Kommentar der Woche von Ulrich Pfaffenberger

Kommentar: Hauptsache, die Brause schäumt

Symbolbild. Foto: monkeybusinessimages / iStock / thinkstock

Im Internet ist die Diskussion über Frauenabteile in der Bahn entbrannt. Daran zeigt sich, dass Firmen gut beraten sind, Service zu leben, statt ihn in Pressemitteilungen zu feiern.

Eine prima Idee, mit der die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) da aufwartet: Um Frauen ein zusätzliches Sicherheitsgefühl zu geben, werden dort spezielle „Frauenabteile“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Abteilen der Zugbegleiter eingeführt. Es habe nichts mit sexueller Belästigung zu tun, warum man diesen Schritt gehe, beeilt sich das Unternehmen zu betonen. Es handele sich einzig um einen Service nach Vorbild anderer Bahnen, zum Beispiel in Österreich, mit eigenen Abteilen für Mütter und Kinder oder allein reisende Frauen.

Die MRB hat ihre Kommunikation aus gutem Grund schnell präzisiert. Denn inzwischen zerfleischt die Online-Meute das Thema in den asozialen Medien. Von „Männerdiskriminierung“ über „weggesperrte Frauen“ bis „Heißt das, Frauen außerhalb der Abteile sind in Gefahr?“ bleibt keine Option undiskutiert, die eine solche Nachricht offen lässt. Keiner dieser Kommentare hat Substanz, keiner ist auch nur annähernd recherchiert, keiner trägt zur Lösung eines Problems bei, von dem man auch gar nicht weiß, ob es existiert. Hauptsache, die Brause schäumt und die Luft überm virtuellen Stammtisch brennt.

Wenn wir uns an dieser Stelle dem Thema kommentierend zuwenden, dann aus Sorge um unsere Wirtschaft. Kann ein Unternehmen wirklich keine gute Nachricht mehr unters Volk bringen, ohne sich über möglichen Missbrauch der Information Sorgen zu machen? Brauchen Pressemitteilungen, zumal wenn sie auf Firmenwebsites öffentlich zugänglich sind, nunmehr eine Verständnis- und Lesehilfe als Beipackzettel?

Die gute Nachricht: So aggressiv die Kommentatoren auch rüberkommen – es wirkt das geschriebene Wort eben noch immer stärker als das gesprochene – bilden sie doch eine Minderheit. Die Vorstellung mag helfen, dass diese selbst in einem Abteil gefangen sind, im Abteil eines Zuges, der dauernd im Kreis fährt und bedauerlicherweise WLAN hat…

Andererseits ist es in der Tat eine Überlegung wert, vernünftige Services und Kundenorientierung nicht an die Medien-Glocke zu hängen, sondern durch gelebte Umsetzung wirken zu lassen. Das ist seit jeher die bessere, weil glaubwürdige Methode. Aufmerksame, gute geschulte Mitarbeiter sind für jeden Kunden, egal welchen Geschlechts, die willkommenste Maßnahme, um sich gut aufgehoben zu fühlen.

von Ulrich Pfaffenberger

Artikel teilen
Kommentar der Woche von Ulrich Pfaffenberger

Kommentar: Hauptsache, die Brause schäumt

Symbolbild. Foto: monkeybusinessimages / iStock / thinkstock

Im Internet ist die Diskussion über Frauenabteile in der Bahn entbrannt. Daran zeigt sich, dass Firmen gut beraten sind, Service zu leben, statt ihn in Pressemitteilungen zu feiern.

Eine prima Idee, mit der die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) da aufwartet: Um Frauen ein zusätzliches Sicherheitsgefühl zu geben, werden dort spezielle „Frauenabteile“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Abteilen der Zugbegleiter eingeführt. Es habe nichts mit sexueller Belästigung zu tun, warum man diesen Schritt gehe, beeilt sich das Unternehmen zu betonen. Es handele sich einzig um einen Service nach Vorbild anderer Bahnen, zum Beispiel in Österreich, mit eigenen Abteilen für Mütter und Kinder oder allein reisende Frauen.

Die MRB hat ihre Kommunikation aus gutem Grund schnell präzisiert. Denn inzwischen zerfleischt die Online-Meute das Thema in den asozialen Medien. Von „Männerdiskriminierung“ über „weggesperrte Frauen“ bis „Heißt das, Frauen außerhalb der Abteile sind in Gefahr?“ bleibt keine Option undiskutiert, die eine solche Nachricht offen lässt. Keiner dieser Kommentare hat Substanz, keiner ist auch nur annähernd recherchiert, keiner trägt zur Lösung eines Problems bei, von dem man auch gar nicht weiß, ob es existiert. Hauptsache, die Brause schäumt und die Luft überm virtuellen Stammtisch brennt.

Wenn wir uns an dieser Stelle dem Thema kommentierend zuwenden, dann aus Sorge um unsere Wirtschaft. Kann ein Unternehmen wirklich keine gute Nachricht mehr unters Volk bringen, ohne sich über möglichen Missbrauch der Information Sorgen zu machen? Brauchen Pressemitteilungen, zumal wenn sie auf Firmenwebsites öffentlich zugänglich sind, nunmehr eine Verständnis- und Lesehilfe als Beipackzettel?

Die gute Nachricht: So aggressiv die Kommentatoren auch rüberkommen – es wirkt das geschriebene Wort eben noch immer stärker als das gesprochene – bilden sie doch eine Minderheit. Die Vorstellung mag helfen, dass diese selbst in einem Abteil gefangen sind, im Abteil eines Zuges, der dauernd im Kreis fährt und bedauerlicherweise WLAN hat…

Andererseits ist es in der Tat eine Überlegung wert, vernünftige Services und Kundenorientierung nicht an die Medien-Glocke zu hängen, sondern durch gelebte Umsetzung wirken zu lassen. Das ist seit jeher die bessere, weil glaubwürdige Methode. Aufmerksame, gute geschulte Mitarbeiter sind für jeden Kunden, egal welchen Geschlechts, die willkommenste Maßnahme, um sich gut aufgehoben zu fühlen.

von Ulrich Pfaffenberger

nach oben