B4B Schwaben

Holen Sie sich B4BSCHWABEN.de auf Ihr Smartphone.
Klicken Sie auf das Symbol zum „Teilen” in der Toolbar von Safari. Finden Sie die Option „Zum Home-Bildschirm”. Mit einem Klick auf „Hinzufügen” ist die Installation abgeschlossen! Schon ist die Website als App auf Ihrem iOS-Gerät installiert.

b4bschwaben.de: Regionale Wirtschaftsnachrichten

Die Top-Nachrichten aus Augsburg

Anzeige

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden dieser Anzeige!

Wir verwenden einen Drittanbieterdienst, um Anzeigen darzustellen, die möglicherweise Daten über Ihre Aktivität sammeln. Bitte überprüfen Sie die Details und akzeptieren Sie den Dienst, um diese Anzeige zu sehen.

Dieser Inhalt darf aufgrund von Trackern, die dem Besucher nicht bekannt gegeben werden, nicht geladen werden. Der Website-Eigentümer muss die Website mit seinem CMP einrichten, um diesen Inhalt in die Liste der verwendeten Technologien aufzunehmen.

powered by Usercentrics Consent Management Platform
Kommentar der Woche von Ulrich Pfaffenberger

Kommentar: Linie 3, Linie 5 und die Grenzlinie

 Symbolbild. Foto: B4B SCHWABEN

Bloß nicht vor meiner Haustür: Warum vermeintliche Bewahrer der heilen Welt nichts anderes tun, als anderen die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Der erste Satz dieses Kommentars sollte ursprünglich lauten: „Wir leben in einer verkehrten Welt.“ Nach reiflicher Überlegung habe ich ihn geändert. Doch dazu später.

Was passiert gerade? Menschen leben in unserer Gegend, also weit gefasst in „Süddeutschland“, so schön und so gut, dass sie a) nicht mehr von hier weg wollen und b) auch nicht wollen, dass sich dieses „Hier“ groß verändert. Andere Menschen, die unsere Gegend aus der Ferne betrachtet haben, finden die Region ebenfalls so schön und gut, dass sie a) hierher wollen und b) wollen, dass sich dieses „Hier“ nicht groß verändert. Alles prima eigentlich. Aber damit Platz für die zweite Gruppe wird, damit diese genügend Straßen und Kitas und Universitäten finden, muss gebaut werden. Das findet diese Gruppe letztlich doch akzeptabel, denn es geschieht ja wegen ihr. Aber die erste, schon anwesende Gruppe fühlt ihren Wunsch nach Nicht-Veränderung missachtet und wendet sich gegen die Zuwanderer.

Die brauchen übrigens nicht aus Eritrea oder Syrien zu kommen. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern genügen schon.

Was passiert dann? Weil Ausblenden, Wegschauen und Ignorieren so prima funktioniert, haben zum Beispiel viele gar nicht richtig gemerkt, dass im Augsburger Westen große Wohngebiete entstanden sind. Südlich der Bürgermeister-Ackermann-Straße hat sich auf dem Gelände einer früheren US-Kaserne ein ganz neuer Stadtteil angesiedelt. Bisher ist er am Rande von einer lausigen Buslinie als öffentlichem Verkehrsmittel erschlossen, ein verbessertes Angebot ist dringend nötig. Die Tram-Linie 5 soll diesem Zweck dienen, mit eigener Trasse, weil Straßenbahnen mit freier Fahrt das einzige überirdische Verkehrsmittel sind, das massentauglich ist.

Wie erwartbar, formiert sich sofort Protest. Nicht von jenen, die besser bedient werden wollen, sondern von jenen, die ihr Privileg der freien (Auto-)Fahrt gefährdet sehen, wenn die Tramtrasse ihre Spur schmäler macht. Stau vom Vorort bis in die Innenstadt sei programmiert, klagen sie. Als gäbe es den nicht schon heute. Und als würde der nicht noch länger und dichter, wenn weitere Menschen hinzukommen, die mit dem Auto in die Stadt kommen. Aber vielleicht denken diese Gegner auch: Wenn wir nur lange genug schreien, dann kommen die anderen vielleicht nicht, weil sie da nicht hinwollen, wo so krakeelt wird. Blöd nur, wenn auch der Biotech-Gründer und der Mechatronik-Investor dann lieber ins Allgäu oder an den Ammersee gehen. Dann gibt’s vielleicht wirklich keinen Stau mehr, weil’s in zwei, drei Generationen keine großen Arbeitgeber in der Stadt mehr vorhanden sind. Das ruhige Idyll dann nennt man „Grabesstille“.

Das Verquere daran: Freie Fahrt fürs Auto, das die Luft in der Stadt belastet und kostbaren Platz für die Entwicklung von Standort und Lebensqualität wegnimmt? Barrieren gegen den umweltfreundlichen und für ältere Menschen (!) komfortablen Verkehrsträger Straßenbahn? Sie merken, wo der Protest hakt. Und als moderner Unternehmer können Sie sich vorstellen, was Ihre führerscheinlosen Highpotentials von morgen dazu sagen…

Die Linie 5 ist kein Einzelfall. Was die neue Strecke der Augsburger Straßenbahn im Kleinen, das ist die Linie 3 im deutschen ICE-Netz im Großen. Auch die soll zwischen Ulm und München als europäische Magistrale weiter ausgebaut werden, auch dort baut sich Protest auf. Getragen von dem fadenscheinigen Vorwand, eine heile Welt, ein Idyll erhalten zu wollen – das es so nur in den Augen der heutigen Besetzer gibt. Ja, Besetzer.

Der gegenüber den „bösen Großkonzernen“ oft beschworene Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ gilt auch ein paar Nummern kleiner. Die Verpflichtung lautet: bereit sein zu teilen, die Tür aufzumachen, Veränderung mitzugestalten. Das haben unsere Urgroßväter so gehalten, weshalb Bayerisch-Schwaben heute ein starker Wirtschaftsstandort ist. Das sollten wir heute auch so halten.

Weshalb am letzten Satz dieses Kommentars kein Weg vorbei führt. Einfach nur „Nein“ zu sagen, um die eigene heile Welt zu erhalten, geht nicht. End of the line.

von Ulrich Pfaffenberger