Blick hinter den Bauzaun Teil 6: Andreas Thiel

Standort – Herausfordernde Zeiten für den Immobilienmarkt Augsburg

Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. Foto: Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Der Immobilienmarkt in Augsburg erlebt seit Jahren einen gewaltigen Ansturm. Vor allem bei Gewerbeimmobilen. Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft, erläutert im Interview, wie sich der Standort für künftiges Wachstum rüstet und seine Attraktivität für Neuansiedlungen wahren will.

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN: Herr Thiel, wie viel Spielraum hat die Region Augsburg noch bei der Standortplanung? Vor allem bei größere Dimensionen.

Andreas Thiel: Gestaltungsmöglichkeiten besitzt die Region Augsburg durchaus. Manches ist natürlich eine Frage des zeitlichen Horizonts. Unser aktueller Immobilienmarktreport weist Flächenverfügbarkeiten von über 400.000 Quadratmeter verteilt auf 20 Standorte im Wirtschaftsraum aus. Diese Darstellung führt allerdings nur ausgewählte Gewerbe- und Industriegebiete auf. Dies reicht von Arealen in Altenmünster mit 4.000 Quadratmeter sofortiger Flächenverfügbarkeit bis hin zu großen Flächen: Etwa im Augsburg Air Park oder auch dem Güterverkehrszentrum Region Augsburg. Trotzdem haben wir im direkten Umland Augsburgs durchaus Engpässe.

Zeichnen sich weitere Optionen ab?

In absehbarer Zeit werden weitere Flächen wie etwa der zweite Bauabschnitt im Augsburg Innovationspark in die Vermarktung gehen. Die Stadt Neusäß beschäftigt sich beispielsweise mit dem Umbau ihres Gewerbegebietes Neusäß-Mitte auch im Hinblick auf die Universitätsklinik. Die Stadt Friedberg erweitert ihr existierendes Gewerbegebiet Derching an der Autobahn. Und auch die Stadt Gersthofen diskutiert über Gewerbeflächen. In Mering scheint der Gewerbepark Mering West Fortschritte zu machen. In der Vergangenheit diskutierte Vorhaben etwa in Stadtbergen oder auf dem Lechfeld zeigen aber auch, dass Flächenausweisungen durchaus, gerade von der Bürgerschaft, kontrovers diskutiert werden. Hier gilt es, alle relevanten Akteure frühzeitig einzubinden, um ein breit getragenes, ausgewogenes Ergebnis gerade bei der Neuausweisung zu erzielen.

Wie geht man am besten mit Widerstand aus der Bürgerschaft um?

Ein sehr langfristiges Verfahren wendet die Stadt Augsburg bereits jetzt an, um mit einem Horizont von 10, 20 Jahren sukzessiv das neue Stadtquartier Haunstetten-Südwest zu entwickeln. Sowohl mit Wohn- wie mit Gewerbefunktionen. Die Gebietskörperschaften im Wirtschaftsraum Augsburg betrachten das Thema der Flächenentwicklung, auch unter dem Vorzeichen des Flächensparens, als eine grundlegende Notwendigkeit. Besonders im Hinblick auf Standortsicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Aber natürlich auch für die damit verbundene Schaffung von Wohnmöglichkeiten samt der flankierenden Infrastruktur sowohl in den Bereichen Soziales und Mobilität.

Mit dem geplanten Flächenstopp in Bayern haben Sie eine zusätzliche Herausforderung: Wie lässt sich damit Wachstum in der Region unterkriegen?

Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern heißt es: „Auch in Bayern wollen wir sorgsam mit der Fläche umgehen. Wir wollen daher in Bayern eine Richtgröße für den Flächenverbrauch (Siedlungs- und Verkehrsfläche) von fünf Hektar je Tag im Landesplanungsgesetz anstreben. Dazu werden wir gemeinsam mit den Kommunen wirkungsvolle Steuerungsinstrumente entwickeln“. Letztlich wird hier entscheidend sein, wie diese Willenserklärung tatsächlich im Landesplanungsgesetz beziehungsweise gemeinsam mit den Kommunen umgesetzt wird. Dass der Flächenverbrauch insgesamt eingedämmt werden muss, ist meines Erachtens unter den Gesellschaftern der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH auch für die Region Augsburg unstrittig.

Wie wollen Sie damit umgehen, falls der Flächenstopp kommt?

