Gast der Redaktion

Interview zur FMB-Süd: Netzwerk-Messe trifft Hightech-Standort

Heiko Bartschat, Cluster Mechatronik & Autmoation, und Christian Enßle, FMB-Süd. Foto: Walter / B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN
Augsburg gilt deutschlandweit als besonders produktionsstark. Was braucht es, damit das auch so bleibt – und welche Rolle spielt Hightech dabei? Das verraten Christian Enßle von der Messe FMB-Süd und Heiko Bartschat vom Cluster Mechatronik & Automation im Gespräch mit unserer Redaktion.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Warum fiel bei der Standortfrage für die FMB-Süd die Wahl auf Augsburg?

Christian Enßle: Augsburg ist einfach ein spannender Standort. Über 650 produzierende Unternehmen, vorwiegend aus dem Mittelstand, mit rund 130.000 Beschäftigten sind in der Region angesiedelt. An der Technologieachse Süd gelegen, vereint Augsburg technologische Leitbranchen aus den Bereichen Maschinenbau, Automotive, Leichtbau, Luft- und Raumfahrt, Logistik und IT-Dienstleistungen. Und natürlich haben wir im Cluster Mechatronik & Automation auch einen starken Partner für die FMB-Süd gefunden.

Heiko Bartschat: Die Produktionsstärke Bayerisch-Schwabens ist auch der Grund dafür, dass der Cluster Mechatronik & Automation in Augsburg angesiedelt wurde. Für unsere Unternehmen ist der Technologie-Transfer das entscheidende Stichwort. Dabei hilft uns die FMB-Süd enorm weiter.

Deutschland ist nach wie vor die größte Maschinenbau-Nation der Welt. Damit das auch so bleibt, müssen wir uns auf neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle einlassen.
Heiko Bartschat

Wie kann die FMB-Süd den Mittelstand unterstützen?

Enßle: Die FMB-Süd versteht sich als Plattform für die verschiedenen Branchen. Es geht weniger darum, die eigenen Innovationen mit viel Glamour zu präsentieren. Die große Chance dieser Messe ist vielmehr die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Daraus entwickelt sich eine Eigendynamik, die sehr wertvoll ist.

Bartschat: Deshalb unterstützen wir dieses Konzept auch gerne. Es geht eben nicht nur darum, eigene Lösungen vorzustellen. Statt dem „Glitzereffekt“, den andere Messen versprühen, stehen vielmehr spannende Gespräche im Fokus, die zu neuen Innovationen führen.

Wie hoch ist der Innovationsdruck in der Branche?

Bartschat: Die Dynamik ist sehr stark. Besonders die Digitalisierung spielt hier eine enorme Rolle. Die Hersteller müssen sich mit diesen Hightech-Themen auseinandersetzen, sonst werden sie schnell abgehängt. Deshalb vermitteln wir unsere Unternehmen auch immer wieder in konkrete Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Mit dem Fortschritt mitwachsen und die eignen Mitarbeiter darauf vorbereiten, das ist die Kunst.

Inwiefern ist dieser Innovationsdruck ein Thema auf der FMB-Süd?

Enßle: Das Thema spielt sogar eine sehr große Rolle. Jedes Unternehmen, gerade im Bereich Maschinenbau und Automation, muss sich die Frage stellen: Gehe ich diese Herausforderungen intern an oder hole ich mir externe Hilfe? Hier bietet die FMB-Süd einen entscheidenden Vorteil, denn sie bringt viele Aussteller konzentriert zusammen. In kurzer Zeit lassen sich so konstruktive Gespräche führen und wertvolle Kontakte knüpfen.

Viele Unternehmen müssen sich auf einen viel umfassenderen, datenbasierten Service neu einstellen. Auf der FMB-Süd besteht die Möglichkeit, auch mal zu schauen, wie denn andere mit diesen Themen umgehen.
Christian Enßle

Bartschat: Gerade für Mittelständler mit begrenzten Ressourcen ist dieses Konzept sehr wertvoll. Deshalb ist die Nachfrage auch so groß.

Enßle: Sowohl aus Nord- als auch aus Süddeutschland kommen Unternehmen am 7. und 8. Februar nach Augsburg. Insgesamt sind es über 180 und damit 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 50 Prozent kommen aus der Region. Wir rechnen mit rund 2.000 Fachbesuchern – das sorgt für Vielfalt, ohne dass man in der Masse den Überblick verliert. Genau das macht den Charakter dieser Messe aus.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Ihre Branche derzeit gegenübersteht?

Enßle: Fast täglich entstehen neue Geschäftsmodelle. Anders als früher reicht es heute nicht mehr, einen guten Motor herzustellen und zu vertreiben. Viele Unternehmen müssen sich auf einen viel umfassenderen, datenbasierten Service neu einstellen. Auf der FMB-Süd besteht die Möglichkeit, auch mal zu schauen, wie denn andere mit diesen Themen umgehen.

Bartschat: Hier verändert sich die Welt ganz klar. Die künstliche Intelligenz steht schon in den Startlöchern. Diese neuen Ideen werden zwar von Kammern und Verbänden gepusht, doch deren Brisanz und auch die darin schlummernden Chancen werden von den Unternehmen gelegentlich verkannt. Das ist gefährlich, denn es ist wirklich jeder gefordert. Deutschland ist nach wie vor die größte Maschinenbau-Nation der Welt. Damit das auch so bleibt, müssen wir uns auf neue Technologien und innovative Geschäftsmodelle einlassen.

Wie verändert Hightech Arbeitsplätze in Ihrer Branche?

Enßle: Weiterbildung ist hier ein riesiges Thema. Gleichzeitig ist es schon heute für viele Unternehmen sehr schwer, überhaupt die entsprechenden Mitarbeiter zu bekommen.

Bartschat: Der Fachkräftemangel ist in der Tat ein großes Problem. Eine Möglichkeit, intern darauf zu reagieren ist, Teams zusammenzustellen, die abteilungs- und auch unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. So lassen sich besonders sehr spezifische Qualifikationen bestmöglich nutzen. Wir müssen Mitarbeiter auf die Digitalisierung und die Industrie 4.0 vorbereiten. Denn auch wenn wir künftig in einigen Bereichen vielleicht weniger Beschäftigte brauchen, sind Mitarbeiter, die die Maschinen verstehen und deren „Sprache“ für andere „übersetzen“ können, absolut essentiell.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben