Alexander Ruck | AR Consulting & Controlling

Finanzierung in Sicht? Wie kreditwürdig ist Ihre Firma?

Die Kreditwürdigkeit ist eine tragende Säule jedes Unternehmens. Was Unternehmer über Kreditinstitute wissen müssen, um erfolgreich zu wirtschaften, erklärt Alexander Ruck in seinem Expertenwissen.

Neue Maschinen anschaffen, Materialien für Großprojekte einkaufen oder ein Digitalisierungsprojekt starten. Nur drei von vielen Gründen, warum Betriebe bei Banken und Sparkassen Kredite anfragen.

Doch längst nicht immer vergibt das Kreditinstitut den erhofften Kredit oder bietet ihn nur zu schlechten Konditionen an. Die Gründe hierfür sind für Unternehmer selten nachvollziehbar.

Schuld an dieser Situation ist ihr Rating bei der Bank!

Generell empfiehlt es sich für Unternehmer, jährlich mit dem Firmenkundenberater über das eigene Rating zu sprechen, damit die gewünschte Kreditierung reibungsfrei zu guten Konditionen erfolgt. 


Was ist eigentlich Rating?

Bevor Banken und Sparkassen einen Kredit vergeben, machen sie sich ein Bild von der finanziellen Situation des Unternehmens. Dieses Verfahren der Unternehmensbewertung wird Rating genannt.


Das Ergebnis:

Eine Note, welche Auskunft gibt über die Kreditwürdigkeit und Bonität des Unternehmens.

Dabei wird im Rahmen eines Ratings die sogenannte Ausfallwahrscheinlichkeit beziffert, welche abschätzen soll, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie in einem Jahr insolvent gehen können und somit folglich den Kredit nicht mehr zurückbezahlen können.


Welche Bedeutung haben Ratingnoten im Zusammenhang mit einem Kredit?

Von der Ratingnote hängt maßgeblich ab, ob das Geldinstitut einem Unternehmen einen Kredit gibt. Außerdem fließen die Ergebnisse des Ratings mitunter in die Zinsbildung eines Kredites ein.

Mit anderen Worten: Schneidet ein Unternehmen beim Rating gut ab, ist die Aussicht auf gute Zinskonditionen hoch, da es als sehr kreditwürdig eingestuft wird. Weitere Gründe, welche sich auf die Zinsbildung und die Kreditvergabe auswirken sind die Sicherheitenstruktur und die Gestaltung der Finanzierung.

Gerade im Zinsbereich für Kontokorrentzinsen ist die Spreizung in den vergangenen Jahren größer geworden. Gut aufgestellte Unternehmen erfreuen sich über eine drei vor dem Komma, während viele andere Betriebe noch bis zu 10 Prozent Zinsen bezahlen.

Das Rating spielt auch bei weiteren Entscheidungen eine wichtige Rolle, wie der Verlängerung oder Erhöhung von Krediten. 


Müssen Banken ihren Kunden die Ratingnote mitteilen?

Gesetzlich verpflichtet dazu sind sie nicht. Das bedeutet, dass sie unaufgefordert keine Auskunft geben. Als Unternehmer sollten sie sich aber jährlich über Ihre Ratingnote und deren Zusammensetzung informieren.


Was habe ich als Unternehmer davon, wenn ich meine Ratingnote kenne?

Sie erhalten dadurch einen ersten Überblick, für wie kreditwürdig die Bank Sie hält und wie die Bank das Engagement mit Ihnen sieht. Dadurch können Sie auch Ihre Verhandlungsposition gegenüber der Bank einschätzen. Des Weiteren gibt die Ratingnote Aufschluss, wo Sie zusätzliche Optimierungspotentiale in Ihrem Betrieb finden.


Wie kann man Ratingnoten vergleichen?

Nicht ganz einfach, da die Banken mit unterschiedlichen Notensystemen arbeiten.

In der folgenden Übersicht habe ich die Ratingstufen von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und der Commerzbank gegenübergestellt.


Das bedeuten die verschiedenen Ratingstufen



  • Stufe 1

Ihr Unternehmen verfügt über die höchste Bonität und das beste Rating. Mit dieser Ratingnote verfügen Sie über die beste Verhandlungsgrundlage in Kreditgesprächen.


  • Stufe 2

Ihr Unternehmen verfügt über eine sehr gute Bonität und ein sehr gutes Rating. Banken sind an Geschäftsbeziehungen mit Ihnen sehr stark interessiert und Sie verfügen über eine sehr gute Verhandlungsposition.  


