Hochschule Augsburg

Institut Greifenberg erhält eigenes Datenmanagementsystem

Die Hochschule Augsburg und das Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde sind der Beweis: Es gibt einen gemeinsamen Nenner zwischen Logistik und der wissenschaftlichen Erforschung historischer Musikinstrumente. Wie sich die Musikinstrumentenkunde dank Datenmanagement neu aufstellt.

Eigentlich kann es keinen gemeinsamen Nenner zwischen Logistik und der wissenschaftlichen Erforschung historischer Musikinstrumente geben. Denn während im Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde oft noch sehr traditionelle Handwerkstechniken zum Einsatz kommen, um wertvolle und äußerst seltene Tasteninstrumente zu analysieren und nachzubauen, forschen junge Wirtschaftswissenschaftler an der Hochschule Augsburg an Einsatzmöglichkeiten für IT-basierte Dokumentationssysteme, die in der Industrie angewendet werden, um große Datenmengen und Logistikströme zu managen.

Eine traditionelle Welt: Die Werkstatt der Musikinstrumentenkunde 

Wer die Werkstatt des Greifenberger Instituts betritt, merkt, dass Wert auf Tradition gelegt wird. Hier werden musikalische Raritäten originalgetreu nachgebaut, wie es bei der Faksimile-Rekonstruktion oder auch beim Reverse Engineering üblich ist. Dabei werden die historischen Instrumente mit Werkzeugen handgefertigt, wie sie teilweise um 1800 schon zum Einsatz kamen. So werden Bauteile millimetergenau per Hand zurecht gehobelt. Zugleich wähnt man sich in einem Testlabor.

Denn die Musikinstrumentenbauer in Greifenberg setzen auch hochpräzise Verfahren aus der industriellen Technik wie Video-Mess-Endoskope oder Koordinaten-Messsysteme zur berührungsarmen CAD-Dokumentation ein. Dies dient alles dem Ziel, aufzuzeigen, wie viel Technik und Präzisionsarbeit in historischen Musikinstrumenten steckt. Das ist das Hauptanliegen des Greifenberger Instituts, das seit seiner Gründung im Jahre 2007 auf dem Gebiet der Musikinstrumentenkunde für die Forschung einen wichtigen Beitrag leistet und sich nun für die Zukunft neu aufgestellt hat. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen sowohl die Rekonstruktion historischer Handwerkstechnik und Verfahrensweisen im Tasteninstrumentenbau als auch die Aufbereitung des zeitgenössischen musikalischen Kontextes“, so Helmut Balk, Geschäftsführer des Instituts. 

Durch Angewandte Forschung komplexe Prozesse vereinfachen

Folgende Ausgangssituation treffen die Augsburger Logistiker in Greifenberg an: In der Werkstatt der Musikinstrumentenkundler summieren sich die gewonnenen Erkenntnisse in Form von Notizzetteln, Skizzen, technischen Zeichnungen, Fotos, schriftlichen Aufzeichnungen, Tabellen etc. Die Messdaten werden in wachsendem Umfang auf unterschiedlichen PCs abgelegt.

An der Hochschule Augsburg geht es vergleichsweise theoretischer zu. Die jungen Wissenschaftler an der Fakultät für Wirtschaft sondieren Logistik-Prozesse und testen IT-Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfälle. Sie wurden vom Greifenberger Institut angefragt, die wissenschaftliche Dokumentation der Forschungsergebnisse zur historischen Instrumentenbau-Technik so zu konzipieren, dass die Forscher künftig ein maßgeschneidertes Datenmanagementsystem bereits im Tagesgeschäft einsetzen können. Hierzu sollen die unterschiedlichen Arbeitsvorgänge in der Werkstatt sowie auch die gewonnenen Forschungsergebnisse zeitnah und unaufwändig dokumentiert werden – m besten Falle von jedem Mitarbeiter schon während des jeweiligen Arbeitsschrittes, da Zeit und personelle Ressourcen in Greifenberg knapp bemessen sind.

Zur Lösung dieser Aufgabenstellung machten sich die Augsburger Studierenden im Rahmen des Projekts HisProDoc ans Werk. 

