Baugeschichte – Damals und Heute| Teil 8

Allgäuer Überlandwerk: Prämierte Architektur in Kempten

Das Kraftwerk an der Iller in den 1970er und 2019. Foto: AÜW
Dass ein Bau nicht nur zweckmäßig sondern auch stilvoll sein kann, zeigt das Allgäuer Überlandwerk. Wie sich das Unternehmen in den letzten 99 Jahren gewandelt hat, ist Thema in Teil 8 unserer Reihe „Baugeschichte – Damals und Heute“.

Wasserkraftwerke gab es in Kempten schon vor der Gründung des Allgäuer Überlandwerks (AÜW): Am 9. November 1901 geht das Kraftwerk an der Iller in Betrieb. Nur neun Monate dauerte die Fertigstellung des Bauwerks. Zwei „Francis-Turbinen“ mit zusammen 300 Kilowatt (kW) Kraftwerksleistung und eine Dampfturbine mit 150 kW erzeugen vor Ort den Strom. 1907 baut Ingenieur Adolf Böhm das Wasserkraftwerk in der Au. Adolf Böhm ist der Vater des späteren Gründers von AÜW, Karl Böhm. Dieser gründet das Unternehmen am 1. Januar 1920. Gesellschafter sind die Stadt Kempten und er, der gleichzeitig als alleiniger Geschäftsführer das AÜW leitet.

Nachfrage steigt

Mit den Jahren steigt der Strombedarf vor Ort. 1910 wurde der Maschinenpark bereits um eine dritte Wasserturbine und eine größere Dampfturbine erweitert. 1926 wird eine Propellerturbine in einem Anbau auf der Ostseite des Maschinenhauses installiert. Diese kann auch bei Hochwasser betrieben werden. Doch auch das reicht nicht aus. In den Folgejahren beschließt der Stadtrat, das Städtische Elektrizitätswerk in die Allgäuer Überlandwerk GmbH einzubringen. 1928 versorgt das Städtische Elektrizitätswerk das Stadtgebiet und drei Nachbargemeinden mit insgesamt 28.517 Einwohnern.

Wasserkraftwerk an der Keselstraße setzt ein Zeichen

1945 wird das im Krieg schwer beschädigte Gebäude des AÜW wieder aufgebaut. In den frühen 50er Jahren wird außerdem das Kraftwerk Horn bei Füssen gebaut. Weiter geht das Wasserkraftwerk an der Keselstraße in Betrieb.

Dieses erfährt nach der Jahrtausendwende einen umfassenden Umbau. 2010 erfolgt der zweite Start für den Bau. Ein Jahr später eine ganz besondere Ehrung: Das Wasserkraftwerk Keselstraße erhält den Deutschen Architekturpreis 2011. Das sorgt für große Freude beim Allgäuer Überlandwerk und dem ausführenden Büro becker architekten.

„Es gibt keine moderne Architektur, sondern nur gute Architektur. Diese drückt sich in Formen aus, die Leben und Wirtschaften unterstützen. Corporate Design ist ein Teil unserer Unternehmens-DNA aber nicht alles. Deswegen ist unser Kraftwerk in der Keselstraße in erster Linie ein Wasserkraftwerk. Die Architektur soll aber Emotionen schaffen, das heißt Identität für die Mitarbeiter und Innovationskraft für unsere Kunden“, erklärt Michael Lucke, Geschäftsführer des AÜW.

Kundencenter mit Wohlfühl-Faktor

Das Kraftwerk ist nicht der einzige Bau, den das Allgäuer Überlandwerk überarbeitet. Bei der Demontage der 1933 eingebauten Dieselanlage wird der Kamin am Kraftwerksgebäude 1978 abgerissen. Eine Umgestaltung erfuhr in den 2010ern auch das Kundencenter.

„Bei unserem Kundencenter steht Wohlfühlen im Mittelpunkt. Die Architektur soll Kunden zum Bleiben und Wiederkommen bewegen“, beschreibt Lucke die Architektur des am 14. April 2015 eröffneten neuen Kundencenters. Dieses hat vier Arbeitsplätze und zwei Schalter, an denen die Kunden gleichzeitig bedient werden können.

Kreativ und flexibel Arbeiten

Auch in der Firmenzentrale wird eine neue Arbeitsweise eingeführt. „Unser Fokus auf Kreativität und Flexibilität wird im neu geschaffenen Kreativ-Raum Freiraum in unserem Unternehmensgebäude gelebt, denn dynamischer Wettbewerb erfordert freies Arbeiten und Denken“. Die mobilen Sitzgelegenheiten und beschreibbaren Wände fördern den direkten Austausch zwischen Mitarbeitern und das Erarbeiten neuer Ideen für die Energiezukunft.

Im Zeitalter der neue Technologien

Neben der Architektur spielen auch Technik und neue Energie-Formen eine große Rolle beim Allgäuer Überlandwerk. 2011 wird der erste Bürgersolarpark in Ursulasried durch die Energiegenossenschaft Kempten eG mit Beteiligung des AÜW in Betrieb genommen. 2013 beteiligt sich das Unternehmen an der Solar Energie Allgäu GbR. Zwei Jahre später gehen ein Laufwasserkraftwerk in Sulzberg/Au und ein Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer Straße in Betrieb.

