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Name: Stefan Holzamer
Alter: 61 Jahre
Position: Geschäftsführer der SGL Technologies GmbH und Aufsichtsratsvorsitzender der SGL Carbon GmbH
Unternehmen: SGL Carbon GmbH und SGL Technologies GmbH, Meitingen
Hobbies: Golf, Tennis, Radfahren, Reisen
Ihr Unternehmen ist auf Carbon-Werkstoffe spezialisiert. Welche Vorteile weisen die Produkte der SGL Group aus diesem Material vor allem in industriellen Bereichen aus?
Aktuell verdient die SGL das Geld vor allem mit Elektroden und Kathoden für die Stahl- und Aluminiumindustrie. In den kommenden Jahren werden die Carbonfasern zunehmend nicht nur im Flugzeug- und Windanlagenbau , sondern insbesondere auch als Zukunftsmaterial im Automobilbau eingesetzt werden. Und das Material Graphit wird weiter wachsend in Batterien, in der Solarzellen- und LED-herstellung und bei der Herstellung von Wafern für die Halbleiter- und Computerindustrie Verwendung finden.
Ihre Business-Units sind international aufgestellt. Welche globalen Herausforderungen bringt das mit sich und wie bewältigen Sie diese?
Die Business-Units steuern ihr Geschäft und sind über Länder- und Gesellschaftsgrenzen hinweg weltweit verantwortlich. Dabei arbeiten sie eng mit den einzelnen Gesellschaften in den jeweiligen Ländern zusammen, die sie in den länderspezifischen juristischen, organisatorischen und sozialpolitischen Fragen unterstützen. Diese Matrixorganisation hat sich bewährt, verlangt aber ein hohes Maß an Kommunikation und Kompromissfähigkeit bzw. –bereitschaft. Dabei hilft eine weltweit eingeführte Kultur von Zielvereinbarungssystemen in allen Hierarchieebenen
Was zeichnet den Schwäbischen Unternehmer aus? Gibt es Besonderheiten?
Es gibt in der heutigen Zeit eigentlich keinen „regionalen“ Unternehmer. Der Unternehmer steht meist im überregionalen oder gar globalen Wettbewerb und zeichnet sich dadurch aus, dass er die Probleme anpackt, Zukunftschancen erkennt und ergreift, etwas auch unter Risiko wagt und damit sein Unternehmen voranbringt. Dies ist nicht generell auf eine Region zugeschnitten
Welche Bedeutung hat der Standort Meitingen für die SGL Group? Was macht ihn besonders?
Der Standort Meitingen ist heute der weltweit der größte Standort der SGL Group und hat durch die Zentralisierung der Forschung und Entwicklung eine besondere Stellung im Unternehmen.
Wie sieht Ihre Strategie für die Zukunft aus? Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren?
Meitingen wird strategisch vom reinen Produktionsstandort zu einem kombinierten Hochtechnologiestandort mit Forschung, Entwicklung, Pilot- und Technikumsanlagen und natürlich technologisch anspruchsvoller Produktion umgewandelt. Der Standort wird deshalb in 5 Jahren noch stärker zur Entwicklung der Zukunftstechnologien im Carbon- und Graphitbereich sowie in den wachsenden Anwendungen in der Faserverbundtechnik beitragen können.
Bitte beenden Sie folgenden Satz: Geschäftsführer zu sein, ist für mich…
... die Chance, die Rahmenbedingungen für den Standort und die Entwicklung des Unternehmens in seinem wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umfeld zu beeinflussen und nach Möglichkeit zum Nutzen des Unternehmens zu gestalten.
In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk haben Sie einmal gesagt: „Wer was bewegen will, muss sich auch engagieren“. Wie wichtig ist Ihnen Ihr Engagement im vbm Vorstand (Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie e. V.) für die Region Augsburg?
Dieses Engagement ist mir sehr wichtig, denn wer nur „mitläuft“ muss das akzeptieren, was andere vordenken und betreiben. Und das ist oft für das eigene Unternehmen schädlich. Ich denke dabei vor allem an die Tarifpolitik oder die Vorbereitung und Umsetzung von nationalen oder europäischen Gesetzesinitiativen. Deshalb ist es wichtig, dass man durch die ehrenamtliche Mitarbeit früh Tendenzen erkennt und entsprechend beeinflussen kann.
Ganz spontan in 15 Sekunden: 3 tolle Persönlichkeiten aus Bayerisch-Schwaben / aus der Region?
Da fallen mir spontan
Blick in die Region: drei Vor- und drei Nachteile der Wirtschaftsregion Augsburg?
Vorteile:
Gute Lage zwischen den Ballungsräumen München, Stuttgart, Ingolstadt (Automobilindustrie!) und Nürnberg und Vielzahl von innovativen Unternehmen mit Zukunftschancen (Faserverbund, Mechatronik, Luft- und Raumfahrt, IT und Umweltschutz)
Hohes Potenzial an fleißigen und gut ausgebildeten Menschen durch die gute Anbindung an Universitäten und Hochschulen im süddeutschen Raum und eine Vielzahl von engagierten Ausbildungsbetrieben
Hoher Freizeitwert
Nachteile:
Schlechter werdende Verkehrsanbindung bei Bahn und Luftverkehr
Keine Regionenförderung für die Unternehmen, da kein Fördergebiet
Hohe Energiekosten
Was verbinden Sie persönlich mit den Begriffen Heimat?
Heimat ist dort, wo man lebt und sich “zu Hause“ fühlt und nur bedingt dort, wo man geboren und aufgewachsen ist. Sieht man das anders, wird man zeitlebens ein Stück Lebensqualität an dem Ort an dem man lebt vermissen. Nach meinen 7 Umzügen haben meine Familie und ich schnell gelernt, den Begriff Heimat so zu sehen und zu empfinden. Deshalb ist Bayerisch-Schwaben jetzt unsere Heimat. Trotzdem schlägt mein Herz – insbesondere an Fastnacht – ebenfalls für meine Geburtsstadt Mainz.
Ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?
In 5 Jahren bin ich im Ruhestand und kann hoffentlich bei guter Gesundheit und Lebensfreude dem ein oder anderen Ehrenamt und meinen Hobbys nachgehen
Warum sind Sie Akademiker geworden und haben nicht einen schönen und befriedigenden Handwerksberuf mit der Selbstständigkeit in der eigenen Firma erlernt?
Für meinen von mir sehr geschätzten und verehrten Vater kam nur ein humanistisches Gymnasium mit anschließendem Studium in Frage. Trotz seiner ausgeprägten Toleranz kam das Erlernen eines Handwerks für seine Söhne nicht in Frage und wurde auch gar nicht diskutiert.