. Heute können viele ihrer Werke im Schloßmuseum, dem Münter-Haus und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München bestaunt werden. Gäste können ihre Wirkungsstätten in Murnau besichtigen. 

Wassily Kandinsky in Murnau 

Wassily Kandinsky (1866–1944) studierte Nationalökonomie und Recht, entschied sich allerdings trotz einer möglichen vielversprechenden Dozentur gegen die wissenschaftliche Laufbahn. Er zog im Jahr 1896 nach München, um dort eine Existenz als Maler zu beginnen. Heute zählt er weltweit zu den bahnbrechendsten Künstlern des vergangenen Jahrhunderts. 

Im Jahr 1901 gründete Wassily Kandinsky die Ausstellungs- und Künstlervereinigung Phalanx, wo er auch seine spätere Lebensgefährtin Gabriele Münter kennenlernte. Nach ihren gemeinsamen Reisen durch Europa und Nordafrika erwarb Münter ein Haus in Murnau am Staffelsee. Dort widmeten sich die beiden jeweils ihrer Kunst und pflegten Freundschaften mit anderen Künstlern wie Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, bis der Ausbruch des Ersten Weltkrieges eine scharfe Zäsur in ihrem Schaffen darstellte.