Finanzkolumne von Joachim Schluchter

Pleiten, Pech und Pannen am Mittelstandsanleihemarkt

© lassedesignen - Fotolia.com

Seit gut drei Jahren gibt es in Deutschland einen Markt für Mittelstandsanleihen. Die Börse Stuttgart war damals Vorreiter. Bis dato haben knapp 130 Unternehmen mit 145 Anleiheemissionen rund 5,6 Mrd. € überwiegend von Privatanlegern eingesammelt. Doch der Schein trügt.

Das noch junge Segment wird von diversen Insolvenzen, teilweise sogar kurze Zeit nach der Emission, überschattet. Die derzeit bekannteste Insolvenz dürfte der Windparkentwickler Windreich sein. Getgoods und der Abfallverwerter FFK mussten jüngst ihre Zahlungsunfähigkeit einräumen.

Der Motor der deutschen Wirtschaft, unser Mittelstand, steht in erster Linie für Zuverlässigkeit. Doch diese Eigenschaft lässt sich leider nicht auf alle Mittelstandsemittenten übertragen. Von den knapp 130 Mittelstandsemittenten bewertet das Ratinghaus Scope bereits 14 als „Default“, sie sind also insolvent. D. h., sie bedienen ihre Zinszahlungen nicht oder befinden sich in der Restrukturierung ihrer Schulden. Diese 14 Unternehmen haben in 16 Emissionen immerhin 650 Mio. € über Anleihen am Markt aufgenommen.

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Betrachtet man die Zinsdeckung der Emittenten von Mittelstandsanleihen auf Basis der 2012er Bilanzdaten, so fällt auf, dass bei einem Drittel der Firmen die Zins-deckung unter 1,2 und teilweise sogar unter eins liegt. Die Zinsdeckung sagt aus, wie gut ein Unternehmen aus dem operativen Geschäft in der Lage ist, seine Zinsen fürs Fremdkapital zu bezahlen. Ein Wert von unter ein sagt aus, dass das Unternehmen aus dem operativen Geschäft seine Zinsen nicht zahlen kann. Laut Scope gibt es die höchste Dichte an kritischen Unternehmen in den Branchen erneuerbare Energie, Immobilien, Bekleidung und Automobilzulieferer.

Mittelstandsanleihen sind endfällig. D.h., sie müssen am Fälligkeitstag in Summe zurückbezahlt werden. Dafür benötigt das Unternehmen dann die erforderliche Liquidität in Höhe des Emissionsvolumens. Die Stunde der Wahrheit schlägt also für den Mittelstandsanleihemarkt erst so richtig in den kommenden Jahren, wenn viele Titel fällig sind. Laut Scope sind es im kommenden Jahr 250 Mio. €, darunter alleine 150 Mio. € von Air Berlin. Bis zum Jahr 2017 steigt der Refinanzierungsbetrag auf 1,6 Mrd. €.

Bis dahin werden Anleger noch viele Pleiten, Pech und Pannen erleben, davon ist auszugehen.

B4B Expertenkolumnen Autor Joachim Schluchter ist Vorstand der Dr. Willburger & Schluchter Vermögensmanagement AG, Emersacker, und Vorstandsmitglied im Kapital-Forum Schwaben/Allgäu e. V.

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Pleiten, Pech und Pannen am Mittelstandsanleihemarkt

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Seit gut drei Jahren gibt es in Deutschland einen Markt für Mittelstandsanleihen. Die Börse Stuttgart war damals Vorreiter. Bis dato haben knapp 130 Unternehmen mit 145 Anleiheemissionen rund 5,6 Mrd. € überwiegend von Privatanlegern eingesammelt. Doch der Schein trügt.

Das noch junge Segment wird von diversen Insolvenzen, teilweise sogar kurze Zeit nach der Emission, überschattet. Die derzeit bekannteste Insolvenz dürfte der Windparkentwickler Windreich sein. Getgoods und der Abfallverwerter FFK mussten jüngst ihre Zahlungsunfähigkeit einräumen.

Der Motor der deutschen Wirtschaft, unser Mittelstand, steht in erster Linie für Zuverlässigkeit. Doch diese Eigenschaft lässt sich leider nicht auf alle Mittelstandsemittenten übertragen. Von den knapp 130 Mittelstandsemittenten bewertet das Ratinghaus Scope bereits 14 als „Default“, sie sind also insolvent. D. h., sie bedienen ihre Zinszahlungen nicht oder befinden sich in der Restrukturierung ihrer Schulden. Diese 14 Unternehmen haben in 16 Emissionen immerhin 650 Mio. € über Anleihen am Markt aufgenommen.

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Mittelstandsanleihen sind endfällig. D.h., sie müssen am Fälligkeitstag in Summe zurückbezahlt werden. Dafür benötigt das Unternehmen dann die erforderliche Liquidität in Höhe des Emissionsvolumens. Die Stunde der Wahrheit schlägt also für den Mittelstandsanleihemarkt erst so richtig in den kommenden Jahren, wenn viele Titel fällig sind. Laut Scope sind es im kommenden Jahr 250 Mio. €, darunter alleine 150 Mio. € von Air Berlin. Bis zum Jahr 2017 steigt der Refinanzierungsbetrag auf 1,6 Mrd. €.

Bis dahin werden Anleger noch viele Pleiten, Pech und Pannen erleben, davon ist auszugehen.

B4B Expertenkolumnen Autor Joachim Schluchter ist Vorstand der Dr. Willburger & Schluchter Vermögensmanagement AG, Emersacker, und Vorstandsmitglied im Kapital-Forum Schwaben/Allgäu e. V.

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