  • Stufe 3

Ihr Unternehmen verfügt über eine gute Bonität und ein gutes Rating. Die Bank ist an der Geschäftsbeziehung mit Ihnen interessiert. Sie können mit guten Konditionen rechnen und werden als Verhandlungspartner akzeptiert. Mit diesen Ratingnoten sind Sie auch für andere Banken interessant, müssen aber vermutlich mehr Sicherheiten anbieten als in Stufe 2. Sie befinden sich im positiven Bewertungsbereich „Investmentgrad“. Ihre Position ist erfolgsversprechend. Suchen Sie aber im Unternehmen und in der Finanzierung nach weiterem Verbesserungspotentialen.


  • Stufe 4

Ihr Unternehmen verfügt über eine befriedigende Ratingnote. Banken sind hinsichtlich der Geschäftsbeziehung meist nur an Teilbereichen interessiert. Sie befinden sich aber bereits im Bereich „Nicht-Investmentgrad.“ Die Anforderungen an die Banken, vermehrt Unterlagen und Sicherheiten einzufordern, erhöhen sich. Ihre Verhandlungssituation ist durchaus noch befriedigend, spätestens jetzt sollten Sie jedoch massiv nach Verbesserungen im eigenen Unternehmen und der Finanzierung suchen.


  • Stufe 5

Ihr Unternehmen befindet sich im Graubereich der Ratingskalen. Für einige Banken ist dies noch ausreichend, andere ordnen dies bereits kritisch ein. Die Bank nimmt Sie ab sofort genau unter die Lupe und prüft Sie penibel. Die Bank wird sich, hinsichtlich eines positiven Finanzierungsbescheides, das Risiko über einen höheren Zinssatz bezahlen lassen und eine weitestgehende Besicherung einfordern. Ihre Verhandlungsposition ist eher eingeschränkt. Sie laufen Gefahr, dass Ihre Bank Krediterhöhungen nicht mehr unbedingt mittragen wird. Auf der Stufe 5 wird Ihr Unternehmen bei manchen Kreditinstituten bereits zu den Risiko-Engagements gezählt. Sprechen Sie mit Ihrer Bank offen darüber, welche Voraussetzungen aus deren Sicht für die weitere Finanzierung erfüllt sein sollten. Nutzen Sie gegebenenfalls externe Unterstützung, um Verbesserungspotenziale im Unternehmen und in der Finanzierung zu erkennen und gezielt umzusetzen. Die Erstellung eines Sanierungskonzeptes kann hierbei zielführend und hilfreich sein.          


  • Stufe 6

Ihr Unternehmen hat eine ungenügende Ratingstufe. Die Bank hält Ihr Kreditausfallrisiko für sehr groß und bezieht die Möglichkeit einer Insolvenz Ihres Unternehmens in ihre Überlegungen mit ein. Sie stehen einer äußerst skeptischen Bank gegenüber. In der Regel werden Sie bereits von der Abteilung „Intensivbetreuung“ oder „Sanierungsengagements“ betreut. Ihre Bank wird bemüht sein, die bestehenden Kreditlinien zu reduzieren und gleichzeitig zusätzliche Sicherheiten fordern. Neue Kredite werden Sie ggf. noch als Sanierungskredit erhalten. Als Grundlage dafür wird Ihre Bank erfahrungsgemäß ein Sanierungskonzept verlangen.


  • Stufe 7

Ihr Unternehmen ist für Ihre Bank ein Sanierungs-Engagement. Ein Sanierungskonzept durch einen externen Sachverständigen wird benötigt. Die Bank wird je nach Bewertung des von Ihnen vorgelegten Sanierungskonzeptes entscheiden, ob Sie die Sanierung für erfolgversprechend ansieht und begleiten wird, oder Ihnen die Kredite kündigt.


Wie kann ich mein Rating verbessern?

Die Bildung der Ratingnote ist ein laufender Prozess, welcher Jahr für Jahr neu stattfindet. Optimalerweise stimmt man sich mit dem Firmenkundenbetreuer ab, welche Unterlagen er benötigt.


Pauschal das Rating verbessern können folgende Maßnahmen:


  • Erstellung eines Notfallkoffers für den Ausfall des Unternehmers
  • Die Weichen für die Nachfolge stellen
  • Die strategische Ausrichtung des Unternehmens verbessern und so nachhaltig den Gewinn steigern
  • Kosten senken
  • Die Eigenkapitalsituation verbessern
  • Prozesse und Abläufe im Betrieb optimieren, um den Gewinn zu erhöhen
  • Die Kontoführung verbessern (gerade bei Sparkassen zerstört eine Kontokorrentüberziehung das Rating)
  • Controlling einführen
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Alexander Ruck | AR Consulting & Controlling

Finanzierung in Sicht? Wie kreditwürdig ist Ihre Firma?

