Hightech-Frage, Folge 2

Wo erreicht Hightech ihre ethischen Grenzen, Herr Losinger?

Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger. Foto: Bischöfliches Ordinariat
Immer mehr Unternehmen werden im Bereich Hightech aktiv. Das hinterlässt auch in der Gesellschaft Spuren. Was Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger der Diözese Augsburg dazu sagt.

Wo erreicht Hightech ihre ethischen Grenzen, Weihbischof Losinger?

Dass wir heute an der Grenze des Dritten Jahrtausends in einer höchst technisierten und wissenschaftlich entwickelten Welt leben, ist jedermann klar. Wir alle profitieren von den Errungenschaften der modernen Technik. Vor allem im Bereich der Medizin und modernen Gesundheitsforschung leben wir von den Fortschritten der Entwicklung in Wissenschaft und Technologie. Gleichzeitig entstehen auf der anderen Seite bedrohliche Gefühle bei vielen Menschen, die sich in der ambivalenten Frage zusammenfassen lassen: Dürfen wir alles was wir können? Es war Albert Einstein, der große Physiker, Nobelpreisträger und Entdecker der Relativitätstheorie, der bereits in den frühen 60er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts das Problem auf diesen Punkt brachte: „Die Menschheit lebt heute, technisch gesehen im Atomzeitalter, aber ethisch in der Steinzeit.“

Das Drama der ethischen Grenzen von Hightech entsteht darum immer dort, wo das technisch Machbare und das ethisch Verantwortbare in Gegensatz, schlimmstenfalls in Widerspruch tritt. Die Atombombe steht in signifikanter Kontrastposition zur friedlichen Nutzung der Kernkraft. Drohnen können töten, aber auch aufklären und retten. Modernste atomare, chemische und digitale Kriegstechnik entfaltet ein horrendes Tötungspotenzial und konterkariert die therapeutischen Möglichkeiten modernster Medizintechnik. Viele der Gefährdungen des neuen technischen Zeitalters legen deshalb nahe, dass den Verantwortlichen in Politik, Wissenschaft und Technik eine klare Verantwortungsperspektive für ihr Tun auferlegt werden muss. Im technischen Bereich sprechen wir von einer klugen und nüchternen Technik-Folgenabschätzung, die in jeder Entwicklungsstufe technischer Innovationen die positiven und negativen Konsequenzen der Anwendung solcher Technik genau analysiert und abwägt. Alles andere würde nicht nur unüberschaubare Gefahren für Leib und Leben der zivilisierten Menschheit mit sich bringen, sondern auch erhebliches Misstrauen der Menschen und der Gesellschaft gegenüber technischen Innovationen generieren.

Für die ethischen Konsequenzen der Anwendung moderner Technologien, gerade in den spitzentechnologischen Feldern wie Big Data, Biomedizin und Gentechnik, Gesundheitsforschung und Digitalisierung ergibt sich damit ein klares Kriterium: Maßstab und Bezugspunkt der Beurteilung technischer Innovationen ist und bleibt der Mensch. Alles was Würde, Gesundheit und Lebensrecht des Menschen tangiert und zerstört, muss um des Menschen willen verhindert werden. Die Politik ist dazu ebenso gefordert wie die Verantwortung der Wissenschaft. Letztendlich geht es um den ersten Grundsatz unserer Verfassung, des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Was dem Menschen dient und ihn befördert, muss dem gegenüber gestellt werden, was verletzt und gesellschaftszerstörerisch wirkt. Primär und letztendlich muss der Mensch Bezugspunkt und Maßstab allen technischen und wissenschaftlichen Handelns bleiben.

Im Profil: Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger ist promovierter Theologe und Volkswirt. Im Jahr 2000 wurde er zum Weihbischof der Diözese Augsburg ernannt. Er war langjähriges Mitglied im Nationalen und Deutschen Ethikrat. 2015 erfolgte seine Ernennung zum Bischofsvikar für Bioethik und Sozialpolitik. Anton Losinger ist unter anderem Mitglied der Sozialkommission der Deutschen Bischofskonferenz, des Senats der Max-Planck Gesellschaft, der Bayerischen Bioethikkommission und darüber hinaus in verschiedenen Ethik-Kommissionen aktiv.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN nimmt die Zukunft von Wirtschaft und Region ins Visier: Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger ist der 2., der für das Frühjahrsthema 2018 von B4B WISSEN die Frage beantwortet, wodurch sich Hightech aus Bayerisch-Schwaben auszeichnet.

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