Kommentar der Woche von Ulrich Pfaffenberger

Kommentar: Einkaufsgutschein fürs Top-Model? Keine gute Idee

Symbolbild. Foto: Frederick M. Brown / Getty Images Entertainment / thinkstock

Während Heidis Küken den Laufsteg erobern, bringen E-Autos keinen Reifen auf die Straße. Da hilft auch keine Kaufprämie, ist B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN-Redakteur Ulrich Pfaffenberger überzeugt.

Germany’s next top-model beginnt nicht mit einem „E“. Zumindest wenn es vier Räder hat und auf der Straße unterwegs ist. Zwar bewegen sich schon jetzt einige gut aussehende Elektroautos auf den „Laufstegen“ der Autohäuser. Was die Attraktivität beim Publikum angeht, ziehen sie aber deutlich den Kürzeren hinter Heidis Küken.

Die Gründe dafür sind hinlänglich diskutiert. Hoher Preis, unzulänglich empfundene Reichweite, eingeschränkte Modelvielfalt. Solange nicht Hin- und Rückfahrt zu Tante Edith in der hinteren Walachei ladestopp-frei gesichert sind, wird Otto Normalbenziner nicht die Antriebsart wechseln. Genauso wenig, wie er auf das seit Jahrzehnten gewohnte Ambiente seines Haus- und Hofmodells verzichten wird. Eben weil es das weiterhin nur in Super- und in Dieselausführung gibt, nicht aber in Strom.

An diesen Gefühlslagen wird auch eine Verkaufsförderprämie nichts ändern, wie sie gerade wieder heiß diskutiert wird. Auch wenn sie 5.000 Euro beträgt. Man denke: Für dieses Geld gab es 1969 einen Audi 100 LS! Denn erstens bleibt trotz dieses Schmiergelds der Preisabstand zu den Verbrennungsmotoren zu groß und zweitens sitzen gerade die „Immobilitätsängste“ bei Autofahrern besonders tief. Dazu kommt, dass inzwischen den meisten Bürgern bekannt ist, dass Mittel „vom Staat“ aus der eigenen Tasche bezahlt werden. 

Obendrein ist schon das Nachdenken über eine solche Prämie eine Bankrotterklärung der Umweltpolitik. Sie wirkt offenbar nicht so überzeugend (und weckt nicht genügend Verantwortungsbewusstsein), dass irgendjemand auf die Idee käme zu sagen: „Da verzichten wir der Umwelt zuliebe die nächsten Jahre auf den Fernreise-Urlaub und kaufen stattdessen ein E-Auto, mit dem wir dann zum Baggersee fahren.“ Oder ist Ihnen da jemand bekannt?

Bedauerlich ist die Situation für Energieversorger wie AÜW, LEW, SWA oder SWU, die mustergültig den Aufbau eines Versorgungsnetzes zwischen Iller, Donau, Lech und Bodensee vorantreiben. Selbst besonders augenfällig positionierte Stromtankstellen wie jene an der WWK ARENA lösen keine E-Euphorie bei motorisierten Fußballfans aus. Solange Boba nicht im Tesla anrollt, wird das auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Ernsthaft: Gerade regionale Verkehrskonzepte sind – wegen der saubereren Luft in den Innenstädten genauso wie wegen der potentiellen Nutzung der E-Auto-Batterien für virtuelle Kraftwerke – prädestiniert für die Integration von E-Mobilität. Wer sich die Bewegungsprofile normaler Stadtbewohner anschaut, wird auch leicht erkennen, dass der Umstieg auf „E“ da kaum Einschränkungen am Lebensstandard nach sich zöge. Mithin wäre die Bundespolitik besser beraten, Unternehmen wie den Energieversorgern beim Aufbau einschlägig bestückter Fuhrparks zum Beispiel für Carsharing-Angebote beizustehen, als individuell mit Euroscheinen zu winken. Denn dafür gibt’s diesmal kein Foto …

von Ulrich Pfaffenberger

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Kommentar der Woche von Ulrich Pfaffenberger

Kommentar: Einkaufsgutschein fürs Top-Model? Keine gute Idee

Symbolbild. Foto: Frederick M. Brown / Getty Images Entertainment / thinkstock

Während Heidis Küken den Laufsteg erobern, bringen E-Autos keinen Reifen auf die Straße. Da hilft auch keine Kaufprämie, ist B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN-Redakteur Ulrich Pfaffenberger überzeugt.

