René Siegl

So profitieren schwäbische Unternehmen von Österreich

René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA – Invest in Austria. Foto: ABA
Grenzüberschreitend zu arbeiten, ist heute Alltag. Dabei lohnt sich auch der Blick ins Nachbarland Österreich. Welche Chancen sich dort für bayerisch-schwäbische Unternehmen bieten, erklärt René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA – Invest in Austria.

Grenzen zu überschreiten – das ist für Unternehmen im 21. Jahrhundert Alltag geworden. Nicht nur die Globalisierung trägt dazu bei, sondern auch der enorme Zuwachs an Innovationen und Ideen, der im Zug der Digitalisierung die Wirtschaft erfasst hat. Da liegt es auf der Hand, auch auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung neue Wege zu beschreiten. Zum Beispiel Richtung Österreich, wo innerhalb einer Tagesreise ein gut gefüllter Wissenschafts-Fundus bereitsteht.

Land der Hidden Champions

Das Nachbarland stellt dabei Know-how bereit, das es selbst intensiv nutzt. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl beherbergt Österreich die meisten Weltmarktführer. Laut „KOF Globalisierungsindex 2018“* liegt Österreich hinter Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden auf dem bemerkenswerten fünften Platz. Viele spannende und innovative Partner warten hier.

Eine höchst lebendige und fortschrittliche Forschungslandschaft liefert die Grundlage für diese Position. Als „Strong Innovator“ liegt Österreich mit einer Forschungsquote von 3,14 Prozent des BIP mittlerweile auf Platz zwei bei den Forschungsinvestitionen in Europa. Globale Player wie BMW, Bosch, Infineon oder Novartis bündeln F&E-Aktivitäten in Österreich. Sie werden ergänzt von Spin-offs und einer lebendigen Start-up-Szene in einem kreativen, interdisziplinären Ökosystem.

Cluster-Kooperationen zum Wissenstransfer

Cluster und Kompetenzzentren mit regionalen Schwerpunkten fördern die rege Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dabei bieten sich nachbarschaftliche Anknüpfungspunkte oft an: So stoßen an der Grenze zwischen Bayerisch-Schwaben und Tirol die beiden jeweiligen Mechatronik-Cluster direkt aneinander – was sich angesichts der hohen Dichte an Hightech-Industrien auf beiden Seiten für einen Gedankenaustausch lohnt. Dazu kommen Initiativen und Programme, die Industrie 4.0 vorantreiben sowie der stetige Ausbau der Forschungsinfrastruktur – etwa in Form von Pilotfabriken.

Neue Konzepte zur Smart Factory nutzen

Die erste davon betreibt die Technische Universität Wien in der Seestadt Aspern, einem der aktuell größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Als Demonstrationsfabrik für Smart Production und Cyber-Physische Produktionssysteme befasst sie sich mit neuen Konzepten und Lösungen für variantenreiche Serienproduktion im Bereich der diskreten Fertigungsindustrie. Mit der smartfactory@tugraz erforscht die TU Graz agile und datensichere Fertigungskonzepte der Zukunft. Die LIT Factory an der Johannes Kepler Universität Linz hingegen arbeitet unter anderem an neuartigen, teilweise prototypischen Grenztechnologien („Frontier Production Technologies“) mit hohem verfahrenstechnischen und digitalem Innovationspotenzial.

Mobilität der Zukunft

800 Start-ups und Unternehmen, universitäre und außer-universitäre Forschungsstätten, Forschungscluster und Netzwerke arbeiten in Österreich an der Mobilität der Zukunft. Europas vielfältigstes Testgebiet für autonomes Fahren, die weltweit leichtesten und effizientesten Hochleistungs-Batterien für Elektromobilität oder das Vorantreiben des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Auto sind einige der vielen Forschungsschwerpunkte.

Vielfalt und starke Vernetzung in der Forschungscommunity

Österreich verfügt derzeit über eine starke Forschungsdynamik, hat seine F&E-Quote seit 1995 mehr als verdoppelt. Über 71.000 Forschende sind derzeit in Österreich beschäftigt. Etwa 70 Prozent davon forschen im Unternehmensbereich, rund 25 Prozent im Hochschulsektor. Top-Forscher und „Serial Entrepreneurs“ arbeiten Seite an Seite. Über Ideenbörsen finden Unternehmen und geistiges Eigentum zueinander, Inkubatoren fördern unternehmerische Visionäre. Präzisionsmedizin, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, alternative Antriebe oder Leichtbau ergänzen die traditionell starken Bereiche wie Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbau sowie Industriegüter.

Steuervorteile

Positive Impulse gehen auch von der österreichischen Regierung aus. Eine mehrstufige Entlastung soll die Steuer- und Abgabenquote in Richtung 40 Prozent senken. Besonders erfreulich für Betriebsansiedler ist die für 2021/2022 vorgesehene Senkung der Körperschaftsteuer in Richtung 20 Prozent.

* Jährlich von der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ermittelt. Misst die ökonomische, soziale und politische Dimension der Globalisierung von 185 Staaten.