Aber auch Themen wie E-Mobilität, Smart-Grid, Batteriespeicher und Smart City (intelligente Stadt) beschäftigen das AÜW. Zuletzt testete das Unternehmen mit John Deere den Einsatz eines Hybridtraktors. Das alles ist Teil der EnergieZukunft Allgäu.

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Wasserkraftwerke gab es in Kempten schon vor der Gründung des Allgäuer Überlandwerks (AÜW): Am 9. November 1901 geht das Kraftwerk an der Iller in Betrieb. Nur neun Monate dauerte die Fertigstellung des Bauwerks. Zwei „Francis-Turbinen“ mit zusammen 300 Kilowatt (kW) Kraftwerksleistung und eine Dampfturbine mit 150 kW erzeugen vor Ort den Strom. 1907 baut Ingenieur Adolf Böhm das Wasserkraftwerk in der Au. Adolf Böhm ist der Vater des späteren Gründers von AÜW, Karl Böhm. Dieser gründet das Unternehmen am 1. Januar 1920. Gesellschafter sind die Stadt Kempten und er, der gleichzeitig als alleiniger Geschäftsführer das AÜW leitet.

Nachfrage steigt

Mit den Jahren steigt der Strombedarf vor Ort. 1910 wurde der Maschinenpark bereits um eine dritte Wasserturbine und eine größere Dampfturbine erweitert. 1926 wird eine Propellerturbine in einem Anbau auf der Ostseite des Maschinenhauses installiert. Diese kann auch bei Hochwasser betrieben werden. Doch auch das reicht nicht aus. In den Folgejahren beschließt der Stadtrat, das Städtische Elektrizitätswerk in die Allgäuer Überlandwerk GmbH einzubringen. 1928 versorgt das Städtische Elektrizitätswerk das Stadtgebiet und drei Nachbargemeinden mit insgesamt 28.517 Einwohnern.

Wasserkraftwerk an der Keselstraße setzt ein Zeichen

1945 wird das im Krieg schwer beschädigte Gebäude des AÜW wieder aufgebaut. In den frühen 50er Jahren wird außerdem das Kraftwerk Horn bei Füssen gebaut. Weiter geht das Wasserkraftwerk an der Keselstraße in Betrieb.

Dieses erfährt nach der Jahrtausendwende einen umfassenden Umbau. 2010 erfolgt der zweite Start für den Bau. Ein Jahr später eine ganz besondere Ehrung: Das Wasserkraftwerk Keselstraße erhält den Deutschen Architekturpreis 2011. Das sorgt für große Freude beim Allgäuer Überlandwerk und dem ausführenden Büro becker architekten.

„Es gibt keine moderne Architektur, sondern nur gute Architektur. Diese drückt sich in Formen aus, die Leben und Wirtschaften unterstützen. Corporate Design ist ein Teil unserer Unternehmens-DNA aber nicht alles. Deswegen ist unser Kraftwerk in der Keselstraße in erster Linie ein Wasserkraftwerk. Die Architektur soll aber Emotionen schaffen, das heißt Identität für die Mitarbeiter und Innovationskraft für unsere Kunden“, erklärt Michael Lucke, Geschäftsführer des AÜW.

Kundencenter mit Wohlfühl-Faktor

Das Kraftwerk ist nicht der einzige Bau, den das Allgäuer Überlandwerk überarbeitet. Bei der Demontage der 1933 eingebauten Dieselanlage wird der Kamin am Kraftwerksgebäude 1978 abgerissen. Eine Umgestaltung erfuhr in den 2010ern auch das Kundencenter.

„Bei unserem Kundencenter steht Wohlfühlen im Mittelpunkt. Die Architektur soll Kunden zum Bleiben und Wiederkommen bewegen“, beschreibt Lucke die Architektur des am 14. April 2015 eröffneten neuen Kundencenters. Dieses hat vier Arbeitsplätze und zwei Schalter, an denen die Kunden gleichzeitig bedient werden können.

Kreativ und flexibel Arbeiten

Auch in der Firmenzentrale wird eine neue Arbeitsweise eingeführt. „Unser Fokus auf Kreativität und Flexibilität wird im neu geschaffenen Kreativ-Raum Freiraum in unserem Unternehmensgebäude gelebt, denn dynamischer Wettbewerb erfordert freies Arbeiten und Denken“. Die mobilen Sitzgelegenheiten und beschreibbaren Wände fördern den direkten Austausch zwischen Mitarbeitern und das Erarbeiten neuer Ideen für die Energiezukunft.

Im Zeitalter der neue Technologien

Neben der Architektur spielen auch Technik und neue Energie-Formen eine große Rolle beim Allgäuer Überlandwerk. 2011 wird der erste Bürgersolarpark in Ursulasried durch die Energiegenossenschaft Kempten eG mit Beteiligung des AÜW in Betrieb genommen. 2013 beteiligt sich das Unternehmen an der Solar Energie Allgäu GbR. Zwei Jahre später gehen ein Laufwasserkraftwerk in Sulzberg/Au und ein Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer Straße in Betrieb.

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