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Als ich letzte Woche von einer Geschäftsreise zurückkam, nutzte ich die Möglichkeit, mich von einem Flughafentransferdienst abholen zu lassen. Auf der Fahrt von München nach Augsburg kam ich mit dem Fahrer ins Gespräch und erkundigte mich nach seinem Job und dem Geschäftsmodell der Firma. Der Fahrer sagte mir, dass er pro Woche ca. zwei Fahrten übernehme, da er diesen Job nur neben seiner eigentlichen Arbeit ausübe. Er erzählte mir auch, dass er bei einer renommierten Augsburger Firma arbeite und einen guten Job habe, aber um seine Verbindlichkeiten bezahlen und seine Hobbys ausüben zu können, hätte er diesen Job zusätzlich!
Das lässt mich schlussfolgern: Wir werden künftig immer härter und mehr arbeiten müssen, können aber den Wohlstand der heute 50- bis 60-Jährigen nicht halten. Lohnsteigerungen werden zukünftig nur noch diejenigen erhalten, die eine besondere Qualifikation vorweisen können. Die meisten Menschen in den westlichen Industrienationen werden laut Sozialwissenschaftler Meinhard Migel ihren Lebensstandard nicht halten können und an Kaufkraft verlieren. In Zukunft werden mehr Menschen erwerbstätig sein, die gezwungen sind, immer länger zu arbeiten und später in Rente zu gehen. Dies ist auf die demografische Entwicklung, aber auch auf die Globalisierung zurückzuführen – unsere Arbeitskraft muss sich dem globalen Wettbewerb stellen, dieses Spiel werden die Industrienationen sicher verlieren. Die Tatsache, dass unsere Gewerkschaften immer noch denken, wir leben auf einer Insel der Glückseligkeit, sodass der globale Wettbewerb uns nichts angeht, hält diese Entwicklung sicher nicht auf. Die Gewerkschaften sind auch der Meinung, dass wir in Deutschland mit einem Lohndiktat diese Probleme lösen können. Das Gegenteil wird der Fall sein! Arbeitsplätze werden vernichtet, denn wir stehen in Konkurrenz zu Milliarden Menschen, von denen genauso viele qualifiziert und motiviert sind wie wir.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigen wir flexible Arbeitsmarktinstrumente. Die letzte Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass Deutschland durch Kurzarbeit und Einsatz von Zeitarbeitern besser als alle anderen Nationen durch die Krise gekommen ist. Stammarbeitsplätze konnten gehalten und sogar unmittelbar nach der Krise neu geschaffen werden. Positiv war auch, dass es Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam geschafft haben, die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Arbeitswelt steht am Beginn einer rasanten Veränderung und unsere Gesellschaft ist gut beraten, sich schnell darauf einzustellen! Erwerbsarbeit ist heute in den westlichen Industrieländern der Schlüssel zur gesellschaftlichen Akzeptanz, auch weil die Menschen sich durch den Arbeitslohn die Güter kaufen können, die sie wollen oder auch brauchen, um dazuzugehören.
In den letzten Monaten sank die Arbeitslosigkeit laut Bundesagentur-Chef Frank Jürgen Weise auf 2,945 Millionen. Das war laut Bundesagentur für Arbeit der niedrigste August-Stand seit 20 Jahren. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass 41 Millionen Menschen einer bezahlten Beschäftigung nachgegangen sind, aber zu einer geringeren Entlohnung. Dies hat zur Folge, dass die Tendenz wie in den USA zum Zweitjob geht. Man erinnere sich an Aussagen: „Die Deutschen werden eine Freizeitgesellschaft.“ Das Gegenteil ist der Fall – die Menschen arbeiten mehr als je zuvor; das ist auch notwendig und wird sich auch künftig nicht ändern. Bedingt durch die oben genannten Gründe wird es in den kommenden Jahren zunehmend schwieriger, die aus Altersgründen ausscheidenden Mitarbeiter durch junge Berufseinsteiger zu ersetzen. In Deutschland (und auch in anderen Industrieländern) gibt es seit dem Jahr 2000 mehr über 50-jährige als unter 30-jährige Erwerbspersonen. In den Unternehmen wird die Bereitschaft schwinden, ältere Mitarbeiter vorzeitig in den Ruhestand, „Vorruhestand“ oder in die Altersteilzeit zu entlassen; in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird zunehmend die nach oben verschobene Altersgrenze für den Beginn des Rentenbezugs genutzt werden. Negative Zeitgenossen bezeichnen dies als eine Vergreisung der Belegschaften. Positiv betrachtet bietet diese Entwicklung die Möglichkeit zu generationsübergreifender Nutzung von Kompetenzen und Wissen.
Es ist Zeit, die Möglichkeiten zu ergreifen und es gibt einiges, was wir tun können, um die bereits erwähnten Ressourcen zu nutzen. Wenngleich dadurch nur ein Teil der Probleme gelöst wird, ist dies zumindest ein Anfang. Mit diesem Wissen als Basis ist es doch nur logisch, dass die Arbeitnehmer 50plus aus der Arbeitslosigkeit geholt werden müssen. Die Bundesagentur für Arbeit sollte hierfür Gelder investieren, um das Ausbildungsniveau dieser Personen nachhaltig zu verbessern. Diese Altersgruppe sollte auch motiviert werden, den Gedanken der Frühverrentung zu überdenken. Ich glaube, gerade wegen des Alters liegt der Mehrwert in der Lebens- sowie Berufserfahrung. Die Verlierer werden wie immer die Zielgruppen sein, die Bildung nicht nutzen wollen oder nicht nutzen können. Entsprechende Angebote sollten auch diesen Menschen zur Verfügung stehen. Vor 30 Jahren lag die Erwerbsbeteiligung der 30- bis 50-jährigen Frauen bei 55 Prozent. Heute liegt diese bei ca. 85 Prozent, 2025 wahrscheinlich bei ca. 95 Prozent. Auch in dieser Erwerbsgruppe gibt es viele Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen anzupassen, damit die künftigen Arbeitsplätze geeignet besetzt werden können.
Erwerbstätige, die bereit sind, ihre Qualifikation zu verbessern und den Betrieben einen hohen Ausbildungsstand nachweisen können, werden in der guten Lage sein, den Arbeitslohn und die Arbeitsbedingungen weitestgehend selbst zu bestimmen. Die Unternehmen werden die Nase vorne haben, welche als Erste begreifen, dass sie die qualifizierten Bewerber aufwendig umwerben müssen, indem sie Anreize schaffen, zum Beispiel flexible familiengerechte Arbeitsbedingungen, damit sie die besten Kräfte für sich gewinnen. Die künftigen Leistungsträger unserer Gesellschaft werden dorthin wechseln, wo sie gute Bedingungen für ihre persönliche Balance von Arbeit, Hobby und Familie vorfinden. Der regionale Gedanke wird wieder verstärkt in den Vordergrund treten, denn die Menschen werden aufgrund der regionalen Jobangebote und steigender Energiekosten den Fokus auf einen kurzen Arbeitsweg legen. Das sind nur einige wenige Punkte, die wir unternehmen können, um den für uns alle sicher schmerzhaften Change-Prozess einigermaßen erträglich zu überstehen.