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Es war einmal. Da fuhr eine lustige Gesellschaft in kurzen Hosen, Sommerkleidern und Strohhüten nach Paris. Sie saßen im Bus, kleine Ablagenetze über ihren Köpfen, Landjäger im Picknickkorb. Aus den Lautsprechern schepperten deutsche Schlager, hin und wieder erzählte der Busfahrer einen Witz und alle drei Stunden gab es einen Halt an einem Rastplatz zur Erledigung dringender Bedürfnisse. Diese Art des Reisens galt gleichwohl als Non-Plus-Ultra des Ferntourismus und brachte die Deutschen hinaus in alle Welt, soweit sie eine Festlandsverbindung hatte oder einen Fähranschluss.
Das alles liegt noch keine 50 Jahre zurück. Wer heute in einen Bus steigt, um die Festspiele in Salzburg zu besuchen oder in Bregenz, der trägt Abendkleid oder Smoking, schlürft an Bord ein Gläschen Champagner und räkelt sich im Ledersessel. Auf der Kultur-Tour nach Barcelona tönt barocke spanische Lautenmusik aus den dynamischen Kopfhörern, über die Flachbildschirme flimmert die jüngste Premiere an der Scala und eine sympathische Hostess serviert Tapas am Platz. Auch wenn die Betreiber der edlen Karossen das Wort „Luxusbus“ ungern in den Mund nehmen und lieber von einem fast schon selbstverständlichen 5-Sterne-Komfort sprechen: Verglichen mit anderen Fernreiseformen ist jene per Bus inzwischen die luxuriöseste. Das, was an Bord geboten wird, darf man inzwischen getrost als qualitative Evolution bezeichnen. Eine Evolution, deren erster Schritt dort ansetzte, wo andere Reisemittel wie Bahn oder Flugzeug den Bus nicht nur überholt, sondern auf die Standspur geschickt hatten. „Der Luxusbus“, davon ist Markus Fleiner von Nussbaum-Reisen in Biburg überzeugt, „hat seinen Ursprung in dem gestiegenen Standard der Gesellschaft.“
Ereignis mit Klasse
Der Wandel im Komfort geht Hand in Hand – oder besser noch: fährt auf der gleichen Spur – mit dem Wandel beim Angebot der Busreisen. Wenn das Augsburger Unternehmen Hörmann-Reisen das jüngste Flaggschi) seiner Flotte auf Reisen schickt, dann geht die eben nicht mehr nur an ei- nen schönen Ort, sondern zu einem Ereignis mit Klasse. In den Genuss des neuen 5-Sterne-Classic-VIP-Luxusliners werden in Zukunft hauptsächlich Liebhaber von Opern, Konzerten und Festspielen kommen: Denn der neue Bus wird in Zukunft hauptsächlich für die Hörmann Classic-Highlights eingesetzt: z.B. im Juli für die Classic-Fahrt in die Mailänder Scala.
Viel Platz und Beinfreiheit
Solche Luxusliner überzeugen vor allem durch die hochwertige Ausstattung, das Panoramadach und das Höchstmaß an Komfort. Die Neuanschaffung bei Hörmann ist mittlerweile der dritte „Classic Bus“ in Folge und verfügt über ganz besonders viel Platz und Beinfreiheit. Pro Reihe wurden lediglich drei Sitze verbaut, wodurch der Komfort Dimensionen erreicht, von denen Busreisende der Vergangenheit nur träumen konnten. Zu den Extras gehört nicht nur eine erstaunlich großzügige Bord-Toilette. „In einem Luxusreisebus darf natürlich eine geräumige und gut ausgestatte Bordküche nicht fehlen. Heißluftofen, Espresso & Co. sind heute selbstverständlich“, sagt Markus Fleiner.
Doch es ist letztlich die Bestuhlung, bei denen den Reisenden die Augen übergehen. Bei BBS in Thannhausen hat Chef Josef Brandner schon vor Jahren seine Luxus-Liner auf die exklusive 2-1-Anordnung umgestellt: „Die Kunden waren von Anfang an begeistert – die Reisen haben dadurch eine ganz neue, gehobene Atmosphäre bekommen. Wichtig ist aber auch: Die Reisegruppen sind damit maximal 32 Personen groß.“ Nicht zuletzt die wachsende Zahl von Alleinreisenden fühlt sich so in ihrer Persönlichkeitssphäre besonders angesprochen. Mit seinen neuen Juwel-Panoramabussen will BBS-Geschäftsführer Brand- ner „in eine neue Dimension des Reisens vorstoßen“. Dies verdeutlichte er bei der Vorstellung seines neuen „Innovationsrezeptes“, das aus sechs „Zutaten“ besteht: Reisedesign, stimmige Servicekette, Buskomfort, Sicherheit, Umwelt sowie das Plus-Paket mit Frühstück nach Abreise oder Kaffee und Wasser kostenfrei an Bord. „Wir wollen mit der Zeit gehen und die gesellschaftliche Veränderung aufgreifen“, sagt der aktive Unternehmer, der vor 25 Jahren die Be- triebsführung vom Vater übernommen hat. Brandner ging weiter auf die Um- fragen bei den Gästen und auf neueste Trendforschungen ein. „Gewünscht werden mehr Komfort an Bord, kleinere Reisegruppen und sicheres Reisen.
Billig-Reisen, oft gepaart mit persönlicher Enttäuschung der Reisenden, gehören der Vergangenheit an. Zukünftig geht es vielmehr um die Frage ‚Will ich mir das leisten?‘. Daher haben wir uns für dieses nach wie vor preisattraktive Reiseangebot entschieden, das aber dennoch alle Komfortaspekte berücksichtigt.“ Als erster deutscher Reiseveranstalter für Busreisen in ganz Europa bietet die in Günzburg, Krumbach und Thannhausen ansässige BBS Katalogreisen mit komfortablen und zugleich schick ausgestatteten Panoramabussen an. Das Motto: „Kreuzfahrten zu Lande“. Bei der feierlichen Enthüllung der neuen Juwel-Panoramabusse beim Hersteller Setra im Februar lobte Gerold Noeren- berg, Oberbürgermeister der Stadt Neu-Ulm „dass schwäbische Tüfteleien tolle Ergebnisse hervorbringen können. Individualität ist hier nicht nur ein Schlagwort. In diesen neuen Bussen haben Reisende im Zweifelsfall mehr Komfort als im eigenen Pkw.“ Komfort als Mehrwert – ähnlich sieht das auch Markus Fleiner, der bei Nussbaum ebenfalls eine stolze Flotte von Luxusbussen betreibt. „Dieses Segment genießt bei uns oberste Priorität. Unser Fuhrpark besteht ausschließlich aus klassifizierten Luxusreisebussen in der 4- und 5-Sterne-Kategorie. Wir möchten, dass alle unsere Kunden nicht nur ,befördert‘ werden, sondern in einer ,Luxussuite‘ reisen“, sagt er. „Der großzügige Innenraum mit der einmaligen Aussicht verspricht einen Logenplatz für jeden Passagier.“
Umwelt und Sicherheit
Für Wolfgang Reim von RED-Reisen kommen noch zwei weitere Aspekte ins Spiel. Der eine heißt „Umwelt“. Auch wenn die Nackenlehnen der Ledersessel in seinen Luxusbussen in markantem Rot strahlen, so sind es doch grüne Aspekte, die aus seiner Sicht die Busreisen veredeln: „Busreisen sind nach wie vor die verträglichste Form des Reisens mit dem geringsten CO2-Ausstoß pro Person und mit dem niedrigsten Treibstoffverbrauch pro Kopf.“ Dabei geht es nicht nur ums Saubermann-Image, sondern auch um Reisequalität. Bussen mit grüner Umweltplakette steht die Zufahrt auch in die Zentren der Metropolen Europas offen – und da wollen die Reisenden auch hin. Der zweite Aspekt heißt „Sicherheit“. „Das beginnt beim Fuhrpark, der bei uns aus Fahrzeugen namhafter Hersteller wie Mercedes, Kässbohrer-Setra, Volvo, Neoplan, Van Hool besteht“, sagt Reim.
„Gerade weil die Reisenden auf das eigene Fahrzeug verzichten und sich einem Chauffeur anvertrauen, ist neben der Angebotsvielfalt und dem Reisekomfort, dies die wichtigste Komponente, um Kunden dauerhaft zu gewinnen.“ Es sei daher auch kein Luxus, wenn Reisebusse ausschließlich in Fachwerkstätten gewartet werden und mehr- mals jährlich Sicherheitsprüfungen bei TÜV und DEKRA unterlaufen. Sicherheitsgurte, drei voneinander unabhängige Bremssysteme, ABS sowie elektronische Stabilitäts- und Bremsassistenten seien ebenso bedeutsam wie Sitzabstand oder Panoramascheiben.
