Matthäus Ott

Homeoffice oder Büro – Wo werden wir morgen arbeiten?

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Neue Konzepte werden umgesetzt – deshalb müssen auch Arbeitsplätze architektonisch angepasst werden. Matthäus Ott, Geschäftsführender Gesellschafter von Nething//Ott, weiß, auf was beim Neubau geachtet werden muss.

Unsere Arbeits- und Lebenswelt steht ganz im Zeichen der Covid-19-Pandemie. In der Architektur zeigen sich ebenfalls erste neue architektonische Ansätze und aufkeimende Strömungen. Zum Beispiel hat die Krise offenbart, dass dem städtischen Platz, den Grünflächen und Parkanlagen in der Zukunft eine entscheidende Rolle zukommen wird. Denn aus stadtplanerischer Sicht ist es unabdingbar, gute öffentliche Aufenthaltsqualitäten stets mitzudenken. Auch für den Wohnungsbau rücken stärker die Themen Balkon, Terrasse und Dachgärten in den Fokus. Die Schnitte der Wohnungen müssen flexibler werden, um Homeoffice, Familienleben und Rückzugsorte besser integrieren zu können. Bürogebäude und -flächen werden ebenfalls neu gedacht. Ein Blick in die Arbeitswelt zeigt: Der Wechsel zwischen Büro und Homeoffice wird an Bedeutung zunehmen.

Neue Normalität in der Arbeitswelt

Eine Vielzahl an Arbeitnehmern hatte sich im Homeoffice eingerichtet, in einer Dimension, die es bisher nicht gegeben hat. Und wenn diese Mitarbeiter langsam wieder zurückkehren, bringen sie ihre ganz eigenen Erfahrungen und Eindrücke mit. Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigte, dass rund 75 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Corona-Krise im Homeoffice tätig waren, dies auch fortführen möchten – zumindest teilweise. Über die Hälfte gab an, produktiver als im Büro zu sein. Für Viele bedeute die Heimarbeit auch weniger Stress, da das Pendeln wegfiel und auch Familie und Beruf besser vereinbar waren.

Allerdings gab es ein großes Manko: Die Mitarbeiter vermissten ihre Kollegen. Nicht nur aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, dass in Zukunft das eigene Heim ein Arbeitsort sein wird. Zugleich aber das Büro als Ort für Austausch, Treffen und direkte Kommunikation mit den Kollegen unersetzlich ist: Daheim das konzentrierte Arbeiten, im Büro die Gemeinschaft, der Austausch, die Entwicklung und Kreativität.

Büro-Architektur mit und nach COVID-19

Unternehmen und Arbeitgeber sind jetzt gefragt, Konzepte zu entwickeln, die diese Erkenntnisse umsetzen, um für Ihre Mitarbeiter bestmögliche und produktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. In Bezug auf die bereits genannten Punkte heißt das:

Flexible Arbeitsplätze

Es wird mehr Plätze in den Büros geben, die nicht festzugeordnet sind. Die Mitarbeiter sind weniger anwesend, für jeden Mitarbeiter einen Platz vorzuhalten, wird unwirtschaftlich. Hier muss abgewogen werden. Die meist noch strenge räumliche Gliederung nach Abteilungen wird sich auflösen, denn die Teams sind selten alle gemeinsam vor Ort.

Platz für Kommunikation schaffen

Virtuelle Konferenzen nehmen zu und damit der Spracheintrag im Büro. Am Standort müssen Räume geschaffen werden, die diese Art der Kommunikation ermöglichen. Ein wesentlicher Grund für die Mitarbeiter ins Büro zu kommen, ist außerdem die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Die Teams wollen sich physisch treffen und gemeinsam arbeiten. Für diese Treffen muss es Räume geben. Denkbar sind Meetingräume, die flexibel in der Größe angepasst werden können.

Trend weg von Einzelbüros

Konzentriertes und fokussiertes Arbeiten wird eher daheim stattfinden. Was passiert dann mit den Einzelbüros? Propagierte man stark noch Open Spaces, schließen sich die Strukturen wieder. Der Trend geht zu zellularen Strukturen, in denen Gruppen in Ruhe zusammenarbeiten und diskutieren können. Das heißt weniger Einzelbüros, sondern mehr Meetingräume.

Bürostrukturen sollten zufällige Begegnungen und ungeplante Erlebnisse fördern, denn diese lassen sich nicht im Homeoffice abbilden. Aufenthaltsräume, eine Cafeteria, Lounges, flexibel nutzbare Räume bieten etwa solche Möglichkeiten. Daneben müssen Services und Atmosphäre dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter wohlfühlen und sich bewusst für das Büro entscheiden. Der Bedarf eines Unternehmens an Bürofläche insgesamt wird also sinken, allerdings wird die Fläche pro einzelnen anwesenden Mitarbeiter steigen.

Fazit: Impulse jetzt nutzen

Sicher ist: Die Arbeitswelt ist nicht erst seit heute im Umbruch, sondern unterliegt ständigen Veränderungen. Die Pandemie hat allerdings Strömungen, wie die Digitalisierung und das Thema Homeoffice beschleunigt. Diese Impulse müssen jetzt genutzt werden, um das Arbeitsleben bereits heute so attraktiv wie möglich zu gestalten und aufkeimende wohltuende Tendenzen zu fördern. Sei es beim Neubau von Bürogebäuden oder um bestehende Bürostrukturen aufzubrechen und neuen Ideen Raum zugeben.

