Mehrwert und neue Arbeitsplätze für das Allgäu

ECHT DUFTE im Gründer-Interview

Verena Dorn, Gründerin von ECHT DUFTE. Foto: ECHT DUFTE
Aus Stroh Gold spinnen: Dieses Konzept ist eher aus der Märchenwelt bekannt. Doch wie wertvoll das Heu und die Kräuter des Allgäus sind, das hat Verena Dorn für sich entdeckt. Im Interview mit B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN verriet die Gründerin, welche Vorarbeit für ein Startup-Unternehmen wichtig ist und wieso es Technologie-Unternehmen in der Gründungs-Phase leichter haben.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Aus welcher Branche kommen Sie ursprünglich und wie half Ihnen das bei der Gründung von ECHT DUFTE?

Ein Netzwerk ist das wichtigste für jeden, der gründen möchte.
Verena Dorn

Verena Dorn: Ich betreibe bereits ein Grafik- und Marketing-Büro in Kempten. Über die Jahre sind mit meinen Kunden enge Kontakte entstanden, die mich schließlich auf die Idee zu ECHT DUFTE gebracht haben. Ein Netzwerk ist das wichtigste für jeden, der gründen möchte. Ohne diese Vorarbeit geht es nicht. Dass ich vor ein paar Jahren eine Ausbildung zur Allgäuer Wildkräuterführerin gemacht habe, hilft mir hier ebenfalls sehr.

Wie sieht es mit Unterstützung für Startups im Allgäu aus?

Es gibt einige Angebote, zum Beispiel die Gründerwoche der Allgäu GmbH oder das Netzwerk der Gründervilla. Einmal im Monat können sich Startups im Allgäu auch zum Kässpatzen-Essen treffen und die Szene besser kennenlernen.

Finanzieren Sie ECHT DUFTE aus eigener Tasche oder gibt es Investoren?

Wir finanzieren uns im Moment noch selbst. Doch die Auslagen, zum Beispiel für die Verpackungen, sind recht hoch. Wir stoßen hier an unsere Grenzen. Daher haben wir darüber gesprochen, uns für Beteiligungen zu öffnen. Beim Gründerpreis ist beispielsweise ein potenzieller Investor auf uns aufmerksam geworden, der sein Know-how mit einbringen möchte. Für uns ist es jedoch schwieriger als für Unternehmen aus der Technologie-Branche oder dem MINT-Bereich, Geldgeber zu finden. Das liegt daran, dass unser größter Kostenpunkt die Gehälter sind. Die lassen sich nicht optimieren.

Wie und wo vertreiben Sie Ihre Produkte bisher?

Momentan verkaufen wir die Heusäckchen im Handel, bauen unseren Vertrieb aber aus. Die Geschäfte liegen im näheren Umkreis. Außerdem bin ich im Außendienst unterwegs und fahre die Hotels im Allgäu an. Unser Ziel ist es, die gehobene Hotellerie bis zum Bodensee zu unseren Kunden zu machen.

Gibt es einen Online-Shop? 

Noch nicht, aber wir sind gerade dabei, ein einfaches Bestellformular auf unserer Seite einzurichten. Sobald die Nachfrage nach unseren Produkten größer wird, wollen wir auch einen Online-Shop einrichten. Im Moment lohnt sich das noch nicht: Seit dem Vertriebsstart im Oktober kommen wir auf rund 200 verkaufte Säckchen pro Monat. Unser Ziel für 2017 ist es, monatlich 2.000 Heusäckchen zu verkaufen.

Woher stammen die Kräuter und Stoffe für die Säckchen?

Wir beziehen das Heu von einer Bergbauernfamilie, die ich über Kundenaufträge für das Landratsamt Oberallgäu und Gerhard Gehring kennen gelernt habe. Die Stoffe sind Altbestände und Spenden. Über Aufrufe erhalten wir hier sehr viel Material. Für die Kräuter sind wir derzeit mit einem Kräuterhof im Gespräch. Davon gibt es nur zwei im Allgäu. Mit diesen Pflanzen wollen wir unser Produktsortiment gerne erweitern.

Bei der Heu-Ernte. Foto: ECHT DUFTE

Welcher Gedanke steckt hinter ECHT DUFTE?

Wir wollen die Wertschöpfungskette im Allgäu halten.
Verena Dorn

Es ist eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Ich wollte mit meinen Fähigkeiten und meinen Kontakten im Tourismus einen Mehrwert für das Allgäu schaffen. Dazu zählt auch, dass Arbeitsplätze für die Menschen hier entstehen, insbesondere für Mütter. Dazu brauchte ich ein Produkt, dessen Produktion leicht zu erlernen ist. Um unsere Heusäckchen zu nähen, muss niemand eine Ausbildung zur Näherin absolviert haben.

Neben meinem Partner und mir beschäftigen wir so noch sechs Mütter und zwei Rentnerinnen. Sie kümmern sich um die Produktion der Heusäckchen. Die Verpackungen beziehen wir von einem Kemptner Unternehmen. So bleibt unser Produkt zu 100 Prozent in regionaler Herstellung. Wir wollen die Wertschöpfungskette im Allgäu halten. Die Jobs die wir hier schaffen, bringen das Geld zurück in unseren Wirtschaftskreislauf.

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Ein Netzwerk ist das wichtigste für jeden, der gründen möchte.
Verena Dorn

Verena Dorn: Ich betreibe bereits ein Grafik- und Marketing-Büro in Kempten. Über die Jahre sind mit meinen Kunden enge Kontakte entstanden, die mich schließlich auf die Idee zu ECHT DUFTE gebracht haben. Ein Netzwerk ist das wichtigste für jeden, der gründen möchte. Ohne diese Vorarbeit geht es nicht. Dass ich vor ein paar Jahren eine Ausbildung zur Allgäuer Wildkräuterführerin gemacht habe, hilft mir hier ebenfalls sehr.

Wie sieht es mit Unterstützung für Startups im Allgäu aus?

Es gibt einige Angebote, zum Beispiel die Gründerwoche der Allgäu GmbH oder das Netzwerk der Gründervilla. Einmal im Monat können sich Startups im Allgäu auch zum Kässpatzen-Essen treffen und die Szene besser kennenlernen.

Finanzieren Sie ECHT DUFTE aus eigener Tasche oder gibt es Investoren?

Wir finanzieren uns im Moment noch selbst. Doch die Auslagen, zum Beispiel für die Verpackungen, sind recht hoch. Wir stoßen hier an unsere Grenzen. Daher haben wir darüber gesprochen, uns für Beteiligungen zu öffnen. Beim Gründerpreis ist beispielsweise ein potenzieller Investor auf uns aufmerksam geworden, der sein Know-how mit einbringen möchte. Für uns ist es jedoch schwieriger als für Unternehmen aus der Technologie-Branche oder dem MINT-Bereich, Geldgeber zu finden. Das liegt daran, dass unser größter Kostenpunkt die Gehälter sind. Die lassen sich nicht optimieren.

Wie und wo vertreiben Sie Ihre Produkte bisher?

Momentan verkaufen wir die Heusäckchen im Handel, bauen unseren Vertrieb aber aus. Die Geschäfte liegen im näheren Umkreis. Außerdem bin ich im Außendienst unterwegs und fahre die Hotels im Allgäu an. Unser Ziel ist es, die gehobene Hotellerie bis zum Bodensee zu unseren Kunden zu machen.

Gibt es einen Online-Shop? 

Noch nicht, aber wir sind gerade dabei, ein einfaches Bestellformular auf unserer Seite einzurichten. Sobald die Nachfrage nach unseren Produkten größer wird, wollen wir auch einen Online-Shop einrichten. Im Moment lohnt sich das noch nicht: Seit dem Vertriebsstart im Oktober kommen wir auf rund 200 verkaufte Säckchen pro Monat. Unser Ziel für 2017 ist es, monatlich 2.000 Heusäckchen zu verkaufen.

Woher stammen die Kräuter und Stoffe für die Säckchen?

Wir beziehen das Heu von einer Bergbauernfamilie, die ich über Kundenaufträge für das Landratsamt Oberallgäu und Gerhard Gehring kennen gelernt habe. Die Stoffe sind Altbestände und Spenden. Über Aufrufe erhalten wir hier sehr viel Material. Für die Kräuter sind wir derzeit mit einem Kräuterhof im Gespräch. Davon gibt es nur zwei im Allgäu. Mit diesen Pflanzen wollen wir unser Produktsortiment gerne erweitern.

Bei der Heu-Ernte. Foto: ECHT DUFTE

Welcher Gedanke steckt hinter ECHT DUFTE?

Wir wollen die Wertschöpfungskette im Allgäu halten.
Verena Dorn

Es ist eine Kombination aus verschiedenen Faktoren. Ich wollte mit meinen Fähigkeiten und meinen Kontakten im Tourismus einen Mehrwert für das Allgäu schaffen. Dazu zählt auch, dass Arbeitsplätze für die Menschen hier entstehen, insbesondere für Mütter. Dazu brauchte ich ein Produkt, dessen Produktion leicht zu erlernen ist. Um unsere Heusäckchen zu nähen, muss niemand eine Ausbildung zur Näherin absolviert haben.

Neben meinem Partner und mir beschäftigen wir so noch sechs Mütter und zwei Rentnerinnen. Sie kümmern sich um die Produktion der Heusäckchen. Die Verpackungen beziehen wir von einem Kemptner Unternehmen. So bleibt unser Produkt zu 100 Prozent in regionaler Herstellung. Wir wollen die Wertschöpfungskette im Allgäu halten. Die Jobs die wir hier schaffen, bringen das Geld zurück in unseren Wirtschaftskreislauf.

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