Viola Rückert

Start-ups in Augsburg: Darum setzt die Szene auf „Grünes Gründen“

Wer denkt, dass es Zebras in Augsburg nur im Zoo gibt, der irrt. Auch in der Start-up Szene sind sie zuhause. Was es damit auf sich hat, warum in der Fuggerstadt auch nach Einhörnern Ausschau gehalten wird und weshalb „Grünes Gründen“ trendet, erklärt Viola Rückert vom Umwelt-Technologischen Gründerzentrum Augsburg in ihrem Gastbeitrag.

Umwelttechnologie ist eines der zukunftsweisenden Themen und ein aktueller Innovationsschwerpunkt in Augsburg. Und das mit all den Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Trinkwasser, Wasserstofftechnologie. Gleichzeitig hat das alles aber schon Tradition: „Damals“, vor über 25 Jahren, wurden mit der Ansiedlung von LfU Landesamt für Umwelt, bifa Umweltinstitut, Umwelt-Technologischem Gründerzentrum, KUMAS Umweltnetzwerk und dem Umweltcluster Bayern die Weichen in eine Erfolgsspur gelegt. Alle dieser heute noch im Augsburger Netzwerk erfolgreichen Einrichtungen tragen den Begriff „Umwelt“ im Namen. 

In einer Stadt, die bereits 2013 als nachhaltigste Großstadt mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ gekürt wurde, einen ganzen „Umweltpark“ ihr Eigen nennt, sich seit über 25 Jahren in der Lokalen Agenda 21 engagiert und schon lange Fair Trade-Town ist, passen folgerichtig „nachhaltige und grüne Gründungen“ perfekt dazu, die neue Ideen umsetzen und Impulse geben.

„Grüne Gründer“ mit nachhaltigen Themen gewinnen an Bedeutung

Dass diese Gründer immer mehr an Bedeutung gewinnen, zeigt der aktuelle Green Start-up Monitor 2021 des Borderstep Institutes:

  • 30 Prozent aller wachstumsorientierten und innovativen Gründungen, also den klassischen Start-ups, sind mittlerweile „grüne Gründer“
  • In Branchen wie Agrar, Energie, Textil, Konsumgüter oder Ernährung stellen „grüne Start-ups“ die Mehrheit der Gründer
  • Nachhaltige Gründungen schaffen die sogenannte „doppelte Dividende“ und vereinen gesellschaftlichen Mehrwert mit wirtschaftlicher Rendite

Generell ist bei Innovationen, und auch bei entsprechenden Förderprogrammen, seit Jahren ein Trend weg von „Technology Push“ hin zu „Demand Pull“ zu erkennen. Nachdem beispielsweise erst vor wenigen Tagen das bisherige Klimaschutzgesetz durch das Bundesverfassungsgericht in Teilen für verfassungswidrig erklärt wurde und die Vorgaben für eine Emissionsminderung verschärft wurden, wird auch das künftig für Aufwind nachhaltiger Gründungen sorgen.

Auch ein geänderter Blick auf Werte in der Unternehmenskultur ist zu spüren. Das zeigt seit einiger Zeit die heiße Diskussion um eine neue Rechtsform, die „Gesellschaft mbH mit gebundenem Vermögen“. Die Idee dieser Unternehmensform, die einer Mischung aus Stiftung und GmbH ähnelt, wird von vielen Familienunternehmen schon lange „gelebt“ und soll jetzt offiziell geregelt werden. Viele Start-ups, gerade die „nachhaltig“ orientierten, setzen sich bereits für diese Rechtsform ein.

Was sind „Zebras“ – und warum gibt es die in Augsburg nicht nur im Zoo?

Was „Einhörner“ sind, ist in der Gründerszene bekannt: Wachstumsstarke innovative Start-ups, die auf Exit ausgerichtet sind und milliardenschwer bewertet werden, gehören zu dieser Spezies im Gründerwald. Die Hoffnung ein solches – allerdings extrem seltenes –  Start-up-Unicorn in der Region hervorbringen zu können ist groß, da es einen starken Sogeffekt besitzt und die Attraktivität steigert.  

Daneben gibt es aber auch die „Zebras“: Eine große und stark wachsende Gruppe an Gründern, auch wenn der Begriff an sich bisher noch nicht so geläufig ist.  Erst 2017 wurde dieser Begriff in den USA von den vier Gründerinnen Astrid Scholz, Mara Zepeda, Jennifer Brandel und Aniyia Williams kreiert:

„Zebra-Unternehmen sind sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Sie werden das eine nicht für das andere opfern. Zebras arbeiten miteinander: Indem sie sich in Gruppen zusammenschließen, schützen und erhalten sie sich gegenseitig. Ihr individueller Input führt zu einem stärkeren kollektiven Output.“

Die „doppelte Dividende“

Wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, schließt sich dabei nicht aus. Das Geschäftsmodell muss trotzdem funktionieren – eben die Schaffung einer doppelten Dividende. Genau diese Voraussetzungen erfüllen viele „Grüne Start-ups“, ebenso wie alle weiteren „nachhaltigen“ Gründungen, zu denen auch alle „Social Entrepreneurs“ gehören!

In der Augsburger Gründerlandschaft sind mittlerweile eine ganze Menge dieser Zebras unterwegs. Wer sich dort umsieht, kommt gar nicht an ihnen vorbei! Schön, wenn Augsburg und die Region sich der Bedeutung dieser Gründungen bewusst sind – und weil der Weggang großer „Player“ die Neuausrichtung der Region beschleunigen wird, kann das Zukunftsthema Nachhaltigkeit mit seinem großen Wachstumspotential diese wesentlich mitgestalten. Vielleicht ist ja dann auch mal ein „gestreiftes Unicorn“ dabei?