Eine von den Gebietskörperschaften diskutierte Studie zu Flächenpotentialen in der Region Augsburg ist auch mit dem Aspekt Flächensparen versehen. Eine Möglichkeit können hier Kommunen übergreifende Lösungsansätze sein. Sicherlich wird es aber auch sehr stark darum gehen, Lösungen aus dem Stand heraus stärker voranzubringen. Etwa durch eine stärkere Ausnutzung der Bauhöhen, geringere Abstandsflächen, generell im Kontext der Verdichtung, des Flächenrecyclings. Man denke hier nur an die erfolgreichen Konversionsvorhaben in Augsburg von Militär, Bahn und anderem mehr.

Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Handlungsbedarf, um gewerbliches Bauen attraktiver für Bauherrn und Dienstleister zu machen?

Das war das Kernthema des 6. A³ Immobilienkongresses Augsburg. Dort sprachen wir über die Bedeutung hochwertiger Gewerbebauten im Bereich Büroimmobilien. Auch und gerade im Hinblick auf Arbeitgeberattraktivität und damit Standortattraktivität. Der nach wie vor herrschende Fachkräftemangel, dem wir auch bei sich verschlechternden konjunkturellen Aussichten nicht entgehen können, trägt viel dazu bei, dass sich Arbeitgeber mit neuen Fragen beschäftigen müssen. Etwa wie sie über ihre Wahrnehmbarkeit nach außen, über ihre architektonische Manifestation als Arbeitgeber, attraktiv wirken können. Doch nicht nur das Äußere, auch die Nachhaltigkeits-Qualitäten von Gebäuden spielen hier eine Rolle, genauso auch die inneren Qualitäten im Sinne von neuen Bürowelten, die das Thema New Work umsetzen.

Und welche Impulse braucht der Gewerbebau, um zur Arbeitgeber- (und damit Standort-)Attraktivität beizutragen?

Gerade die geänderten Erwartungen jüngerer Generationen an ihren Arbeitgeber, ihre Arbeitsumwelt und die Formen von Zusammenarbeit mit Kollegen werden hier in ganz neuen Bürowelten sichtbar. Egal ob man sich den Sheridan Tower von außen oder von innen ansieht oder den Entwurf von Weitblick 1.7. Auch beim länger realisierte Anbau in der Patrizia-Firmenzentrale oder die Überlegungen zu A-Town-High: Überall spielen die Überlegungen von attraktiven Büroimmobilien zur Erhöhung von Arbeitgeber- und Standortattraktivität eine Rolle. Diese Immobilien schaffen es explizit wegen dieser Wirkung, neue, auch von außen neu hinzustoßende, Mieter nach Augsburg zu ziehen. Letztlich sind Projekte wie der Sheridan Tower so attraktiv, dass sich erstmals internationale und institutionelle Investoren in der Region engagieren. Das fördert natürlich das Image für den Immobilienmarkt Augsburg deutlich.

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Andreas Thiel, Geschäftsführer der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. Foto: Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
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Andreas Thiel: Gestaltungsmöglichkeiten besitzt die Region Augsburg durchaus. Manches ist natürlich eine Frage des zeitlichen Horizonts. Unser aktueller Immobilienmarktreport weist Flächenverfügbarkeiten von über 400.000 Quadratmeter verteilt auf 20 Standorte im Wirtschaftsraum aus. Diese Darstellung führt allerdings nur ausgewählte Gewerbe- und Industriegebiete auf. Dies reicht von Arealen in Altenmünster mit 4.000 Quadratmeter sofortiger Flächenverfügbarkeit bis hin zu großen Flächen: Etwa im Augsburg Air Park oder auch dem Güterverkehrszentrum Region Augsburg. Trotzdem haben wir im direkten Umland Augsburgs durchaus Engpässe.

Zeichnen sich weitere Optionen ab?

In absehbarer Zeit werden weitere Flächen wie etwa der zweite Bauabschnitt im Augsburg Innovationspark in die Vermarktung gehen. Die Stadt Neusäß beschäftigt sich beispielsweise mit dem Umbau ihres Gewerbegebietes Neusäß-Mitte auch im Hinblick auf die Universitätsklinik. Die Stadt Friedberg erweitert ihr existierendes Gewerbegebiet Derching an der Autobahn. Und auch die Stadt Gersthofen diskutiert über Gewerbeflächen. In Mering scheint der Gewerbepark Mering West Fortschritte zu machen. In der Vergangenheit diskutierte Vorhaben etwa in Stadtbergen oder auf dem Lechfeld zeigen aber auch, dass Flächenausweisungen durchaus, gerade von der Bürgerschaft, kontrovers diskutiert werden. Hier gilt es, alle relevanten Akteure frühzeitig einzubinden, um ein breit getragenes, ausgewogenes Ergebnis gerade bei der Neuausweisung zu erzielen.

Wie geht man am besten mit Widerstand aus der Bürgerschaft um?

