ROSENBERGER OSI

Der kurze Weg zum Produkt

Wie kommen Forschung und Wirtschaft ohne öffentliche Förderung zusammen? Über Drittmittel, ein Investment der Unternehmen.

Seit 2014 kooperiert das Institut für ressourceneffiziente Datenübertragung und -verarbeitung der Hochschule Augsburg (HSA_ired) mit der Rosenberger Hochfrequenztechnik GmbH & Co. KG in Fridolfing. Letztere fördert Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten, orientiert an konkreten Marktherausforderungen. Das ein oder andere Patent ist die Folge.

Für die Firma Rosenberger sind die ehemaligen Masterstudenten Franz Aletsee und Sebastian Wagner jetzt als Doktoranden hier an der Hochschule tätig. Um was geht es?

Prof. Dr.-Ing. Reinhard Stolle: Kurz gesagt, geht es um die Übertragung hoher Datenraten in Twisted-Pair-Kabeln (Kabel mit verdrillten Aderpaaren). Diese gilt es zu steigern, etwa für das autonome Fahren, überhaupt für die meisten kurzen Übertragungswege, für die solche Kabel eingesetzt werden.

Sebastian Wagner widmet sich messtechnischen Aspekten und der Frage, wie solche Leitungen beschaffen sein müssen. Franz Aletsee hinterfragt Übertragungstechniken, etwa welche Signalformen höheren Datendurchsatz erlauben. Tatsächlich gibt es in der bisherigen Literatur noch keine genauen Modelle von Twisted-Pair-Kabeln im Frequenzbereich bis zehn Gigahertz.

Dr. Michael Wollitzer: Ja, und die Folge: Bisherige Übertragungsverfahren sind nicht effizient, aber ein für uns wichtiges Geschäftsfeld.

Deshalb wollten wir herausfinden, ob und wie es sich machen lässt, in hoch bitratigen Übertragungswegen die Datenrate signifikant zu erhöhen. Anders gesagt neue, bandbreiteneffiziente Verfahren zur Datenübertragung zu finden. Und, wie es sich herausstellte, sogar zu erfinden.

Stolle: Richtig, wir haben im Zuge unserer Forschung ein völlig neues Datenübertragungsverfahren entwickelt, das die Ausnutzung von zehn Gigahertz oder mehr Bandbreite ermöglicht.

Mit derzeit handelsüblicher Übertragungstechnik undenkbar. Die Patentanmeldung läuft. Verantwortlich waren unsere beiden Doktoranden, dank derer bereits 2014 ein anderes, ein messtechnisches Verfahren patentiert werden konnte.

Herr Wollitzer, warum engagiert sich Ihr Unternehmen als Drittmittelgeber?

Wollitzer: Vorentwicklung und Entwicklung von Produkten haben wir natürlich im Hause. Unsere eigenen Forschungsprojekte unterstützen wir durch Forschungsbeauftragungen an externe Expertenteams. Das lagern wir, fest budgetiert, aus. Wir pflegen traditionell den Austausch mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen., über Praktikanten, Werkstudenten, duale Studenten und die Unterstützung von Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten.

Entscheidend ist, dass sich die Projekte an unseren Marktanforderungen orientieren, dass es um konkrete potenzielle Applikationen geht, dass eine zukünftige kommerzielle Relevanz absehbar ist und wir Hochschul- oder Institutspartner haben, die marktorientierte Industrieforschung verstehen. Für unsere Produktentwicklung seit Langem ein erfolgreicher Kurs. Dank diesem es dann auch zu Highlights wie das im derzeitigen Projekt entstandene Patent kommen kann.

Wie stellt sich die Hochschule Augsburg auf die Gewinnung von Industriepartnern ein?

Stolle: Zum einen mit unserem Forschungsmaster, den wir in Kooperation mit sieben weiteren Hochschulen in Bayern 2012 eingeführt haben. Durch die Bologna-Reform sind die Studienzeiten kürzer geworden, der Forschungsmaster gibt den ausgewählten Bachelor-Absolventen wieder mehr Zeit und damit die Möglichkeit, sich mit Forschungsprogrammen in der gebotenen Tiefe auseinanderzusetzen. Voraussetzung für einen Forschungsmaster sind herausragende Leistungen des Studierenden und ein reales Forschungsprogramm aus der Wirtschaft.

Das Zweite: Als Wissenschaftler müssen wir lernen, was für den Auftraggeber wichtig ist, heißt, den Blick nach außen schärfen, den Kontakt – auch persönlich – intensiv pflegen, viel miteinander sprechen. Mit der Firma Rosenberger etwa pflegen wir Workshops mit harten Diskussionen, in denen sich Stück für Stück konkretisiert, was an Zusammenarbeit möglich ist. Eine Erfahrung, die uns vorwärtsbrachte. Ebenso die Tatsache, im Zuge von Projekten regelmäßig über den Stand der Dinge Rechenschaft abzulegen. Stichwort „agil“, was dem gemeinsamen Forschungsprojekt sehr guttut.