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René Siegl

So profitieren schwäbische Unternehmen von Österreich

René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA – Invest in Austria. Foto: ABA
Grenzüberschreitend zu arbeiten, ist heute Alltag. Dabei lohnt sich auch der Blick ins Nachbarland Österreich. Welche Chancen sich dort für bayerisch-schwäbische Unternehmen bieten, erklärt René Siegl, Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsagentur ABA – Invest in Austria.

Grenzen zu überschreiten – das ist für Unternehmen im 21. Jahrhundert Alltag geworden. Nicht nur die Globalisierung trägt dazu bei, sondern auch der enorme Zuwachs an Innovationen und Ideen, der im Zug der Digitalisierung die Wirtschaft erfasst hat. Da liegt es auf der Hand, auch auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung neue Wege zu beschreiten. Zum Beispiel Richtung Österreich, wo innerhalb einer Tagesreise ein gut gefüllter Wissenschafts-Fundus bereitsteht.

Land der Hidden Champions

Das Nachbarland stellt dabei Know-how bereit, das es selbst intensiv nutzt. Im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl beherbergt Österreich die meisten Weltmarktführer. Laut „KOF Globalisierungsindex 2018“* liegt Österreich hinter Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden auf dem bemerkenswerten fünften Platz. Viele spannende und innovative Partner warten hier.

Eine höchst lebendige und fortschrittliche Forschungslandschaft liefert die Grundlage für diese Position. Als „Strong Innovator“ liegt Österreich mit einer Forschungsquote von 3,14 Prozent des BIP mittlerweile auf Platz zwei bei den Forschungsinvestitionen in Europa. Globale Player wie BMW, Bosch, Infineon oder Novartis bündeln F&E-Aktivitäten in Österreich. Sie werden ergänzt von Spin-offs und einer lebendigen Start-up-Szene in einem kreativen, interdisziplinären Ökosystem.

Cluster-Kooperationen zum Wissenstransfer

Cluster und Kompetenzzentren mit regionalen Schwerpunkten fördern die rege Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Dabei bieten sich nachbarschaftliche Anknüpfungspunkte oft an: So stoßen an der Grenze zwischen Bayerisch-Schwaben und Tirol die beiden jeweiligen Mechatronik-Cluster direkt aneinander – was sich angesichts der hohen Dichte an Hightech-Industrien auf beiden Seiten für einen Gedankenaustausch lohnt. Dazu kommen Initiativen und Programme, die Industrie 4.0 vorantreiben sowie der stetige Ausbau der Forschungsinfrastruktur – etwa in Form von Pilotfabriken.

Neue Konzepte zur Smart Factory nutzen

Die erste davon betreibt die Technische Universität Wien in der Seestadt Aspern, einem der aktuell größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Als Demonstrationsfabrik für Smart Production und Cyber-Physische Produktionssysteme befasst sie sich mit neuen Konzepten und Lösungen für variantenreiche Serienproduktion im Bereich der diskreten Fertigungsindustrie. Mit der smartfactory@tugraz erforscht die TU Graz agile und datensichere Fertigungskonzepte der Zukunft. Die LIT Factory an der Johannes Kepler Universität Linz hingegen arbeitet unter anderem an neuartigen, teilweise prototypischen Grenztechnologien („Frontier Production Technologies“) mit hohem verfahrenstechnischen und digitalem Innovationspotenzial.

Mobilität der Zukunft

800 Start-ups und Unternehmen, universitäre und außer-universitäre Forschungsstätten, Forschungscluster und Netzwerke arbeiten in Österreich an der Mobilität der Zukunft. Europas vielfältigstes Testgebiet für autonomes Fahren, die weltweit leichtesten und effizientesten Hochleistungs-Batterien für Elektromobilität oder das Vorantreiben des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz im Auto sind einige der vielen Forschungsschwerpunkte.

Vielfalt und starke Vernetzung in der Forschungscommunity

Österreich verfügt derzeit über eine starke Forschungsdynamik, hat seine F&E-Quote seit 1995 mehr als verdoppelt. Über 71.000 Forschende sind derzeit in Österreich beschäftigt. Etwa 70 Prozent davon forschen im Unternehmensbereich, rund 25 Prozent im Hochschulsektor. Top-Forscher und „Serial Entrepreneurs“ arbeiten Seite an Seite. Über Ideenbörsen finden Unternehmen und geistiges Eigentum zueinander, Inkubatoren fördern unternehmerische Visionäre. Präzisionsmedizin, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, alternative Antriebe oder Leichtbau ergänzen die traditionell starken Bereiche wie Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbau sowie Industriegüter.

Steuervorteile

Positive Impulse gehen auch von der österreichischen Regierung aus. Eine mehrstufige Entlastung soll die Steuer- und Abgabenquote in Richtung 40 Prozent senken. Besonders erfreulich für Betriebsansiedler ist die für 2021/2022 vorgesehene Senkung der Körperschaftsteuer in Richtung 20 Prozent.

* Jährlich von der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ermittelt. Misst die ökonomische, soziale und politische Dimension der Globalisierung von 185 Staaten.

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