Ein sehr langfristiges Verfahren wendet die Stadt Augsburg bereits jetzt an, um mit einem Horizont von 10, 20 Jahren sukzessiv das neue Stadtquartier Haunstetten-Südwest zu entwickeln. Sowohl mit Wohn- wie mit Gewerbefunktionen. Die Gebietskörperschaften im Wirtschaftsraum Augsburg betrachten das Thema der Flächenentwicklung, auch unter dem Vorzeichen des Flächensparens, als eine grundlegende Notwendigkeit. Besonders im Hinblick auf Standortsicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Aber natürlich auch für die damit verbundene Schaffung von Wohnmöglichkeiten samt der flankierenden Infrastruktur sowohl in den Bereichen Soziales und Mobilität.

Mit dem geplanten Flächenstopp in Bayern haben Sie eine zusätzliche Herausforderung: Wie lässt sich damit Wachstum in der Region unterkriegen?

Im Koalitionsvertrag zwischen CSU und Freien Wählern heißt es: „Auch in Bayern wollen wir sorgsam mit der Fläche umgehen. Wir wollen daher in Bayern eine Richtgröße für den Flächenverbrauch (Siedlungs- und Verkehrsfläche) von fünf Hektar je Tag im Landesplanungsgesetz anstreben. Dazu werden wir gemeinsam mit den Kommunen wirkungsvolle Steuerungsinstrumente entwickeln“. Letztlich wird hier entscheidend sein, wie diese Willenserklärung tatsächlich im Landesplanungsgesetz beziehungsweise gemeinsam mit den Kommunen umgesetzt wird. Dass der Flächenverbrauch insgesamt eingedämmt werden muss, ist meines Erachtens unter den Gesellschaftern der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH auch für die Region Augsburg unstrittig.

Wie wollen Sie damit umgehen, falls der Flächenstopp kommt?

Eine von den Gebietskörperschaften diskutierte Studie zu Flächenpotentialen in der Region Augsburg ist auch mit dem Aspekt Flächensparen versehen. Eine Möglichkeit können hier Kommunen übergreifende Lösungsansätze sein. Sicherlich wird es aber auch sehr stark darum gehen, Lösungen aus dem Stand heraus stärker voranzubringen. Etwa durch eine stärkere Ausnutzung der Bauhöhen, geringere Abstandsflächen, generell im Kontext der Verdichtung, des Flächenrecyclings. Man denke hier nur an die erfolgreichen Konversionsvorhaben in Augsburg von Militär, Bahn und anderem mehr.

Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Handlungsbedarf, um gewerbliches Bauen attraktiver für Bauherrn und Dienstleister zu machen?

Das war das Kernthema des 6. A³ Immobilienkongresses Augsburg. Dort sprachen wir über die Bedeutung hochwertiger Gewerbebauten im Bereich Büroimmobilien. Auch und gerade im Hinblick auf Arbeitgeberattraktivität und damit Standortattraktivität. Der nach wie vor herrschende Fachkräftemangel, dem wir auch bei sich verschlechternden konjunkturellen Aussichten nicht entgehen können, trägt viel dazu bei, dass sich Arbeitgeber mit neuen Fragen beschäftigen müssen. Etwa wie sie über ihre Wahrnehmbarkeit nach außen, über ihre architektonische Manifestation als Arbeitgeber, attraktiv wirken können. Doch nicht nur das Äußere, auch die Nachhaltigkeits-Qualitäten von Gebäuden spielen hier eine Rolle, genauso auch die inneren Qualitäten im Sinne von neuen Bürowelten, die das Thema New Work umsetzen.

Und welche Impulse braucht der Gewerbebau, um zur Arbeitgeber- (und damit Standort-)Attraktivität beizutragen?

Gerade die geänderten Erwartungen jüngerer Generationen an ihren Arbeitgeber, ihre Arbeitsumwelt und die Formen von Zusammenarbeit mit Kollegen werden hier in ganz neuen Bürowelten sichtbar. Egal ob man sich den Sheridan Tower von außen oder von innen ansieht oder den Entwurf von Weitblick 1.7. Auch beim länger realisierte Anbau in der Patrizia-Firmenzentrale oder die Überlegungen zu A-Town-High: Überall spielen die Überlegungen von attraktiven Büroimmobilien zur Erhöhung von Arbeitgeber- und Standortattraktivität eine Rolle. Diese Immobilien schaffen es explizit wegen dieser Wirkung, neue, auch von außen neu hinzustoßende, Mieter nach Augsburg zu ziehen. Letztlich sind Projekte wie der Sheridan Tower so attraktiv, dass sich erstmals internationale und institutionelle Investoren in der Region engagieren. Das fördert natürlich das Image für den Immobilienmarkt Augsburg deutlich.

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