Die Kreditwürdigkeit ist eine tragende Säule jedes Unternehmens. Was Unternehmer über Kreditinstitute wissen müssen, um erfolgreich zu wirtschaften, erklärt Alexander Ruck in seinem Expertenwissen.

Neue Maschinen anschaffen, Materialien für Großprojekte einkaufen oder ein Digitalisierungsprojekt starten. Nur drei von vielen Gründen, warum Betriebe bei Banken und Sparkassen Kredite anfragen.

Doch längst nicht immer vergibt das Kreditinstitut den erhofften Kredit oder bietet ihn nur zu schlechten Konditionen an. Die Gründe hierfür sind für Unternehmer selten nachvollziehbar.

Schuld an dieser Situation ist ihr Rating bei der Bank!

Generell empfiehlt es sich für Unternehmer, jährlich mit dem Firmenkundenberater über das eigene Rating zu sprechen, damit die gewünschte Kreditierung reibungsfrei zu guten Konditionen erfolgt. 


Was ist eigentlich Rating?

Bevor Banken und Sparkassen einen Kredit vergeben, machen sie sich ein Bild von der finanziellen Situation des Unternehmens. Dieses Verfahren der Unternehmensbewertung wird Rating genannt.


Das Ergebnis:

Eine Note, welche Auskunft gibt über die Kreditwürdigkeit und Bonität des Unternehmens.

Dabei wird im Rahmen eines Ratings die sogenannte Ausfallwahrscheinlichkeit beziffert, welche abschätzen soll, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Sie in einem Jahr insolvent gehen können und somit folglich den Kredit nicht mehr zurückbezahlen können.


Welche Bedeutung haben Ratingnoten im Zusammenhang mit einem Kredit?

Von der Ratingnote hängt maßgeblich ab, ob das Geldinstitut einem Unternehmen einen Kredit gibt. Außerdem fließen die Ergebnisse des Ratings mitunter in die Zinsbildung eines Kredites ein.

Mit anderen Worten: Schneidet ein Unternehmen beim Rating gut ab, ist die Aussicht auf gute Zinskonditionen hoch, da es als sehr kreditwürdig eingestuft wird. Weitere Gründe, welche sich auf die Zinsbildung und die Kreditvergabe auswirken sind die Sicherheitenstruktur und die Gestaltung der Finanzierung.

Gerade im Zinsbereich für Kontokorrentzinsen ist die Spreizung in den vergangenen Jahren größer geworden. Gut aufgestellte Unternehmen erfreuen sich über eine drei vor dem Komma, während viele andere Betriebe noch bis zu 10 Prozent Zinsen bezahlen.

Das Rating spielt auch bei weiteren Entscheidungen eine wichtige Rolle, wie der Verlängerung oder Erhöhung von Krediten. 


Müssen Banken ihren Kunden die Ratingnote mitteilen?

Gesetzlich verpflichtet dazu sind sie nicht. Das bedeutet, dass sie unaufgefordert keine Auskunft geben. Als Unternehmer sollten sie sich aber jährlich über Ihre Ratingnote und deren Zusammensetzung informieren.


Was habe ich als Unternehmer davon, wenn ich meine Ratingnote kenne?

Sie erhalten dadurch einen ersten Überblick, für wie kreditwürdig die Bank Sie hält und wie die Bank das Engagement mit Ihnen sieht. Dadurch können Sie auch Ihre Verhandlungsposition gegenüber der Bank einschätzen. Des Weiteren gibt die Ratingnote Aufschluss, wo Sie zusätzliche Optimierungspotentiale in Ihrem Betrieb finden.


Wie kann man Ratingnoten vergleichen?

Nicht ganz einfach, da die Banken mit unterschiedlichen Notensystemen arbeiten.

In der folgenden Übersicht habe ich die Ratingstufen von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und der Commerzbank gegenübergestellt.


Das bedeuten die verschiedenen Ratingstufen



  • Stufe 1

Ihr Unternehmen verfügt über die höchste Bonität und das beste Rating. Mit dieser Ratingnote verfügen Sie über die beste Verhandlungsgrundlage in Kreditgesprächen.


  • Stufe 2

Ihr Unternehmen verfügt über eine sehr gute Bonität und ein sehr gutes Rating. Banken sind an Geschäftsbeziehungen mit Ihnen sehr stark interessiert und Sie verfügen über eine sehr gute Verhandlungsposition.  