Germany’s next top-model beginnt nicht mit einem „E“. Zumindest wenn es vier Räder hat und auf der Straße unterwegs ist. Zwar bewegen sich schon jetzt einige gut aussehende Elektroautos auf den „Laufstegen“ der Autohäuser. Was die Attraktivität beim Publikum angeht, ziehen sie aber deutlich den Kürzeren hinter Heidis Küken.

Die Gründe dafür sind hinlänglich diskutiert. Hoher Preis, unzulänglich empfundene Reichweite, eingeschränkte Modelvielfalt. Solange nicht Hin- und Rückfahrt zu Tante Edith in der hinteren Walachei ladestopp-frei gesichert sind, wird Otto Normalbenziner nicht die Antriebsart wechseln. Genauso wenig, wie er auf das seit Jahrzehnten gewohnte Ambiente seines Haus- und Hofmodells verzichten wird. Eben weil es das weiterhin nur in Super- und in Dieselausführung gibt, nicht aber in Strom.

An diesen Gefühlslagen wird auch eine Verkaufsförderprämie nichts ändern, wie sie gerade wieder heiß diskutiert wird. Auch wenn sie 5.000 Euro beträgt. Man denke: Für dieses Geld gab es 1969 einen Audi 100 LS! Denn erstens bleibt trotz dieses Schmiergelds der Preisabstand zu den Verbrennungsmotoren zu groß und zweitens sitzen gerade die „Immobilitätsängste“ bei Autofahrern besonders tief. Dazu kommt, dass inzwischen den meisten Bürgern bekannt ist, dass Mittel „vom Staat“ aus der eigenen Tasche bezahlt werden. 

Obendrein ist schon das Nachdenken über eine solche Prämie eine Bankrotterklärung der Umweltpolitik. Sie wirkt offenbar nicht so überzeugend (und weckt nicht genügend Verantwortungsbewusstsein), dass irgendjemand auf die Idee käme zu sagen: „Da verzichten wir der Umwelt zuliebe die nächsten Jahre auf den Fernreise-Urlaub und kaufen stattdessen ein E-Auto, mit dem wir dann zum Baggersee fahren.“ Oder ist Ihnen da jemand bekannt?

Bedauerlich ist die Situation für Energieversorger wie AÜW, LEW, SWA oder SWU, die mustergültig den Aufbau eines Versorgungsnetzes zwischen Iller, Donau, Lech und Bodensee vorantreiben. Selbst besonders augenfällig positionierte Stromtankstellen wie jene an der WWK ARENA lösen keine E-Euphorie bei motorisierten Fußballfans aus. Solange Boba nicht im Tesla anrollt, wird das auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Ernsthaft: Gerade regionale Verkehrskonzepte sind – wegen der saubereren Luft in den Innenstädten genauso wie wegen der potentiellen Nutzung der E-Auto-Batterien für virtuelle Kraftwerke – prädestiniert für die Integration von E-Mobilität. Wer sich die Bewegungsprofile normaler Stadtbewohner anschaut, wird auch leicht erkennen, dass der Umstieg auf „E“ da kaum Einschränkungen am Lebensstandard nach sich zöge. Mithin wäre die Bundespolitik besser beraten, Unternehmen wie den Energieversorgern beim Aufbau einschlägig bestückter Fuhrparks zum Beispiel für Carsharing-Angebote beizustehen, als individuell mit Euroscheinen zu winken. Denn dafür gibt’s diesmal kein Foto …

von Ulrich Pfaffenberger

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