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Zwei überaus freigeistige Franzosen mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee

Ein Hauch Albers, eine Priese Cousteau und jede Menge Jack Sparrow

 Präsentiert von: Abenteuer Ausland

Auf einem Streifzug durch Südfrankreich traf unsere Kollegin Angelika Gutermuth auf zwei überaus freigeistige Franzosen mit einer ungewöhnlichen Geschäftsidee:  eine mobile Kite-Schule an den schönsten Flecken der Karibik. Idee und Planung liegen nun ein Jahr zurück, für ABENTEUER AUSLAND hat Angelika nachgesehen, was aus diesem Projekt geworden ist.

Flughafen Porlamar, Venezuela, 23:00 Uhr Ortszeit. Ich verfluche meinen deutschen Planungswahn, dessen Zuverlässigkeit wohl noch auf dem Gepäckband in Frankfurt liegt. Welch Teufel hat mich auch dazu getrieben, mich auf diese vage Verabredung einzulassen? Als ich die Crew und Kitesurflehrer der Gitane Gite 2011 kennen gelernt habe, war der karibisch-mobile Kiteschulgedanke gerade noch in Planung, das Schiff noch nicht gekauft, noch nicht hochseetauglich und die ganze Idee erschien eher fantastisch als realistisch. Aber Chapeau – es lohnt sich immer, an seine Träume zu glauben, denn Will und sein Kumpel Adrien leben und arbeiten jetzt so, wie sie es mir vor einem Jahr prophezeit haben. Sogar der französische Atlantik wogte damals eher märchenhaft als machbar zum Klang ihrer Vision.

Heiß aufs Kiten

Und jetzt stehe ich aufgrund einer vagen Verabredung  und einem ungefähren Treffpunkt auf einem venezulanischen Flughafen. Mitten in der Nacht. Kein  Taxi. Kein Bus. Keine Mietwagenstation. Aber manchmal muss man auch auf sein Glück vertrauen – während ich vom Airport kommend im Hafen einlaufe, tut dies just im selben Moment die Gitan Gite und so treffen wir uns auf Anhieb an vereinbarter Stelle.  „Siehe da“, denke ich mir, „man kommt auch ohne Planung ans Ziel“. Trotz dieser Erkenntnis bin ich sichtlich erleichtert, mein schwimmendes Heim zu beziehen und freue mich riesig, die Jungs wieder zu sehen. Und bin sehr gespannt, was Sie mir zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee zu erzählen haben. Außerdem freue ich mich aufs Segeln, auf das Herumzigeunern mit dem Boot. Denn Gitan Gite – diesem Namen wird wirklich alle Ehre gereicht – heißt so viel wie „Zigeunerwagen“. Mal Abgesehen davon, bin ich heiß aufs Kiten, denn dafür bin ich schließlich hier. Und es ist ja auch gerade das, was diese mobile Kiteschule so einzigartig macht: kiten an den schönsten Spots der Welt.

Mit dem Denghi, dem Beiboot, geht’s endlich auf Schiff. Sanft schaukelnd liegt die blaue Lady vor mir im Wasser, das Mondlicht schmeichelt der leicht verbeulten Außenhaut und das Innere des Schiffs ist genau so, wie ich mir einen Männerhaushalt auf engstem Raum vorstelle: symphatisch-chaotisch-effizient verplanter Raum wo´s nur geht. Jeder Zentimeter ist genutzt. Es stapeln sich Kite-Equipment, Küchenutensilien, Schlafsäcke, Matten, Rucksäcke, Wasserkanister und noch unzählig nützliche Dinge in versteckten Winkeln, Ecken, unter Liegen und Sitzbänken. Und natürlich auch auf Deck. Die Gitan Gite ist großartig. Ich bin verliebt. Ich bin Pirat. Und die Crew? Kitende Berufspiraten? Nein. Trotz des augenscheinlichen Chaos hat ihre Geschäftsidee Plan, Struktur und System. Die Crew bietet jedem Kiteschüler ein individuelles, abenteuerliches und unvergessliches Erlebnis.

