Wolfgang Gollmann

Karriere ohne Studium: Der unterschätzte Bildungsweg

Wolfgang Gollmann, Leiter Geschäftsfeld Technik IHK Akademie Schwaben. Fotoquelle: IHK Akademie Schwaben
Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium. Gleichzeitig fehlen in den Unternehmen gut ausgebildete Praktiker. Wolfgang Gollmann von der IHK Akademie Schwaben erklärt, warum berufliche Bildung zu Unrecht unterschätzt wird.

Schule, Eltern und Medien vermitteln häufig das Bild, dass lediglich ein akademisches Studium Grundlage für Wohlstand und persönliche Entfaltung sein kann. Es schreiben sich dann auch junge Menschen an den Hochschulen ein, die für andere – praxisorientierte – Bildungswege besser geeignet wären. Junge Menschen sollten sich an ihren Neigungen orientierten. Gesellschaftlicher Druck oder auch Vorurteile sind schlechte Ratgeber.

Die Höhere Berufsbildung – also die bewährte Aufstiegsfortbildung etwa zum Meister oder Fachwirt – ist eine zentrale Säule einer praxisorientierten beruflichen Weiterbildung und bietet ihren Absolventen in den Unternehmen sehr gute berufliche Perspektiven. Mehr als 70 Abschlüsse der Höheren Berufsbildung ermöglichen die Übernahme von verantwortlichen Aufgaben in den Tätigkeitsfeldern kaufmännisch, industriell-technisch und IT und Medien. Gestufte Qualifikationsebenen gewährleisten vielfältige Perspektiven für angehende Fach- und Führungskräfte. 2016 haben bundesweit rund 62.400 Personen eine Prüfung der IHK-Aufstiegsfortbildung absolviert.

„Durchhalten“ und individuelles Engagement lohnen sich

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der die Antworten von 10.898 Absolventen einer Aufstiegsfortbildung zugrunde liegen, gibt Aufschluss über die Motive der Weiterbildungsteilnehmer und veranschaulicht die Karrieresprünge, die erzielt wurden. Arbeitnehmer – und gerade beruflich qualifizierte Fachkräfte – können nur dazu ermutigt werden, in Weiterbildung und das eigene berufliche Fortkommen zu investieren. Die Kraftanstrengungen lohnen sich – unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft. Wer hier am Ball bleibt, hat gute Chancen auf der Karriereleiter kontinuierlich nach oben zu klettern – und bleibt aus Sicht der Unternehmen eine attraktive und nachgefragte Fachkraft.

Für 63 % der Befragten hatte die Höhere Berufsbildung positive Auswirkungen auf ihre berufliche Karriere. Mehr als Dreiviertel derer, die einen entsprechenden Erfolg vermelden, geben an, aufgestiegen zu sein oder einen größeren Verantwortungsbereich zu haben. 74 % derjenigen, die von positiven Effekten der Weiterbildung sprechen, haben sich finanziell verbessert – und das nicht zu knapp: Annähernd 30 %derjenigen, für die sich die Weiterbildung in Euro und Cent auszahlt, berichtet von Einkommenszuwächsen in Höhe von monatlich 750,- € und mehr. Über 50 % haben nach der Weiterbildung mindestens 450,- € pro Monat zusätzlich in der Tasche.

Erwartungsgemäß berichten jüngere Absolventen häufiger von einem beruflichen Aufstieg als ältere, die meist ohnehin schon weiter oben auf der Karriereleiter stehen. Gerade angesichts der positiven Effekte auf das eigene berufliche Vorankommen ist die Zufriedenheit der Teilnehmer hoch: 75 % der Befragten würden sich für das gleiche Weiterbildungsziel wieder entscheiden. Lebensbegleitendes Lernen ist selbstverständlich und wird als Investition für die eigene Karriere eingeplant. 68 % der Teilnehmer streben zukünftig weitere Qualifizierungen an.

IHK-Aufstiegsfortbildung auf Hochschulniveau

Der Deutsche Qualifizierungsrahmen (DQR) ist ein Bewertungs- und Vergleichsinstrument für Bildungsabschlüsse in Deutschland. Er hat das Ziel, alle deutschen Qualifikationen in einem Ganzen darzustellen und somit unter- und zueinander vergleichbar zu machen. Dieser DQR stellt die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung fest. Die beiden großen Säulen der allgemeinen Bildung (Schule und Hochschule) und der Berufsbildung (Aus- und Weiterbildung) wurden verzahnt. Der DQR ist 2013 ist in Kraft getreten. Von Anfang an waren Fortbildungsabschlüsse wie Fachwirt und Meister dem Niveau 6 zugeordnet. Damit befinden sich diese Fortbildungsabschlüsse auf derselben Stufe wie die Bachelorabschlüsse der Hochschulen und Universitäten. Die IHK-Abschlüsse „Geprüfter Betriebswirt“ und „Geprüfter Technischer Betriebswirt“ sind seit 2016 dem DQR-Niveau 7 zugeordnet und damit gleichwertig zu den hochschulischen Master-Abschlüssen. Und wenn man genau hinschaut, sieht man, dass die Einstiegsgehälter vieler beruflich gebildeter Fachkräfte mit denen von Akademikern mithalten können. Wer eine duale Ausbildung mit anschließender Aufstiegsfortbildung absolviert hat, ist in der Regel besser vor Arbeitslosigkeit geschützt als viele durchschnittliche Akademiker. Und schließlich haben beruflich gebildete Fachkräfte seltener befristete Jobs als ihre akademisch qualifizierten Kollegen.

Vermögensunabhängige Unterstützung

Die Politik hat für die Höhere Berufsbildung eine vergleichbar attraktive Förderung geschaffen. Die Teilnehmer der beruflichen Weiterbildung erhalten AufstiegsBAföG einkommens- und vermögensunabhängig. Das sind 40 % Zuschuss auf die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und mit dem Bestehen der Prüfung weitere 40 % Erlass des Restdarlehens. Weitere 1.500 € sind ab 1. Januar 2018 aus dem Meister-Bonus des Freistaates Bayern zu erhalten, so dass im besten Fall nur noch ein sehr geringer Eigenbeitrag von den Teilnehmern zu leisten ist.

Wir haben wirklich gute Rahmenbedingungen, dass sich die jungen Menschen allein nach ihren Neigungen für ihren persönlichen Bildungsweg entscheiden können.

Weitere Artikel zum Gleichen Thema
nach oben