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Umwelttechnologie ist eines der zukunftsweisenden Themen und ein aktueller Innovationsschwerpunkt in Augsburg. Und das mit all den Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Trinkwasser, Wasserstofftechnologie. Gleichzeitig hat das alles aber schon Tradition: „Damals“, vor über 25 Jahren, wurden mit der Ansiedlung von LfU Landesamt für Umwelt, bifa Umweltinstitut, Umwelt-Technologischem Gründerzentrum, KUMAS Umweltnetzwerk und dem Umweltcluster Bayern die Weichen in eine Erfolgsspur gelegt. Alle dieser heute noch im Augsburger Netzwerk erfolgreichen Einrichtungen tragen den Begriff „Umwelt“ im Namen. 

In einer Stadt, die bereits 2013 als nachhaltigste Großstadt mit dem „Deutschen Nachhaltigkeitspreis“ gekürt wurde, einen ganzen „Umweltpark“ ihr Eigen nennt, sich seit über 25 Jahren in der Lokalen Agenda 21 engagiert und schon lange Fair Trade-Town ist, passen folgerichtig „nachhaltige und grüne Gründungen“ perfekt dazu, die neue Ideen umsetzen und Impulse geben.

„Grüne Gründer“ mit nachhaltigen Themen gewinnen an Bedeutung

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  • 30 Prozent aller wachstumsorientierten und innovativen Gründungen, also den klassischen Start-ups, sind mittlerweile „grüne Gründer“
  • In Branchen wie Agrar, Energie, Textil, Konsumgüter oder Ernährung stellen „grüne Start-ups“ die Mehrheit der Gründer
  • Nachhaltige Gründungen schaffen die sogenannte „doppelte Dividende“ und vereinen gesellschaftlichen Mehrwert mit wirtschaftlicher Rendite

Generell ist bei Innovationen, und auch bei entsprechenden Förderprogrammen, seit Jahren ein Trend weg von „Technology Push“ hin zu „Demand Pull“ zu erkennen. Nachdem beispielsweise erst vor wenigen Tagen das bisherige Klimaschutzgesetz durch das Bundesverfassungsgericht in Teilen für verfassungswidrig erklärt wurde und die Vorgaben für eine Emissionsminderung verschärft wurden, wird auch das künftig für Aufwind nachhaltiger Gründungen sorgen.

Auch ein geänderter Blick auf Werte in der Unternehmenskultur ist zu spüren. Das zeigt seit einiger Zeit die heiße Diskussion um eine neue Rechtsform, die „Gesellschaft mbH mit gebundenem Vermögen“. Die Idee dieser Unternehmensform, die einer Mischung aus Stiftung und GmbH ähnelt, wird von vielen Familienunternehmen schon lange „gelebt“ und soll jetzt offiziell geregelt werden. Viele Start-ups, gerade die „nachhaltig“ orientierten, setzen sich bereits für diese Rechtsform ein.

Was sind „Zebras“ – und warum gibt es die in Augsburg nicht nur im Zoo?

Was „Einhörner“ sind, ist in der Gründerszene bekannt: Wachstumsstarke innovative Start-ups, die auf Exit ausgerichtet sind und milliardenschwer bewertet werden, gehören zu dieser Spezies im Gründerwald. Die Hoffnung ein solches – allerdings extrem seltenes –  Start-up-Unicorn in der Region hervorbringen zu können ist groß, da es einen starken Sogeffekt besitzt und die Attraktivität steigert.  

Daneben gibt es aber auch die „Zebras“: Eine große und stark wachsende Gruppe an Gründern, auch wenn der Begriff an sich bisher noch nicht so geläufig ist.  Erst 2017 wurde dieser Begriff in den USA von den vier Gründerinnen Astrid Scholz, Mara Zepeda, Jennifer Brandel und Aniyia Williams kreiert:

„Zebra-Unternehmen sind sowohl schwarz als auch weiß: Sie sind profitabel und verbessern die Gesellschaft. Sie werden das eine nicht für das andere opfern. Zebras arbeiten miteinander: Indem sie sich in Gruppen zusammenschließen, schützen und erhalten sie sich gegenseitig. Ihr individueller Input führt zu einem stärkeren kollektiven Output.“

Die „doppelte Dividende“

Wirtschaftlich erfolgreich zu sein und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, schließt sich dabei nicht aus. Das Geschäftsmodell muss trotzdem funktionieren – eben die Schaffung einer doppelten Dividende. Genau diese Voraussetzungen erfüllen viele „Grüne Start-ups“, ebenso wie alle weiteren „nachhaltigen“ Gründungen, zu denen auch alle „Social Entrepreneurs“ gehören!

In der Augsburger Gründerlandschaft sind mittlerweile eine ganze Menge dieser Zebras unterwegs. Wer sich dort umsieht, kommt gar nicht an ihnen vorbei! Schön, wenn Augsburg und die Region sich der Bedeutung dieser Gründungen bewusst sind – und weil der Weggang großer „Player“ die Neuausrichtung der Region beschleunigen wird, kann das Zukunftsthema Nachhaltigkeit mit seinem großen Wachstumspotential diese wesentlich mitgestalten. Vielleicht ist ja dann auch mal ein „gestreiftes Unicorn“ dabei?

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