Heinz Krötz

Kultureller Wandel im Sport

Das große Angebot der Sportarten und -praktiken ist in den letzten zwei Jahrzehnten fast unüberschaubar geworden. Im Zuge einer fortschreitenden Aufgliederung und einer quantitativen Ausbreitung hat sich der Sport wesentlich verändert.

Die Weiterentwicklung des modernen Sports löst viele traditionelle Begrenzungslinien oder Handlungsfelder (z.B. Fairness, Siegescode, Rekordstreben oder Wettkampfprinzip) langsam ab und wird insgesamt durch neuartige Formen sowie einem stetigen Wandel in der Gesellschaft vorangetrieben.

Immer mehr verschwinden die Sportarten unserer Eltern, wie Faustball oder Großfeldhandball von der Bildfläche, während das Kegeln oder Schießen vielleicht noch ein paar Jahre vor sich hinvegetieren dürfen. 

Was ist bei uns passiert, dass es plötzlich eine völlig andere Interessenslage gibt? 

Ferner gilt es vielleicht auch die Frage zu diskutieren, wie sich schon in der nahen Zukunft unsere vielen Mannschaftssportarten entwickeln werden?

Während in früheren Jahren gerade der Teamsport ganz hoch im Kurs stand, haben viele Vereine zunehmend Probleme genügend Aktive zum gleichen Zeitpunkt für die richtige Sportstätte zu motivieren. Dies ist aber gewiss kein Phänomen gewisser Altersgruppen oder Sportarten? 

Nein ganz sicher nicht, das beginnt teilweise schon in der Jugend oder in den Schülermannschaften. Ganztagsschule, kulturelle Ereignisse, zu großes Freizeitangebot, zu wenig Zeit der Eltern, was ist wirklich die Ursache dafür? 

Vereinssport, Trendsport, E-Sports… was ist eigentlich noch Sport? 

Der Begriff der Trendsportart wird generell zur Kennzeichnung von neuartigen aufbereiteten Bewegungspraktiken verwendet, denen kurz- oder mittelfristig ein erhebliches Verbreitungspotential vorhergesagt wird. Trends im Sport, wie z.B. Ende der sechziger Jahre im Hochsprung der Fosbury-Flop, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie unsere eingewöhnten Sportvorstellungen einfach überschreiten.

Ist E-Sport eigentlich eine Sportart? Wir wissen heute sicher keine Antwort darauf, weil niemand verbindlich sagen kann, was Sport ist und was nicht. Eine reale Umdeutung anerkannter Sportarten nach irgendeiner Nominaldefinition ist auch kurzfristig sicherlich nicht zu erwarten. 

Im Vergleich zur Modebranche kann man also nur dann von einem Trend - oder besser: von einer innovativen Bewegungsform - sprechen, wenn sich ein neues Angebot über mehrere Jahre bei den Sporttreibenden verankert hat und in der Praxis etabliert wurde.

Damit wird zugleich unterstellt, dass sich innovative Bewegungsformen nicht über einen massiven Marketingeinsatz durchsetzen lassen, sondern an vorhandenen Interessen und Bedürfnissen bestimmter gesellschaftlicher Strukturen ansetzen. 

Es bleiben auch zum Schluss viele Frage offen, wo und wie sich der Sport entwickeln wird. Werden wir auch in 10 Jahren noch eine Fußballbundesliga haben? Oder kann vielleicht bei weiterhin zunehmenden politischen Risiken oder durch Chaoten zukünftig gar keine Fußball-WM mehr ausgerichtet werden?

Werden unsere Kinder immer noch mehr spektakuläre Einzelsportarten favorisieren, um sich nur den klassischen Kick zu holen, oder kommen wir wieder zu ganz einfachen Traditionen zurück? 

So viel lässt sich sagen: Unsere Zukunft in Sachen Sport wird spannend bleiben.

Heinz Krötz
Präsident des Post SV und Sportbeiratsvorsitzender der Stadt Augsburg

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
Heinz Krötz

Kultureller Wandel im Sport

Das große Angebot der Sportarten und -praktiken ist in den letzten zwei Jahrzehnten fast unüberschaubar geworden. Im Zuge einer fortschreitenden Aufgliederung und einer quantitativen Ausbreitung hat sich der Sport wesentlich verändert.

Die Weiterentwicklung des modernen Sports löst viele traditionelle Begrenzungslinien oder Handlungsfelder (z.B. Fairness, Siegescode, Rekordstreben oder Wettkampfprinzip) langsam ab und wird insgesamt durch neuartige Formen sowie einem stetigen Wandel in der Gesellschaft vorangetrieben.

Immer mehr verschwinden die Sportarten unserer Eltern, wie Faustball oder Großfeldhandball von der Bildfläche, während das Kegeln oder Schießen vielleicht noch ein paar Jahre vor sich hinvegetieren dürfen. 

Was ist bei uns passiert, dass es plötzlich eine völlig andere Interessenslage gibt? 

Ferner gilt es vielleicht auch die Frage zu diskutieren, wie sich schon in der nahen Zukunft unsere vielen Mannschaftssportarten entwickeln werden?

Während in früheren Jahren gerade der Teamsport ganz hoch im Kurs stand, haben viele Vereine zunehmend Probleme genügend Aktive zum gleichen Zeitpunkt für die richtige Sportstätte zu motivieren. Dies ist aber gewiss kein Phänomen gewisser Altersgruppen oder Sportarten? 

Nein ganz sicher nicht, das beginnt teilweise schon in der Jugend oder in den Schülermannschaften. Ganztagsschule, kulturelle Ereignisse, zu großes Freizeitangebot, zu wenig Zeit der Eltern, was ist wirklich die Ursache dafür? 

Vereinssport, Trendsport, E-Sports… was ist eigentlich noch Sport? 

Der Begriff der Trendsportart wird generell zur Kennzeichnung von neuartigen aufbereiteten Bewegungspraktiken verwendet, denen kurz- oder mittelfristig ein erhebliches Verbreitungspotential vorhergesagt wird. Trends im Sport, wie z.B. Ende der sechziger Jahre im Hochsprung der Fosbury-Flop, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie unsere eingewöhnten Sportvorstellungen einfach überschreiten.

Ist E-Sport eigentlich eine Sportart? Wir wissen heute sicher keine Antwort darauf, weil niemand verbindlich sagen kann, was Sport ist und was nicht. Eine reale Umdeutung anerkannter Sportarten nach irgendeiner Nominaldefinition ist auch kurzfristig sicherlich nicht zu erwarten. 

Im Vergleich zur Modebranche kann man also nur dann von einem Trend - oder besser: von einer innovativen Bewegungsform - sprechen, wenn sich ein neues Angebot über mehrere Jahre bei den Sporttreibenden verankert hat und in der Praxis etabliert wurde.

Damit wird zugleich unterstellt, dass sich innovative Bewegungsformen nicht über einen massiven Marketingeinsatz durchsetzen lassen, sondern an vorhandenen Interessen und Bedürfnissen bestimmter gesellschaftlicher Strukturen ansetzen. 

Es bleiben auch zum Schluss viele Frage offen, wo und wie sich der Sport entwickeln wird. Werden wir auch in 10 Jahren noch eine Fußballbundesliga haben? Oder kann vielleicht bei weiterhin zunehmenden politischen Risiken oder durch Chaoten zukünftig gar keine Fußball-WM mehr ausgerichtet werden?

Werden unsere Kinder immer noch mehr spektakuläre Einzelsportarten favorisieren, um sich nur den klassischen Kick zu holen, oder kommen wir wieder zu ganz einfachen Traditionen zurück? 

So viel lässt sich sagen: Unsere Zukunft in Sachen Sport wird spannend bleiben.

Heinz Krötz
Präsident des Post SV und Sportbeiratsvorsitzender der Stadt Augsburg

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben