Kommentar

Fusion Augsburg-Ostallgäu: Selbstverrat und Widerspruch zur genossenschaftlichen Idee?

Augusta-Bank eG Raiffeisen-Volksbank, Hauptstelle Augsburg-Innenstadt, Schießgrabenstraße
Noch im Frühjahr sollen die Genossenschaftsbanken Augusta-Bank Raiffeisen-Volksbank und die VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu fusionieren. Dieser Plan mag zwar zwischen den Fusionspartnern positiv gesehen werden, doch nach Informationen unserer Redaktion gilt das nicht für die regionalen Genossenschaftsbanken – hier sorgt der Zusammenschluss für Unmut.

Im Mai soll es soweit sein: Die Augsburger Augusta-Bank und die VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu werden zur VR-Bank Augsburg-Ostallgäu. Eine Veränderung, welcher der Wirtschaftsraum möglicherweise nicht ausschließlich optimistisch entgegensieht.

Große Distanzen zwischen den Fusionspartnern

Während die Augusta-Bank mit 15 Niederlassungen im Augsburger und Aichacher Raum vertreten ist, reicht das Gebiet der VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu mit 27 Geschäftsstellen von Lamerdingen im Norden bis tief ins Allgäu. Insgesamt muss die künftige VR-Bank Augsburg-Ostallgäu zwischen Kühbach und der österreichischen Grenze eine Distanz von mehr als 150 Kilometern abdecken. 

Doch wie lässt sich dieses neu ausgerichtete Geschäftsgebiet mit dem genossenschaftlichen Wert der Regionalität vereinen? Ist es nicht als besonders kritisch zu betrachten, dass zwischen den einzelnen Standorten eine solche immense Distanz liegt? Aus genossenschaftlicher Sicht ein fast unmögliches Unterfangen. Denn die Gebiete sind nicht nur geografisch weit voneinander getrennt. 

Überregionale Bank schadet der Genossenschaftsidee

Der Großraum Augsburg mit über 500.000 Einwohner und stark ausgeprägter Industrie steht dem eher ländlich geprägten Ostallgäu gegenüber: Die Kunden der verschiedenen Regionen haben gewiss sehr unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen eine differenzierte Betreuung. Kann eine gemeinsame Bank wirklich dem Anspruch gerecht werden, eine solche individuell angepasste Kundenbetreuung zu leisten? Eine Spezialisierung auf die Bedürfnisse des regional ansässigen Kundenklientels scheint, angesichts der Dimension des weitreichenden Geschäftsgebiets der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu, wohl nur schwer realisierbar. 

Wäre ein Zusammenschluss der Raiffeisen-Volksbanken im Augsburger Raum nicht wesentlich sinnvoller? Wie eine Fusion, angelehnt an die gemeinsame Wirtschaftsregion Nordschwaben, aussehen könnte, war kürzlich in einer regionalen Tageszeitung[1] zu lesen: Auch bei Sparkassen sorgt diese Thematik der Regionalität und der Ballung des Wirtschaftsraums für Diskussion. Vergleicht man diese konträre Vorgehensweise mit der der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu, so fällt auf, dass eine Fusion an regionale Wirtschaftsräume angepasst wird und nicht umgekehrt. Für eine Genossenschaftsbank würde das bedeuten, dass auf diese Weise die genossenschaftliche Idee gewahrt werden kann. 

Kein gemeinsames Zentrum

Denn die angestrebte Fusion der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu steht in gewisser Weise im Widerspruch zu dieser Idee und ihren Werten. Genossenschaften sind traditionell stark in der Region verwurzelt und setzen auf Hilfe zur Selbsthilfe. Doch die regionale Verankerung leidet, wenn das Gebiet der Bank über zwei unterschiedliche Regionen reicht, die eine viel zu große Distanz abdecken. Auch ein gemeinsames Zentrum, das Augsburg und das Ostallgäu bündeln würde, fehlt. Mit der Fusion geht die VR-Bank den ersten Schritt in Richtung Großbank, so die Befürchtungen einiger Banken. Es ist sogar schon von der VR-Bank Schwaben die Rede – ein Vorbote für die ungewisse Zukunft der Genossenschaftsbank. Mehrere Raiffeiseninstitute sollen schon jetzt ihren Widerspruch gegen die Fusion beim Genossenschaftsverband angemeldet haben. Wie mit dem vorgesehenen Zusammenschluss weiter verfahren wird, bleibt abzuwarten.

[1] Quelle: Augsburger Allgemeine, Landkreis Dillingen, 31.01.19, S.40
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Im Mai soll es soweit sein: Die Augsburger Augusta-Bank und die VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu werden zur VR-Bank Augsburg-Ostallgäu. Eine Veränderung, welcher der Wirtschaftsraum möglicherweise nicht ausschließlich optimistisch entgegensieht.

Große Distanzen zwischen den Fusionspartnern

Während die Augusta-Bank mit 15 Niederlassungen im Augsburger und Aichacher Raum vertreten ist, reicht das Gebiet der VR-Bank Kaufbeuren-Ostallgäu mit 27 Geschäftsstellen von Lamerdingen im Norden bis tief ins Allgäu. Insgesamt muss die künftige VR-Bank Augsburg-Ostallgäu zwischen Kühbach und der österreichischen Grenze eine Distanz von mehr als 150 Kilometern abdecken. 

Doch wie lässt sich dieses neu ausgerichtete Geschäftsgebiet mit dem genossenschaftlichen Wert der Regionalität vereinen? Ist es nicht als besonders kritisch zu betrachten, dass zwischen den einzelnen Standorten eine solche immense Distanz liegt? Aus genossenschaftlicher Sicht ein fast unmögliches Unterfangen. Denn die Gebiete sind nicht nur geografisch weit voneinander getrennt. 

Überregionale Bank schadet der Genossenschaftsidee

Der Großraum Augsburg mit über 500.000 Einwohner und stark ausgeprägter Industrie steht dem eher ländlich geprägten Ostallgäu gegenüber: Die Kunden der verschiedenen Regionen haben gewiss sehr unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen eine differenzierte Betreuung. Kann eine gemeinsame Bank wirklich dem Anspruch gerecht werden, eine solche individuell angepasste Kundenbetreuung zu leisten? Eine Spezialisierung auf die Bedürfnisse des regional ansässigen Kundenklientels scheint, angesichts der Dimension des weitreichenden Geschäftsgebiets der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu, wohl nur schwer realisierbar. 

Wäre ein Zusammenschluss der Raiffeisen-Volksbanken im Augsburger Raum nicht wesentlich sinnvoller? Wie eine Fusion, angelehnt an die gemeinsame Wirtschaftsregion Nordschwaben, aussehen könnte, war kürzlich in einer regionalen Tageszeitung[1] zu lesen: Auch bei Sparkassen sorgt diese Thematik der Regionalität und der Ballung des Wirtschaftsraums für Diskussion. Vergleicht man diese konträre Vorgehensweise mit der der VR-Bank Augsburg-Ostallgäu, so fällt auf, dass eine Fusion an regionale Wirtschaftsräume angepasst wird und nicht umgekehrt. Für eine Genossenschaftsbank würde das bedeuten, dass auf diese Weise die genossenschaftliche Idee gewahrt werden kann. 

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[1] Quelle: Augsburger Allgemeine, Landkreis Dillingen, 31.01.19, S.40
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