„Das wichtigste Glied in der Sicherheitskette ist jedoch der Fahrer: Regelmäßige Schulungen und Seminare, die korrekte Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten und natürlich ein zweiter Fahrer auf langen Strecken und bei Nachtfahrten sind für uns kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit – und das honorieren die Reisenden.“Die Investitionen in Busse dieser Kategorie und Leistungsklasse sind generell nicht ohne. Sie liegen rund ein Drittel höher als bei einem Reisebus mit Standard-Komfort. Geld, das dauerhaft gebunden ist, denn die Luxusliner lassen sich nicht einfach „zurückbauen“, wenn die Auslastung nicht stimmt. Dennoch lohnt sich die Entscheidung. Denn damit erschließen sich die Bus-Reeder ein neues Marktsegment anspruchsvoller Reisender, die sonst – da darf man Brandners Klassifizierung des Angebots ruhig wörtlich nehmen – auch gehobene touristi- sche Produkte wie Kreuzfahrten in Anspruch nehmen.
Somit kommt der Markenbildung seitens der Veranstalter große Bedeutung zu. Marken, deren Qualität sich nicht nur am schick designten Äußeren und Inneren des Busses, an stylischen Ledersesseln und edlen Speisen und Getränken misst, sondern einer durch und durch exerzierten Servicebereitschaft. Wenn BBS in Günzburg ein eigenes Parkdeck einrichtet, in dem die Reiseteilnehmer ihren Pkw abstellen und behütet zum Bus gelan- gen können, dann steckt dahinter mehr als nur der Abschied von den unkommoden Sammelfahrten durch die Region. Hier hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen.
Rollendes Vorstandsbüro
Man braucht nur mal bei Werner Ziegelmeier in Bobingen vorbeizuschauen, wo gelegentlich die eleganten schwarzen Busse von Z-Mobility auf dem Hof stehen. Gelegentlich, denn seine Idee, VIP-Busse einzusetzen, um Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu erlesenen Anlässen zu kutschieren, hat sich inzwischen zum florierenden Geschäft entwickelt. DAX-Konzerne und Aus- wärtiges Amt, Champions League-Kicker und TV- Produktionen nutzen inzwischen das komfortable Ambiente mit der persönlichen Note zur Fortbewegung. „Gerade weil man darin als Gruppe unter sich ist, weil man flexibel zwischen Arbeit und Entspannung umschalten kann, weil man vom ganzen Stress des Individualverkehrs befreit ist und weil man dennoch überall hinkommt, wohin Räder rollen können – genau deswegen ist der Luxusbus eine überzeugende Antwort auf das gestiegene Qualitätsbewusstsein in Sachen Mo-bilität“, sagt Ziegelmeier.
Vorigen Herbst zum Beispiel tourte das Singapore Symphony Orchestra mit über 100 Mitgliedern mit den Omnibussen von Z-Mobility durch Deutschland. Mit vier Fahrzeugen der „schwarzen Flotte“ machten die Musiker und Sänger Station in Frankfurt, München, Berlin, Leipzig und Dresden. Und auf der IAA-Nutzwagenmesse in Hannover 2010 war das Bobinger Omnibusunternehmen mit einem seiner VIP-Omnibusse auf dem Messestand der Otto Christ AG im Einsatz. Das Unternehmen, das sich auf die Produktion von Autowaschanlagen spezialisiert hat, nutzte den Bus als mobiles Konferenzzimmer.
Dort wurden die Messebesucher und Kunden kulinarisch verwöhnt und konnten sich in angenehmer Atmosphäre von den Produkten und dem Leistungsumfang der Otto Christ AG überzeugen. „Unternehmen, die aus unseren Bussen ein rollendes Vorstandsbüro machen, mit Chefsesseln, Online- Anschluss und gekühlten Getränken, nutzen den Komfort – aber sie stellen auch eine Kalkulation an, die Produktivität zum Ergebnis hat. Und diese Rechnung geht auf“, weiß Ziegelmeier. Und wohin wird sich die Entwicklung in den nächsten Jahren bewegen? Markus Fleiner ist sich sicher: „Der Trend geht vermehrt zu Luxusreisebussen. Dies ist unseres Erachtens der einzige Weg um das Produkt ,Bus und Busreise‘ weiterhin ansprechend und attraktiv zu gestalten.“ Und Wolfgang Reim er- gänzt: „Die technische Entwicklung bei Bussen hat in jüngster Zeit eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Ich bin sicher, dass wir in nächster Zeit noch einige Innovationen zu sehen bekommen, die das Reisen mit dem Bus noch komfortabler und attraktiver machen.“