Interview

Die Zukunftsmacher zur Chance Nachfolge: Fehler und Wege

Unternehmensnachfolge – ein Thema das laut Harald Gloning, Geschäftsführer „Die Zukunftsmacher“, oft zu spät und falsch angegangen wird. Wie der Übergang gelingen kann und welche Chancen er darin sieht, verrät er im Interview.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Gloning, können Sie kurz erklären, was genau hinter „Die Zukunftsmacher“ steht?

Harald Gloning: Die Zahlen sind erschreckend: Von rund 220.000 Unternehmen, die bis Ende 2020 an einen Nachfolger übergeben werden sollen, haben mehr als die Hälfte entweder noch keinerlei Anstrengungen unternommen, einen Nachfolger zu finden, oder wollen ihren Betrieb schließen, weil sie keinen Nachfolger gefunden haben. Hier droht der Verlust von unermesslichen Werten. „Die Zukunftsmacher“ treten mit dem Versprechen an, aktiv einen Käufer zu suchen: Wir finden Nachfolger!

Was sind aus Ihrer Sicht die drei häufigsten Versäumnisse von mittelständischen Unternehmern beim Thema Unternehmensnachfolge?

Sie beschäftigen sich zu spät mit dem Thema Nachfolge - und sie können nicht loslassen. Schließlich entwickeln sie zu wenig Vertrauen in die Kompetenz der Kandidaten.

Warum tun sich Ihrer Meinung nach Unternehmer noch immer schwer, das Thema richtig anzupacken?

Der Zeitaufwand wird meist unterschätzt und ist neben dem Hauptgeschäft kaum zu bewältigen. Zumal es kaum Kandidaten gibt, die ein Unternehmen kaufen wollen, denn der aktuelle Arbeitsmarkt bietet attraktive Alternativen für Menschen, die das Zeug zum Unternehmer hätten. Ein wesentlicher Faktor ist, dass die Entscheidung, sein Unternehmen abzugeben, für einen Inhaber sehr emotional ist – und dennoch rational getroffen werden soll. Das ist nicht einfach!

Welcher ist der wichtigste Tipp, den Sie Unternehmern, die sich mit dem Nachfolgethema beschäftigen, auf den Weg geben können?

Befassen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Nachfolge – und ziehen Sie Experten heran. Wenn es um die Gesundheit geht, wendet man sich ja letztlich auch an den Spezialisten und bleibt nicht nur beim Allgemeinarzt.

Was sind die drei wichtigsten Punkte, über die sich ein potenzieller Nachfolger Gedanken machen muss, bevor er ein etabliertes Unternehmen übernimmt?

Wichtig ist, dass er sich über die langfristige Wirkung seiner Entscheidung im Klaren ist – da hängt mehr dran als an einem Start-Up im eigenen Keller. Er muss sich in bestehende Strukturen einfinden, sich den Respekt seiner Mitarbeiter verdienen – und soll doch seine eigenen Vorstellungen einbringen für den Erfolg des Unternehmens. Wer eine Firma übernimmt, setzt sich nicht in ein gemachtes Nest – es fordert viel Energie, das Unternehmen weiter zu entwickeln. Das bietet aber auch Chancen!

Welche Vorteile hat es, die Nachfolge eines etablierten Unternehmens anzutreten, gegenüber einer Gründung?

Das Unternehmen hat sich bereits am Markt bewährt, es läuft. Es gibt Kunden, Lieferanten und erfahrene Mitarbeiter. Das ist eine gute Basis. Es ist außerdem eine gute Sache, wenn der frühere Chef die Einstiegszeit aktiv begleitet. Das nutzt beiden: Der alte Senior wird noch gebraucht, der neue Junior kann aus dem reichen Erfahrungsschatz des Seniors schöpfen.

Was sind die größten Irrtümer der Unternehmer im Hinblick auf eine Nachfolge? Und wo liegen die größten Chancen für eine erfolgreiche Nachfolge-Regelung?

Die Inhaber meinen meist, dass es ohne sie nicht läuft und trauen ihren Nachfolgern zu wenig zu. Das kann zu Differenzen führen. Auch die Bewertung des eigenen Unternehmens ist oft unrealistisch – der „Herzblut-Bonus“ trübt den Blick auf die Realität.

Der große Vorteil einer Betriebsübernahme ist, dass Werte erhalten bleiben. Und das beschränkt sich nicht nur auf monetäre Belange. Es geht um die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden, überhaupt um gesellschaftliche Verantwortung und Verlässlichkeit. Bleibt ein Unternehmen bestehen, ist das riesiges positives Signal und bedeutend für alle Beteiligten.

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Sie beschäftigen sich zu spät mit dem Thema Nachfolge - und sie können nicht loslassen. Schließlich entwickeln sie zu wenig Vertrauen in die Kompetenz der Kandidaten.

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Der Zeitaufwand wird meist unterschätzt und ist neben dem Hauptgeschäft kaum zu bewältigen. Zumal es kaum Kandidaten gibt, die ein Unternehmen kaufen wollen, denn der aktuelle Arbeitsmarkt bietet attraktive Alternativen für Menschen, die das Zeug zum Unternehmer hätten. Ein wesentlicher Faktor ist, dass die Entscheidung, sein Unternehmen abzugeben, für einen Inhaber sehr emotional ist – und dennoch rational getroffen werden soll. Das ist nicht einfach!

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Befassen Sie sich frühzeitig mit dem Thema Nachfolge – und ziehen Sie Experten heran. Wenn es um die Gesundheit geht, wendet man sich ja letztlich auch an den Spezialisten und bleibt nicht nur beim Allgemeinarzt.

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Wichtig ist, dass er sich über die langfristige Wirkung seiner Entscheidung im Klaren ist – da hängt mehr dran als an einem Start-Up im eigenen Keller. Er muss sich in bestehende Strukturen einfinden, sich den Respekt seiner Mitarbeiter verdienen – und soll doch seine eigenen Vorstellungen einbringen für den Erfolg des Unternehmens. Wer eine Firma übernimmt, setzt sich nicht in ein gemachtes Nest – es fordert viel Energie, das Unternehmen weiter zu entwickeln. Das bietet aber auch Chancen!

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Die Inhaber meinen meist, dass es ohne sie nicht läuft und trauen ihren Nachfolgern zu wenig zu. Das kann zu Differenzen führen. Auch die Bewertung des eigenen Unternehmens ist oft unrealistisch – der „Herzblut-Bonus“ trübt den Blick auf die Realität.

Der große Vorteil einer Betriebsübernahme ist, dass Werte erhalten bleiben. Und das beschränkt sich nicht nur auf monetäre Belange. Es geht um die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Kunden, überhaupt um gesellschaftliche Verantwortung und Verlässlichkeit. Bleibt ein Unternehmen bestehen, ist das riesiges positives Signal und bedeutend für alle Beteiligten.

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