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Matthäus Ott

Homeoffice oder Büro – Wo werden wir morgen arbeiten?

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Neue Konzepte werden umgesetzt – deshalb müssen auch Arbeitsplätze architektonisch angepasst werden. Matthäus Ott, Geschäftsführender Gesellschafter von Nething//Ott, weiß, auf was beim Neubau geachtet werden muss.

Unsere Arbeits- und Lebenswelt steht ganz im Zeichen der Covid-19-Pandemie. In der Architektur zeigen sich ebenfalls erste neue architektonische Ansätze und aufkeimende Strömungen. Zum Beispiel hat die Krise offenbart, dass dem städtischen Platz, den Grünflächen und Parkanlagen in der Zukunft eine entscheidende Rolle zukommen wird. Denn aus stadtplanerischer Sicht ist es unabdingbar, gute öffentliche Aufenthaltsqualitäten stets mitzudenken. Auch für den Wohnungsbau rücken stärker die Themen Balkon, Terrasse und Dachgärten in den Fokus. Die Schnitte der Wohnungen müssen flexibler werden, um Homeoffice, Familienleben und Rückzugsorte besser integrieren zu können. Bürogebäude und -flächen werden ebenfalls neu gedacht. Ein Blick in die Arbeitswelt zeigt: Der Wechsel zwischen Büro und Homeoffice wird an Bedeutung zunehmen.

Neue Normalität in der Arbeitswelt

Eine Vielzahl an Arbeitnehmern hatte sich im Homeoffice eingerichtet, in einer Dimension, die es bisher nicht gegeben hat. Und wenn diese Mitarbeiter langsam wieder zurückkehren, bringen sie ihre ganz eigenen Erfahrungen und Eindrücke mit. Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigte, dass rund 75 Prozent der Beschäftigten, die erst seit der Corona-Krise im Homeoffice tätig waren, dies auch fortführen möchten – zumindest teilweise. Über die Hälfte gab an, produktiver als im Büro zu sein. Für Viele bedeute die Heimarbeit auch weniger Stress, da das Pendeln wegfiel und auch Familie und Beruf besser vereinbar waren.

Allerdings gab es ein großes Manko: Die Mitarbeiter vermissten ihre Kollegen. Nicht nur aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, dass in Zukunft das eigene Heim ein Arbeitsort sein wird. Zugleich aber das Büro als Ort für Austausch, Treffen und direkte Kommunikation mit den Kollegen unersetzlich ist: Daheim das konzentrierte Arbeiten, im Büro die Gemeinschaft, der Austausch, die Entwicklung und Kreativität.

Büro-Architektur mit und nach COVID-19

Unternehmen und Arbeitgeber sind jetzt gefragt, Konzepte zu entwickeln, die diese Erkenntnisse umsetzen, um für Ihre Mitarbeiter bestmögliche und produktive Arbeitsbedingungen zu schaffen. In Bezug auf die bereits genannten Punkte heißt das:

Flexible Arbeitsplätze

Es wird mehr Plätze in den Büros geben, die nicht festzugeordnet sind. Die Mitarbeiter sind weniger anwesend, für jeden Mitarbeiter einen Platz vorzuhalten, wird unwirtschaftlich. Hier muss abgewogen werden. Die meist noch strenge räumliche Gliederung nach Abteilungen wird sich auflösen, denn die Teams sind selten alle gemeinsam vor Ort.

Platz für Kommunikation schaffen

Virtuelle Konferenzen nehmen zu und damit der Spracheintrag im Büro. Am Standort müssen Räume geschaffen werden, die diese Art der Kommunikation ermöglichen. Ein wesentlicher Grund für die Mitarbeiter ins Büro zu kommen, ist außerdem die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Die Teams wollen sich physisch treffen und gemeinsam arbeiten. Für diese Treffen muss es Räume geben. Denkbar sind Meetingräume, die flexibel in der Größe angepasst werden können.

Trend weg von Einzelbüros

Konzentriertes und fokussiertes Arbeiten wird eher daheim stattfinden. Was passiert dann mit den Einzelbüros? Propagierte man stark noch Open Spaces, schließen sich die Strukturen wieder. Der Trend geht zu zellularen Strukturen, in denen Gruppen in Ruhe zusammenarbeiten und diskutieren können. Das heißt weniger Einzelbüros, sondern mehr Meetingräume.

Bürostrukturen sollten zufällige Begegnungen und ungeplante Erlebnisse fördern, denn diese lassen sich nicht im Homeoffice abbilden. Aufenthaltsräume, eine Cafeteria, Lounges, flexibel nutzbare Räume bieten etwa solche Möglichkeiten. Daneben müssen Services und Atmosphäre dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter wohlfühlen und sich bewusst für das Büro entscheiden. Der Bedarf eines Unternehmens an Bürofläche insgesamt wird also sinken, allerdings wird die Fläche pro einzelnen anwesenden Mitarbeiter steigen.

Fazit: Impulse jetzt nutzen

Sicher ist: Die Arbeitswelt ist nicht erst seit heute im Umbruch, sondern unterliegt ständigen Veränderungen. Die Pandemie hat allerdings Strömungen, wie die Digitalisierung und das Thema Homeoffice beschleunigt. Diese Impulse müssen jetzt genutzt werden, um das Arbeitsleben bereits heute so attraktiv wie möglich zu gestalten und aufkeimende wohltuende Tendenzen zu fördern. Sei es beim Neubau von Bürogebäuden oder um bestehende Bürostrukturen aufzubrechen und neuen Ideen Raum zugeben.

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