Und wie profitieren die Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Franz Aletsee: Grundsätzlich vom Praxisbezug. Oft dachte ich während des Studiums, was lerne ich hier eigentlich, brauche ich das später? Oder ich war nach einer guten Klausur überzeugt, dass ich die Materie verstanden hätte. Das relativiert der Praxisbezug enorm, erst die Möglichkeit, etwa bei der Firma Rosenberger vor Ort zu sein, führt zu einem wirklichen Verständnis, warum etwas wichtig ist. Gerade an den Fragestellungen aus der Industrie während meines Forschungsmasters bin ich gewachsen. Als Ingenieur ist es wichtig, früh zu wissen, dass man etwas macht, was jemand tatsächlich braucht.

Sebastian Wagner: Stimmt, eigene Ideen einzubringen und zu erfahren, dass diese in einem Unternehmen relevant sein können, ist hoch motivierend. Das ermöglicht so nur der Forschungsmaster, der einem drei Semester Zeit gibt, statt nur einem wie beim herkömmlichen Master. Da ist genug Raum, sich ordentlich einzuarbeiten.

Jetzt während der Promotion genieße ich es, mit Mitarbeitern der Firma Rosenberger in ständigem Kontakt zu stehen, Fragen aus dem Unternehmen zu bearbeiten, meine Ergebnisse dort in Simulation getestet zu wissen und Rückmeldungen zu erhalten. Und das Projekt ist spannend, ich denke, so etwas in dieser Leistungsklasse ist selten.

Wollitzer: Uns liegt viel daran, Studierende schon möglichst früh in deren Studium bei uns im Unternehmen zu haben. Es ist schön zu sehen, wie die jungen Leute in ihren Ingenieursdisziplinen laufen lernen. Und ich habe den Eindruck, diese Strategie geht seit Jahren auf.

Obwohl wir ab und an nur als „Steckerbude“ wahrgenommen werden, kommen Akademiker gerne zu uns, weil wir attraktive F&E-Themen zu bieten haben, mit denen wir die Erschließung neuer Geschäftsfelder vorbereiten. Und weil wir Studierende nicht für Botenjobs missbrauchen, sondern wissen, welche – hohen – Anforderungen sie für ihre Arbeiten erfüllen müssen.

Höhepunkte sind natürlich Engagements wie derzeit das der beiden Doktoranden der Hochschule Augsburg. Aus meiner Sicht eine sensationelle Kooperation, weil sie exemplarisch zeigt, was wir bei Rosenberger anstreben: einen möglichst kurzen Weg aus der akademischen Forschung hin zum marktreifen Produkt.

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Für die Firma Rosenberger sind die ehemaligen Masterstudenten Franz Aletsee und Sebastian Wagner jetzt als Doktoranden hier an der Hochschule tätig. Um was geht es?

Prof. Dr.-Ing. Reinhard Stolle: Kurz gesagt, geht es um die Übertragung hoher Datenraten in Twisted-Pair-Kabeln (Kabel mit verdrillten Aderpaaren). Diese gilt es zu steigern, etwa für das autonome Fahren, überhaupt für die meisten kurzen Übertragungswege, für die solche Kabel eingesetzt werden.

Sebastian Wagner widmet sich messtechnischen Aspekten und der Frage, wie solche Leitungen beschaffen sein müssen. Franz Aletsee hinterfragt Übertragungstechniken, etwa welche Signalformen höheren Datendurchsatz erlauben. Tatsächlich gibt es in der bisherigen Literatur noch keine genauen Modelle von Twisted-Pair-Kabeln im Frequenzbereich bis zehn Gigahertz.

Dr. Michael Wollitzer: Ja, und die Folge: Bisherige Übertragungsverfahren sind nicht effizient, aber ein für uns wichtiges Geschäftsfeld.

Deshalb wollten wir herausfinden, ob und wie es sich machen lässt, in hoch bitratigen Übertragungswegen die Datenrate signifikant zu erhöhen. Anders gesagt neue, bandbreiteneffiziente Verfahren zur Datenübertragung zu finden. Und, wie es sich herausstellte, sogar zu erfinden.

Stolle: Richtig, wir haben im Zuge unserer Forschung ein völlig neues Datenübertragungsverfahren entwickelt, das die Ausnutzung von zehn Gigahertz oder mehr Bandbreite ermöglicht.

Mit derzeit handelsüblicher Übertragungstechnik undenkbar. Die Patentanmeldung läuft. Verantwortlich waren unsere beiden Doktoranden, dank derer bereits 2014 ein anderes, ein messtechnisches Verfahren patentiert werden konnte.