  • Stufe 3

Ihr Unternehmen verfügt über eine gute Bonität und ein gutes Rating. Die Bank ist an der Geschäftsbeziehung mit Ihnen interessiert. Sie können mit guten Konditionen rechnen und werden als Verhandlungspartner akzeptiert. Mit diesen Ratingnoten sind Sie auch für andere Banken interessant, müssen aber vermutlich mehr Sicherheiten anbieten als in Stufe 2. Sie befinden sich im positiven Bewertungsbereich „Investmentgrad“. Ihre Position ist erfolgsversprechend. Suchen Sie aber im Unternehmen und in der Finanzierung nach weiterem Verbesserungspotentialen.


  • Stufe 4

Ihr Unternehmen verfügt über eine befriedigende Ratingnote. Banken sind hinsichtlich der Geschäftsbeziehung meist nur an Teilbereichen interessiert. Sie befinden sich aber bereits im Bereich „Nicht-Investmentgrad.“ Die Anforderungen an die Banken, vermehrt Unterlagen und Sicherheiten einzufordern, erhöhen sich. Ihre Verhandlungssituation ist durchaus noch befriedigend, spätestens jetzt sollten Sie jedoch massiv nach Verbesserungen im eigenen Unternehmen und der Finanzierung suchen.


  • Stufe 5

Ihr Unternehmen befindet sich im Graubereich der Ratingskalen. Für einige Banken ist dies noch ausreichend, andere ordnen dies bereits kritisch ein. Die Bank nimmt Sie ab sofort genau unter die Lupe und prüft Sie penibel. Die Bank wird sich, hinsichtlich eines positiven Finanzierungsbescheides, das Risiko über einen höheren Zinssatz bezahlen lassen und eine weitestgehende Besicherung einfordern. Ihre Verhandlungsposition ist eher eingeschränkt. Sie laufen Gefahr, dass Ihre Bank Krediterhöhungen nicht mehr unbedingt mittragen wird. Auf der Stufe 5 wird Ihr Unternehmen bei manchen Kreditinstituten bereits zu den Risiko-Engagements gezählt. Sprechen Sie mit Ihrer Bank offen darüber, welche Voraussetzungen aus deren Sicht für die weitere Finanzierung erfüllt sein sollten. Nutzen Sie gegebenenfalls externe Unterstützung, um Verbesserungspotenziale im Unternehmen und in der Finanzierung zu erkennen und gezielt umzusetzen. Die Erstellung eines Sanierungskonzeptes kann hierbei zielführend und hilfreich sein.          


  • Stufe 6

Ihr Unternehmen hat eine ungenügende Ratingstufe. Die Bank hält Ihr Kreditausfallrisiko für sehr groß und bezieht die Möglichkeit einer Insolvenz Ihres Unternehmens in ihre Überlegungen mit ein. Sie stehen einer äußerst skeptischen Bank gegenüber. In der Regel werden Sie bereits von der Abteilung „Intensivbetreuung“ oder „Sanierungsengagements“ betreut. Ihre Bank wird bemüht sein, die bestehenden Kreditlinien zu reduzieren und gleichzeitig zusätzliche Sicherheiten fordern. Neue Kredite werden Sie ggf. noch als Sanierungskredit erhalten. Als Grundlage dafür wird Ihre Bank erfahrungsgemäß ein Sanierungskonzept verlangen.


  • Stufe 7

Ihr Unternehmen ist für Ihre Bank ein Sanierungs-Engagement. Ein Sanierungskonzept durch einen externen Sachverständigen wird benötigt. Die Bank wird je nach Bewertung des von Ihnen vorgelegten Sanierungskonzeptes entscheiden, ob Sie die Sanierung für erfolgversprechend ansieht und begleiten wird, oder Ihnen die Kredite kündigt.


Wie kann ich mein Rating verbessern?

Die Bildung der Ratingnote ist ein laufender Prozess, welcher Jahr für Jahr neu stattfindet. Optimalerweise stimmt man sich mit dem Firmenkundenbetreuer ab, welche Unterlagen er benötigt.


Pauschal das Rating verbessern können folgende Maßnahmen:


  • Erstellung eines Notfallkoffers für den Ausfall des Unternehmers
  • Die Weichen für die Nachfolge stellen
  • Die strategische Ausrichtung des Unternehmens verbessern und so nachhaltig den Gewinn steigern
  • Kosten senken
  • Die Eigenkapitalsituation verbessern
  • Prozesse und Abläufe im Betrieb optimieren, um den Gewinn zu erhöhen
  • Die Kontoführung verbessern (gerade bei Sparkassen zerstört eine Kontokorrentüberziehung das Rating)
  • Controlling einführen
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