Ein maßgeschneidertes Datenmanagementsystem 

Die Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Augsburg und dem Greifenberger Institut begann im Oktober 2017 mit 16 Studierenden. Diese erstellten in den vier Gruppen IT, Stammdaten, Personal und Qualitätsmanagement im Wintersemester 2017/18 das Anforderungsprofil des Instituts. Die jungen Wissenschaftler wählten nach sorgfältiger Prüfung der gewünschten Anforderungen das sogenannte Enterprise-Resource-Planning-System, in der Version Dynamics Navision von Microsoft. Dieses kommt in der Industrie zum Einsatz und kombiniert die Darstellung von Arbeitsprozessen und Materiallisten.

In weiteren neun Monaten ging es darum, aus der Vielzahl von Planungs- und Dokumentationswerkzeugen, die das Programm anbietet, eine sinnvolle Auswahl für die erforderlichen Arbeitsschritte in der Musikwerkstatt zu treffen. Darauf aufbauend wurden die notwendigen Programmierarbeiten vorgenommen. In einer mehrwöchigen Testphase pflegten die Mitarbeiter des Greifenberger Instituts ihre jeweiligen Arbeitsergebnisse in das System ein. Dabei identifizierte Schwachstellen wurden in den weiteren Projektschritten berücksichtigt und angepasst. Als erfahrener Anwender von ERP-Systemen begleitete Frank Schröder, Head of IT bei der RENK AG, das Projekt und diskutierte mit den Studierenden besondere Detailfragen. 

Im Ergebnis archivieren die Forscher des Greifenberger Instituts nun neben den Messdaten auch Bilder und CAD-Zeichnungen der jeweiligen Arbeitsschritte sowie die Geschichten dahinter, so dass damit alle gewonnenen Informationen zu den einzelnen Analyseprozessen der historischen Instrumente jederzeit im Dokumentenmanagementsystem abrufbar sind.

„Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber dem Einsatz eines ERP-Systems in unserer Werkstatt, macht mir die Eintragung und Erfassung der Daten mittlerweile großen Spaß und ich ertappe mich dabei, wie ich bei den alltäglichen Arbeitsprozessen bereits in der ERP-Struktur denke“, sagte Geschäftsführerin Dr. Margret Madelung bei der Abschlusspräsentation 2018.

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Denn die Musikinstrumentenbauer in Greifenberg setzen auch hochpräzise Verfahren aus der industriellen Technik wie Video-Mess-Endoskope oder Koordinaten-Messsysteme zur berührungsarmen CAD-Dokumentation ein. Dies dient alles dem Ziel, aufzuzeigen, wie viel Technik und Präzisionsarbeit in historischen Musikinstrumenten steckt. Das ist das Hauptanliegen des Greifenberger Instituts, das seit seiner Gründung im Jahre 2007 auf dem Gebiet der Musikinstrumentenkunde für die Forschung einen wichtigen Beitrag leistet und sich nun für die Zukunft neu aufgestellt hat. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen sowohl die Rekonstruktion historischer Handwerkstechnik und Verfahrensweisen im Tasteninstrumentenbau als auch die Aufbereitung des zeitgenössischen musikalischen Kontextes“, so Helmut Balk, Geschäftsführer des Instituts. 

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In weiteren neun Monaten ging es darum, aus der Vielzahl von Planungs- und Dokumentationswerkzeugen, die das Programm anbietet, eine sinnvolle Auswahl für die erforderlichen Arbeitsschritte in der Musikwerkstatt zu treffen. Darauf aufbauend wurden die notwendigen Programmierarbeiten vorgenommen. In einer mehrwöchigen Testphase pflegten die Mitarbeiter des Greifenberger Instituts ihre jeweiligen Arbeitsergebnisse in das System ein. Dabei identifizierte Schwachstellen wurden in den weiteren Projektschritten berücksichtigt und angepasst. Als erfahrener Anwender von ERP-Systemen begleitete Frank Schröder, Head of IT bei der RENK AG, das Projekt und diskutierte mit den Studierenden besondere Detailfragen. 

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