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Blickpunkt Investitionen, von Margot Liedl

Planung vor Investition

Was haben Brückenbauer und Investoren gemeinsam? Sie trag en dazu bei, dass Dinge vorankommen. Auch beim Erfolg ihrer Arbeit gibt es unübersehbare Para llelen: Ohne solide Planungsrechnung droht der Einsturz.

Innovative Unternehmen investieren regelmäßig, um am Markt bestehen zu können und Marktanteile auszubauen. Es gibt Neuinvestitionen, die dem technischen Fortschritt geschuldet sind oder der Tatsache, dass vorhandene Anlagegüter ersetzt werden müssen. Gerade strategisch ausgerichtete Unternehmenserweiterungen sind in der derzeitigen Konjunkturphase ein aktuelles Thema. Bevor die eigentliche Umsetzung des Investitionsvorhabens beginnt, sind umfangreiche Planungsrechnungen zu erstellen. Hierbei gilt es, die Ertrags-, Liquiditäts-, Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplanung zu erarbeiten. Dabei werden Szenarien entwickelt, die Einfluss auf die Finanzierbarkeit der Investition haben, um die adäquate Finanzierungsart zu ermitteln. Partner bei der Finanzierung über Fremdkapital sind die aktuelle Geschäftsbank genauso wie öffentliche Förderbanken. Je nach Investitionsvorhaben ist zu prüfen, inwieweit Zuschüsse beantragt werden können.

Planungsrechnung – wann lohnt sich eine Investition?

Die Planungsrechnung wird dann relevant, sobald feststeht, dass das Investitionsvorhaben aus betrieblichen Gründen tatsächlich durchgeführt werden sollte. Die Planungsrechnung ist das Entscheidungsinstrument für die Beurteilung der Tragfähigkeit des Investitionsvorhabens und ist damit sowohl für die Geschäftsführung als auch für den externen Kapitalgeber maßgeblich bei der Beurteilung einer Investition. Verschiedene Szenarien, die eine Prognose der Zukunft darstellen, werden entwickelt, berechnet und bewertet. Hierfür werden Daten aus der laufenden Geschäftstätigkeit, Branchenvergleiche und Marktanalysen verwendet, um zum Bespiel künftige Umsätze, Wareneinsatz, Personal- und Kostenentwicklung abzuleiten. Die Planungsrechnung selbst umfasst eine Fülle von Einzelplänen, unter anderem den Ertragsplan, den Liquiditätsplan, den Kapitalbedarfs- und den Finanzierungsplan.

Diese Einzelpläne müssen parallel erstellt werden, da sie sich in ihrer Komplexität gegenseitig beeinflussen. So wirkt sich beispielsweise die Art der Finanzierung auf die Zinsbelastung und damit auf die Ertragsplanung aus, die Liquidität hängt unter anderem von den Rückführungsmodalitäten der Fremdfinanzierung ab. Mithilfe der Planungsrechnung können Berater eine seriöse und fundierte Risikoabschätzung durchführen. Und nur ein schlüssiges Finanzierungskonzept kann potenzielle Finanzierungspartner überzeugen, Investitionen zu begleiten. Nach der getätigten Investition können die Planzahlen im aktuellen Tagesgeschäft des internen Controllings verwendet werden und dienen dann als Basis für die Analyse von Soll-Ist-Abweichungen.

Finanzierung durch Fremdkapital

Finanzierungsmöglichkeiten erstrecken sich, soweit Fremdkapital eingesetzt wird, von den klassischen Geschäftsbankkrediten, über zinsgünstige Förderdarlehen bis hin zum Beteiligungskapital der öffentlichen Hand oder Private Equity. Je nach Situation und Vorhaben gilt es, die optimale Finanzierungsart und den dafür infrage kommenden Kapitalgeber zu ermitteln. Finanzierungsarten wie Annuitätendarlehen, endfällige Darlehen, Sale-and-lease-back sind nur ein paar der denkbaren Möglichkeiten, die erfahrene Berater kennen und nach ihrer Eignung beurteilen können. Bei fehlenden oder nicht ausreichenden Banksicherheiten können öffentliche Bürgschaften beantragt werden. Die dafür anfallenden Kosten spielen genauso wie die Finanzierungsarten und deren jeweilige Konditionen (Zinssatz, Laufzeit, Disagio, Tilgungsrate, Cap-Darlehen etc.) für die Planungsrechnung eine entscheidende Rolle. Denn es soll nicht nur die Finanzierbarkeit der Investition in der Umsetzungsphase ermittelt werden, sondern auch die Realisierbarkeit der dadurch entstehenden finanziellen Verpflichtungen in der Zukunft.

Fördermittel als Finanzierungsvorteil

Ein weiterer Finanzierungsbaustein sind Fördermittel in Form von nicht rückzahlungspflichtigen Zuschüssen. Sie werden für gewerbliche Unternehmen hauptsächlich aus Mitteln der Länder, des Bundes und der Europäischen Union vergeben. Zuschüsse erzielen erhebliche Finanzierungsvorteile und wirken sich positiv auf die allgemeine Liquiditätslage des Unternehmens aus. Die wesentlichen Förderbereiche sind:

  • Investitionsförderung
  • Zinszuschüsse zu Förderdarlehen
  • Förderung umweltfreundlicher Vorhaben
  • Personalförderung 

Daneben gibt es noch konjunkturbedingte Sonderfördermöglichkeiten, wie zum Beispiel das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM), das derzeit noch bis 2013 innovative Forschung und Entwicklung von Unternehmen bezuschusst. Bei der Beantragung von Fördermitteln sind grundsätzlich einige Besonderheiten zu beachten. Sie werden nur auf Antrag gewährt, wobei dieser vor Beginn des Vorhabens an das zuständige Institut zu stellen ist. Bis zur Erteilung des Bewilligungsbescheids besteht kein Rechtsanspruch auf die Gewährung der Förderung. Die Bearbeitungszeit des Antrags kann mehrere Monate betragen. Deshalb empfiehlt es sich, die Fördervoraussetzungen und die aktuell noch verfügbaren Fördermittel bei den zuständigen Institutionen frühzeitig zu erfragen.

Profitable Investitionen sind planbar

Neben den beschriebenen Finanzierungsmöglichkeiten und deren Kostenauswirkungen sind bei einer Investitionsplanung auch steuerliche und bilanzielle Aspekte zu berücksichtigen. Hier eröffnen sich individuell verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zum Vorteil des Unternehmens. Beispielsweise kann durch eine Ausgliederung der Investition in eine neu zu gründende Gesellschaft eine Offenlegungspflicht der Gewinn- und Verlustrechnung von Kapitalgesellschaften vermieden werden. Investitionen sind ein komplexes Vorhaben, das eine ganzheitliche, vorausschauende und frühzeitige Planung erfordert. Eine profunde, aussagekräftige Planungsrechnung, von Experten erstellt und ausgewertet, ist zwar keine Garantie, aber eine wichtige Grundlage für eine profitable Investition. Sie unterstützt die Geschäftsführung im Entscheidungsprozess und erleichtert die Verhandlungen mit potenziellen Kapitalgebern.

Von Margot Liedl, Steuerberaterin bei AWI TREUHAND (zum Kanzleiporträt)