Herr Wollitzer, warum engagiert sich Ihr Unternehmen als Drittmittelgeber?

Wollitzer: Vorentwicklung und Entwicklung von Produkten haben wir natürlich im Hause. Unsere eigenen Forschungsprojekte unterstützen wir durch Forschungsbeauftragungen an externe Expertenteams. Das lagern wir, fest budgetiert, aus. Wir pflegen traditionell den Austausch mit Hochschulen oder Forschungseinrichtungen., über Praktikanten, Werkstudenten, duale Studenten und die Unterstützung von Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten.

Entscheidend ist, dass sich die Projekte an unseren Marktanforderungen orientieren, dass es um konkrete potenzielle Applikationen geht, dass eine zukünftige kommerzielle Relevanz absehbar ist und wir Hochschul- oder Institutspartner haben, die marktorientierte Industrieforschung verstehen. Für unsere Produktentwicklung seit Langem ein erfolgreicher Kurs. Dank diesem es dann auch zu Highlights wie das im derzeitigen Projekt entstandene Patent kommen kann.

Wie stellt sich die Hochschule Augsburg auf die Gewinnung von Industriepartnern ein?

Stolle: Zum einen mit unserem Forschungsmaster, den wir in Kooperation mit sieben weiteren Hochschulen in Bayern 2012 eingeführt haben. Durch die Bologna-Reform sind die Studienzeiten kürzer geworden, der Forschungsmaster gibt den ausgewählten Bachelor-Absolventen wieder mehr Zeit und damit die Möglichkeit, sich mit Forschungsprogrammen in der gebotenen Tiefe auseinanderzusetzen. Voraussetzung für einen Forschungsmaster sind herausragende Leistungen des Studierenden und ein reales Forschungsprogramm aus der Wirtschaft.

Das Zweite: Als Wissenschaftler müssen wir lernen, was für den Auftraggeber wichtig ist, heißt, den Blick nach außen schärfen, den Kontakt – auch persönlich – intensiv pflegen, viel miteinander sprechen. Mit der Firma Rosenberger etwa pflegen wir Workshops mit harten Diskussionen, in denen sich Stück für Stück konkretisiert, was an Zusammenarbeit möglich ist. Eine Erfahrung, die uns vorwärtsbrachte. Ebenso die Tatsache, im Zuge von Projekten regelmäßig über den Stand der Dinge Rechenschaft abzulegen. Stichwort „agil“, was dem gemeinsamen Forschungsprojekt sehr guttut.

Und wie profitieren die Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Franz Aletsee: Grundsätzlich vom Praxisbezug. Oft dachte ich während des Studiums, was lerne ich hier eigentlich, brauche ich das später? Oder ich war nach einer guten Klausur überzeugt, dass ich die Materie verstanden hätte. Das relativiert der Praxisbezug enorm, erst die Möglichkeit, etwa bei der Firma Rosenberger vor Ort zu sein, führt zu einem wirklichen Verständnis, warum etwas wichtig ist. Gerade an den Fragestellungen aus der Industrie während meines Forschungsmasters bin ich gewachsen. Als Ingenieur ist es wichtig, früh zu wissen, dass man etwas macht, was jemand tatsächlich braucht.

Sebastian Wagner: Stimmt, eigene Ideen einzubringen und zu erfahren, dass diese in einem Unternehmen relevant sein können, ist hoch motivierend. Das ermöglicht so nur der Forschungsmaster, der einem drei Semester Zeit gibt, statt nur einem wie beim herkömmlichen Master. Da ist genug Raum, sich ordentlich einzuarbeiten.

Jetzt während der Promotion genieße ich es, mit Mitarbeitern der Firma Rosenberger in ständigem Kontakt zu stehen, Fragen aus dem Unternehmen zu bearbeiten, meine Ergebnisse dort in Simulation getestet zu wissen und Rückmeldungen zu erhalten. Und das Projekt ist spannend, ich denke, so etwas in dieser Leistungsklasse ist selten.

Wollitzer: Uns liegt viel daran, Studierende schon möglichst früh in deren Studium bei uns im Unternehmen zu haben. Es ist schön zu sehen, wie die jungen Leute in ihren Ingenieursdisziplinen laufen lernen. Und ich habe den Eindruck, diese Strategie geht seit Jahren auf.

Obwohl wir ab und an nur als „Steckerbude“ wahrgenommen werden, kommen Akademiker gerne zu uns, weil wir attraktive F&E-Themen zu bieten haben, mit denen wir die Erschließung neuer Geschäftsfelder vorbereiten. Und weil wir Studierende nicht für Botenjobs missbrauchen, sondern wissen, welche – hohen – Anforderungen sie für ihre Arbeiten erfüllen müssen.

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