„Ich fühle mich wie die weibliche Ausgabe von Sparrow“

Und das beginnt für mich jetzt gerade mit einer atemberaubenden Aussicht von meiner Bettstatt aus durch die kleine Deckluke in die sternklare, venezulanische Nacht. Die Gitan Gite wiegt mich sanft in den Schlaf, ich fühle mich wie die weibliche Ausgabe von Sparrow. Was ein Leben, denke ich, dann schlafe ich ein.

Wie früh oder spät es ist, wenn ich aufwache, interessiert mich bereits nach dem zweiten Tag an Bord überhaupt nicht mehr. Alle kleinen „typisch deutschen Dinge“ fallen von mir ab. Wir fangen unser Abendessen selbst. Dazu gibt’s Reis mit viel Sojasauce. Nachts wird gesegelt, tagsüber Kiten wir an den besten Spots der Südsee. Ganz nebenbei bemerke ich, wie wohltuend Genügsamkeit sein kann und wie sehr man Dinge wieder zu schätzen lernt, wenn man nicht „erst mal zu Penny“ kann. Und ich lerne auch, dass das Leben an Bord keinen Platz für falsche Eitelkeiten lässt. Wenn Du Hunger hast, iss. Und zwar das, was das Meer und die Vorratskammer her geben. Wenn Du duschen willst, hüpf von Deck – wenn Du musst: Hintern übers Heck. Das Leben hier ist außergewöhnlich aber wahrhaftig. Wohltuend und heilsam. Abenteuerlich und  wunderschön. Während meines Aufenthaltes erzählen mir die Jungs, wie sie Stück für Stück ihren Traum in die Tat umgesetzt haben. Wie sie jeden Cent für das Schiff gespart haben. Wie sie es in Windeseile hochseetauglich machten und eigentlich eher planlos aber zuversichtlich über Gibraltar, Marokko, Westafrika und den Kapverden über den großen Teich gen Karibik segelten.

Dort haben sie ihre mobile Kiteschule dann endgültig ins Leben gerufen.

Das Leben in vollen Zügen genießen

Die Kitelocations werden je nach Lust und Laune ausgewählt. Wer möchte, soll kommen, auf dem Boot leben, kiten, das Meer und la pura vida genießen. Der Erlös reicht für Equipment, Sprit, Essen. Wenn das nicht piratenmäßig ist, weiß ich auch nicht. Ich genieße dieses Leben in vollen Zügen. Ich fühle mich großartig. Ich kite vor Tortuga, Los Roques und vor unzählig anderen kleinen Eilands. Ich fühle mich zuhause. Aber langsam, ganz langsam meldet sich die westliche Zeituhr in meinem Unterbewusstsein und bereitet mich  auf den Abschied vor. Das hier und jetzt, la pura vida endet für mich nach 14 unbeschreiblichen Tagen auf der Gitan Gite an einem viel zu frühen Morgen. Es ist noch dunkel. Mit dem Denghi geht’s bei Sonnenaufgang Richtung Flughafen und dort in ein gerade noch so flugtaugliches Himmelsgerät der Aserca. In Caracas gelandet, bekomme ich einen kleinen Vorgeschmack auf „die andere, die alte Welt“. Wenigstens wird damit mein persönlicher Wiedereintritt in die Erdatmosphäre etwas abgefedert – das hoffe ich zumindest. Trotzdem ist es, als ich in Frankfurt lande, ein absoluter Schock für mich. Das Überangebot an Nahrungsmitteln und die Menschenmassen blasen mich förmlich durch die Wartehallen. Ich sehne mich nach der Ruhe an Deck, die nur gelegentlich durch das leise Tocken der Tagelage oder des Schlagbaumes unterbrochen wurde. Ich wünsche mich zurück. Ich will an Bord. Ich mache mir ernsthafte Gedanken über meine Ziele und Werte im Leben und beschließe, wenigstens einen Teil der deutschen Planmäßigkeit abzulegen. Dabei fällt mir auf, dass ich das schon längst getan habe. Und ich beschließe, mich im Leben intuitiver treiben zu lassen. Aye!

  •  Alle Infos zur Gitan Gite, der Crew und Booking gibt's HIER oder auf facebook

Präsentiert von: Abenteuer Ausland  -  für alle die weg wollen. Reportagen und Tipps fürs Leben woanders. www.abenteuer-ausland.de